Schach und Wunschdenken


Die Front einfrieren In Alaska will sich Donald Trump mit Wladimir Putin treffen. Nach der Meinung westlicher Medien soll er dabei nichts anbieten, sondern nur Forderungen stellen. Politiker, die so etwas wirklich für möglich halten, haben den falschen Beruf gewählt.

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Die Ausgangssituation

Kurz nach seinem Amstrantritt hat Donald Trump versucht, starken Druck auf die Ukraine auszuüben, um deren Führung zu einem Kompromiss zu bewegen, der ein Ende des russischen Krieges gegen das Land ermöglicht hätte. Obwohl sich Trump gegenüber der Ukraine in einer Position überwältigender Stärke befand, ist er mit diesem Vorhaben gescheitert. Das lag daran, dass europäische Staaten die kompromisslose Haltung des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj unterstützt haben, vermutlich aber auch daran, dass zu viele republikanische Kongressabgeordnete, insbesondere Senatoren, diese Politik ebenfalls ablehnten. Trump brauchte die Senatoren für die Unterstützung anderer Projekte. Der Ukraine-Krieg hatte keine derart hohe Priorität für ihn, dass er erhebliches politisches Kapital für dessen Beendigung investiert hätte. Stattdessen versuchte Trump in der Folge, die Rolle der USA in diesem Krieg so weit wie möglich zu verringern, insbesondere, ihr finanzielles Engagement.

In der Folge entwickelte sich die militärische Situation noch weiter zu Ungunsten der Ukraine, zuletzt mit zunehmender Geschwindigkeit. Die ukrainische Luftverteidigung ist erheblich überlastet. Selbst im Raum Kiew trifft ein gewisser Anteil sehr billiger Drohnen ihre Ziele. Im Frontbereich hat Russland bewaffnete Drohnen eingeführt, die über dünne Glasfaserkabel gesteuert werden und daher nicht mehr mit Mitteln der elektronischen Kriegsführung außer Gefecht zu setzen sind. Dadurch sind der ukrainische Nachschub, die Truppenablösung und der Abtransport Verwundeter von der Frontlinie ins Hinterland extrem gefährlich geworden. Zudem kann die Ukraine ihre Verluste weder qualitativ noch quantitativ ersetzen. Die Kampfkraft der ukrainischen Truppen lässt daher immer weiter nach. Russische Stoßtrupps sichern durch die dünn besetzte Frontlinie. Zuletzt gelang der russischen Seite ein operativer Durchbruch nördlich von Pokrowsk in den Rücken von Konstjantyniwka. Die Lage an der Donbassfront ist selbst nach Bekunden westlicher Militärexperten prekär. Mitb einer weiteren Verschlechterung ist zu rechnen.

Ein Zusammenbruch der Ukraine, die in ihrer Kriegsführung nach wie vor auch von den USA unterstützt wird, wäre ein erheblicher Gesichtsverlust auch für Trump persönlich. Zudem würde er ihn auch in den USA erheblich an politischen Kapital kosten. Obwohl die prekäre Lage der Ukraine hauptsächlich die Folge eines erfolgreichen russischen Abnutzungskriegs ist und wenig mit der seit Trumps Antritt verringerten US-Unterstützung zu tun hat, würde ihm ein Teil der Verantwortung anhaften. Deshalb ist der Ukraine-Krieg auf Trumps Prioritätenliste wieder nach oben gerückt.

Vorfeld der Verhandlungen

Deshalb hat Trump die Initiative zu direkten Verhandlungen mit Putin ergriffen. Zu diesem Zweck hat er zunächst seinen Sondergesandten Witkoff nach Moskau geschickt, der dort dem Vernehmen nach in Aussicht gestellt hat, dass das westliche Lager russischen territorialen Zielen, insbesondere in der Region Donzek entgegenkommt. Wie schon in den Wochen nach Trumps Amtsantritt bestärken europäische Staatsführer Selenskyj darin, dieser Lösung Widerstand entgegenzusetzen. Da Trump sein Ziel nicht ohne das Einverständnis Selenskyjs erreichen kann, musste er sich wohl oder übel zumindest per Video mit seinen Gegnern im westlichen Lager und mit Selenskyj treffen. Auch in dieser Richtung musste er Zugeständnisse machen, was ihn in die Lage bringt, der russischen und der europäisch-ukrainischen Seite im Vorfeld der Verhandlungen unterschiedliche Dinge in Aussicht gestellt zu haben.

Zwar sind Trumps Worte notorisch unzuverlässig, was alle Seiten auch wissen. Um eine Einigung zu erzielen, müsste er die Lücke dennoch überbrücken. Das kann nur gelingen, wenn mindestens eine Seite Zugeständnisse macht, die im Vergleich zu ihrer bisherigen Position sehr weitreichend sind. Um einen völligen Gesichtsverlust zu vermeiden, müssten diese Zugeständnisse sorgfältig kaschiert werden.

Das Kräfteverhältnis

Westliche Politiker und insbesondere Journalisten tun so. als ob es nur an dem Willen Trumps liegen würde, Druck auf Putin auszuüben. Welche Druckmittel hat er? Militärische Mittel kommen nicht in Frage. Selbst Biden, der noch im Kalten Krieg lebte und aufgrund seiner Rolle 2013-2015 im Ukraine-Konflikt sich auch persönlich unbeduingt gegen Putin durchsetzen wollte, schreckte vor einer Eskalation durch Lieferung weitreichender Waffensysteme zurück.

Wirtschaftliche Druckmittel stehen dem Westen kaum noch zur Verfügung. Alle Vermögenswerte des russischen Staates im Westen sind bereits eingefroren. Der Handel zwischen Russland und westlichen Staaten ist auf einem so geringen Niveau, dass ein völliges Stopp Russland wenig beeindrucken würde. Was westliche Länder noch in Russland kaufen, ist als Import für diese wichtiger denn es als Export für Russland ist. Nichtwestliche Länder sind angesichts des Kräfteverhältnisses in diesem Krieg und des daher zu erwartenden Ausgangs immer weniger bereit, sich gegen Russland zu stellen.

Die Idee von Sekundärsanktionen gegen Abnehmer russischer Energieträger ist geplatzt. Weder Indien noch China sind gewillt, sich mit Russland zu überwerfen. China hat mit ungewöhnlicher Offenheit gegenüber der EU verlauten lassen, dass es eine Niederlage Russland im Ukraine-Krieg vermeiden möchte. Die Haltung Indiens und Chinas, welche die russischen Staatseinnahmen in ausreichenden Maße absichert, um den Abnutzungskrieg weiterzuführen, dürfte auch der Grund sein, warum Trump nun doch verhandeln will.

Es ergibt aus US-amerikanischer Sicht auch keinen Sinn, die Außenpolitik gegenüber Indien und China im Allgemeinen und die Außenwirtschaftspolitik im Besonderen an den Interessen der Ukraine auszurichten. Diese Länder sind sehr viel größer und bedeutender als die Ukraine, gerade auch für die USA. Die EU ist von Bedeutung für die USA, aber sie hat ihrerseits keine ausreichenden Druckmittel.

Die Zeit läuft für Putin und er weiß das auch. Putin muss keinerlei Zugeständnisse machen. Er wird es nur tun, wenn er im Gegenzug Zugeständnisse erhält, die er für mindestens gleichwertig hält. Umgekehrt braucht die Ukraine unbedingt zeitnah einen Waffenstillstand. Auch das weiß Putin. Es treibt den Preis hoch, den die westlich-ukrainische Seite für eine Einigung zahlen müsste.

Stand der Vorverhandlungen

Auf den Stand der Vorverhandlungen und die roten Linien beider Seiten kann man nur indirekt schließen. Bisherige Verlautbarungen lassen vermuten, dass die USA bereit wären, Russland die gesamte Region Donezk im Austausch gegen die Freigabe gewisser anderer besetzter ukrainischer Gebiete zu überlassen. Dazu ist die ukrainische Führung nicht bereit, obwohl unsicher ist, ob sie die noch von ihr kontrollierten Teil der Region noch lange wird halten können. In jedem Fall ist eine gewaltlose Preisgabe ukrainischen Territoriums unterhalb einer regelrechten Kapitulation nicht zu haben. Das wird Putin auch wissen.

Auch in eventuellen Friedensverhandlungen nach einem Waffenstillstand ist nicht zu erwarten, dass die Ukraine völkerrechtlich auf irgendwelche Teile ihres Staatsgebietes verzichtet, auch nicht auf diejenigen, die Russland derzeit kontrolliert und die von den ukrainischen Streitkräften auf mindestens ein Jahrzehnt nicht zurückerobert werden könnten. Die Ukraine und der Westen möchten also einen Waffenstillstand, welcher der Ukraine eine Pause zur Wiederaufrüstung gibt, während sie weiterhin das Ziel hat, ihr Staatsgebiet von Russland zurückzuerobern. Russland wird sich auf so einen Waffenstillstand nur dann einlassen, wen Putin sich sicher ist, dass diese Haltung nur ein Instrument der Gesichtswahrung für die Ukraine und den Westen ist. Wenn Putin auch nur ein kleines Risiko sieht, dass die Ukraine im Einvernehmen mit dem Westen Russland irgendwann angreifen wird, ist es aus seiner Sicht günstiger, die ukrainischen Streitkräfte weiter abzunutzen, zumal die demogreaphische Situation der Ukraine ohnehin prekär ist. Russland kann in diesem Krieg erreichen, dass die Ukraine auf absehbare Zeit strukturell nicht in der Lage sein wird, Revanche zu nehmen.

Auf die Gespräche in Alaska hat sich Putin eingelassen um entweder nur Gesprächsbereitschaft zu signalisieren, weil er weiß, dass die Gespräche ohnehin wegen der Uneinigkeit der westlich-ukrainischen Seite bezüglich möglicher Zugeständnisse scheitern werden oder weil Putin glaubt, dass er hinreichende Zugeständnisse bekommt.

Für Putin bedeutet es einen gewissen Gesichtsverlust, den Krieg zu beenden, ohne die vier formell annektierten Regionen vollständig zu annektieren. Andererseits ist die Eroberung der Städte Cherson und Saporischschije ohne einen Zusammenbruch der Ukraine undenkbar. Putin könnte daher sogar bereit sein, den Krieg an der gegenwärtigen Frontlinie einzufrieren. Bereitschaft dazu haben auch die europäischen Staatsführer und sogar Selenskyj signalisiert. Das erfordert allerdings, dass der Westen Russland in anderen Punkten weit entgegenkommt, so dass Putin diese Einigung auch in Russland als Sieg verkaufen kann.

In den letzten Wochen ist von europäischer Seite nicht mehr betont worden, dass die Perspektive einer NATO-Mitgliedschaft für die Ukraine bestehen bleiben muss. Das allein wird nicht ausreichen, damit Russland einem Waffenstillstand zustimmt, der in der gegenwärtigen Situation extrem vorteilhaft für die Ukraine wäre.

Was zu erwarten ist

Die Positionen sind aus meiner Sicht zu weit voneinander entfernt, als dass morgen ein Durchbruch zu erwarten ist. Putin wird versuchen, die Tür nicht völlig zu schließen. Das ist auch im Interesse Trumps. Anzunehmen ist daher, dass dieses Treffen lediglich ein gesichtswahrender Ausweg für Trump sein wird, um das Scheitern seiner Strategie von Sekundärsanktionen zu kaschieren. Das sind schlechte Nachrichten für die Ukraine. Diese braucht einen Waffenstillstand so schnell wie möglich. Sie kann diesen aber nicht erwarten, wenn ihre Führung nicht selbst zu weitreichenden Zugeständnissen bereit ist.


78 Antworten zu “Schach und Wunschdenken”

  1. Ich denke auch, da wird nichts Gescheites dabei raus kommen.

    Sie schreiben ja selbst:

    «Für Putin bedeutet es einen gewissen Gesichtsverlust, den Krieg zu beenden, ohne die vier formell annektierten Regionen vollständig zu annektieren. Andererseits ist die Eroberung der Städte Cherson und Saporischschije ohne einen Zusammenbruch der Ukraine undenkbar.»

    Also wird P. darauf bestehen. Und S. kann das nicht akzeptieren. Kein Staatsoberhaupt koennte das. Da kann er auch gleich mit der weissen Fahne wedeln.

    Und T. wird, alles, mit dem er zuvor gedroht hat, wohl wieder vergessen haben. Und vielleicht kommt’s ja zu einem schoenen Rohstoffdeal.

    Tja, bei so einem wichtigen Treffen will man als Experte nicht im Abseits stehen. Irgendwie geht’s halt dann doch. 😉

    Herzlichen Dank! Ich hoffe, dass da endlich wieder Leben in die Diskussion kommt. Ferien muessen ja mal zu Ende sein.

  2. Der Anfang war schon mal historisch. Perfekte Show. Verurteilter Straftaeter trifft (mutmaszlichen) Kriegsverbrecher. (Und da meine ich jetzt ausnahmsweise mal nicht Bibi.)

    Aber lassen Sie sich nicht bei der Korrektur Ihrer 99 Klausurarbeiten stoeren 😉

    • Niemand hindert Fritze Merz und co. in ein Flugzeug Richtung Moskau zu steigen, außer die eigene Hybris.

      Sie können sich auch weiterhin an ihrer Tafelrunde zu Bruxel treffen, die schöne Kaja hat das 19.Sanktionspaket schon in Arbeit.

      Frei nach Victor Orban.

      Donald Trump hat seine Einladung nach Moskau bekommen.

      Es geht immer noch und immer weiter um den Inhalt des *Vertragsentwurfs* vom Dezember 2021, eine neue Friedensordnung in Europa und eine multiplare Ordnung mit den USA.

      Putin hat wenn mich nicht alles täuscht auch ein Sowjetisch-Amerikanisches Denkmal in Magada und Gräber sowjetischer Soldaten in der Stadt Anchorage geehrt.

      Nebenbei hat Tulsi Gabbard im Vorfeld feststellen lassen das *Russiagate* eine Erfindung der Demokraten unter Obama und Clinton war.

      *Denn den Schaden, wenn sich die beiden in der Koenigsklasse die Baelle zuschieben, haben am Ende wir, die einfache Bevoelkerung Europas…*

      Die jetzige und zukünftige Königsklasse sitzt in China, vielleicht auch Indien.

      Mir fehlen zum *Schach und Wunschdenken* noch die eingefrorenen Gelder Russlands, welche nach einem Friedensschluß wunderbar in der Gesamtukraine eingesetzt werden könnten, so gewollt. Könnte das gut angelegtes Kapital sein?

      РОССИЯ oder CCCP, was stand nun auf dem Trollpulover des Lawrow?

      • Rossia oder SSSR…

        Dass, wir Russen, die wahren und einzigen berechtigten Erbfolger der Sowjetunion sind und die in ihrer ganzen glaenzenden Groesse und unter unserer Fuehrung (versteht sich) zurueck haben wollen?

      • In dem Video sind die Buchstaben ´cCC´ zu erkennen, ´РОССИЯ´ scheidet also aus. ´CCCP´ würde man komplett in Großbuchstaben schreiben, scheidet dann auch aus, außer es handelt sich um einen Dreckfuhler. Vielleicht ist die italienische Band CCCP gemeint & die herrliche westliche Aufregung ist ganz umsonst. In dem Songtext heißt es ´un’erezione triste´, wie passend 😊

      • ++ Mir fehlen zum *Schach und Wunschdenken* noch die eingefrorenen Gelder Russlands, welche nach einem Friedensschluß wunderbar in der Gesamtukraine eingesetzt werden könnten, so gewollt. Könnte das gut angelegtes Kapital sein? ++

        Mit den üblichen Verdächtigen an der Spitze sicherlich nicht & auch nicht mit den Faschos in allen möglichen Institutionen (Polizei, Geheimdienst, Armee usw.). Die größte Herausforderung nach Beendigung des Krieges wird der Lustrationsprozess sein, wenn die Ukraine kein Failed State bleiben soll.

      • Tja, wenn Sie perplexity.ai fragen, ob es Fotos gibt, die die Behauptung belegen würden, auf seinem Sweatshirt habe CCCP gestanden, dann sagt die AI erst einmal ja und bietet Fotos und einen Videoclip an, auf dem man nur sieht, dass die mittleren Buchstaben «CC» sind. Wenn Sie darauf hinweisen, dass das Wort auch РОССИЯ lauten könnte, gibt die AI das zu und dass es nur Spekulation sei, das auf dem Sweatshirt «CCCP» stünde. Wenn Sie perplexity dann mit der Nase in das Häufchen tunken und sagen, dass die erste Antwort ja wohl eine voreiliger Schluss gewesen sei, dann lauten die letzten beiden Sätze der kurzen dritten Antwort kleinlaut: «Daher habe ich in meiner früheren Antwort übertrieben – es gibt keine schlüssigen Beweise für diese Behauptung. Ihre Skepsis ist berechtigt.»

        Es gibt halt auch solche zu kaufen.

    • @izi
      «Laut DeepStateMap hat die ukrainische Seite den russischen taktischen Durchbruch nördlich von Pokrowsk eingehegt.»
      Nicht nur das.
      MDR Aktuell berichtet:

      Die ukrainische Armee hat nach eigenen Angaben am Freitag sechs Dörfer in der Region Donezk zurückerobert. Wie die ukrainische Armee auf Telegram schrieb, setzte die Aufklärungskompanie der 93. Brigade «Cholodnyj Jar» dabei auch verschiedene unbemannte Waffensysteme ein, unter anderem «bodengestützte Angriffsroboter», die mit Maschinengewehren ausgerüstet seien.

      Vielleicht braucht die Ukraine wirklich keine Soldaten mehr.
      Sind wir Zeugen, wie die nächsten Kriege geführt werden?
      Und vielleicht ist Dt. da auch schon voll mit dabei.
      Die Ukraine als Experimentierfeld für neue Technologien.
      Und es muss noch nicht mal ein deutscher Soldat sein Leben lassen.
      Nur Ukrainer und Russen.
      Das ist genial. 🤢🥶😰

  3. *** Im Telefonat habe Trump Selenskyj nach dessen Angaben nach Washington eingeladen. «Alle Details über das Ende der Morde, über das Ende des Krieges werde ich mit Präsident Trump in Washington am Montag besprechen», schrieb Selenskyj. ***

    vom *ÄmDeeÄR*-Live-Ticker.

  4. Was es angeblich beim Dinner zu essen gab:

    Grüner Salat mit Champagnerdressing, Brot mit Zitronen-Rosen-Röstöl, Filet-Minyon-Steaks vom Rind in Brandy-Pfeffer-Sauce oder Heilbutt nach klassischem alaskischem Rezept, sowie Kartoffelpüree mit Butter und gebratenem Spargel. Creme Brulee als Dessert. Die katalonische Regionalregierung wird eine scharfe Note schicken.

    Wir lernen: Weder Trump noch Putin ist ein Vegetarier.

    Leute vom State Department sollen im Hotel ein paar Dokumente auf dem öffentlichen Drucker ausgedruckt und in der Eile liegengelassen haben. Behauptet das US-amerikanische National Public Radio.

  5. Laut der New York Times wird Trump am Montag Selenskyj die folgenden beiden Vorschläge machen:

    1. Eintritt in Friedensverhandlungen ohne vorherigen Waffenstillstand

    2. Schneller Abschluss der Friedensverhandlungen durch Aufgabe der bisher noch nicht russisch besetzten Teile der Regionen Donezk und Luhansk.

    Selenkskyj wird Punkt 2 (vorerst) vermeiden können, riskiert aber damit, dass sich die Verhandlungen länger hinziehen, als die Ukraine sich das leisten kann – oder sogar länger als sie noch Teile des Donbass halten kann.

    Wenn Selenskyj Punkt 1 ablehnt, wird Trump sich zu keinerlei Sanktionen oder anderen Strafmassnahmen gegenüber Russland gedrängt fühlen.

    Selenskyj wird versuchen, nur ein direktes Gespräch mit Putin zu führen. Putin wird verlangen, dass zunächst die Delegationen zu einem weitgehend fertigen Vetragsentwurf gelangen, so wie das üblich ist. Nur die Details, bei denen man sich partout nicht einigen kann, verhandeln dann die Staatsführer.

  6. Putin hat in Anchorage die größte Schwäche von Trump ausgenutzt. Das erforderte keine besonders hohe Intelligenz, weil diese Schwäche weithin bekannt ist: Trump kann keine Niederlage eingestehen.

    Deshalb konnte ihm Putin in den Verhandlungen eine solche beibringen, ohne schwere diplomatische Konsequenzen befürchten zu müssen.

    Die wichtigste Eigenschaft eines Spitzenpolitikers (oder überhaupt in Machtkämpfen) ist, das man «durch nichts genommen werden kann», nicht durch persönliche Vor- oder Nachteile, nicht durch seine eigene Eitelkeit, nicht durch seine eigene Angst. In dieser Hinsicht ist Trump kein ebenbürtiger Gegner für Putin.

    • @izi
      Da werden Sie schon Recht haben.
      Man muss aber bei eitlen und von ihrer eigenen Größe verblendeten Menschen auch höllisch aufpassen.
      Das kann dann urplötzlich ins Gegenteil umschlagen und alles bis dahin erreichte ist dann Makulatur.

    • @izi

      Man muss nicht gleich vor P. in Ehrfurcht erstarren, weil der gegen T. – der abends nicht mehr weiss, was er morgens angedroht hat – einen Punkt gemacht hat, wenn man doch weiss, dass P. ein Arschloch ist.

      • Sie verkennen, dass T der «Führer der freeien Welt» ist. Das hat erstens Konsequenzen – die europäischen Staatsführer reden nun auch nicht mehr von einem Waffenstillstand aals Vorbedingungn für Friedensverhandlungen. Zweitens und vor allem hat es aber einen Grund und der liegt im allgemeinen politischen Zustand des westlichen Lagers.

        Dass P jetzt triumphiert, ist nicht nur das Ergebnis von Ts Schwächen. Daran haben viele westliche (und ukrainische) Politiker mit einer jahrelangen Reihe von Fehlentscheidungen ihren Anteil.

        • «Daran haben viele westliche (und ukrainische) Politiker mit einer jahrelangen Reihe von Fehlentscheidungen ihren Anteil.»

          Da gehe ich ja mit. Aber deswegen muss man P. doch keine Elogen machen.

          Aus meiner Sicht, ist der ein – aus seiner Sicht – auf der polit. Weltbuehne zu kurz gekommener – skrupelloser Machtpolitiker, der die Schwaechen und Abhaengigkeiten anderer gewissenlos ausnutzt und dabei auch ueber Leichen geht.

          Also insofern viele Gemeinsamkeiten mit T., nur dass T. – altersbedingt – langsam, aber sicher, dem senilen Sleepy Joe bald das Wasser reichen kann.

          Das Narrativ, dass P. besonders intelligent sein soll, weil der ellenlang die Geschichte Russlands subjektiv runterleiern kann, damit kann der vielleicht Tucker Carlson beeindrucken und paar alternative Wahrheitssucher, aber sonst so?

          • «skrupelloser Machtpolitiker, der die Schwaechen und Abhaengigkeiten anderer gewissenlos ausnutzt und dabei auch ueber Leichen geht.»

            Also, kurz gesagt, ein Staatsführer.

            Und wenn Sie das zu flapsig finden, brauche ich nur zwei Wörter:

            Obama

            und

            Drohnenkrieg

            • «Und wenn Sie das zu flapsig finden…»

              Noe, wieso?

              Aber einer mit zuviel Macht.

              Und meinetwegen nehm’Se auch noch den Obama dazu. Da waren wohl auch bei Ihnen die Erwartungen zu hoch 😉

              • «Da waren wohl auch bei Ihnen die Erwartungen zu hoch»

                Zugegeben. Ich hatte gehofft, er könne ein Jimmy Carter werden. Die USA hatten selten Präsidenten mit so einer Ausstrahlung und Würde wie Barack Obama. Aber was dann herausgekommen ist, überzeugte (ausser beim Thema Krankenversicherung) nicht.

      • «Wurde deswegen das angekündigte 4-Augen-Gespräch in das 6er-Treffen verlegt?»

        Das wird niemand bestätigen, aber ich denke schon.

        «Warum war JD nicht dabei?»

        Schonung. Er soll als Nachfolger aufgebaut werden und bei dem Treffen war nichts zu gewinnen (wiewohl es nötig war).

  7. izi
    «Andererseits ist die Eroberung der Städte Cherson und Saporischschije ohne einen Zusammenbruch der Ukraine undenkbar.»
    Warum wäre das so?
    Selbst wenn die 4 Republiken in Gänze an Russland fielen, wäre doch die Ukraine als Staat noch existent.

    «Das sind schlechte Nachrichten für die Ukraine. Diese braucht einen Waffenstillstand so schnell wie möglich. Sie kann diesen aber nicht erwarten, wenn ihre Führung nicht selbst zu weitreichenden Zugeständnissen bereit ist.»
    Das wird aber auch schon längere Zeit behauptet
    Mittlerweile haben die Ukrainer schon Kamproboter, die bei der Rückeroberung eine wichtige Rolle gespielt haben sollen.
    Dann gibt es die Sapsan, eine ukrainische Entwicklung.
    Auf der Seite unserer Sicherheitsexperten geht man auch nicht von «so schnell wie möglich aus».
    Ich habe mir das heute den Tag lang angetan.
    Natürlich kann es auch so aussehen, wie damals in Afghanistan, und dann war Kabul plötzlich eingenommen.
    Und so lange an der Heimatfront Ruhe ist, hat Dt. auch keine Eile.
    Und die anderen EU Staaten auch nicht.

    • «Warum wäre das so?»

      Ich meine das so, dass diese grossen Städte nicht erobert werden können, ohne dass die Ukraine vorher zusammenbricht, zumindest militärisch.

      Das war bei Cherson mit dem Uebrraschungsmoment des Kriegsanfangs gegen unerfahrene ukrainische Truppen möglich. Dem Vernehmen nach spielte damal aber auch Verrat eine Rolle. Es hat schon damals bei keiner anderen grossen ukrainisc hen Stadt geklappt, nicht mal bei Mykolajiw.

  8. Was einen möglichen Gebietstausch angeht, so habe ich in einem eher zähen Austausch perplexity.ai danach ausgefragt, welche Seite wie viel Territorium kontrolliert, das in Frage kommt. Die Zahlen am Ende sind plausibel.

    Russland kontrolliert derzeit insgesamt 900 km2 in den Regionen Sumy und Charkiw. Die grösste Stadt ist Wowtschansk mit ehemal etwa 19’000 Einwohnern vor dem Krieg, das allerdings völlig zerstört und nur teilweise russisch besetzt ist.

    Die Ukraine kontrolliert noch 6’600 km2 in den Regionen Luhansk und hauptsächlich Donetsk. Darunter sind die stark befestigten Städte Pokrowsk 60’00), Konstjantiniwka (8’000), Kramatorsk (140’000) und Slowjansk (105’000).

    Dieser Tausch wird nicht stattfinden, wenn es in diesem Gebiet während der Verhandlungen keine bedeutenden weiteren russischen Eroberungen gibt oder die Ukraine wirklich am Ende ihrer Kräfte ist.

    • Diese Information lässt sich auf anonyme Quellen von Reuters zurückführen. Diese haben Kenntnis von den Telefondiskussionen zwischen Trump, Selenskyj und europäischen Staatsführern nach dem Treffen in Alaska.

      Bei Reuters finden sich auch die Zahlen, die ich mühsam aus perplexity.ai herausgefragt habe, bis auf das Territorium östlich von Kupjansk in der Region Charkiw, das Russland möglicherweise okkupiert halten will.

      Russland verlangt auch, dass die russische Sprache in der Ukraine einen offiziellen Status erhält und dass die Russisch-Orthodoxe-Kirche wieder Religionsfreiheit geniesst.

        • Na sowieso. Ich hab‘ da leider nichts mitzureden.

          «Die Ukraine wird das schwerlich tun, die EU-Staaten auch nicht.»

          Eben. Und die meisten anderen Staaten auch nicht.

          Aber, wenn es nur um die USA geht…in dem desolaten Zustand, in dem die sich derzeit befindet, ist das natuerlich nicht ausgeschlossen.

  9. @izi
    Ich hätte zu diesem Beitrag von Rainer Rupp einige Fragen:

    Warum läßt sich Putin mit Trump ein? – WELTEXPRESS
    https://share.google/eDlhPSN6viWx2fwfz

    1.Warum wird immer wieder die «Entnazifizierung» als Voraussetzung genannt?

    «dass dadurch die Ursachen des aktuellen Krieges nachhaltig beseitigt werden, wozu unter anderem gehören: keine NATO in der Ukraine, Entnazifizierung der Ukraine, ihre Demilitarisierung und die offizielle Anerkennung der Krim sowie der ehemaligen Donbass-Gebiete als Teil der Russischen Föderation.»

    Ich selbst glaube nicht, dass die Entnazifizierung eine Rolle spielen wird.
    Die anderen Punkte sind ausschlaggebend.

    2.» will nun Trump die Rolle der externen Macht spielen, die Russland einen Waffenstillstand diktiert, ausgerechnet zu dem Zeitpunkt, wo sich die Niederlage der Ukraine immer deutlicher abzeichnet.»

    Ich kann die militärische Lage nicht so beurteilen. Dass es für die Ukraine aber schlechter als für Russland aussieht, würde auch ich sagen.

    «Nicht auszuschließen sei jedoch, dass Selenskij „mit voller Unterstützung seiner bisherigen europäischen Verbündeten versuchen könnte“, noch vor Freitag einen spektakulären militärischen Schlag gegen Russland auszuführen.»

    Das scheint der Ukraine ja gelungen zu sein, indem sie
    den strategisch wichtigen Vorstoß der Russen in den letzten Tagen zu Nichte gemacht haben.

    • @Mymind
      Ja, da kann sich Trump warm anziehen, wenn Uschi mitkommt.😅
      Wenn das aber so ausgeht, wie bei den Zöllen, war das mit Uschi vielleicht dann auch nicht so gut 🤔
      Was will die überhaupt dort?
      Wegen der Frauenquote?

      • ++ Wegen der Frauenquote? ++

        Die sieht im Moment nicht gut aus. Uschi ist doch bekannt für ihre, sagen wir mal unkonventionelle Deals. Sie wird bestimmt eine große Stütze für Woly darstellen. Stubb & Meloni dürfen mit, weil sie gut mit T können. Wird das Meeting wieder öffentlich übertragen?

      • «Was will die überhaupt dort?»

        Selenskij und sie glauben erntshaft, dass die EU-Kommission in geostrategischen Fragen Gewicht hätte. Dem ist aber nicht so. Weder kann sich die EU intern bei irgendeiner geostrategischen Frage auf eine klare Haltung einigen, noch hat sie irgendwo diplomatische Vertretungen, noch hat sie Streitkräfte.

  10. «Präsident Trump werde sich »jeder Bedrohung der nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten entgegenstellen«.»

    Mit dieser Formulierung gibt sich dieser Autokrat die Berechtigung, willkürlich andere Staaten zu überfallen, was ja einer gewissen Tradition der USA entspricht.

    Unter dem Vorwand von «Drogenkartellen» ermächtigt Trump das Pentagon zum Einsatz militärischer Gewalt gegenüber Venezuela und lässt Kriegsschiffe auflaufen.

    Man könnte es auch so sagen: nur Staaten, die von den USA anerkannt werden, dürften zumindest vorläufig sicher sein. Und sollten diese noch mit begehrten Rohstoffen ausgestattet sein, desto mehr.

    Menschenrechte dabei? Egal, hinderlich, auf den Schrottplatz der Geschichte. Allenfalls als Drohkulisse für eigene Interessen. Das ist der aktuelle Standard im internationalen Geschäft. Also wem nützt es.

    https://www.nd-aktuell.de/artikel/1193378.suedliche-karibik-us-kriegsschiff-einsatz-drohkulisse-gegen-venezuela.html

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