Regimewechsel auf Raten


Verlust der rechten Hand Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskiy kann nun auch den Chef seines Präsidialamts, Andriy Jermak, nicht mehr decken. Das Netzwerk seiner Machtausübung droht sich aufzulösen. Andere Akteure werden an Einfluss gewinnen.

deepai.org


Er ist der Präsident, der Premierminister, der Außenminister … alle Minister zusammen.

Ein westlicher Botschafter gegenüber der Financial Times über Jermak

Der Grüne Kardinal von Kiew

Andriy Jermak (54) war vor der Wahl von Wolodymyr Selenskiy zum Präsidenten der Ukraine ein auf Urheberrecht spezialisierter Rechtsanwalt, der zudem ab 2012 Filme produzierte. So kam er auch mit Selenskiy in Kontakt. „Ihre Beziehung begann etwa 2010“, erklärte Olena Prokopenko, Senior Fellow beim German Marshall Fund, gegenüber RFE/RL. „Selenskyj vertraut Jermak in einem Maße, wie er wohl niemand anderem vertraut. Jermak ist sein einziger Vertrauter und zuverlässiger Verbündeter in der ukrainischen Politiklandschaft.“ Jermak vertrat Selenskiys Produktionsfirma «Kvartal 95» in Urheberrechtsfragen und schloss sich 2019 dessen Wahlkampfteam an. Es bestand auch damals bereits eine private Freundschaft. Auf Jermaks Facebook-Seite gibt es laut globalsecurity.org sehr alte gemeinsame Fotos mit Selenskiy und seiner Frau Elena.

Nach dem Sieg Selenskiys bei den ukrainischen Präsidentschaftswahlen trat dieser am 20. Mai 2019 sein Amt an. Bereits am Folgetag ernannte er Jermak zu seinem Berater in außenpolitischen Fragen. Daraufhin nahm Jermak
an allen internationalen Treffen und Besuchen teil, da das Team von Selenskiy den Diplomaten nicht vertraute.

Am 11. Februar 2020 formierte Selenskiy das Präsidialamt um und ernannte Jermak zu dessen Leiter. Es gab bald Hinweise auf Korruption. EuroMaidanPress berichtet, dass schon nach weniger als einem Monat ein Abgeordneter von Selenskiys Regierungspartei «Diener des Volkes», Geo Leros, Videos veröffentlichte, in denen er behauptete, Jermaks Bruder Denys habe Regierungsämter gegen Geldzahlungen verkauft. Am nächsten Morgen leitete das [von Selenskiy kontrollierte] Staatliche Ermittlungsbüro ein Strafverfahren gegen Leros ein.

Im Juni 2020 wurde Jermak dann zum stellvertretenden Vorsitzenden des Nationalen Rates für Antikorruptionspolitik ernannt [das ist eine andere Institution als die NABU]. Diesem Nationalen Rat für Antikorruptionspolitik misstrauten im März 2025 62% der Ukrainer.

Am 29. August 2020 setzten Brandstifter Leros‘ Auto in Brand. Dies war der dritte Fall von Brandstiftung innerhalb eines Monats, nachdem bereits am 23. Juni das Haus des Leiters des Anti-Korruptions-Aktionszentrums, einer zivilgesellschaftlichen Organisation, niedergebrannt war. Am 1. September redete Leros im Parlament. Am 2. September wurde er auf Betreiben von Dawid Arachamija aus der Partei «Diener des Volkes» ausgeschlossen. Bei einem Treffen in Charkiw nach Leros befragt, sagte Selenskiy damals laut Ukrainska Pravda „Über Schmiergeldgeber und Landesverräter habe ich nichts zu sagen und es ist mir egal, welcher Partei sie angehören.“

In der Folge nahm Jermaks Einfluss immer mehr zu. In der Ukraine kursiert laut Radio Free Europe/Radio Liberty (RFE/RL) der Witz, dass ausländische Investoren und Beamte nach Kiew kommen sollten, um Selenskiy zu treffen, damit dieser ihnen Jermak vorstellen kann. “Er hat Einfluss auf fast alle wichtigen Entscheidungen im Land„, sagte der ehemalige ukrainische Ministerpräsident Oleksiy Honcharuk schon im Juli 2021 gegenüber RFE/RL und beschrieb Jermak als “wahrscheinlich die Nummer 2 nach dem Präsidenten».

Am 18. September 2023 beschrieb der keineswegs unbekannte Paul Starobin in einem Artikel im Business Insider das Problem erstmals für die westliche
Öffentlichkeit. In politischen und wirtschaftlichen Kreisen in Kiew gelte Jermak weithin als die zweitmächtigste Person des Landes – eine Art Dick Cheney hinter den Kulissen für Selenskiy, der in dieser Hinsicht mit George W. Bush vergleichbar sei. Einige würden Jermak sogar als einflussreicher als den Präsidenten ansehen.

Starobin hatte auch mit Daria Kaleniuk, Geschäftsführerin des Anti-Korruptions-Aktionszentrums gesprochen, das er als Interessenvertretung beschrieb, die von Washington und Mitgliedstaaten der Europäischen Union finanziert wird. Kaleniuk zufolge versuche Jermak über seine Stellvertreter im Präsidialamt und die ihm unterstellten Kabinettsminister, die Kontrolle über einen großen Teil der ukrainischen Wirtschaft sowie über die Strafverfolgungs- und Sicherheitsbehörden zu erlangen. Durch diese Machenschaften, so habe sie ihm gesagt, erhielten „gut vernetzte Personen“ aus der Wirtschaft Regierungsaufträge zu überhöhten Preisen.

„Jermak ist ein Vater, der diesen Kindern beibringt, wie man das Geschäft führt“, teilte Juriy Alatortsev, der CEO eines Düngemittelunternehmens Starobin mit – wobei Alatortsev mit „Geschäft“ politische Korruption meinte. „Seien Sie unbesorgt“, schrieb Alatortsev Starobin in einer SMS, „mit einer einfachen Mehrheit im Parlament können Sie Ihre eigene Münzprägeanstalt eröffnen.“

Am 7. Juni 2024 äußerte sich Maxim Tucker in The Times [London] besorgt: „Als sich die erste Amtszeit von Selenskyj dem Ende zuneigte, äußerten hochrangige Regierungs-, Militär-, Strafverfolgungs- und Diplomatenkreise, von denen viele anonym bleiben wollten, ihre Besorgnis über seine wachsende Abhängigkeit von Andriy Jermak, seinem Stabschef, dem vorgeworfen wird, persönliche Macht anzuhäufen und demokratische Prozesse zu untergraben … Einige Quellen gingen sogar so weit, ihn als „de facto Staatsoberhaupt“ oder „Vizepräsident der Ukraine“ zu bezeichnen.

Am 13. September 2024 kritisierte Politico eine Kabinettsumbildung in der Ukraine, bei der unter anderen der ukrainische Auenminister Dmytro Kuleba aus dem Amt gedrängt wurde: “Laut [einem] Beamten und anderen Insidern, die von Politico befragt wurden, hatte Kuleba den mächtigen Stabschef von Selenskiy, Andriy Jermak, verärgert, der mehr Kontrolle über das Ministerium haben möchte.” Tatsächlich wurde das Amt mit Andriy Sybiha besetzt, der zuvor Jermaks Stellvertreter gewesen war, wie Kyiv Independent berichtet.

Eine andere Entlassung, nämlich diejenige des Leiters des ukrainischen nationalen Stromübertragungsnetzes Kudrytskiy, rief laut Politico seltene öffentliche Kritik seitens westlicher Geldgeber hervor. In einem Brief an den ukrainischen Premierminister Denys Shmyhal äußerten Vertreter der EU und internationaler Finanzinstitutionen ihre Besorgnis und warnten davor, die Unabhängigkeit von Ukrenergo gegenüber der Regierung zu untergraben. Wenn die Führungsstruktur geändert wird, „könnte dies unsere kollektive Fähigkeit gefährden, Ukrenergo und andere vorrangige Maßnahmen zur Sicherung der lebenswichtigen Energieversorgung der Ukraine zu unterstützen“, warnten sie in dem Brief. Die Botschafter der G7 verstärkten diese Erklärung durch einen Tweet.

Jermak hatte aber auch einflussrfeiche Freunde. Er wurde 2024 von The Times (Magazine) zu einer der 100 einflussreichsten Persönlichkeiten der Welt gekürt. Die Laudatio schrieb Alexander Fogh Rasmussen, ein ehemaliger dänischer Ministerpräsident und NATO-Generalsekretär, der nach seiner politischen Karriere, na, wohin denn gleich?, zu Goldman Sachs gegangen ist.

Jermaks Verhältnis zu Selenskiy wurde immer enger. „Sie sind wie siamesische Zwillinge miteinander verschmolzen. In den fünf Jahren ihrer Zusammenarbeit sind sie fast zu einer Einheit geworden“, erklärte Wolodymyr Fesenko, Leiter des Penta-Zentrums für politische Studien in Kiew, gegenüber RFE/RL. Der britische Economist drückte den gleichen Umstand so aus: “Bald wurde er als Vizepräsident, Ministerpräsident und Symbiont von Herrn Selenskyj in einer Person beschrieben. Einige sagten, er habe einen fast mystischen Einfluss auf den ukrainischen Staatschef.”

Vitaly Schabunin, Chef des Anti-Korruptions-Aktionszentrums, sagte dem Kyiv Independent: „Das Denken des Präsidenten wird von einer einzigen Person geprägt . Und selbst wenn Selenskyj ein Genie in Sachen Regierungsführung wäre, wäre das immer noch eine Katastrophe.“ Am 11. Juli 2025 wurde Schabunins Wohnung ohne Gerichtsbeschluss und in Abwesenheit eines Anwalts durchsucht. Wie slidstvo.info berichtet, wurde vor Beginn der Durchsuchung Schabunin von einem Passanten das Handy entrissen, und während der Durchsuchung wurde versucht, es wieder in der Wohnung zu platzieren. Das wiederum filmten echte Passanten.

Wie der britische «The Independent» berichtet, wird Jermak in der Ukraine als «Der Grüne Kardinal» (Зелений кардинал) bezeichnet. Das ist ein auf Selenskiys Name (Зеленський) beruhendes Wortspiel. Der Name des Präsidenten kann etymologisch auf «der aus dem Grünen stammende» zurückgeführt werden. Dieser Spitzname Jermaks ist eine Anspielung auf Kardinal Richelieu, der als Prototyp des allmächtigen „hinter den Thronen“ wirkenden Drahtziehers gilt.

Die Zuspitzung

Für die westlichen Verbündeten der Ukraine wurde Jermak – vielleicht auch die siamesischen Zwillinge Selenskiy und Jermak – immer mehr zum Problem. Am 19. Juni 2025 berichtete Politico, dass inmitten der heftigen politischen Auseinandersetzungen, die es in Washington in der Ukrainefrage gäbe, sich beide Parteien in einem Punkt einig seien: Alle hätten genug von Jermak.

„Derzeit herrscht großes Misstrauen gegenüber der Regierung Selenskiy. Die Unfähigkeit Kiews, die politische Dynamik in den USA zu verstehen, hat verheerende Auswirkungen“, sagte Ron Wahid, Vorsitzender des strategischen Informationsdienstes Arcanum Global, gegenüber Politico. Wahid war als inoffizieller Berater bei den Friedensgesprächen zur Ukraine tätig gewesen. Unter Berufung auf weitere zehn Personen schrieb Politico, dass US-Beamte „Jermak als uninformiert über die US-Politik, aggressiv und übermäßig fordernd gegenüber US-Beamten empfanden“.

„Wir müssen mit ihm verhandeln, er ist Selenskiys Mann“, sagte ein hochrangiger europäischer Beamter gegenüber der Zeitung Kyiv Independent. „Wir haben keine Wahl.“ Ein anderer europäischer Diplomat bemerkte im Zusammenhang mit den angespannten Beziehungen zwischen der Ukraine und den USA und möglichen Wegen für die Zukunft, dass „alles besser sei, als Jermak erneut (nach Washington) zu schicken“. Beide Beamten sagten, dass Jermak in Brüssel und Washington nicht gut angesehen sei. In der Ukraine sei sein Ruf sogar noch schlechter. Tatsächlich misstrauten nach einer Umfrage des Razumkov-Zentrums bereits im Februar/März 2025 67% der Befragten Jermak.

In der Ukraine gibt es auf Bertreiben westlicher Partner unabhängige Antikorruptionsbehörden, die NABU und den Sonderermittler SAPO. Am 21. Juli durchsuchte der Inlandsgeheimdienst SBU Büros der NABU, wie die Behörde selbst bekanntgab. Am 22. Juli wurde ein anderes Gesetz in zweiter Lesung im ukrainischen Parlament um Passagen ergänzt, welche die Unabhängigkeit von NABU und SAPO einschränken sollten, wie The Policy Practice berichtete. Es kam sofort zu Straßenprotesten. Das Gesetz wurde in einem «Turbo-Modus» beschlossen. Selenskiy unterzeichnete es noch am gleichen Tag.

Am Folgetag informierten NABU und SAPO den Vizepremierminister Oleksii Tschernyschow, dass gegen ihn ein Verdacht bestünde und sie gegen ihn ermitteln würden. Die Straßenproteste schwollen an. Die EU-Staaten waren nicht amüsiert. Selenskiy musste einlenken. Am 31. Juli stellte ein neues Gesetz die Unabhängigkeit von NABU und SAPO wieder her.

Selenskiy hatte Tschernyschow selbst ernannt. Er hat den 2021 noch unbekannten Tschernyschow auf seiner Geburtstagesfeier am 29.Januar 2021 getroffen, die er im Appartement seines Freundes Timur Mintschin beging. Gegen Tschernyschow wurde inzwischen Haftbefehl erlassen. Weil die hohe Kaution gezahlt werden konnte, ist er allerdings wieder auf freiem Fuß. Mintschin steht im Mittelpunkt der «Operation Midas», in der NABU Korruption im ukrainischen Energiesektor untersucht. Er bekam vor der Durchsuchung seiner Appartements einen Tipp und setzte sich Stunden vorher ins Ausland ab.

Die Durchsuchung der NABU-Büros am 21. Juli war von Ruslan Krawtschenko genehmigt worden, der am 17. Juni auf Vorschlag Selenskiys vom Parlament zum Generalstaatsanwalt der Ukraine ernannt worden war und am 21. Juni von ihm bestätigt worden war. Krawtschenko hatte sich laut Babel zuvor sowohl um das Amt des Vorsitzenden der NABU als auch um das Amt des SAPO beworben, war aber in beiden Fällen erfolglos geblieben. Die oben bereits erwähnte Geschäftsführerin des Anti-Korruptions-Aktionszentrums, Kaleniuk, sagte dem Kyiv Independent „Ruslan Kravchenko, der im Sommer dieses Jahres mit dem einzigen Ziel ernannt wurde, die Unabhängigkeit der NABU und der Spezialstaatsanwaltschaft für Korruptionsbekämpfung (SAPO) zu untergraben, untersteht direkt Andriy Jermak“.

Weiter sagte Kaleniuk bezüglich des durch die «Operation Midas» aufgedeckten Korruptionsnetzwerks im Energiesektor: «Jermak ist so einflussreich und in so viele Angelegenheiten innerhalb des Landes involviert, dass ein derart groß angelegter Korruptionsplan ohne sein fundiertes Wissen und Verständnis unmöglich funktionieren könnte“. Es sei kein Geheimnis, dass Personalentscheidungen im Land, sowohl im Präsidialamt als auch in der Regierung und in staatlichen Unternehmen, ohne Jermak unmöglich seien. Jermaks ehemaliger Stellvertreter, Andriy Smyrnov, wurde wegen illegaler Bereicherung, Geldwäsche und Bestechung angeklagt. Gegen zwei weitere ehemalige Stellvertreter – Kyrylo Tymoshenko und Rostyslav Shurma – wurden in Korruptionsfällen ermittelt, allerdings ohne dass es zu einer offiziellen Anklage kam.

Nach all dem ist es nicht verwunderlich, dass Rufe nach Jermaks Rücktritt laut wurden, als die NABU vorläufige Ergebnisse der «Operation Midas» veröffentlichte. Sie kamen teils sogar aus der Regierungspartei «Diener des Volkes».

Jedoch sagte der oben bereits erwähnte Fesenko RFE/RL «„Für Selenskyj wäre die Entlassung von Jermak wie das Abschneiden seiner eigenen rechten Hand“. Eine Quelle aus den Strafverfolgungsbehörden erklärte gegenüber The Kyiv Independent am 19. November, dass sie trotz gegenteiliger Berichte nicht mit einer Entlassung Jermaks rechne. „Was würde [Selenskyj] ohne Jermak tun?“ soll sie mit einem Lächeln gefragt haben.


Er war schon vor diesem Job mein Freund und wird auch danach in Erinnerung bleiben.

Andriy Jermak über Wolodymyr Selenskiy, 29.11.2025

Der Fall

Zunächst sah es ganz danach aus, dass die Quelle des Kyiv Independent recht behalten würde. Als der US-amerikanische 28-Punkte-Plan bekannt wurde, ernannte Selenskiy seinen Vertrauten kurzerhand zum Verhandlungsführer. Jermak leitete Anfang dieser Woche die ukrainische Delegation, die sich mit dem US-amerikanischen Außenminister Rubio in Genf traf. Das machte ihn zumindest kurzfristig unangreifbar. Gestern hätte er in der gleichen Rolle zu einem Treffen mit Steve Witkoff und Jared Kushner in Miami (Florida) fliegen sollen, wie EuroMaidanPress unter Berufung auf Axios und auf The Economist berichtete.

Dazu kam es allerdings nicht mehr. Am Freitag, dem 28. November 2025 um 9 Uhr morgens postete NABU eine Telegram-Nachricht, dass die Behörde die Wohnung Jermaks durchsuche. Am Nachmittag gab Selenskiy Jermaks «Rücktritt» bekannt. Der schöne Schein wurde nicht lange gewahrt. Einige Stunden später wandte sich Jermak an das Boulevardblatt «The New York Post» und gab bekannt, er werde an die Front gehen, ohne allerdings irgendwelche Details bekanntzugeben. „Ich bin angewidert von den Schmähungen, die gegen mich gerichtet sind, und noch mehr angewidert von der mangelnden Unterstützung durch diejenigen, die die Wahrheit kennen“, fügte er hinzu.

Einige Stunden später hatte er sich etwas gefangen und gab den oben zitierten, etwas sibyllinischen Spruch ab, wie liga.net berichtete.


Ich möchte nicht auf seinem Grab tanzen. Vor allem nicht, bevor ich sicher bin, dass es wirklich eines ist.

Ein ungenannter Medienvertreter über Jermak gegenüber der Financial times, wiedergegeben auf liga.net

Das Nachspiel

In seiner Abendadresse vom 29. November gab Selenskij laut Ukrainska Pravda bekannt, dass er mit dem Sprecher der Werchowna Rada der Ukraine, Ruslan Stefanchuk, Vertretern der Mehrheitsfraktion und der Premierministerin der Ukraine, Yuliia Svyrydenko, gesprochen habe. Er gehe davon aus, dass das ukrainische Parlament voll funktionsfähig bleiben werde.

Svyrydenko war von 2020 bis 2021 Jermaks Stellvertreterin und trat bei einer Kabinettsumbildung im Juli in die Regierung ein, wie Kiyiv Independent berichtete. Ferner traf Selenskiy gestern Kyrylo Budanov, den Leiter des ukrainischen Militärgeheimdienstes, Verteidigungsminister Denys Shmyhal, den ersten stellvertretenden Ministerpräsidenten Mykhailo Fedorov und Pavlo Palisa, den stellvertretenden Leiter des Präsidialamtes

Interne Umfragen, die The Economist vorliegen, deuten darauf hin, dass das Vertrauen in den Präsidenten nach den Enthüllungen der Anti-Korruptions-Behörde NABU um die Hälfte gesunken ist. Schon vor Bekanntwerden des Skandals deuteten Umfragen darauf hin, dass er in einer hypothetischen Wahl gegen Valery Saluschniy, oder gegen Budanov verlieren würde.

The Economist nahm an, dass der stellvertretende Ministerpräsident Mykhailo Fedorov der Favorit für Jermaks Nachfolge sei, während Oksana Makarova, ehemalige Botschafterin in Washington, auch im Rennen sei. Der in westlichen Hauptstädten hoch angesehene Budanov werde wahrscheinlich die Rolle des Chefunterhändlers von Jermak übernehmen.

Dazu kam es zunächst einmal nicht. Stattdessen schickte Selenskiy Ruslan Umerow nach Miami, dessen Name auch schon einmal im Zusammenhang mit Antikorruptionsermittlungen auftauchte, ohne dass es allerdings dafür eine Bestätigung der NABU gäbe.

Vielleicht sind diese Personalfragen ja auch gar nicht das Wichtigste.
Ehemalige Mitarbeiter des Präsidialamtes berichteten der Zeitung Kyiv Independent, dass Selenskiy nicht tief in die täglichen Abläufe der Regierungsarbeit involviert sei, sondern dass Jermak weitgehend für die praktischen Aspekte der Verwaltung und die eigentliche Regierungsarbeit verantwortlich sei. Jermak hat über fünf Jahre hinweg Netzwerke aufgebaut und Abhängigkeiten geschaffen. Eine der Quellen beschrieb Selenskiy als den Vorstandsvorsitzenden, der die Strategie festlegt, und Jermak als den Geschäftsführer, der die Kontrolle und Umsetzung übernimmt. Selenskiys Machtentfaltung lief über Jermak ab. Wer immer ihn ersetzt, wird ihn aus Selenskiys Sicht nicht vollständig ersetzen können. Und es bleibt unklar, ob Selenskiy begriffen hat, dass die Verbündeten einen solchen Ersatz auch gar nicht wollen.


Wir sind zusammen gekommen, und wir werden zusammen gehen.

Selenskiy über Jermak, laut RFE/RL

71 Antworten zu “Regimewechsel auf Raten”

  1. @izi
    Danke für diesen wirklich Klasse Beitrag.
    Selbst mein chatty, dass nun nach den strengsten Regeln urteilt, hatte nichts auszusetzen.
    Allererste Sahne, ich kann nur immer den Hut ziehen.

    Wenn man die gegenwärtige Situation nüchtern betrachtet, scheint die Ukraine weniger in einem klassischen Machtwechsel zu stehen, als in einem schleichenden Abbau der alten Strukturen.
    Die Kombination aus militärischer Überlastung, Korruptionsskandalen und westlicher Ungeduld erzeugt ein Vakuum, das nicht durch klare Nachfolger gefüllt ist.
    Ob man diesen Prozess als „Regimewechsel auf Raten“ bezeichnet oder als Erosion, ist letztlich eine Frage der Perspektive – entscheidend ist, dass sich die Entscheidungszentren sichtbar verschieben.
    Auch Russland spielt in diesem Prozess indirekt eine Rolle, weil militärische Dynamik politische Dynamik erzwingt. Wie sich das weiterentwickelt, hängt weniger von einzelnen Köpfen ab, als davon, ob ein funktionierendes politisches und militärisches Zentrum überhaupt erhalten bleibt.

    Wie, denken Sie, könnte es weitergehen?

  2. Ukrainische Wasserdrohnen haben am Samstag das Terminal des Caspian Pipeline Consortium (CPC) im russischen Schwarzmeerhafen Noworossisk beschädigt, das ein Gemeinschaftsunternhemen amerikanischer, kasachischer und russischer Anteilseigner ist. Die kasachische Regierung hat die ukrainische Regierung aufgerufen, die Angriffe auf Einrichtungen der Firma einzustellen.

    Quelle: NZZ

    • @izi
      Hat sich die Ukraine wirklich dazu bekannt?
      Das wäre nach meiner Meinung eine sehr unkluge Tat gewesen.
      Was versprechen die sich davon?
      Es wird mir immer unerklärlicher.
      Wen kann man denn dann eigentlich als «irr» bezeichnen?

        • @izi
          Nur was verspricht sich die Ukraine davon.
          Sollen die nicht gewusst haben, dass es amerikanische Anteilseigner gab?
          Kann ich mir eigentlich nicht vorstellen.
          Und Trump ist nicht Biden.
          Das müsste doch nun auch in der Ukraine angekommen sein.

        • @izi
          Es gab doch auch noch die Angriffe auf 2 Öltanker.
          Röper:

          «Am Abend des 29. November veröffentlichten ukrainische Geheimdienste ein Video eines Angriffs unbemannter Boote auf Tanker im Schwarzen Meer in der ausschließlichen Wirtschaftszone der Türkei. Das Video kursiert im Internet.

          Am 28. November setzten zwei Schiffe unter gambischer Flagge Notsignale ab. Der Tanker „Kairos“, der auf dem Weg von Ägypten nach Noworossijsk war, um Öl aufzunehmen, wurde 28 Seemeilen vor der türkischen Küste als erstes angegriffen. An Bord brach ein Feuer aus. Die 25 Besatzungsmitglieder konnten erfolgreich evakuiert werden.

          Der andere beschädigte Tanker, die „Virat“, befand sich auf dem Weg von Sewastopol und war 35 Seemeilen vor der Türkei. Auch er wurde von einer Marinedrohne angegriffen. Glücklicherweise blieben beide Schiffe schwimmfähig und kein Besatzungsmitglied wurde ernsthaft verletzt. Die „Virat“ wurde jedoch abgeschleppt und steuert nun auf die türkische Küste zu.

          Kiew meldete, dass die Operation von der 13. Direktion für Militärische Spionageabwehr des ukrainischen Sicherheitsdienstes und der ukrainischen Marine gemeinsam durchgeführt wurde.

          Das türkische Außenministerium äußerte sich besorgt über die Angriffe auf die beiden Tanker im Schwarzen Meer und erklärte, sie stellten eine Bedrohung für Menschenleben, die Schifffahrt und die Umwelt dar.»

          • Ja, wie ich gearde schon unter einem andern Kommentar geschrieben habe, sind das Kriegsverbrechen. Anders wäre es nur, wenn die Tanker Treibstoff für eine militärische Operation transportiert hätten. Da sie nicht direkt mit einer Militäroperation in Verbindung standen, müsste die Ukraine dafür eigentlich mit Sanktionen belegt werden.

            Die können meinetwegen die Erdölinfrastruktur in Russland angreifen, Russland greift ja auch die Energieinfrastruktur in der Ukraine an. Aber bei zivilen Schiffen in internationalen Gewässern hört der Spass auf.

  3. Die russische Zentralbank har Gold- und Devisenresreserven von 420 Milliarden US$. Selbst ohne Rückgriff auf Staatseinnahmen könnten damit die gegenwärtigen Militärausgaben noch zweieinhalb Jahre lang finanziert werden.

    Quelle: NZZ

    Es gibt keine Möglichkeit, Russland durch wirtschaftlichen Druck zum Nachgeben zu zwingen, wenigstens nicht in einer Zeit, welche die Ukraine noch durchhalten kann. Und Russland hat nach wie vor Staatseinnahmen.

    • @izi
      Mit den in Belgien eingefrorenen Geldern scheint es ja nun auch Streit mit Belgien zu geben.
      Denken Sie, dass sich da was bewegt?
      Also dass die Freigabe in irgendeiner Form stattfinden wird.
      Russland hat ja auch dahingehend «gedroht».

      • Die Gelder gehören Russland. Das ist rechtlich nun einmal so.

        Wenn man davon absieht, liegen immer noch Vermögenswerte westlicher (auch belgischer Unternehmen) in Russland. Wenn die EU beschlagnahmt, warum würde Russland nicht seinerseits beschlagnahmen?

        • @izi
          >>>Wenn man davon absieht, liegen immer noch Vermögenswerte westlicher (auch belgischer Unternehmen) in Russland. Wenn die EU beschlagnahmt, warum würde Russland nicht seinerseits beschlagnahmen?<<<
          Das hatte Putin ja schon vor längerer Zeit auch angedroht.
          Aber irgendwie scheint das bei der Uschi auch nicht angekommen zu sein.
          Also alles wie immer?
          Putin blufft nur?
          Die müssten doch auch mal irgendwann aufwachen.
          Ich verstehe das alles nicht mehr.

    • «Es gibt keine Möglichkeit, Russland durch wirtschaftlichen Druck zum Nachgeben zu zwingen, wenigstens nicht in einer Zeit, welche die Ukraine noch durchhalten kann.»
      Andererseits haben hiesige Rüstungskonzerne genügend Machtmittel, Regierungen unter Duck zu setzen. Um den Aktienkurs hochzuhalten, whatever it takes. Und solange man keinen anderen massiv ressourcenverschrottenden Krieg hat muss man eben die Ukraine dafür benützen.
      Ich weiss, dass ich mich mit der Behauptung ein bisserl auf spekulativem Boden bewege, aber eine plausiblere Erklärung für das ‚irrationale‘ Verhalten europäischer Regierungen fällt mir nicht ein. Auch wenn ich vielleicht ein paar Leute mit der Kaputalismuskritik verärgere.

      • @gelse
        >>>Und solange man keinen anderen massiv ressourcenverschrottenden Krieg hat muss man eben die Ukraine dafür benützen.<<<
        Gut, das machen die Amis ja auch. Die überfallen Länder, aber die kriegen ja auch was dafür. Öl, Bananen, was auch sonst noch. Und auch an die Ukraine haben sie ihre Waffen VERKAUFT.
        Deutschland und die EU hat doch bisher ihr altes Arsenal leergeräumt, aber dafür NICHTS bekommen.
        Die Arsenale müssen jetzt halt wieder gefüllt werden, da verdient die Rüstungsindustrie und der Aktionär.
        Das ist halt so im Kaputalismus. Aber der Staat selbst, verdient ja nun nicht. Der muss das Ganze ja bezahlen.
        Und in der EU ist es ja genauso.
        Wollen die sich das Geld von der bankrotten Ukraine holen?
        Oder planen die ganz was Anderes?

        • «Und auch an die Ukraine haben sie ihre Waffen VERKAUFT.»

          Nee. Biden nicht. Das war alles Grauzone. Und nicht mal Trump hat sich getraut, das Geld hinterher einzutreiben.

          Jetzt allerdings verkaufen sie nur noch. Bezahlen tun die Europäer.

        • „…da verdient die Rüstungsindustrie und der Aktionär.“
          Zur Zeit herrscht Katerstimmung in der der Kriegsrüstungsindustrie: Die neuen Friedensbemühungen führten anscheinend dazu, dass einige Schnellentschlossene ihre Aktien verkauften und die Nachfrage nach Rüstungsaktien nachlässt. Das führte zu Kursverlusten. Und es ist kein neuer, vergleichbar lukrativer Krieg in Sicht. Wenn die USA Krieg gegen Venezuela führen würden könnte die europäische Rüstungsindustrie davon kaum profitieren, falls sie es überhaupt so weit treiben wollen.
          Es kann also passieren, dass die Rüstungsblase platzt. Oder nicht? Wenn nicht warum nicht?

          „Das ist halt so im Kaputalismus.“
          Ja, und wer ihn für das Ende der Geschichte halten will muss das Prinzip ‚privater Reichtum – armer Staat‘ akzeptieren. Wer nichts zum Investieren übrig hatte kann auch keine staatliche Rettungsaktion beanspruchen. Sondern muss für die Zinsen aufkommen. Falls es die staatliche Kapitalrettung überhaupt noch geben wird, denn wenn ungefähr zeitgleich die KI-Blase* platzte, wie Einige Ökonomen befürchten, würde das die Kreditaufnahmefähigkeit der Staaten bei Weitem überfordern. Wer kommt für die Znsen auf? Die Lobbies und ihre Auftraggeber machen sich einen schlanken Fuss wenn es ans Bezahlen geht, das ist halt so im Kaputalismus. Naturgegeben oder gottgewollt, da sind dem Glauben keine Grenzen gesetzt.
          Wenn das nicht geschehen kann, warum nicht?

          * https://www.heise.de/forum/heise-online/Kommentare/Fast-alle-Welt-warnt-vorm-Platzen-der-KI-Blase/forum-570362/

    • @izi
      RT meldet:
      «Der Tanker Midvolga 2 ist im Schwarzen Meer etwa 80 Seemeilen (148 Kilometer) vor der türkischen Küste angegriffen worden. Dies teilte die Hauptverwaltung für Seeverkehr der Republik auf X mit. Midvolga 2 transportierte Sonnenblumenöl und war auf dem Weg von Russland nach Georgien. Nach Angaben von Marine Traffic fährt der Tanker unter russischer Flagge.»

      Die Türkei hält sich mit Schuldzuschreibungen zurück, aber ausser den Russen selbst, fällt mir da nun kein weiterer Akteur ein, als die Ukraine.

        • @izi
          >>>Das verstehe ich rein geografisch nicht.<<<

          Der Punkt ist geografisch ganz einfach:
          Ein Tanker, der von Russland nach Georgien fährt, fährt zwangsläufig ein Stück entlang der türkischen Schwarzmeerküste. Batumi liegt nur wenige Kilometer von der türkischen Grenze entfernt. „Vor der türkischen Küste“ und „auf dem Weg nach Georgien“ widersprechen sich geografisch also nicht.

          Die kürzeste Verbindung zwischen russischen Häfen (z. B. Sochi, Tuapse, Novorossiysk) und den georgischen Häfen (Batumi, Poti) verläuft zwangsläufig entlang der türkischen Schwarzmeerküste.
          Batumi liegt nur rund 15 km von der türkischen Grenze entfernt.
          Deshalb kann ein Angriff „vor der türkischen Küste“ stattfinden, obwohl das Schiff auf dem Weg nach Georgien war.

          • «Die kürzeste Verbindung zwischen russischen Häfen (z. B. Sochi, Tuapse, Novorossiysk) und den georgischen Häfen (Batumi, Poti) verläuft zwangsläufig entlang der türkischen Schwarzmeerküste.»

            Von Sotschi, Tuapse und Novorossisk aus liegt die Türkei hinter Batumi. Es mögen nur 15 Kilometer sein, aber man muss in der Regel nicht in türkisches Hoheitsgebiet. Das kann nur passieren, wenn besondere Umstände vorliegen.

  4. Off-topic: China hat in den ersten sechs Monaten des Jahres 2025 so viel Kapazität an erneuerbaren Energien aufgebaut, wie Deutschland insgesamt hat. Der Industriestrompreis ist dort auf dem gleichen Niveau wie in den USA, also weniger als halb so hoch wie in Deutschland. Genutzt wird die Energie in «dark factories», vollautomatisierten Produktionsstätten.

    Quelle: faz.net

    Wenn das letzte Unternehmen aus Deutschland weggeht, möge es doch bitte nicht vergessen, das Licht auszuschalten.

    • @izi
      >>>Wenn das letzte Unternehmen aus Deutschland weggeht, möge es doch bitte nicht vergessen, das Licht auszuschalten.<<<
      Ja, es ist schon bitter, das hier in dt. alles ansehen zu müssen.
      Noch bitterer ist es allerdings, dass ausser BSW und AfD niemand zu erkennen scheint.
      Alles gehirngewaschene I*****n.
      Ich kanns nicht mehr anders nennen.

    • «Wenn das letzte Unternehmen aus Deutschland weggeht, möge es doch bitte nicht vergessen, das Licht auszuschalten.»

      Yo, Panik, Panik, P.

      Das Abendland ist schon so oft untergegangen warum geht es immer wieder auf?

                • @u_S
                  >>>nergiewende ohne Fossile überall geht aber.<<<

                  Weiss ich nicht. Auf dem Papier und mit Computermodellen aber bestimmt.
                  Was hat das aber mit den genannten Beispielen zu tun?
                  Also S 21? oder meinen?

                  Und mit dem "Reisebericht aus Mordor", ich habe jetzt mal geschaut, was mit dem Begriff "Mordor" so verbunden wird, weil ich ehrlich gesagt keine Ahnung davon habe.

                  "Kernaussage

                  „Mordor“ steht zu 99 % für Negativität:
                  Dunkelheit, Unterdrückung, Feindseligkeit, zerstörerische Macht."

                  Ich weiss ja nicht, wie Sie zu der Sache Russland stehen, aber ich habe eigentlich keine Lust, mir meine Erinnerungen oder Wahrnehmungen oder Erlebnisse von Moskau und den Menschen, die ich dort teilweise getroffen habe, zerreden zu lassen oder darüber zu diskutieren.

                  Ausserdem bräuchte ich dafür auch erst einmal innerliche Ruhe.
                  Und die habe ich zur Zeit überhaupt nicht.

                  Das ist eigentlich der Hauptgrund.
                  Ich habe sogar schon angefangen, aber dann erstmal wieder aufgehört.
                  Am liebsten wäre es mir, wenn ich den Bericht hier veröffentliche und es wäre Frieden.
                  Auf alle Fälle hat der Grosse von meinen Enkeln nächstes Jahr Abitur an der Schule. Da hoffe ich zumindest, werden ich auf alle Fälle noch mal hinfahren. Zum Feiern…

                  • @Oberst: Stuttgart 21 ist so ein Beispiel, nichts halbes / nichts ganzes / wird nicht fertig. Die anderen Beispiele sind schon in Betrieb, wie auch immer.

                    Energiewende ist so ein Ding – ich sag jetzt einfach mal so: Natürlich würde als BSP. dem Häuselebauer eine Wärmepumpe in einem Gebiet ohne Gasanschluß und Wärmenetz im Neubau gut und besser zu Gesicht stehen. Bis 2020 schrie alles Gas. Ich hätte aber einen Wärmepumpenstrom genommen und nicht alles gefördert, was den Einbau der Wärmepumpe betrifft. Da verdient ja nur der Hersteller. Baupreise sind ja inzwischen…

                    Altbau – schwierige Sache. Ich denk dann immer gleich abreisen und neu bauen, wenn es Wärmepumpe sein soll. Geht doch aber nicht. Aber in Deutschland ist so viel Altbau, ungenutz, wird frei, Brachflächen etc., nur nicht da wo Leute wohnen wollen.

                    Moskau: Natütlich, sie dürfen dann wirklich schwärmen. Warum? Weil ich es verstehe. Ich habe es ja gesehen. Und was ich im Netz sehe, bestätigt ja das was ich gesehen habe und andere sehen. Sie sind ja nicht der einzige dort vor Ort. Ich bleib aber bei St.Petersburg, ist mehr Charme. Gibt es da wirklich Leute, die glauben dort ist Mordor. Bei mir fängt Mordor an wenn ich nach dem Urlaub Frankfurt/Main betrete.

                    • @u_S
                      >>>Gibt es da wirklich Leute, die glauben dort ist Mordor. Bei mir fängt Mordor an wenn ich nach dem Urlaub Frankfurt/Main betrete.<<<
                      Frankfurt/Main kann ich nachvollziehen.
                      Sie sprechen aber von Mordor in Zuammenhang mit Russland oder Moskau. Das verstehe ich dann nicht.

                    • «Bei mir fängt Mordor an wenn ich nach dem Urlaub Frankfurt/Main betrete.»

                      Bei mir, wenn ich einen ICE sehe. Ich habe da inzwischen wirklich ein Trauma.

                    • *Sie sprechen aber von Mordor in Zuammenhang mit Russland oder Moskau. Das verstehe ich dann nicht.*

                      Wenn man im Garden Eden, im Westen, im Besten D der Welt lebt, dann verkauft man Mordor in Russland liegend, aber nicht tief in Asien sondern bedrohlich in Moskau, im Zentrum, im Kreml. Moskals, Orks und Mordor…

                      Mach Dir einen Feind, das stärkt den inneren Zusammenhalt.

                      Hat nichts mit meiner Meinung zu tun.

  5. Donald Trump hat nen Friedenspreis bekommen. Immerhin: die Weltfußballfamilie lebt und weiß was sich gehört…für die Sowjetunion nimmt Usbekistan an den 3-Kontinent-Spielen teil. Mein Außenseiter: Cap Verde

    89/90 in der GDR konnte nur ein Erfolg werden – schließlich kamen Glasnost und so aus der Sowjetunion und die war unbesiegbar. Die Fußballer habens damals schon in Wien versemmelt, weil Callmund den Haken geworfen hatte…

    Merz isst zu Abend mit v.d.L beim aktuellem Rechtsaußen-Führer von Belgien, die Nassauer sollen sich dort eingeladen haben. Soll wohl um legalen Besitztumwechsel von eingefrorenen Finanzen aus *Mordor* gehen. Muss man sich jeden Mist von der ersten Elisabeth und ihrem Freibeuter Drake abgucken, gell.

  6. Erst gestern hat Selenskiy per Dekret Nr. 901/2025 Andrij Jermak aus dem Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrat (RNBO) und parallel mit Dekret Nr. 902/2025 aus der Sтавка des Oberbefehlshabers abberufen. Beide Dekrete traten mit ihrer Veröffentlichung in Kraft.

    Einen neuen Leiter des Präsidentialamts hat Selenskiy noch nicht ernannt. Das soll «sehr bald» geschehen.

    RBC-Ukraine berichtet auch, dass Jermak am Tag nach seiner Entlassung Selenskiy im Präsidentenpalast besucht hat.

    And so it goes.

  7. Der «Tagesspiegel» traut sich nun, auf Jermaks Grab zu tanzen.

    Er zitiert den ehemaligen Aussenminister Dmytro Kuleba aus einem Interview, der vor Trumps Amtsübernahme einen Kontakt zu Jared Kushner hatte und diesen ausbauen wollte. Jermak sei dagegen gewesen und habe Selenskiy auf seine Seite gebracht.

    Auch Selenskiys ehemalige Pressesprecherin Julija Mendel hat sich nun negativ über Jermak geäussert und zwar bei «Radio Svoboda». Dieser habe Selenskiy oft in die Irre geführt (dazu gehören immer zwei – izitiwab). Angeblich habe er Selenskiy überzeugt, dass es keine grossangelegte (russische) Invasion geben werde (das erklärt Selenskiys Entscheidung im April 2022 nicht – izitiwab).

    Zudem sagte Mendel: „Seien wir ehrlich. Er [Jermak] war damals quasi die Personalabteilung. Viele Menschen, die heute an der Macht sind, sind seine loyalen Anhänger und haben ihre Karriere ihm zu verdanken.“

    Jermak ist noch nicht von allen Aemtern entbunden, obwohl das in einem solchen Fall eigentlich Standard ist. Der «Tagesspiegel»-Artikel erschien zu einem Zeitpunkt, als Jermak auch noch Mitglied des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrats und dem Obersten Hauptquartier (Sтавка) an.

    • @izi
      Die neuen Aussagen von Kuleba und Mendel zeigen für mich weniger „Erkenntnisse über Jermak“, sondern eher, wie weit der Zerfall im Umfeld Selenskyjs inzwischen fortgeschritten ist.

      Wenn ehemalige Spitzenfiguren plötzlich offen gegen den früheren Stabschef argumentieren, dann meist nicht, weil sie erst jetzt etwas bemerkt haben – sondern weil sich die Machtverhältnisse verändert haben. Beide positionieren sich sichtbar für die Zeit nach Selenskyj.

      Auffällig ist dabei die Diskrepanz: Rücktritt wegen der NABU-Ermittlungen einerseits, aber gleichzeitig Verbleib in zentralen Gremien wie Sicherheitsrat und Stavka andererseits. Das wirkt weniger wie ein normaler Amtsverlust, sondern eher wie ein kontrollierter, halb vollzogener Personalwechsel, bei dem Strukturen erhalten bleiben sollen.

      Der Tagesspiegel trifft mit seinem Timing einen Punkt, an dem die alte Machtarchitektur brüchig wird. Die USA treiben parallel eigene Verhandlungen voran – und genau in dieser Phase geraten Figuren wie Jermak unter Druck. Für mich spricht vieles dafür, dass hier ein orchestrierter Umbau stattfindet, nicht nur ein persönlicher „Fall“.

      Kurz gesagt: Die Kritik an Jermak ist interessant, aber noch interessanter ist, warum sie genau jetzt öffentlich wird.

  8. Dem Flavio von Witzleben, journalistischer Betreiber eines Interviewkanals bei Youtube hat man die Geschäftsbeziehung gekündigt. Also seine Bank mit ihm, eine Sparkasse irgendwo in Baden-Baden-Land. Eigene Aussage bei Overton.

    Gehört das auch zum Regimewechsel?

    • @u_S
      >>>Gehört das auch zum Regimewechsel?<<<

      Definitiv.
      Allerdings hatte er Konto bei Sparkasse.
      Das kann vor Gericht für die Sparkasse auch nach hinten losgehen…

      kleine Nachfrage:

      Der entscheidende Punkt: Sparkassen sind in Debanking-Fällen schon mehrfach gefallen

      Gerichtsurteile der letzten Jahre (alle zugunsten des Kunden):

      Sparkasse KölnBonn

      Berliner Sparkasse

      Sparkasse München

      mehrere Urteile gegen Kündigungen politischer Vereine

      Gerichte argumentieren immer gleich:

      „Ein öffentlich-rechtliches Institut darf nicht nach Meinung kündigen.“

      Wenn Witzleben intern als „politisch kontrovers“ geführt wurde → Game Over für die Sparkasse.

  9. Jermak ist weiterhin:

    – Mitglied des Nationalen Investitionsrats.

    – Vorsitzender des Rates zur Unterstützung des Unternehmertums.

    – Stellvertretender Vorsitzender des Nationalen Rates für Korruptionsbekämpfung.

    ​- Leiter des Koordinationsstabs für humanitäre und soziale Fragen.

    ​- Co‑Vorsitzender der internationalen Expertengruppe „Jermak–McFaul“ und der Beratungsgruppe „Jermak–Rasmussen“.

    – Vorsitzender der Kommission für Staatsauszeichnungen und Heraldik sowie Mitglied des Präsidiums des Kongresses der lokalen und regionalen Behörden

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