Folgen eines Überflugs


Kalkulierte Risiken In der Nacht vom 9. zum 10. Oktober haben nach polnischen Angaben mindestens 19 russische Drohnen den polnischen Luftraum verletzt. Hier gehe ich der Frage nach, was die wahrscheinlichste Erklärung für diese Vorgänge ist und was die Entscheidungsträger aller beteiligten Seiten daraus folgern werden oder wenigstens folgern sollten.

Die Vorstellung, die deepai.org von Deltaflüglern hat, ist etwa so realistisch wie Meldungen westlicher Medien über aktuelle Vorgänge.

Auch in diesem Fall muss ich etwas weiter ausholen. Um die Vorgänge zu verstehen, müssen wir zunächst betrachten, wie sich der Charakter des Luftkriegs in den beiden gegenwärtigen großen Kriegen geändert hat. Dann müssen wir die aktuelle Situation im Ukraine-Krieg verstehen, wie es zu dieser Situation gekommen ist und wie daher die Interessenlage der Hauptakteure ist. Erst auf der Basis dieser Einschätzungen können wir die wahrscheinlichen russischen Beweggründe und die Reaktion Polens und der NATO diskutieren. Daraus folgen dann die Prognosen für zukünftige Entscheidungen.

Luftangriffe und Luftverteidigung

Große Kriege führen zu einer beschleunigten Entwicklung der Waffentechnik und der Szenarien des Waffeneinsatzes sowie, darauf aufbauend, einer Modernisierung des strategischen Denkens. Der gegenwärtige Nahost-Krieg hat zu dieser Entwicklung bezüglich stark asymmetrischer Kriege geführt, bei denen eine Seite im technologischen Niveau und der Masse ihrer Ausrüstung drückend überlegen ist. Durch den Ukraine-Krieg wurde nach einer sehr langen Periode ausschließlich asymmetrischer Kriege erstmals eine Modernisierung des militärischen Denkens über die Kampfführung zwischen zwei fortgeschritten ausgerüsteten Seiten nötig.

Diese Entwicklungen betreffen alle Waffengattungen. So erwies sich etwa die Idee von Kampfpanzern der vierten Generation (T-14 Armata) als überholt, ehe das in dieser Hinsicht technisch führende Russland die Technik in großem Maßstab einführte. Die Annahmen, unter denen der Armata entwickelt wurde, haben sich bereits in den ersten Wochen des Ukraine-Kriegs als irrelevant erwiesen. Hier fokussiere ich auf den Luftkrieg und dabei hauptsächlich auf Luft-Boden-Angriffe, weil diese zu den aktuellen Ereignissen Bezug haben.

Kampfflugzeuge

Vor dem Ukraine-Krieg gingen beide Seite von Luftkämpfen zwischen Jagdflugzeugen aus und entwickelten moderne Flugzeuggenerationen, die entsprechende Fähigkeiten hatten. Auch die Bekämpfung von Bodenzielen in der Tiefe des gegnerischen Territoriums mit Kampfflugzeugen wurde für möglich gehalten, weil sie in asymmetrischen Kriegen erfolgreich gewesen war. Tatsächlich wagt Russland das trotz einer drückenden Überlegenheit bei der Zahl von Kampfflugzeugen nicht, weil die Verlustrate insbesondere bei den Kampfpiloten über der möglichen Ersatzrate liegen würde und weil es günstigere Alternativen gibt.

Die bodengestützte Luftverteidigung ist zu weit fortgeschritten, als dass Luftkämpfe zwischen Flugzegen noch eine wesentliche Rolle spielen könnten. Das haben nach der Anfangsphase des Ukraine-Kriegs beide Seiten eingesehen. Die F-35 ist als Gesamtpaket obsolet, ehe sie in großem Maßstab eingeführt wurde. Sie wurde unter Annahmen entwickelt, die irrelevant geworden sind. Dass viele Staaten auf ihrer Beschaffung beharren, hat innenpolitische Gründe, nicht rationale militärische Gründe. In Kriegen zwischen entwickelten Ländern werden Kampfflugzeuge über von der eigenen Seite kontrolliertem Territorium außerhalb der Reichweite der gegenerischen Luftverteidigung eingesetzt. Im Falle Russlands sind das zumeist strategische Bomber, von den aus Gleitbomben oder Marschflugkörper gestartet werden. Selbst im letzteren Fall scheint der Start von mobilen bodengestützten Rampen (Iskander-K) vorteilhafter zu sein, weil die Luftaufklärung den Anflug dadurch später bemerkt.

Langsamer wurden im Ukraine-Krieg Frontflugzeuge zum Angriff auf gegnerische Bodentruppen durch Drohnen ersetzt. Inzwischen darf man allerdings auch sagen, dass diese Flugzeuggattung weitgehend obsolet geworden ist.

Ballistische Raketen

Sowohl Russland im Ukraine-Krieg als auch Israel und der Iran im Nahost-Krieg haben jeweils eine große Zahl ballistischer Raketen eingesetzt. Wegen der hohen Kosten wurde das in den asymmetrischen Kriegen vermieden. Insbesondere wurden ballistische Raketen zuvor kaum gegen Akteure eingesetzt, die über Luftverteidigungssysteme zu ihrer Abwehr verfügten. Über das fortgeschrittenste System dieser Art verfügt Israel. Das Radar von Arrow 3 kann ballistische Raketen bereits in 500 km Entfernung erfassen. Die Abwehrraketen haben sogar eine Reichweite von 2400 km und können Ziele außerhalb der Erdatmosphäre in bis zu 100 km Höhe bekämpen. Die zweite Schicht (David’s Sling, Davids Katapult) deckt den Entfernungsbereich von 40 bis 300 km ab. Trotzdem haben ballistische Raketen der iranischen Streitkräfte strategische Ziele in Israel, wie etwa das Weizmann-Institut getroffen.

Zur Erfolgsrate der israelischen Luftverteidigung gegen iranische ballistische Raketen gibt es verschiedene Zahlen. In Israel selbst wurden für den 12-Tage-Krieg 2025 Werte zwischen 70 und 90% genannt. Eine unabhängige Abschätzung kommt auf leicht über 90%, vernachlässigt aber dabei Einschläge auf offenem Feld, die (nach offiziellen Angaben) keinen Schaden anrichteten. Rechnet man diese mit ein, kommt man auf knapp 80%. In jedem Fall lassen sich strategische Ziele auch mit der fortgeschrittensten Technik nicht zuverlässig gegen ballistische Raketen schützen. Bemerkenswert ist auch, dass der Iran durch zwei Angriffserien 2024 und 2025 den israelischen Bestand an Arrow-Raketen so weit reduzieren konnte, dass der effektivere Einsatz von zwei oder sogar drei Abwehrraketen gegen eine Angriffsrakete nicht mehr möglich war.

Die Situation der Ukraine ist schlechter. Erstens haben die Patriot-Systeme, insbesondere jene älterer Bauart, schlechtere Leistungsparameter. Zweitens können sie nicht nahe an der Kontaktlinie disloziert werden, weil die russische Seite bis etwa 200 km ins ukrainische Hinterland praktisch ohne Zeitverzögerung aufklären kann und so schon zwei Patriot-Abschussrampen vernichtet hat. Während die ukrainische Luftverteidigung eine Zeit lang eine gewisse Erfolgsquote gegen russische ballistische Raketen hatte (oder zumindest behauptete), liegt diese derzeit auch nach eigenem Bekunden nahe bei Null. Verbesserungen an den russischen ballistischen Rakten und deren Einsatzszenarien dürften dabei ebenso eine Rolle gespielt haben, wie die Notwendigkeit, Abfangraketen zu sparen, weil diese nicht schnell genug nachbeschafft werden können.

Drohnen

Dass Drohnen eine Technologie sind, welche die Kriegsführung stark verändern wird, war bereits vor dem Ukraine-Krieg klar. Dieser hat jedoch die technische Entwicklung und die Entwicklung der Drohnentaktik erheblich beschleunigt. Das hohe Entwicklungstempo hält derzeit noch an. Die Fortschritte in der Drohnentechnologie und dem Drohneneinsatz hatten den größten Einfluss auf die Veränderung des Charakters des Luftkriegs. Die Hauptgründe sind die relativ geringen Kosten von Drohnen und schnellere Fortschritte in der Technologie von Angriffsdrohnen als in der Technologie der Drohnenabwehr.

Was die Ökonomie des Luftkriegs angeht, so hat die iranische Shahed-136-Drohne aufgezeigt, dass bisherige Luftverteidigungskonzepte nicht mehr adäquat sind. Diese Drohne tauchte im Ukraine-Krieg im Oktober 2022 auf. Spätestens im Januar 2023 war klar, dass sie ein potentieller «Game-Changer» war. Russland hat eine eigene Produktion begonnen und entwickelte das Konzept unter dem Namen Geran weiter. Meines Wissens haben weder der Westen noch die Ukraine ein vergleichbares System entwickelt, dass zu diesen Kosten solche Reichweiten erreicht und daher Angriffe mit großen Schwärmen tief im gegnerischen Hinterland ermöglicht. Russland hingegen hat die Produktionskapazitäten aufgebaut, die das ermöglichen.

Der Hauptpunkt ist, dass die Geran-Drohnen pro Stück um ein Vielfaches billiger sind als eine längerreichweitige Luftabwehrrakete. Die Geran-2-Drohne ist sogar um ein Vielfaches billiger als eine kurzreichweitige (je nach Modell 4-5 km) schultergestützte Stinger-Luftabwehrrakete. Aus öknomischen Gründen kann man diese Drohnen nur mit Kanonen oder Maschinengewehren bekämpfen.

Eine Fliegerabwehrkanone (Flak) hat eine Reichweite, die in Kilometern in tewa einem Zehntel des Kalibers in Millimetern entspricht. Maximal sind es 5 km, bei modernen Systemen wie dem Oerlikon SkyRanger oder dem russischen Pantsir-System aber nur 3 oder 4 km. Maschinengewehre schiessen ähnlich weit, gegen Luftziele allerdings etwas kürzer. Der Reichweitenunterschied zwischen Flak und Billigdrohnen ist ein Problem. Wollte man die gesamte Landesfläche schützen, dann bräuchte man eine Unzahl an Flak-Systemen, was wirtschaftlich auch wieder nicht machbar ist. Die SkyRanger für die Ukraine sollen Fronttruppen schützen, nicht Städte oder Kraftwerke.

Harte und weiche Ziele

Aus der Sicht des Luftangreifers gibt es harte und weiche Bodenziele. Harte Bodenziele sind durch ihre Struktur (zum Beispiel dicken Beton) und durch nahelegene Luftabwehrsysteme geschützt. Billigdrohnen richten dort nichts aus. Sie werden entweder abgeschossen oder ihre Sprengstoffmenge genügt nicht, die Schutzmauern zu brechen.

Weiche Bodenziele sind z.B. Ölraffinerien, Pumpstationen für Erdöl und Erdgas, Industriebetriebe außer speziellen Rüstungsbetrieben, Stellwerke der Bahn, Umspannstationen und kleinere Brücken. Es gibt so viele weiche Ziele, dass ein kompletter Schutz mit nahegelegenen Flak-Systemen illusorisch ist. Auch ist es unwahrscheinlich, dass eine Drohne auf dem Weg zu einem weichen Ziel den Aktionsradius eines Flak-Systems überfliegt. Selbst wenn ein Angriff bemerkt, die Drohne aufgefasst und verfolgt wird, kann man sie nur entweder mit einer deutlich teureren Rakete (Boden-Luft oder Luft-Luft) oder der Bordkanone eines Flugzeugs abgeschossen werden. Die Ukraine verwendet zum Beispiel modifizierte Yak-52-Trainingsflugzeuge alter Bauart, die immer noch schneller sind als Geran-Drohnen. Auch diese Taktik hat enge Grenzen. Am 26. August wurde berichtet, die Ukraine habe so schon 120 Drohnen abgeschossen. Das ist deutlich weniger als Russland während der letzten Wochen je Angriffsnacht einegsetzt hat.

Die gegenwärtige Situation ist so, dass weiche Ziele außerhalb von schwer verteidigten Ballungszentren wie Kiew oder Moskau nicht nennenswert vor Angriffen mit kleinen Drohnen geschützt werden können und innerhalb der Ballungszentren nur bedingt. Die Abfangrate der ukrainischen Luftverteidigung bei Drohnen im Raum Kiew liegt nach eigenen Angaben zwischen 75 und 85%, je nach Angriffswelle. Falls Russland weitere Produktionssteigerungen gelingen, wird sie sinken. Überall sonst in der Ukraine ist sie bereits niedriger.

Umgekehrt nutzt die Ukraine die gleiche Asymmetrie zwischen dem Preis von Drohnenangriffen und demjenigen einer Luftverteidigung weicher Ziele für ihre Angriffe auf russische Erdölanlagen. Auch wenn die Ukraine die Drohnen dafür selbst produziert, sind diese Angriffe nur durch die Unterstützung der NATO-Staaten möglich. Die Ukraine ist nämlich faktisch bankrott. Reichlich die Hälfte ihres Staatshaushalts ist auslandsfinanziert und das wäre nicht durch Kreditaufnahme an Finanzmärkten möglich.

Entwicklungen im Vorfeld des Überflugs

Seit Mitte April 2022 führt die NATO durch die Ukraine einen Stellvertreterkrieg gegen Russland. Zuvor hatte Russland am 24. Februar 2022 die Ukraine überfallen. Im Vorfeld des sich abzeichnenden Krieges und in den ersten Wochen hatte sich die NATO merklich mit militärischer Unterstützung zurückgehalten. Westliche Sicherheitsanalysten hatten aufgrund des Kräfteverhältnisses einen schnellen Zusammenbruch der Ukraine erwartet und die NATO-Staaten wollten ungern sehr stark mit der Niederlage assoziiert werden. Man nahm auch an, dass militärische Hilfe ohnehin zu spät kommen würde.

Nach etwa einem Monat Kriegshandlungen und angesichts der russischen Bereitschaft, den Angriff auf Kiew Ende März 2022 aufzugeben und die Truppen von dort zurückzuziehen, änderten westliche Sicherheitsanalysten ihre Meinung. Sie gelangten nun zu der Fehleinschätzung, die Ukraine könne mit NATO-Hilfe den Krieg gewinnen. Führende Politiker wie Joe Biden und Boris Johnson hörten das nur zu gern und signalisierten der Ukraine, sie solle weiter kämpfen statt einen unvorteilhaften Friedensschluss zu akzeptieren, man werde sie unterstützen. In der Folge lieferten NATO-Staaten kostenlos Aufklärungsinformation, Waffen und Ausrüstung, berieten die ukrainische Führung und bildeten in erheblichem Maße ukrainische Soldaten für die Kriegsführung gegen Russland aus.

Umgekehrt erlag die russische Militärführung angesichts weiterer Erfolge an der Südfront und in der Region Luhansk dem Fehlschluss, sie könne den Krieg mit den bereits mobilisierten Ressourcen gewinnen. Zunächst schienen dei NATO-Analysten Recht zu behalten. Im September 2022 wendete sich das Blatt. Zunächst im Raum Kupjansk-Isjum und dann in den rechtsufrigen Teilen der Region Cherson (auf den Dnjepr bezogen) gewann die Ukraine deutlich an Boden. Zwar gewann die russische Seite nach einer Stabilisierung der Frontlinie im November 2022 die Initiative zurück, konnte dann aber erst im Mai 2023 wieder eine befestigte und zäh verteidigte Stadt einnehmen (Bachmut).

Am 4. Juni 2023 traten die ukrainischen Streitkräfte mit durch die NATO ausgebildeten Truppen, mit einem auf der NATO-Doktrin beruhenden Kampfplan und weitgehend mit NATO-Technik zu einer Sommeroffensive gegen die russische Südfront an. Anfang Juli konnte jeder militärisch geschulte Beobachter das Scheitern der Offensive erkennen, Anfang September wurde es auch Journalisten klar, Anfang November räumte der ukrainische Oberbefehlshaber Salsuchnij ein, dass ein Sieg der Ukraine Voraussetzungen erforderte, von denen jeder wusste, dass sie nicht zu erfüllen waren.

Es stellte sich heraus, dass die NATO und die Ukraine Mitte April 2022 alles auf eine Karte gesetzt hatten. Obwohl die Annahmen sich als falsch herausgestellt hatten, auf denen die damalige Entscheidung beruhte, wurde die Entscheidung selbst nicht korrigiert. Die NATO hatte keinen Plan B. Ein Grund dafür war auch, dass Putin am 30. September 2022 mit der Annexion von vier ukrainischen Regionen den Preis für einen Friedensschluss gegenüber Mitte April erheblich erhöht hatte. Dadurch wurde die Niederlage nicht nur für die Ukraine kostspieliger. Die NATO würde aus diesem Krieg nicht ohne erheblichen Gesichtsverlust herauskommen.

Russland hatte nun wieder die militärische Initiative und würde sie bis auf lokale Episoden auch nicht wieder abgeben. Andererseits war die ukrainische Armee nunmehr so erfahren und ihre Verteidigunsglinien waren so befestigt, dass raumgreifende russische Operationen nicht mehr möglich waren. In dieser Situation entschloss sich die russische Führung, die ihr Land erfolgreich auf eine stabile Kriegswirtschaft umgestellt hatte und Frontverluste ohne Generalmobilmachung ersetzen konnte, zu einem Abnutzungskrieg.

Wegen der Zahlenverhältnisse bei der Bevölkerung und bei der Rüstungsproduktion musste ein Abnutzungskrieg für die Ukraine und die NATO fatal enden. Da es jedoch keinen Ausweg ohne Gesichtsverlust gab, ließ die NATO die Dinge einfach so weiterlaufen. Donald Trump und seine Berater erkannten die verhängnisvolle Entwicklung. Nach seinem Wahlsieg und seiner Amtseinführung am 20. Januar 2025 drängte Trump den ukrainischen Präsidenten Selenskiy durch ergeblichen Druck zum Einlenken. Die europäischen NATO-Staaten konterkarikierten diese Bemühungen, so dass Selenskiy nicht nachgab.

Im August 2025 unternahm Trump angesichts fehlender tragbarer Alternativen einen weiteren Versuch, zu einem Friedensschluss im Ukraine-Krieg zu gelangen. Er signalisierte, Putin dafür weit entgegenkommen zu wollen. Bei einem Treffen mit Putin in Anchorage am 15. August musste er erkennen, das Putins Bedingungen inzwischen sehr hart waren. Gleichwohl empfahl er Selenskiy die Annahme. Wie von russischer Seite erwartet, konterkarikierten die führenden europäischen NATO-Staaten die Bemühungen auch diesmal, so dass Selenskiy auch diesmal stur blieb.

Praktisch unmittelbar nach dem Treffen in Anchorage eskalierte die Ukraine ihre Drohnenangriffe auf russische Erdölanlagen, einschließlich der Druschba-Pipeline. In der Nacht vom 20. auf den 21. August antwortete Russland mit einem Großangriff auf Kiew. Der Verhandlungsprozess kam zum Erliegen, eher er ernsthaft begonnen hatte.

Seitdem gab es eine Folge von russischen Großangriffen, die sich oft gegen mehrere Zentren richteten. Der bisher letzte dieser Angriffe fand in der Nacht vom 9.-10. September 2025 statt. Laut Monitorwar wurden dabei 350-450 Drohnen der Baureihen Geran und Gerbera eingesetzt. Seitdem baut Russland die Kapazitäten wieder auf. Monitorwar schätzt ab, dass Russland derzeit etwa 500-600 Geran und etwa 800 Gerbera und andere Imitationsdrohnen auf Lager hat. Die Gerbera ist eine Multifunktionsdrohne, die noch billiger ist als die Geran und zur Aufklärung oder als Imitationsziel dienen kann, um die gegnerische Luftverteidigung zu überfordern. Sie kann auch mit bis zu 5 kg Sprengstoff beladen werden.

Der Vorfall in Polen

Vom 9. September 23:30 Uhr an drangen etwa 19 mutmaßlich russische Drohnen in den polnischen Luftraum ein. Nach verschiedenen Medienberichten wurden zwischen vier und acht der Drohnen abgeschossen. Die letzten Drohnen verließen gegen 04:00 Uhr den polnischen Luftraum. Die polnische Seite geht davon aus, dass keine der Drohnen bewaffnet war. Beweise für eine russische Herkunft hat sie bisher nicht vorgelegt, obwohl behauptet wurde, dass es sich bei abgeschossenen Exemplaren um eine Gerbera handelte. In einem Fall beschädigten Trümmerteile einer abgeschossenen Drohne (oder einer zum Abschuss verwendeten Rakete) ein Wohnhaus.

Es ist nicht völlig geklärt, wie die Drohnen abgeschossen wurden. In Medienberichten wird von Bordkanonen geredet, Luft-Luft-Raketen werden aber nicht ausgeschlossen. Das sind alles Spekulationen. Die offiziellen Verlautbarungen der NATO und des polnischen Verteidigungsministeriums nennen keine Details. Die einzig wirklich verlässliche Information scheint mir der auf Radardaten beruhende Flugroutenüberblick auf Monitorwar zu sein. Diesen habe ich mit einer topographischen Karte unterlegt.

Flugrouten während der russischen Luftangriffe in der Nacht vom 9. auf den 10. September 2025. Quelle: Monitorwar und Google Maps.

Den relevanten Teil habe ich noch einmal herausvergrößert.

Details der Flugrouten während des russischen Luftangriffs in der Nacht vom 9. zum 10. September 2025. Am roten Kreuz endet eine Flugroute. Etwas nordwestlich dieses Punkts befindet sich die Ortschaft Wyryki, in der ein Wohnhaus von Trümmern getroffen wurde. Quelle: Monitorwar und GoogleMaps.

Die Radardaten decken nicht alle Dinge, die in westlichen Medien so behauptet wurden. So behauptete der Spiegel, dass der Flughafen Rzeszów-Jasionka angegriffen werden sollte; die ARD-Tagesschau trug das weiter. Keine der belegten Flugrouten verläuft auch nur annähernd in der Nähe oder auch nur über längere Zeit in diese Richtung. Hingegen sind die Flugrouten in der Woiwodschaft Lublin in guter Übereinstimmung mit der einzigen weiteren sicher belegten Information: Trümmer haben ein Haus in Wyryki in dieser Woiwodschaft getroffen (rotes Kreuz auf der Detailkarte). Es gibt keinen Hinweis darauf, dass es in Polen zu Schäden gekommen wäre, wenn keine Drohnen abgeschossen worden wären.

Die Radardaten belegen allerdings das Eindringen einer größeren Zahl von Flugobjekten in den polnischen Luftraum, wenn auch mehrheitlich von Russland und nicht von Belarus aus, wie es westliche Medien zunächst behauptet hatten. Von den zwei Flugrouten, die tatsächlich über Belarus verlaufen, dürfte eine zu der Drohne gehören, die in der Gegend von Masuren-Ermland in NOrdpolen gefunden wurde.

Die Behauptung unter anderen von ZDF-heute eines Drohnenabsturzes nahe Łódź wird durch die Radardaten auch nicht gedeckt. Allerdings scheinen auf X durch einen ukrainischen User veröffentlichte Bilder diesen Absturz zu belegen. Diese wiederum lassen sich aber auch nicht verifizieren.**

Die russischen Beweggründe

Russland zog sich auch in der von Polen beantragten Dringlichkeitssitzung vom 11. September auf das Argument zurück, man habe die Ukraine und nicht Polen angegriffen. Da Russland sich nicht erklärt, kann ich über die russischen Beweggründe nur spekulieren.

Militärs testen gern die Reaktionen der gegnerischen Luftverteidigung. Das hat die US Air Force im Kalten Krieg auch mit Verletzungen des Luftraums der DDR getan. Russland ist damit ein kalkuliertes Risiko eingegangen. Diese Drohnen sind ohnehin Einwegtechnik, ihr Verlust war also eingeplant. Es war nicht anzunehmen, dass die NATO wegen 19 «Luftballons» in den Krieg eintritt. Bei früheren Vorfällen wurde bekannt, dass Gerbera SIM-Karten des «Gastlands» der russischen Drohne an Bord hatten, unter anderem in Litauen. Es ist denkbar, dass dem auch diesmal so war und das polnische Mobilfunknetz benutzt wurde, um Aufklärungsinformation zu übermitteln.

Russland hat der NATO auch ihre Verwundbarkeit durch derartige Drohnen demonstriert. Die Abschussrate in Polen war deutlich geringer als sie die Ukraine erreicht. Das zeigt die Risiken eines asymmetrischen Stellvertreterkriegs auf, auf die ich weiter unten zu sprechen komme. Diese Demonstration könnte folgenden Beweggrund gehabt haben. Nach der Eskalation ukrainischer Drohnenangriffe auf die russische Erdölinfrastruktur Mitte August hatte sich infolge der russischen Reaktion ab dem 20. August gezeigt, wie überfordert die ukrainische Luftverteidigung derzeit bei massiven russischen Angriffen ist. Daraufhin hatten mehrere NATO-Staaten angekündigt, der Ukraine Luftabwehrsysteme liefern zu wollen, die sie allerdings nicht durch Neukauf ersetzen können, weil es so schnell keine lieferfähigen Verkäufer gibt. Russland hat nun gezeigt, dass die NATO-Luftverteidigung bereits ohne eine solche «Verdünnung» lückenhaft ist.

Russland hat auch eine Botschaft an die Ukraine gesendet, die immer noch auf ein stärkeres NATO-Engagement in diesem Krieg hofft. Die Reaktion der NATO war ausgesprochen verhalten und deeskalierend. Trump hat abgewiegelt. Verschiedene NATO-Vertreter betonen, dass die Drohnen unbewaffnet waren. Russland hat der Ukraine den Unwillen der NATO zu einer Eskalation demonstriert. Dieser Unwsille ist verständlich. Die NATO ist auch für ein begrenztes direktes Eingreifen in den Ukraine-Krieg nicht gerüstet. Sie könnte ihr Territorium auf keiner Eskalationsstufe zuverlässig verteidigen.

Was daraus folgt

Die NATO wird nicht umhinkommen, eine bessere Drohnenverteidigung zu organisieren. Das kostet Geld und bindet hochwertige Kampfflugzeuge, die für diesen Zweck schon im Einsatz zu teuer sind. Die Kosten für eine Flugstunde einer F-35 werden heute auf etwa 44.000 US-Dollar geschätzt. Eine Gerbera-Drohne dürfte weniger kosten als das.

NATO-Staaten werden noch einmal überlegen, ob sie Luftverteidigungssysteme und Luftabwehrraketen an die Ukraine abgeben. Man entblößt sich ungern weiter, wenn man sich ohnehin schon verwundbar fühlt. Insgesamt wird in der NATO die Fraktion gestärkt, die an einer Deeskalation im Ukraine-Krieg interessiert ist.

Die ukrainische Führung sieht ein weiteres Mal ihre Hoffnungen gedämpft, die NATO könne in diesen Krieg als direkter Beteiligter hineingezogen werden. Sie hat aber keinerlei Erfolgschance, wenn das nicht gelingt.

Das alles hat Russland zum Preis von 19 Billigdrohnen bekommen. Wenn man sich bereits in einer schlechten Position befindet, fallen dem Gegner Erfolge leicht.


Aus Transparenzgründen verlinke ich hier meinen Recherche-Thread auf perplexity.ai. Die Recherche umfasste zusätzlich die Lektüre einiger der von perplexity.ai angegebenen Referenzen sowie sekundärer Referenzen, die sich aus diesen ersten Referenzen ergaben.

*Dieser Absatz wurde aufgrund eines Kommentars von @Petrowitsch am 15.9.25 um 20:12 Uhr korrigiert.


64 Antworten zu “Folgen eines Überflugs”

  1. Aus meiner Sicht eine gute Analyse. (Allerdings bin ich auch nicht der Experte fuer Kriegsspielzeug.)

    Was daraus folgt…

    „Der schnellste Weg, einen Krieg zu beenden, ist, ihn zu verlieren“.

    (Und Gerechtigkeit hat fertig.)

  2. Am Ende meines Recherche-Threads habe ich perplexity.ai, mit Bezug auf die UN-Sicherheitsratssitzung vom 11. September, nun folgende Frage gestellt:

    «Polen hat also keine nachprüfbaren Belege für seine Behauptungen präsentiert. Kann man die Situation so zusammenfassen?»

    Die Antwort lautet:

    «Ja, die Situation kann so zusammengefasst werden: Polen hat bei der Sitzung des UN-Sicherheitsrats zwar Fotos von Trümmern angeblich russischer Drohnen mit kyrillischer Beschriftung gezeigt, diese Bilder aber bislang nicht unabhängig und hochauflösend für Medien oder die internationale Öffentlichkeit bereitgestellt. Die vorgelegten Fotos wurden offenbar nur im Sitzungssaal präsentiert und sind lediglich über Presseberichte und Ausschnitte zu sehen, nicht jedoch als offizielle, überprüfbare Publikation zugänglich.

    Es gibt somit derzeit keine nachprüfbaren, allgemein zugänglichen Belege, die eine unabhängige Bestätigung der polnischen Behauptungen ermöglichen würden. Die vorgestellten Hinweise basieren auf diplomatischer und politischer Inszenierung, nicht auf öffentlich überprüfbaren Beweisstücken.»

    (Hervorhebung im Original)

    Falls jemand solche Bilder findet, wäre ich dankbar für ein Link.

    Diese Einschätzung stützt meine obige Behauptung, dass die von der ukrainischen Plattform Monitorwar verbreitete Grafik radarerfasster Flugbahnen und das Bild des zerstörten Hausdachs in Wyryki bislang die einzige belastbare Evidenz sind – wenn man denn Monitorwar glaubt. Ich bin geneigt, das zu tun, weil ich die russischen Dementis für zweideutig halte.

      • Jetzt spalten Sie mal keine Haare. Die Wendungen «zweideutiges Dementi» und «weder Dementi noch Bestaetigung» unterscheiden sich bestenfalls in Nuancen.

        Um es ganz konkret zu sagen: Russland hat zu keinem Zeitpunkt behauptet, dass sich in der Nacht vom 9. zum 10. September 2025 keine russischen Drohnen im polnischen Luftraum befunden haben. Russland hat behauptet, dass Angriffe auf Polen nicht beabsichtigt waren und dass Polen keine Beweise vorgelegt hat, dass es sich um russische Drohnen gehandelt hat.

        Bisher sehe ich keine dieser Aussagen als widerlegt an. Durch die Radardaten sehe ich es allerdings mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit als erwiesen an, dass russische Drohnen den polnischen Luftraum verletzt haben.

        Nur will die westlich-ukrainische Seite sich ja staatlicherseits auch nicht zu diesen Radardaten bekennen oder Originaldokumente dazu vorlegen. Sie wird ihre Gründe haben.

    • «Polen hat also keine nachprüfbaren Belege für seine Behauptungen präsentiert. Kann man die Situation so zusammenfassen?»

      Die Frage selbst beinhaltet ja schon die gewünschte Antwort. Wenn man berücksichtigt wie «nett» KIs sind, dann ist die Antwort ja schon klar. Dabei kennt man noch nicht einmal den Verlauf vorhergehender Fragen, die so eine KI ja auch in die gewünschte Richtung bringen können.

      • Sie können gern den ganzen Thread nachlesen, insbesondere die Fragen, die ich vor dieser gestellt habe, um das abzuklären. Der gesamte Thread ist unter dem Blogbeitrag verlinkt.

        Und, wie gesagt, sie sind herzlich eingeladen Links zu nachprüfbarer Evidenz beizubringen, die Polen oder die NATO vorgelegt haben, zum Beispiel in Pressemitteilungen. Nach so etwas hatte ich nämlich perplexity.ai ursprünglich gefragt.

        • «Sie können gern den ganzen Thread nachlesen»

          Ich sehe mich bestätigt.

          Ich werde nie verstehen, warum man eine KI z.B. nach einer UN Sitzung fragt, wenn man sich genau diese Sitzung auch im UN-TV anschauen kann.

          • «Ich werde nie verstehen, ..».

            Das ist ja schon mal ein Schritt nach vorn. lol

            Ich werde auch nie verstehen, warum man Suchmaschinen nutzt, wo es doch auch noch Zeitungen gibt.

            Wenn man neue Techniken nutzen kann, die einem bei der Wissensbeschaffung nützlich sind (bzw. gar überlegen), dann macht man es oder verschwendet halt seine Zeit. Sie haben (noch) die Wahl.

            • «Sie haben (noch) die Wahl.»

              Wenn ich mich mit Mittelmäßigkeit und Unwissen zufriedengeben würde, würde ich auch eine KI-Suchmaschine benutzen. Ich müsste meine Mittelmäßigkeit dann nur noch mit etwas anderem kaschieren.

              Haben Sie nicht gelesen, dass Ärzte, die regelmäßig KI verwenden «verdummen» und mit der Zeit schlechtere Ergebnisse liefern, obwohl sie doch mal Experten waren?

              • «Mittelmäßigkeit»

                Anders. Sie können die KIs nur sinnvoll nutzen, wenn Sie bereits über die Mittelmäßigkeit hinaus sind. Da beißt die Maus keinen Faden ab.

                So ist das halt bei den neuen Techniken, entweder kann man sie als ‚Mittel zum Zweck‘ sinnvoll nutzen oder man verliert sich in dem Fall in der Unübersichtlichkeit der Informationsangebote.

                Was die Ärzte betrifft, hat sich KI schon längst als unverzichtbare Qualität allemal bei der Mustererkennung erwiesen, u.a. in der Frühdiagnose. Niemand wird darauf wieder verzichten wollen.

                Und wer im Auto stets das Navi benutzt, verliert auch an räumlichen Orientierungsvermögen. Gleiches gilt für das Smarti. Ob Sie also gewisse Fähigkeiten behalten wollen, bleibt Ihnen allein überlassen.

                • «Anders. Sie können die KIs nur sinnvoll nutzen, wenn Sie bereits über die Mittelmäßigkeit hinaus sind.»

                  Nee, wie man sieht, kann jeder KI benutzen. Wenn man die Sprachassistenten nimmt, muss man nicht mal mehr einen Rechner bedienen können. Also «Dumme» können durchaus mit mittelmäßigen Antworten einer KI überzeugt sein, dass sie die perfekte Antwort bekommen haben.

                  • «Nee, wie man sieht, kann jeder KI benutzen.»

                    Muss man immer jedes Detail mit Ihnen durchnudeln?

                    Je mehr man bei der KI selbst an kritischem Hintergrundwissen einbringen kann, desto qualitativer ist auch der Output. Aber das ist in anderen Lebenslagen auch nichts Neues.

            • «Zeitersparnis?»

              Na dann werden Sie auch nie die Bilder zu den Drohnen mit kyrillischer Seriennummer in Polen finden.

              Ihnen wird auch entgehen, wie Nebensa in der UN abstritt, dass die Drohnen aus Russland kamen, weil die ja nur 700km weit fliegen können. Nein, er ließ daran keinen Zweifel.

              • «Na dann werden Sie auch nie die Bilder zu den Drohnen mit kyrillischer Seriennummer in Polen finden»

                Verlinken Sie sie doch einfach, wenn sie glauben, dass die an die Presse herausgegeben wurden. Das ist extrem unwahrscheinlich, denn das wäre Big News gewesen und alle hätten sie gezeigt. Wie das Bild von dem zerstörten Hausdach in Wyryki, das man überall findet.

                Aber die ARD-Tagesschau hat eben gestern auch nur gezeigt, wie der polnische Vertreter was ins Publimum hielt, das aus dieser Entfernung nicht verfizierbar war.

                  • @Petrowitsch
                    >>>Verlinken Sie sie doch einfach, wenn sie glauben, dass die an die PRESSE herausgegeben wurden.<<<

                    Möglicherweise meinte Herr Jeschke mit PRESSE das, was er schrieb.

                    Posts auf X vielleicht eher nicht?

                    • «Möglicherweise meinte Herr Jeschke mit PRESSE das, was er schrieb.»

                      Bei ntv finden Sie auch Links auf die polnische Presse. Oder zählt die nicht?

                      Was ist schlecht an X? Herr Jeschke hat sich auch auf ein Bild eines ihm unbekannten Telegram-Kanals gestürzt und dieses in seine «Analyse» eingebaut. Das hat Sie nicht gestört?

                    • «Herr Jeschke hat sich auch auf ein Bild eines ihm unbekannten Telegram-Kanals gestürzt und dieses in seine «Analyse» eingebaut.»

                      Das ist allerdings eine ukrainische Quelle, ganz sicher keine russlandfreundliche.

                      Und es bleibt so, dass die Reichweite von Gerbera-Drohnen einen Weg von Russland bis in die Nähe von Lodz nicht hergibt.

                  • @Petrowitsch
                    >>>Bei ntv finden Sie auch Links auf die polnische Presse. Oder zählt die nicht?
                    Was ist schlecht an X?<<<

                    Das sind Fragen die müssen Sie Herrn Jeschke stellen.

                    Mich interessiert eher, wie Sie den Angriff einer bewaffneten ukrainischen Drohne auf Minsk am 29. Juli 2025 bewerten.
                    Und vor allem die vornehme Zurückhaltung der westlichen seriösen Presse.

                    • Sie kennen schon die Anforderungen, die hier herrschen? Also wo sind die Radardaten, die hochauflösenden Fotos, die offiziellen Stellungnahmen des Verteidigungsministeriums aus Belarus?

                      Ansonsten, ja das waren noch Zeiten als ich mit dem Auto über Minsk zur ukrainischen Grenze unterwegs war. Aber da ist man noch ein paar Stunden unterwegs. Also da muss die Luftabwehr bei einer einzelnen Drohne ganz schön gepennt haben. Unterwegs gab es auch viel Wald und weite Felder. Warum stört man so eine Drohne erst mitten in Minsk?
                      Warum wurden aus Belarus ballistische Raketen gegen die Ukraine abgefeuert?

                      Fragen über Fragen.

                  • «Eine einfache google Anfrage nach Bilder russische Drohnen, führt u.a. zu einem fast gleichlautenden Artikel auf ntv.»

                    Eine solche Anfrage habe ich während der Recherche schon auch gemacht, allerdings waren die Ergebnisse bei mir Watson, Nau und Bild.

                    Derartige Ergebnisse ändern sich bei Google auch mit der Zeit, inzwischen ist der von Ihnen verlinkte ntv-Artikel auch relativ weit oben.

                    Ich habe nichts gegen X. Den entsprechenden Absatz habe ich korrigiert und bezüglich der Korrektur eine Fussnote eingefügt.

  3. Zu Monitorwar befragt, antwortet perplexity.ai:

    «Die Veröffentlichungen von Monitorwar, vor allem Radarbilder kleiner tieffliegender Drohnen, sprechen in der Tat für einen Zugang zu Aufklärungskapazitäten, die nur staatlichen oder militärischen Akteuren zugänglich sind.

    Die von Monitorwar veröffentlichten Flugrouten, Radarbilder und Bewegungsmuster – wie etwa hier auf deren Telegram-Kanal – umfassen in der Regel Daten, die aus militärischen Primärradarnetzen (z.B. Mittelbereichs- oder Weitbereichsradar, IADS) oder von militärischen Partnern stammen könnten.

    Kommerzielle oder zivile Radare sind typischerweise nicht in der Lage, sehr kleine, tief fliegende Drohnen über weite Entfernungen und bei schwierigen Wetterbedingungen zuverlässig zu erfassen.

    Monitorwar ist vermutlich kein klassisch-staatliches Medium, arbeitet aber offenkundig mit staatlicher Unterstützung oder Datenkooperation, zumindest auf der Ebene selektiv freigegebener Sensordaten.

    Die präzisen Radarbilder und Informationen, die veröffentlicht werden, deuten sehr stark auf eine Herkunft aus militärischen Aufklärungssystemen – eine komplett rein zivile Herkunft ist technisch äußerst unwahrscheinlich.»

    (Hervorhebung im Original)

    • Also bei so einer Antwort hätte die KI besser gesagt, dass sie es nicht weiß. Aber mit soviel Nichtwissen eine Analyse zu machen, scheint ja im Trend der Zeit zu liegen.

      Was würde eine NI dazu sagen, die ein klein wenig im Thema steckt? Wahrscheinlich folgendes. Es gibt in der Ukraine eine Software für das Militär und lokale Behörden, die in Echtzeit über die Situation im Luftraum der Ukraine und den Start von feindlichen Flugobjekten informiert. Die App nennt sich «Virasch-Planschet». Da sehr, sehr viele Personen Zugang zu dem Programm haben, gelangen die Informationen auch schnell in verschiedene Telegrammkanäle. Schon 2023 wetterte Ignat gegen verschiedene Telegrammkanäle, die die Informationen zu großzügig verteilten.

      Also ja, man kann offizielle Daten der Luftraumüberwachung erhalten. Was man daraus macht, wie man es macht, wie die Qualität der künstlerischen Bearbeitung ist, bleibt fraglich. Gerade bei Telegram-Kanälen, die vorher nicht besonders durch Analysen aufgefallen sind, darf man skeptisch sein.

          • «Dann ist das ukrainische Militär quasi blind.»

            Sie dürfen ganz sicher sein, dass die dem ukrainischen Militär zur Verfügung stehenden Radarbilder nicht breit an lokale Behörden gestreut werden.

            Sie dürfen noch sicherer sein, dass Monitorwar längst «hochgezogen» worden wäre, wenn es solche Information unautorisiert veröffentlichen würde.

            «Warum hat sich Ignat bloß so aufgeregt?»

            Das müssen sie schon Ignat fragen. Bei mir hat er sich noch nicht vorgestellt.

            Und worauf wollen Sie eigentlich hinaus? Glauben Sie, Monitorwar verbreitet Falschinformation?

            • «Sie dürfen noch sicherer sein, dass Monitorwar längst «hochgezogen» worden wäre, wenn es solche Information unautorisiert veröffentlichen würde.»

              Nö, wenn man sich an die Spielregeln hält, dann nicht. Die Bevölkerung darf in Echtzeit gewarnt werden, auch von nicht staatlichen Telegram-Kanälen. Nicht so gut findet man, wenn man berichtet, wo Drohnen einschlagen, was auf Lücken im Radar hinweist usw.

              «Das müssen sie schon Ignat fragen. Bei mir hat er sich noch nicht vorgestellt.»

              Bei einem «Experten» der ukrainischen Luftabwehr bin ich davon ausgegangen, dass er deren Sprecher kennt.

              «Und worauf wollen Sie eigentlich hinaus? Glauben Sie, Monitorwar verbreitet Falschinformation?»

              Sie haben doch gefragt! Sind Sie mit der Antwort nicht zufrieden? Ansonsten halte ich ihr Qualitätsprodukt, die dargestellte Karte, eher für ein Symbolbild, welches sich nicht ganz mit den vorhandenen Informationen deckt bzw. nicht von anderer Seite bestätigt wurde. Andere Leute haben davon abweichende Bilder gemalt.

  4. *…konterkarikierten die führenden europäischen NATO-Staaten die Bemühungen auch diesmal, so dass Selenskiy auch diesmal stur blieb.*

    Hier muss ich doch annehmen, dass es auch ein Verbrechen der Führer Europas ist, nicht den Weg der diplomatischen Kanäle zu wählen?

    • «Hier muss ich doch annehmen, dass es auch ein Verbrechen der Führer Europas ist, nicht den Weg der diplomatischen Kanäle zu wählen?»

      Ein Verbrechen kann man das nicht nennen. Russland hat angegriffen und stellt Forderungen. Die Gegenseite hat das Recht, so lange Krieg zu führen, bis Russland diese Forderungen aufgibt. Ob sie die dafür nötigen Ressourcen hat, ist eine andere Frage.

      Man kann das deshalb aber als unklug bis irrational bezeichnen. Weder hat die Ukraine die nötigen Ressourcen, noch sind die europäischen NATO-Staaten bereit, diese aufzutreiben. Was die personellen Ressourcen betrifft, könnten sie es auch gar nicht. Die USA stellen nur noch minimale Ressourcen bereit (Aufklärungsinformation). Indem sowohl die europäischen Staaten als auch die Ukraine einen sofortigen Waffenstillstand und Verhandlungen auf der Basis des gegenwärtigen Frontverlaufs (etwa 20% der Ukraine russisch besetzt) fordern, haben sie bereits eingeräumt, dass der Krieg verloren ist.

      Das Ziel der europäischen NATO-Staaten und der Ukraine scheint zu sein, dass Russland darüber hinaus gehende Forderungen aufgibt. Das wahrscheinliche Ergebnis ist, dass Russland beim nächsten Verhandlungsversuch noch weiter reichende Forderungen stellen wird, weil die Situation sich weiterhin zur russischen Gunsten entwickelt.

  5. Möglicherweise hat der Kreml der NATO eine Message übermittelt. Es ist aber auch möglich, dass es sich um 2-3 Irrläufer handelt, die Anzahl dann von polnischer|westlicher Seite hochgejazzt wurde. Diese Variante würde zumindest zum spärlichen Bildmaterial passen.

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