Ein ganz gewöhnlicher Tag (bei der Deutschen Bahn)


Darmstadt Weil meine ursprünglich geplante Zug-Verbindung nach Zürich erheblich verspätet sein sollte, hatte ich unter Ausnutzung eines ebenfalls verspäteten Regionalzugs eine andere Verbindung bei der Deutschen Bahn gebucht. Hier ist die Abfolge der E-Mails, die mir DB Reisebegleitung daraufhin geschickt hat.

deepai.org

Hinterlegte Verbindung Auftragsnummer: 164973443793

Stand: 21. Jan. 2026 15:01 Uhr

es gibt eine Änderung auf Ihrer heutigen Reise von Darmstadt Hbf nach Zürich HB. Die Abfahrt Ihrer heutigen Reise mit ICE 109 von Mannheim Hbf nach Zürich HB um 16:37 Uhr verspätet sich um 21 Minuten. Voraussichtliche Abfahrtzeit ist 16:58 Uhr.

Mit freundlichen Grüßen

Ihre Deutsche Bahn

Stand: 21. Jan. 2026 15:36 Uhr

es gibt eine Änderung auf Ihrer heutigen Reise von Darmstadt Hbf nach Zürich HB. Die Ankunft Ihrer heutigen Reise mit RE60 in Mannheim Hbf, geplant 15:45 Uhr, verspätet sich um 37 Minuten. Voraussichtliche Ankunftszeit ist 16:22 Uhr. Sie haben 40 Minuten Zeit für Ihren Umstieg.

Mit freundlichen Grüßen

Ihre Deutsche Bahn

Stand: 21. Jan. 2026 15:43 Uhr

es gibt eine Änderung auf Ihrer heutigen Reise von Darmstadt Hbf nach Zürich HB. Die Abfahrt Ihrer heutigen Reise mit ICE 109 von Mannheim Hbf nach Zürich HB um 16:37 Uhr verspätet sich um 40 Minuten. Voraussichtliche Abfahrtzeit ist 17:17 Uhr.

Mit freundlichen Grüßen

Ihre Deutsche Bahn

Stand: 21. Jan. 2026 16:00 Uhr

es gibt eine Änderung auf Ihrer heutigen Reise von Darmstadt Hbf nach Zürich HB. Die Ankunft Ihrer heutigen Reise mit RE60 in Mannheim Hbf, geplant 15:45 Uhr, verspätet sich um 47 Minuten. Voraussichtliche Ankunftszeit ist 16:32 Uhr. Sie haben 44 Minuten Zeit für Ihren Umstieg.

Mit freundlichen Grüßen

Ihre Deutsche Bahn

Stand: 21. Jan. 2026 16:47 Uhr

es gibt eine Änderung auf Ihrer heutigen Reise von Darmstadt Hbf nach Zürich HB.

  • Ihre Teilstrecke Mannheim Hbf – Zürich HB mit ICE 109 fällt aus.

Hinweise zur Reservierung

Ihre bisherige Sitzplatzreservierung ist nur für den ursprünglich gebuchten Zug gültig.

Sollten Sie einen anderen Zug nehmen, können Sie für diesen einen neuen Sitzplatz kostenpflichtig reservieren. Die Kosten Ihrer ursprünglichen, nicht genutzten Sitzplatzreservierung können Sie zur Erstattung einreichen, z.B. unter https://www.bahn.de/fahrgastrechte.

Klicken Sie auf «Alternative suchen», um eine andere Verbindung zu Ihrem Reiseziel zu wählen.

Mit freundlichen Grüßen

Ihre Deutsche Bahn

Was wirklich geschah

Der Zug fiel nicht aus. Zwar zeigte auch die DB App an, dass die Verbindung «nicht mehr fahrbar» sei. Jedoch fuhr der dann um reichlich eine Dreiviertelstunde verspätete ICE 109 durchaus bis Basel SBB. Die App der Schweizer Bundesbahn (SBB) wusste das auch. Später stellte sich sogar heraus, dass er nach einer halben Stunde Aufenthalt in Basel SBB unter anderer Zugnummer nach Zürich weiterfahren würde.

Allerdings wusste ich vor Basel durch die SBB App bereits, dass ich dort meinen ursprünglich für die Weiterreise geplanten TGV knapp erreichen würde. Das sagte mir nur weder die DB App noch wurde dieser Anschluss im verspäteten ICE 109 angezeigt oder ausgerufen. Am Ende treffe ich gegenüber meinen ursprünglichen Plänen mit nur 5 Minuten Verspätung am Zürcher Hauptbahnhof ein. Letzteres, weil der TGV auch nicht ganz pünktlich ist. Wenn er es gewesen wäre, hätte ich ihn allerdings in Basel auch verpasst.

Man kann fast pünktlich ankommen, aber nur über eigentlich unmögliche Verbindungen, die durch andere verspätete Züge doch möglich geworden sind. Und es geht nur, wenn man selbst mit der App eines anderen Bahnunternehmens und zusätzlich der DB-App für einzelne Teilstrecken nach Alternativen sucht.

Wer jetzt eine kostenpflichtige KI-basierte App programmiert, mit der man die irregulär fahrenden Züge der Deutschen Bahn so geschickt wie möglich benutzen kann, dürfte sich angesichts der vielen Reisenden, die so etwas benötigen, eine goldene Nase verdienen.


10 Antworten zu “Ein ganz gewöhnlicher Tag (bei der Deutschen Bahn)”

  1. Na ja, man sollte die Kirche schon im Dorfe lassen.

    Frueher hatte man gar keine App, nichmal Telefon und Internet. Da musste man auch sehen, wie man an(kommt).

    Im Uebrigen, wenn Sie zu jemand sagen, Sie koennen den Vertrag bis Tag X unterschreiben, und der kommt ganz puenktlich mit den Zuegen der DB an Tag X in Zuerich an, dann ist der Wisch schon ungueltig.😆

    • «Da musste man auch sehen, wie man an(kommt).»

      Früher gab es ein Kursbuch und die meisten Züge fuhren so, wie es da drin stand. In Ost und West.

      Sie können sich die Deutsche Reichsbahn meiner Jugend und die Deutsche Bundesbahn meiner frühen Erwachsenenjahre fast so vorstellen wie die heutige SBB (bis auf die bei der SBB besser getakteten Anschlüsse, aber auch die waren damals zwischen Fern- und Regionalverkehr in Deutschland besser als jetzt).

      • «Früher gab es ein Kursbuch und die meisten Züge fuhren so, wie es da drin stand. In Ost und West.§
        Für «West» kann ich das bestätigen, weil seit den 60er Jahren mit der Bahn unterwegs. Verspätungen waren bei der Bundesbahn selten, Totalausfälle unbekannt. Die Misere begann mit der Umwandlung der Bundesbahn in eine Aktiengesellschaft, mit dem Prinzipe: «Wartung bedeutet, wir warten bis etwas kaputt geht und geben dann bekannt, dass der Zug ausfällt.»
        Ein Problem war allerdings, dass «Nebenbahnen» nicht modernisiert wurden, sondern peu à peu stillgelegt. Man musste dann mit dem Schienenersatzbus durch die Dörfer zuckeln, der dann, wie die PKW&LKW, ab und zu im Stau stecken blieb. Nicht immer, aber immer öfter.

        • @gelse

          >>>Die Misere begann mit der Umwandlung der Bundesbahn in eine Aktiengesellschaft, mit dem Prinzipe: «Wartung bedeutet, wir warten bis etwas kaputt geht und geben dann bekannt, dass der Zug ausfällt.»<<<

          Allerdings gab es auch eine AG, die etwas besser funktioniert haben soll.

          Sagt Ihne der Name "Deutschland AG" noch etwas?

      • @ Itzi

        Yo, das kann ich fuer Ost (d.h. DDR) bestaetigen. Dafuer hatte man frueher ganz andere Probleme.

        Aber immer wieder schoen, wenn man sein (Vor-)Urteil auch praktisch bestaetigt bekommt.

        By The way: Ich sehe schon, Sie haben das auch in der richtigen Rubrik eingeordnet, aber ueberfluessig ist das dennoch nicht. Ich jedenfalls lese Ihre kleinen Geschichtchen zur Entspannung gern. Muss ja nicht immer die ganz grosse Politik sein. 😉

        • «Muss ja nicht immer die ganz grosse Politik sein.»
          Das ist noch die Frage, ob Infrastrukurvergammelung ‚grosse Politik‘ ist oder kleine Nebensache. Es betrifft ja nicht nur die Bahn.

          • «Das ist noch die Frage, ob Infrastrukurvergammelung ‚grosse Politik‘ ist oder kleine Nebensache.»
            Es ist auch ein Beispiel für das mangelnde Vermögen mikro- und makroökonomische Verschränkungen wahrzunehmen. Gute Theorien dafür fehlen offensichtlich, das Handwerkszeug der Wirtschaftswissenschaften ist bisher kaum mehr als ein großflächig lückenhaftes Puzzlebild.
            Vielleicht daher auch die Neigung/der Zwang den damit (z.B. der Infrastrukturvergammlung) verknüpften zusätzlichen, aber eigentlich überflüssigen, Reparaturbetrieb als wirtschaftliches Wachstum oder Fortschritt einzuordnen, statt die erkannten Übelstände an ihrer Wurzel abzustellen bzw. rechtzeitig zu vermeiden.

            • «das Handwerkszeug der Wirtschaftswissenschaften ist bisher kaum mehr als ein großflächig lückenhaftes Puzzlebild»

              Ein hoffnungsloses Arbeitsgebiet. Kaum hat man etwas erkannt, ändern sich die Zustände. Man beschreibt immer nur die Vergangenheit. Vorhersagen sind kaum möglich.

  2. Ein ganz gewoehnlicher Tag…in der Ukraine:

    https://de.euronews.com/2026/01/28/terror-akt-russland-drohnen-zug-ukraine

    Und klar ist es aergerlich, wenn die deutschen Zuege nicht puenktlich fahren oder ausfallen. Gestern frueh ist meiner – beim ersten Schneefall (wie natuerlich erwartet) – auch wieder ausgefallen. Die zeitlich viel unguenstigere Alternative Bus + Strassenbahn: ersterer im Stau steckengeblieben, zweitere dadurch verpasst, nachfolgende Verspaetung usw…war auch nicht der Bringer.

    C’est la vie! Aber man lebt wenigstens noch und irgendwo, irgendwie und irgendwann kommt man immer an.

    PS. Cooles KI-Bild. Gefaellt mir 😉

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