Unheilige Nacht


Sind die Lichter angezündet,
Rings ist jeder Raum erhellt.
Weihnachtsfriede wird verkündet,
Zieht hinaus in alle Welt.
Leuchte Licht mit hellem Schein,
Überall, überall soll Friede sein.

Sind die Lichter angezündet, Erika Engel
deepai.org

Es begibt sich zu jeder Zeit. Marija war kein Engel erschienen. Das Kind, das sie erwartete, hatte auch nicht der Gottvater gezeugt. Sie hatte Gefallen an Josyp gefunden, der ihr ein tüchtiger und starker Mann zu sein schien, freundlich und humorvoll dazu. Dann hatte sie gesorgt, dass auch Josyp an ihr Gefallen fand. Sie erkannten einander. Alles ging gut, bis die Raketen kamen.

Die Beiden waren rechtzeitig in die Metrostation gegangen. Als der Luftalarm vorbei war, liefen sie fröhlich Hand in Hand zurück zu ihrer Wohnung. Denn sie waren noch jung. Da sie in ihre Straße einbogen, wurde Marija bang. Auf der Höhe ihres Hauses schien Blaulicht auf und ein Feuer. Wo noch einige Stunden vorher ihre Wohnung gewesen war, klaffte ein Loch in der Fassade.

Josyp hatte Freunde, in deren Wohnung noch etwas Platz war. Dort gingen sie hin. Der Tee gab Marija wieder Mut und am Mittag der Borschtsch wieder Kraft. Am Abend heulten erneut die Sirenen.

Und diesmal war die Aufregung zu viel. Im Gang, unten in der Metrostation, bekam Marija ihre Wehen. Die Leute machten eine Hebamme ausfindig. Nichts war da, was eigentlich für eine sichere Geburt gebraucht wurde. Doch es gelang. Marija war geschwächt, das Kind wohlauf. In den Stunden der Nacht gewann Marija ihre Stärke zurück, schneller als man hätte erwarten dürfen. Vielleicht war es ein Wunder. Vielleicht lag es auch daran, dass sie keine andere Wahl hatte.

Isus lag auf der Jacke eines Fremden, zugedeckt mit dem Mantel einer Frau, die Marija und Josyp erst in dieser Nacht kennengelernt hatten. Und Marija sprach zu Josyp, ihre Stimme noch schwach, doch ihr Ton fest: «Wir müssen weg aus der Stadt.» Es war nicht gut für das Kind, wieder und wieder nachts Schutz in der Metro zu suchen. Die Kälte in der Wohnung von Josyps Freunden war nicht gut, die daher kam, dass die Fernheizung ausgefallen war. Und es war gefährlich für das Kind, das stundenlang so vieles nicht ging, weil der Strom abgeschaltet wurde.

Und Josyp sprach: «Deine Tante, sie wohnt in dem Dorf weitab von den großen Städten und weitab von der Front. Wo weder Raketen einschlagen noch Drohnen. Wo das Leben primitiv ist und etwas ärmlich, das schon, aber sicherer.» Marija atmete auf. In diesem Dorf, wusste sie, waren in den letzten vier Jahren drei Kinder geboren worden. Nirgends war es ganz sicher. In dem armen Dorf aber war es doch besser als in dieser Stadt.

Die Welt setzte keine großen Erwartungen in Isus. Keine drei Könige würden nach ihm suchen. Er war eigentlich kein besonderes Kind. Wenn man vergisst, dass jedes Kind ein besonderes ist.

Und so gingen sie in das Dorf und Josyp fand Arbeit und Isus trank Muttermilch. Er wird die Welt nicht verbessern. Als Messias wird er auch nicht erscheinen. Lasset uns wenigstens hoffen, dass er nicht für die Sünden der Menschheit stirbt.


45 Antworten zu “Unheilige Nacht”

  1. Ganz kurz zwischen den Tagen:

    Unter LEUTEN, auf dem LAND

    Interessant, wie so die 90%-TAZ-Bubble denkt. Schade – so ein Lehrgang auf dem Land für Wohlfühlstädter wäre mal hilfreich. Oder im Ghetto zum Pott. Die Sächsin weiß ja bescheid, MVP – da hat es der LINKE schwer. Manuela oder die AFD. Ich sag immer, hack dem deutschen Adler den rechten Flügel weg, es wird nicht helfen. Den Linken dazu…wird noch schlechter, den Mittelstandsbauch weg – da bleibt nur der BesserEsserSchnabel übrig. Ich würd sagen, an der Ostsse ist es schön, aber Tourismus in Masse geht nur im Sommer. Bald, 2026 sind dort und in Anhalt mit Sachsen im Namen Wahlen. Da wird die Bundesrepublik wieder aufschreien. Im Wir-schaffen-Land wird bestimmt nur Grün-Scharz in Schwarz-Grün umgetauft, im Karneval-ZWO-Land zu Mainz muss man schauen. Wobei – auch hier kommt der Nichtexport an. Ah – Berlin ist auch noch – das größte nichtfuntionale Dorf mit Regierungsviertel für die gesamte Republik.

    Es kann sein das die Schere zwischen Stadt und Land größer ist und größer wird als die Schere zwischen oben und unten. Obwohl, Städte mit 50000EW können auch sehr grau sein, vor dem Abend auf dem Hauptmarkt mit dem Wintermarkt. Am Abend geht es schon besser, wegen dem Licht. Hab ich so empfunden. Deswegen – Kamin, Kerzenfeuer, Kuscheldecke. Sozusagen das 3xK-Reich.

    • «Sie haben nicht das geringste Vertrauen in die herkömmlichen Parteien, weil es an allen Ecken und Enden an der simplen Grundversorgung fehlt: Bildung, Mobilität, Gesundheit, Pflege, bezahlbarer Wohnraum.» (Juli Zeh)

      Und das ist der Grund.

      • Nun ja, das Scheitern aus eigener Schuld ist langsam zur Regel geworden.
        Ob Scholz/Bank oder Maskendeal von Spahn.
        Bürokratie oder Energiewende.
        Was läuft denn gut oder wurde laut Versprechen angegangen?
        Ein Klimageld für jeden Bürger. Laut wurde es verkündet. Nichts geschah. Nur eine zweifelhafte Ausrede anstatt zu sagen, wir wollen nicht zahlen.

        Dieser Zustand hat eine längere Geschichte und ist nicht so schnell zu ändern, auch bei bestem Willen.

        • «Dieser Zustand hat eine längere Geschichte und ist nicht so schnell zu ändern, auch bei bestem Willen.»

          Das ist wie bei der Deutschen Bahn. Ich beneide die neue Chefin dort nicht.

          In der Politik ist es noch etwas dramatischer. Man hat die Dinge so lange verkommen lassen, dass mittlerweile das System instabil geworden ist. Dann wird es zum Problem, wenn die Dinge nicht schnell geändert werden können.

          • Ja, da läßt sich nichts mehr beschönigen.
            Die Leute merken langsam, daß die Verlautbarungen zu Änderungen zum großen Teil aus heißer Luft bestehen.
            Schnell geht gar nichts, aber auch Anfänge sind kaum zu erkennen.
            Eher eine schlechte Nachricht nach der anderen.
            Die schiere Anzahl läßt ein Vertuschen nicht mehr zu.
            Auf breiter Front meint man nun mit Hauen und Stechen weiterzukommen, nicht nur in Deutschland. Das ist aber keine Lösung sondern Teil der Probleme.

            Die fehlende Voraussicht, wie sich Dinge entwickeln können und die Untätigkeit haben zu diesem Sammelsurium geführt.

            Wer hat schon daran gedacht, wohin die Regelungswut und Bürokratie führen?
            Zu einem chaotischen undurchschaubaren Regelungswerk das sich selbst blockiert.
            Das war absehbar und ist seit langer Zeit bekannt.
            Trotzdem packt man noch etwas obendrauf.
            Genau die Akteure, die das initiiert haben, sollen nun für den Abbau sorgen.
            Da benötigt man schon sehr viel Vertrauen in diese Vorgehensweise.

          • Zur Bahn,
            Es gibt Verbindungen, die nachweislich nie pünktlich erfolgen.
            Man könnte den Fahrplan entsprechend anpassen.
            Oder soll die angegebene kurze Fahrzeit der Konkurrenzsituation Auto/Flugzeug geschuldet sein?

            Ausfallende Klimaanlagen scheinen mir auch kein technisches Problem zu sein.
            Man kannte das Problem und kaufte wieder Züge mit den selben Problemen. Da fehlt einem jedes Verständnis.

            Nun haben wir eben das Problem, je schneller man Sanierungen angeht, umso schlechter wird der Bahnverkehr funktionieren, ich meine z.B. die Baustellen.
            Das ist keine große Erkenntnis, sondern sollte jedem Fachmann klar gewesen sein.
            Ich habe gelesen, bei der Bahn geht man von größeren Arbeiten am Netz bis 2060 aus.

        • «Ob Scholz/Bank oder Maskendeal von Spahn.»
          Ich bezweifle dass die Genannten das Ergebnis als Scheitern sehen: Für Spahn (und Nüsslein) hat sich der Maskendeal doch offenbar rentiert und für Scholz die Kungelei mit der Warburg-Bank wohl auch. Und für v. d. Leychen der Impfstoffdeal.
          Die machen doch nichts umsonst.

      • @izi
        Allerdings kann ich diesem Satz von Zeh nicht zustimmen:
        «In Diktaturen lernen die Menschen: Man wurschtelt unter dem Radar, grenzt sich von Politik ab und setzt nicht so große Hoffnungen in sie.»

        Das stand mit dem Satz in Zusammenhang:
        «Für mich als Westlerin ist es normal zu sagen: Ich bin zu Hause in dieser Staatsform, ich traue den gewählten Vertretern auch dann, wenn sie nicht meine Favoriten sind. Sich so stark mit dem Staat zu identifizieren, kann aber für jemanden, der aus der DDR kommt, ganz merkwürdig sein»

        Für mich ist das nicht merkwürdig.
        Ich habe mich selbst sehr stark mit der DDR identifiziert.
        Ich kann Frau Zeh da sehr gut verstehen.
        Allerdings habe ich eben auch erlebt, dass dieses Vertrauen auch enttäuscht werden kann.
        Ich bin aber mittlerweile auch der Meinung, dass der Sozialismus nicht an zu wenig Demokratie untergegangen ist.
        Dafür könnte China das Beispiel sein.
        Das ist vielleicht der BLINDE Fleck bei Juli Zeh.
        Die BRD wird auch nicht als STAAT untergehen.
        Es wird nur kein SOZIALSTAAT im noch existierendem Sinn mehr sein.

        • «Ich bin aber mittlerweile auch der Meinung, dass der Sozialismus nicht an zu wenig Demokratie untergegangen ist.»

          Ich bin sogar, wie meine Eltern, der Meinung, dass auf lokaler Ebene die Demokratie in der DDR besser funktioniert hat als jetzt – wenigstens in Brandenburg.

          Auf höheren Ebenen wurde es sehr schnell düster.

  2. @u_S
    >>>Deswegen – Kamin, Kerzenfeuer, Kuscheldecke. Sozusagen das 3xK-Reich.<<<

    -Kamin hab ich nicht.
    -Kerzen sind zwar schön, aber auch teuer.
    Und dann kommt noch dazu:
    -Feinstaub und Ruß
    -Schadstoffemissionen

    -bleibt nur warme, kuschelige Decke.

    Und 2 Schwibbögen. Mindestens.

  3. «Elitenverachtung».

    Da wäre für mich noch genauer zu bestimmen, was der Durchschnittsbürger darunter versteht.

    Meine Sicht bezieht sich da eher auf die vermögende Oberschicht (sagen ‚wir‘ die 1%), die ich allerdings nicht als Eliten betrachte, sondern als mehr oder weniger unvermeidliches Ergebnis unserer Gesellschaftsform.

    Was ja auch maßgeblich zur Destabilisierung und Diskreditierung jeglicher Demokratie führen muss. Und leider tendiert dann die Alternative in einer weiteren Zuspitzung von Rechtlosigkeit, Abgrenzung und Gewalt.

    • «Meine Sicht bezieht sich da eher auf die vermögende Oberschicht»

      Das ist nicht, was Juli Zeh für den durchschnittlichen Brandenburger im ländlichen Raum beschreibt. Die Eliten umfassen da mindestens führende Politiker, führende Wirtschaftsmanager und Leitjournalisten. Diese werden weniger respektiert als die Quandt, Piech oder die Aldi-Brüder.

      In Frankreich zählen, sofern man Umfragen glaubt, auch die Gewerkschaftsführer zu den verachteten Eliten. Also solche Leute, wie Peter Hartz sie zur Pflege des Betriebsfriedens ins – Sie wissen schon, wohin – eingeladen hat.

    • Ich rede jetzt mal Klartext:

      Es geht nicht um die Eliten im allgemeinen. Es geht um die links-gruenen «Eliten» und. die sogenannten «Gutmenschen». Davon haben die vermeintlich oder tatsaechlich «Zu-kurz-gekommenen» die Schnauze voll.

      • @nera
        >>>Es geht nicht um die Eliten im allgemeinen. Es geht um die links-gruenen «Eliten» und. die sogenannten «Gutmenschen».<<<

        Na gut, dann rede ich jetzt auch mal KLARTEXT:

        Ich glaube nicht, dass Juli Zeh unbedingt NUR diesen Teil damit meint.
        Ich glaube ja selber, dass sie mit der Einschätzung mancher DDR Bürger selbst falsch liegt.
        Habe ich ja auch geschrieben.
        Ich selbst habe nicht so gelebt: «In Diktaturen lernen die Menschen: Man wurschtelt unter dem Radar, grenzt sich von Politik ab und setzt nicht so große Hoffnungen in sie.»

        Ich habe aber wenigstens die Hoffnung gehabt, dass das, was "soziale Marktwirtschaft" genannt wurde, wenigstens auch weiter in der Form politisch GEWOLLT sein könnte.
        Mittlerweile denke ich das allerdings nicht mehr.

        Und wer sich gerade als ELITE begreift, ist mir eigentlich auch egal.
        Für mich zählt NUR, was das Ergebnis des Handelns dieser SOGENANNTEN Elite ist.

        Und da sieht es meiner Meinung nach leider NICHT gut aus.
        Vor allem VERSTEHE ich überhaupt nicht, WARUM diese Elite so handelt.

        Warum versteht eine Linke nicht, dass Sozialstaat OHNE eine funktionierende INDUSTRIELLE Wertschöpfung NICHT umzusetzen ist?
        Wer hat diesen Leuten so ins Hirn gesch****n?
        Das man mit den Industriellen oder Besitzern der PM um die VERTEILUNG des Mehrwerts kämpfen muss, ist mir doch völlig klar. Aus reiner Menschenfreundlichkeit wollen die nichts hergeben.

        Aber wenn man denen PROFIT mehr oder weniger verunmöglicht, was denkt man dann, wo die Gelder zum Verteilen desselben herkommen sollen?

        Aus immer weitere Schuldenaufnahme?
        Oder denken die wirklich, dass SONDERVERMÖGEN keine Schulden sind?

        Und da ich selbst seit 1997 Mitglied der PDS und später der Linken bin, geht mir das ganz PERSÖNLICH sehr nahe.
        Ich zahle selbst jetzt noch einen eher symbolischen Jahresbeitrag von 18 Euro.
        Aber wählen kann ich diese Gruppe nicht mehr.
        Deswegen habe ich ja auf BSW gehofft…

      • «Wenn ich den Text hier rein kopiere, haben Sie bestimmt Bedenken?»

        Ja. Das müsste ich löschen.

        Die ganzen aufgelaufenen und noch nicht eingestellten (zugänglichen) Links bearbeite ich heute oder morgen. Sie sind die Basis für die neuen Salon-Rubriken 2026.

            • @izi
              >>>E-Mail?<<<

              Done!
              Schauen Sie in Ihr Postfach, sollte geklappt haben, wenn nicht, stehen Sie schon auf der nächsten Sanktionsliste 😉

              Guten Rutsch ins Neue Jahr, wünsche ich Ihnen und auch allen Anderen hier…

              • «@izi
                >>>E-Mail?<<<

                Done!
                Schauen Sie in Ihr Postfach, sollte geklappt haben, wenn nicht, stehen Sie schon auf der nächsten Sanktionsliste 😉

                Guten Rutsch ins Neue Jahr, wünsche ich Ihnen und auch allen Anderen hier…"

                Mensch Oberst!
                Was willer denne mit 'ner e-Mail? Als Hausherr hatter die doch schon alle und Sie sowieso wg. Ihres -sorry- bis jetzo Leerbeitrags von Ihrer Moskaureise.

                Aber vielleicht willer Ihnen noch mal ganz persoenlich mitteilen, warum man hier keine Artikel von Journalisten oder wie auch immer, die damit ihr Geld verdienen, einfach klauen kann.

                Ganz viele liebe Smileys.😉 Bin mit meinen Moeglichkeiten bis WE-Ende stark eingeschraenkt. (Stellung halten an der poln. NATO-Ostflanke bei Schneemassen und Eiseskaelte. Lage ist aber ruhig. )

                PS: Klartext reden wir spaeter. Empfehle erstmal "Narrenschiff". Bin da aber auch gerade erst bei "Harmagedon" der DDR-Parteigenossen nach Chruschtschow's "Geheimrede". Will nur sagen: War auch nicht alles gut in der DDR.

                Nun ja, dann auch guten Rutsch!

      • «Mist, sehe grade ist Abo.»

        Wird spätestens mit der nächsten Ausgabe (meistens) frei gestellt. – ggf. den Link dann aktualisieren

        Aber G.J. kennt ja den ’schweizerischen‘ Modus des vorzeitigen Zugriffs. 😉

        • @ Robert Zapf

          Daraus:

          «Herbert Marcuse erklärte in seinem Essay »Repressive Toleranz« (1965), wie in formal demokratischen bürgerlichen Staaten abweichende politische Stimmen geduldet und ignoriert werden, solange sie sich innerhalb des gesetzlichen Rahmens bewegen. Darüber hinausgehender Widerstand, der den Status quo in Frage stellt, wird mit Gewalt unterdrückt.

          Dennoch warnte Marcuse vor der Selbstbeschränkung auf legale Mittel, denn es »drohen in einer repressiven Gesellschaft selbst fortschrittliche Bewegungen in dem Maße in ihr Gegenteil umzuschlagen, wie sie die Spielregeln hinnehmen«.

          Er setzte große Hoffnungen in die neuen sozialen Bewegungen, die jedoch schließlich vor den von ihm beschriebenen integrierenden Tendenzen kapitulierten.»

          ~~~~~~~~~~~~~~

          Der Widerspruch wird sich nicht aufheben lassen, denn wenn es nicht gelingt Mehrheiten ohne Gewalt zu organisieren (mit Überzeugungsarbeit und Vorbild), der erhält den Kreislauf der Gewalt.

          Allerdings hat auch das seine Grenzen, wenn von staatlicher Seite selbst Gewalt gegen demokratische Bewegungen/Personen ausgeübt wird, allein aus den Gründen, um das alte System zu erhalten. Jenes also, das zulässt/begünstigt, was klar als Unrecht zu erkennen ist.

          Und dazu braucht es keiner ideologischen Brille, um das zu erkennen!

            • @izi
              >>>Man muss nicht viel überspitzen, um festzustellen, dass dieses Denken auf die «Rote Armee Fraktion» hinauslief.<<<

              Das denke ich auch.
              Nur WÄRE das DAMALS, also in den 60iger und 70iger Jahren VIELLEICHT noch als Weg ansehbar gewesen und wurde es wahrscheinlich auch.
              Damals gab es aber auch noch eine ALTERNATIVE.
              Egal ob Mehrheitsfähig oder nicht.
              Aber jetzt gibt es für mich jedenfalls NICHTS weit und breit, was ich als ALTERNATIVE sehen könnte.
              Und wenn die Grundlagen des Sozialstaates wegbrechen, dann gibt es halt Kaputtalismus pur.
              Die Weichen stellt die Industrie oder wer auch immer ja schon:

              https://web.de/magazine/politik/inland/parteispenden-partei-grund-freude-41738364

              Bei den Einnahmen aus Großspenden hat die Union im Wahljahr 2025 alle anderen im Bundestag vertretenen Parteien weit hinter sich gelassen. CDU und CSU kamen zusammen auf fast 7,9 Millionen Euro, dabei entfielen auf die CDU etwas mehr als 6,6 Millionen und auf die CSU gut 1,2 Millionen Euro.

              Mit Einnahmen von gut 5,1 Millionen Euro kam nur die AfD in die Nähe der Union.

              Die SPD erhielt dagegen nur 2,3 Millionen, die Grünen erzielten knapp 1,2 Millionen und die Linke 300.000 Euro. Das ergeben die vom Bundestag veröffentlichten Zahlen.

              • «Mit Einnahmen von gut 5,1 Millionen Euro kam nur die AfD in die Nähe der Union.»

                Schon erstaunlich, nicht wahr? Wenn die edlen Spender an die Brandmauer glauben würden, wäre das doch wohl zum Fenster hinausgeworfenes Geld. Entweder gibt es auch hier Leute wie Peter Thiel oder es gibt Leute, die sich vorsichtshalber rückversichern.

  4. Neujahrsansprache
    Merz wirbt für «Moment des Aufbruchs» in 2026
    31. Dezember 2025, 12:35 Uhr

    von MDR Aktuell

    Bundeskanzler Friedrich Merz hat in seiner ersten Neujahrsansprache zu Vertrauen und Tatkraft in Krisenzeiten aufgerufen. Er betonte, dass grundlegende Reformen in Deutschland nötig seien. Bis sie Wirkung zeigten, brauche es allerdings etwas Zeit.

    von MDR AKTUELL

    In seiner Neujahrsansprache ruft Merz für 2026 zu Zuversicht auf.
    Vor dem Hintergrund des Ukraine-Kriegs betont er, dass sich Russlands Pläne gegen ganz Europa richteten.
    Innenpolitisch kündigt der Kanzler grundlegende Sozialreformen an.

    Bundeskanzler Friedrich Merz hat trotz vieler internationaler Spannungen zu Zuversicht aufgerufen und setzt im neuen Jahr auf wichtige Reformen. So könne 2026 «ein Moment des Aufbruchs werden», sagte der CDU-Politiker in seiner ersten Neujahrsansprache als Kanzler. «Dafür müssen wir uns selbst vertrauen, unserem Mut und unserer Tatkraft», erklärte er dem vorab verbreitetem Redetext zufolge und ergänzte: «Hören wir nicht auf die Angstmacher und auf die Schwarzmaler.»

    Merz betonte, ihm sei bewusst, dass viele angesichts der unsicheren Welt in Sorge um den Frieden lebten. «Ich sage Ihnen: Wir sorgen für unsere Sicherheit. Wir leben in einem sicheren Land.» Damit das so bleibe, müsse die Abschreckungsfähigkeit verbessert werden.

    Kanzler: Europa muss Frieden in Freiheit sichern
    Als Arbeitsauftrag der schwarz-roten Regierung nannte der Bundeskanzler «die Erneuerung der Fundamente unserer Freiheit, unserer Sicherheit und unseres Wohlstandes für die nächsten Jahre und vielleicht Jahrzehnte». Dies werde nur möglich sein, wenn Europa den Frieden in Freiheit sichere. Russland setze den Krieg gegen die Ukraine mit unverminderter Härte fort, viele dort seien zu Neujahr wieder «ohne Strom, im Raketenhagel, in Angst um Freunde und Familien».

    Merz unterstrich, es sei «kein weit entfernter Krieg, der uns nicht betrifft». Man sehe immer deutlicher: «Russlands Angriff war und ist Teil eines Plans, der sich gegen ganz Europa richtet.» Täglich werde auch Deutschland von Sabotage, Spionage und Cyber-Angriffen überzogen. Zugleich wandele sich die Partnerschaft zu den USA, die lange der verlässlichste Sicherheitsgarant gewesen seien. «Für uns Europäer heißt das: Wir müssen unsere Interessen noch viel stärker aus eigener Kraft verteidigen und behaupten.»

    «Werden grundlegende Reformen beschließen müssen»
    Mit Blick auf die Innenpolitik sprach Merz Impulse für die Wirtschaft und Sozialreformen. Ein «hausgemachter Reformstau» lähme das Potenzial deutscher Firmen auch auf Exportmärkten. Da die Gesellschaft älter werde und geburtenstarke Jahrgänge in Rente gingen, werde es 2026 darauf ankommen, «eine neue Balance in unseren sozialen Sicherheitssystemen zu schaffen, mit der die Anliegen aller Generationen fair in Einklang gebracht werden».

    Der Kanzler sagte: «Wir werden im nächsten Jahr grundlegende Reformen beschließen müssen, damit unsere Sozialsysteme auf Dauer finanzierbar bleiben.»

    Merz: «Sind kein Spielball von Großmächten»
    Merz warb um Unterstützung für wichtige Vorhaben. Nicht wenige sagten, es sei noch zu wenig und man spüre es auch noch nicht, räumte er ein. Er sei aber sicher: «Deutschland wird den Ertrag der Reformen ernten, auch wenn das eine gewisse Zeit benötigt.» Generell gelte: «Wir haben es selbst in der Hand, jede dieser Herausforderungen aus eigener Kraft zu bewältigen. Wir sind nicht Opfer von äußeren Umständen. Wir sind kein Spielball von Großmächten.»

    Der Kanzler formulierte als Aussicht für 2026: «Es kann ein Jahr werden, in dem Deutschland und in dem Europa in neuer Stärke wieder anknüpfen an Jahrzehnte von Frieden, Freiheit und Wohlstand.» Die demokratischen Prozesse seien manchmal zäh und streitig. «Aber nur so kommen wir zu Ergebnissen, die von einer breiten Mehrheit unseres Landes auch getragen werden.»

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