Dreadlocks machen Leute Die zweitälteste englische Universität ist einem Hochstapler aufgesessen. Das wirft ein Schlaglicht auf den gegenwärtigen Zustand akademischer Institutionen und des Fachs Soziologie.

In unserer Zeit werden komplexe Sachverhalte auf eine Handvoll von Zahlen reduziert. Die University of Cambridge belegt im weltweiten QS Ranking der besten Universitäten den 6. Platz. Ihre akademische Reputation erreicht 100 von 100 möglichen Punkten. Im Ranking von Times Higher Education (THE) nimmt Cambridge in der Fächergruppe Arts and Humanities (Künste und Humanwissenschaften) weltweit den 3. Platz ein. Wiederum im QS Ranking belegt sie im Fach Soziologie den 7. Platz mit einer akademischen Reputation von 95.6.
Die Pädagogische Fakultät der Universität Cambridge berief 2023 den damals 37-jährigen Jason Arday auf eine Professur für Bildungssoziologie. Auf ihrer Homepage präsentierte sie am 23. Februar 2023 Arday stolz als «die jüngste schwarze Person, die jemals auf eine Professur in Cambridge berufen wurde». Dabei stellte die Universität die folgenden Behauptungen über seinen Lebenslauf auf: Arday wurde im Alter von 3 Jahren mit einer Autismus-Spektrum-Störung diagnostiziert, konnte bis zu einem Alter von 11 Jahren nicht sprechen und bis zu einem Alter von 18 Jahren nicht lesen oder schreiben. Als er mit 22 Jahren an der University of Surrey auf Sportlehrer und Pädagogik studierte, zog er bereits den späteren Erwerb eines Doktorgrads in Erwägung. Als er mit 27 Jahren an seiner Dissertation arbeitete, schrieb er in der Wohnung seiner Eltern persönliche Ziele an die Wand. Eines davon lautete: «Eines Tages werde ich in Oxford oder Cambridge arbeiten».
Arday verkörperte fast alles, was die University of Cambridge im Rahmen von Vielfalt, Gerechtigkeit und Inklusion (Diversity, Equity, and Inclusion; DEI) suchte. Er stammte als Einwandererkind aus soziökonomisch schlechten Verhältnissen, war neurodivergent und gehörte einer ethnischen Minderheit an. Mit diesem Hintergrund hatte er eine steile Bildungskarriere hingelegt. In Cambridge wurde er auf eine Professur bereffen, die sich mit der Bildungsgerechtigkeit für benachteiligte Gruppen beschäftigen sollte.
Diese fantastische Geschichte fand nicht all ihre Leser so gutgläubig vor, wie es die Berufungskommission und die Hochschulkommunikation in Cambridge gewesen waren. DEI steht im Zentrum eines Kulturkampfes. Unter den Skeptikern befanden sich daher auch Leute mit einer politischen Agenda. Sie wandten gegen Arday eine Standardmethode zur Demontage missliebiger Personen an, indem sie in seiner Dissertation nach Plagiaten suchten. Sie wurden fündig.
Im Jahr 2009 hatte Paula Zwozdiak-Myers an der Brunel University London eine Dissertation verteidigt, die den Titel trug: «An analysis of the concept reflective practice and an investigation into the development of student teachers‘ reflective practice within the context of action research». Die 2015 von Arday an der Liverpool John Moores University (LJMU) verteidigte Dissertationsschrift hat den Titel «An exploration of peer-mentoring among student teachers’ to inform reflective practice within the context of action research». Sie stimmt in über 100 Passagen weitgehend mit Teilen von Zwozdiak-Myers Dissertation überein, teilweise bis hin zu den Tippfehlern. Das Apostroph hinter «teachers» allerdings ist bei Zwozdiak-Myers richtig, während es in Ardays umgestelltem Titel ein grammatikalischer Fehler ist.
Die LJMU hatte ab dem Herbst 2025 die Plagiatsvorwürfegegen Arday untersucht. Sie kam im März 2026 zu dem Schluss, es handele sich bei den übereinstimmenden Textpassagen nicht um eine bewusste Täuschungsabsicht, sondern um „ehrliche und vertretbare Fehler“. Tatsächlich taucht die Dissertationsschrift von Zwozdiak-Myers in der Referenzliste von Ardays Dissertation auf, nur werden ihr diese Textpassagen nicht zugeordnet. Die LJMU behauptete zudem, dass die Übereinstimmungen „deutlich innerhalb des damals als akzeptabel geltenden Rahmens der Einhaltung akademischer Standards“ gelägen hätten. Wenn das zutreffen sollte, waren die Standards dieses Faches damals recht niedrig.
Weitere Zitierfehler hatte David Harris, ein emeritierter Professor an der Plymouth Marjon University in Zeitschriftenartikeln von Arday aus den Jahren 2018 und 2020 aufgedeckt. Er informierte Arday und die Universität Cambridge. Beide Publikationen mussten daraufhin erheblich korrigiert werden.
Cambridge und Arday selbst stellten Harris‘ Kritik als Kulturkampf von rechts dar. Das glaubten viele Akademiker, weil Harris als Gegner der «Kritischen Rassentheorie» gilt. Nathan Cofnas, der die Zitierfehler in der Dissertation von Arday aufdeckte, hatte seinerseits zuvor geäussert, es würde an der Harvard University in den USA so gut wie keinen schwarzen Professor geben, wenn dort Meritokratie vorherrschen würde. Derartige Bemerkungen rufen auf der Gegenseite einen unbedingten Antirassismusreflex hervor.
Im Fall Arday scheint es allerdings tatsächlich nie eine Ausschreibung der Stelle gegeben zu haben. In den Medien, in denen Cambridge sonst Professuren ausschreibt, ist nichts zu finden. Ardei wurde sehr wahrscheinlich unter Ausschluss jeglicher Konkurrenz direkt berufen.
NIcht alle Kritik kam von rechts. Jack Grove, ein Journalist von THE, hatte ebenfalls 2025 zu den Plagiatsvorwürfen gegen Arday recherchiert. Grove hatte sich zuvor positiv über Akademiker geäußert, die ethnischen Minderheiten angehören. Er hatte im Sommer 2025 Arday per E-Mail um Stellungnahme gebeten. Daraufhin warnte die Rechtsanwaltskanzlei Carter Ruck in Ardays Auftrag THE wegen potentieller Verleumdung, woraufhin THE die Story von Grove nicht publizierte. Zudem zeigte Arday Grove bei der Metroplitan Police von London an. Die Metropolitan Police leitete Ermittlungen wegen Belästigung ein. Sie informierte Grove im Februar 2026 telefonisch üb er die Ermittlungen und forderte ihn auf, sich von Arday fernzuhalten. Inzwischen sind diese Ermittlungen eingestellt worden. Der Polizeichef von London, Sir Mark Rowley, hat nun eingeräumt, die Beamten der Metropolitan Police hätten „versagt“, als sie gegen die Recherchen eines Journalisten vorgingen.
Endspiel
Nachdem die LJMU Arday von den Plagiatsvorwürfen in Bezug auf seine Dissertation reingewaschen hatte, schienen die Dinge zunächst für ihn zu laufen. Im Juni verteidigte die Universität Cambridge ihn vehement. Die Universität sprach von einer „abscheulichen Kampagne zur Untergrabung seiner Glaubwürdigkeit“ und befand, dass Plagiatsvorwürfe bezüglich seiner „Dissertation und Zeitschriftenveröffentlichungen“ von „der zuständigen Institution“ und den Fachzeitschriften geprüft und zurückgewiesen worden seien. Da beide Zeitschriftenveröffentlichungen erheblich korrigiert worden waren, gerade auch, was die Zitierweise betraf, verzerrte die Universität Cambridge mit dieser Verlautbarung die Tatsachen.
Es half nicht. Am 24. Juli 2026 veröffentlichte der konservative «Telegraph» einen Artikel mit dem Titel „Cambridge-Vorzeigefigur in Sachen Vielfalt in Plagiatsstreit verwickelt“. Zunächst kam es am 28. Juli noch zu einem Solidaritätsbrief des Good Law Project für Arday mit vielen prominenten Unterstützern, darunter auch dem Vorsitzenden der Grünen Partei von England und Wales, Zack Polanski. Die Unterzeichner waren sich ganz sicher: «Im Hochschulwesen darf es keinen Platz für Kampagnen geben, bei denen unbegründete Anschuldigungen als Mittel eingesetzt werden, um den Ruf und die Karriere anderer zu schädigen.» Doch Anfang August 2026 schlugen die Wellen über Arday, der Universität Cambridge und seinen Unterstützern zusammen.
Am 1. August berichtete der linksliberale «Guardian» in einem gut recherchierten Artikel über eine ganze Reihe von Falschaussagen Ardays. Danach scheint es in Cambridge zu internen Diskussionen gekommen zu sein. Am 3. August dementierte dann die University of Glasgow, dass Arday dort eine Gastprofessur innegehabt hätte. Er hatte das in seinem Lebenslauf angegeben. Am 4. August veröffentlichte die Ohio State University in den USA ein analoges Dementi. Arday hatte behauptet, dort als Gastprofessor im «Office of Diversity and Inclusion» angestellt gewesen zu sein. Am 5. August deckte wiederum der «Telegraph» auf, dass Arday mehrfach angegeben hatte, er habe bei dem renommierten Verlag Palgrave Macmillan ein Buch mit dem Titel „Being Young, Black and Male: Challenging the Dominant Discourse“ veröffentlicht. Von diesem Buch fand sich keine Spur. Der Verlag bestätigte dem «Telegraph», ein entsprechendes Projekt sei schon vor Jahren eingestellt worden.
An diesem Punkt wurde der Druck zu groß. Die Universität Cambridge kündigte am Abend des 5. August eine interne Untersuchung an. Ein paar Stunden später trat Arday zurück. Nun erkannten auch Soziologen aus Cambridge und Anhänger der «Kritischen Rassentheorie» welchen Schaden diese Geschichte ihrer Sache zugefügt hatte. Mehrere Unterzeichner des Solidaritätsbriefs zogen ihre Unterschrift zurück. Darunter befindet sich Sonita Alleyne, die Rektorin des Jesus College in Cambridge, dem Arday vor seinem Rücktritt angehörte. Desweiteren distanzierten sich Professorin Dame Ijeoma Uchegb, Rektorin des Wolfson College Cambridge, Sir Simon Philip Baron-Cohen, Professor für Entwicklungspsychopathologie in Cambridge, und Ricardo Sabates Aysa, Professor für Pädagogik und internationale Entwicklung in Cambridge nachträglich von dem Brief, den sie unterzeichnet hatten.
Voll von Freunden war mir die Welt
Hermann Hesse, Im Nebel
Als noch mein Leben licht war
Nun, da der Nebel fällt
ist keiner mehr sichtbar.
Ich kann hier nur mutmaßen, warum sich die Ereignisse Ende Juli/Anfang August überschlugen. Am 27. August soll bei Simon & Schuster die Autobiographie «Great and Unfortunate Things» erscheien. Diesem Buch habe ich den Titel des Blogbeitrags entlehnt. Im US-amerikanischen Magazin «The Atlantic» schrieb Daniel Engber am 6. August, diese Autobiographie sei bereits kurz nach Ardays Berufung in Cambridge angekündigt worden als „eine beeindruckende Geschichte von fast mythischem Ausmaß“. Etwas spitz fügte Engber hinzu, vielleicht sei das Buch auch «rein mythisch».
Es ist üblich, dass ein Verlag einige Wochen vor der Veröffentlichung Vorabkopien an Zeitungen verschickt, die Bücher rezensieren und deren Feuilleton von potentiellen Lesern des Buches verfolgt wird. Die Rezensenten solcher Zeitungen sind kritische Geister mit gutem Einschätzungsvermögen. Bei Ardays Memoiren mussten sie misstrauisch werden, weil es erhebliche Unterschiede zwischen einem Exposé und der Vorab-Kopie gibt, wie ebenfalls Engber aufgedeckt hat.
Im Exposé hatte Arday einen schweren Autounfall beschrieben, nach dem er monatelang im Koma gelegen und alles neu habe lernen müssen. Diese Geschichte taucht im Buch nicht mehr auf. Im Exposé war von Hodenkrebs die Rede, im Buch werden stattdessen zwei Hirntumore erwähnt. Laut dem Exposé hatte Arday vor der Covid-Pandemie einen Suizidversuch unternommen. Im Buch findet dieser während der Covid-Pandemie statt. Sowohl im Exposé als auch im Buch wird der Angriff einer Jugendbande auf Arday beschrieben. Allerdings unterscheidet sich das Alter der Angreifer zwischen den beiden Texten.
Es ist denkbar, dass auch die Rezensenten des «Telegraph» und des «Guardian» das Exposé kannten und es ist fast sicher, dass sie eine Vorab-Kopie erhalten haben. Darin dürften sich genug Anhaltspunkte für eine Gegenrecherche gefunden haben.
Ich hoffe, dass das Buch trotz allem noch erscheinen wird und habe es bereits vorbestellt. Es wird als einzigartiges Dokument für den Zeitgeist gelten dürfen.
Kein «Hosianna!», kein «Kreuziget ihn!»
Erwin StrittmatteR, Der Wundertäter III
DEI an Universitäten
Dass Arday noch einmal eine Professur erhält, ist unwahrscheinlich. Seine Begabung liegt im Fiktionalen. Die Universität Cambridge will nun die Umstände seiner Berufung intern untersuchen. Viele ihrer Professoren und die Öffentlichkeit würden eine unabhängige Untersuchung vorziehen.
Ich denke nicht, dass sich der Aufwand lohnen wird. Vielleicht findet man einen oder mehrere Sündenböcke. Vielleicht wird man stattdessen zu dem Schluss kommen, dass niemand mit einer derart dreisten Täuschung habe rechnen müssen. Auf die Frage nach der Dreistigkeit komme ich unten zurück
Bereits ohne Untersuchung ist klar, dass Cambridge nicht korrekt mit den Hinweisen umgegangen ist, dass mit Ardays Doktorarbeit und seinen Publikationen etwas nicht stimme. Die dafür Verantwortlichen kannten auch die «nahezu mythische» Biographie Ardays. Es muss ein gerüttelt Maß an Verdrängung erfordert haben, für so lange Zeit über die kognitive Dissonanz hinwegzuhören.
Der Fehler ist kaum bei der Kommission zu suchen, die Arday interviewt hat. Er liegt bei den Führungspersonen, die im Interesse von DEI die akademischen Maßstäbe außer Kraft gesetzt haben. Wir sollten uns daher fragen, inwiefern DEI bei Berufungen überhaupt ein sinnvoller Gesichtspunkt ist.
Unabhängig vom Fach ist es für eine Universität vorteilhaft, bei Berufungen aus vielen begabten Personen auswählen zu können. Deren Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit und soziale Herkunft sollten keine Rolle spielen. Wenn allerdings alle Professuren mit weißen Männern besetzt sind, wird das auf potentielle Bewerber aus anderen Gruppen wenig einladend wirken. Deshalb ist eine behutsame DEI-Politik sinnvoll. Sie sollte erst dann einsetzen, wenn die akademischen Meriten bereits geprüft sind. Wenn es um eine Auswahl unter Kandidaten für eine Professur geht, die alle das Leistungsniveau der berufenden Universität erreichen, sollte man DEI-Aspekte tatsächlich berücksichtigen.
DEI in den Humanwissenschaften
Das gilt in Humanwissenschaften in besonderem Maße. Bereits Friedrich Nietzsche hat festgestellt, dass die grundlegenden Entscheidungen in der Philosophie von der Person des Philosophen abhängen. Das hat ihn nicht davon abgehalten zu philosophieren und die Ergebnisse waren interessant. Es wäre allerdings unsinnig zu behaupten, Nietzsches Philosophie sei richtig und diejenige Kants falsch – oder umgekehrt. Genauso unsinnig ist es, zu behaupten, dass die Kritische Rassentheorie richtig oder falsch ist.
Ansätz sind in den Humanwissenschaften fast immer subjektiv. Das gilt auch für «quantitative» sozialwissenschaftliche Untersuchungen, etwa solche, die auf Umfragen beruhen. Bereits die Einschränkung und genaue Formulierung der Fragestellung hängt von der Person ab, welche die Frage stellt.
Deshalb erfordern Sozialwissenschaften eine Diversität der Forschungsansätze. Auch wenn DEI paradoxerweise diese Diversität in den Sozialwissenschaften durch die Verdrängung konservativer Ansätze verringert hat, bleibt es grundsätzlich richtig, dass Vertreter verschiedener gesellschaftlicher Gruppen verschiedene Aspekte in die Diskussion einbringen und dass das von Vorteil ist.
Aus der Subjektivität der Sozialwissenschaften folgt allerdings auch, dass sie nicht den gleichen Anspruch auf Geltung ihrer Ergebnisse erheben können, wie die Mathematik oder die Natur- und Technikwissenschaften. Wenn sozialwissenschaftliche Erkenntnisse zur Begründung politischer Entscheidungen herangezogen werden, sind sie lediglich ein ideologischer Überbau, um die Interessen bestimmter Gruppen auf Kosten anderen Gruppen befördern zu können. Es steckt bereits eine Unehrlichkeit darin, das nicht anzuerkennen. Diese Unehrlichkeit hat die intellektuellen Standards an den humanwissenschaftlichen Fakultäten der Universitäten zersetzt. Darin liegt die Ursache dafür, dass der Fall Arday möglich wurde.
Der Arday-Skandal ist kein Einzelfall. Er ist der logische Endpunkt eines Systems, das Identität mit Fachkompetenz, Narrative mit Beweisen und Interessenvertretung mit Wissenschaft verwechselt hat.
DeepSeek, Fazit der Recherche
Wer Wissenschaft als Mimikri betreibt (Ardays eigene Worte über sich), also nach Richard Feynmans Terminologie Cargo Cult Science, gehört nicht an eine Spitzenuniversität. Ich gehe sogar noch weiter. Fächer, die Cargo Cult Science sind, also nur Narrative entwickeln und Partikularinteressen vertreten, gehören als Disziplinen nicht an eine Forschungsuniversität.
Viele werden nun den Stab über Arday brechen und ihn für unverschämt halten. Das greift zu kurz. Man kann die Sache sogar umgekehrt sehen. Arday war höflich, indem er versuchte, den Erwartungen zu entsprechen, die von der akademischen Gemeinschaft an ihn als Vertreter seines Milieus gerichtet wurden. Mit hoher Kreativität hat er ein Narrativ bedient, das nicht er selbst in die Welt gesetzt hat, sondern dass er an den britischen Universitäten bereits vorfand.
Was Ihre Forschungsarbeit angeht, sind Sie der Beste der Welt.
Hilary Cremin, DekanIN der Pädagogischen Fakultät der Universität Cambridge über Jason Arday bei dessen Amtseinführung
Arday hat systematisch gelogen. Aber wer hat ihn dazu erzogen? Hat Hilary Cremin bei Ardays Amtseinführung tatsächlich geglaubt, dass dieser auf irgendeinem Forschungsgebiet der Beste der Welt sei? Dafür gab es in Ardays Werken keinen Anhaltspunkt. Wenn Cremin aber nicht geglaubt hat, was sie sagte, dann hat auch sie gelogen. Wieso eigentlich verliert dann nur Arday seinen Posten?
Dialog zum Schluss
Fiktiver Leser: Sie gehen aber hart ins Gericht mit Hilary Cremin. Sehr viele Leute, die heutztage an Spitzenuniversitäten Leitungspositionen innehaben, kommunizieren wie sie.
Der Autor: Jetzt haben Sie das Problem verstanden.
Dieser Beitrag kann zwei Wochen lang diskutiert werden.
Nachtrag
Am Nachmittag des 14. August 2026 wurde Jason Arday in seiner Wohnung im Londoner Stadtteil Battersea leblos aufgefunden. Die Metropolitan Police nimmt derzeit kein Verbrechen an und bezeichnet den Tod als «unerwartet, aber nicht verdächtig». Das deutet auf einen Suizid hin. Er ist nur 41 Jahre alt geworden.
7 Kommentare zu “Großartige und bedauerliche Dinge”
Milli Vanilli
Dann sieht er auch noch so unverschämt gut aus!
Freue mich auch über das eingerückte Zitat
eines weiteren großen und von mir sehr verehrten Sohnes der Lausitz.
https://www.tagesschau.de/ausland/europa/cambridge-professor-100.html
In der Tat haben diese Vorgänge ein sehr tragisches Ende gefunden. Ich habe eine kurze Bemerkung dazu angefügt.
Ja.
Das Schicksal der Menschen ist auf glückliche Augenblicke eingerichtet – jedes Leben hat solche –, aber nicht auf glückliche Zeiten. (Plagiat)
Das hat ja nun ein tragisches Ende genommen!
Zitat:
«Wenn sozialwissenschaftliche Erkenntnisse zur Begründung politischer Entscheidungen herangezogen werden, sind sie lediglich ein ideologischer Überbau, um die Interessen bestimmter Gruppen auf Kosten anderen Gruppen befördern zu können. Es steckt bereits eine Unehrlichkeit darin, das nicht anzuerkennen.»
Die Diagnose kann in ihrem empirischen Kern durchaus richtig sein:
Sozialwissenschaftliche Erkenntnisse werden politisch instrumentalisiert und können zur Legitimation von Gruppeninteressen dienen.
Aber daraus folgt weder, dass diese Erkenntnisse selbst ideologisch sind, noch dass Sozialwissenschaft keine Wissenschaft sei.
Ob nun eine konkrete Erkenntnis wissenschaftlich begründet oder lediglich ideologisch motiviert ist, muss sich anhand wissenschaftlicher Standards erkennen lassen, und genau diese Standards kann man nicht gleichzeitig für Sozialwissenschaften verwerfen und für die eigene gesellschaftstheoretische Diagnose beanspruchen.
𝐖𝐢𝐬𝐬𝐞𝐧𝐬𝐜𝐡𝐚𝐟𝐭𝐥𝐢𝐜𝐡𝐞 𝐒𝐭𝐚𝐧𝐝𝐚𝐫𝐝𝐬 𝐬𝐨𝐥𝐥𝐭𝐞𝐧 𝐠𝐞𝐫𝐚𝐝𝐞 𝐝𝐚𝐳𝐮 𝐝𝐢𝐞𝐧𝐞𝐧, 𝐳𝐰𝐢𝐬𝐜𝐡𝐞𝐧 𝐛𝐞𝐢𝐝𝐞𝐦 𝐮𝐧𝐭𝐞𝐫𝐬𝐜𝐡𝐞𝐢𝐝𝐞𝐧 𝐳𝐮 𝐤𝐨̈𝐧𝐧𝐞𝐧.
Diese Geschichte endete tragisch & hinterlässt eine gewisse Ratlosigkeit über die gesellschaftliche Entwicklung. Sie ist auch ein prägnantes Beispiel für das Versagen der Institution Uni, wenn die Politisierung von bestimmten Themen höher gewichtet wird als die Qualifikation. Darüber hinaus stellt sie auch das Versagen im Umgang miteinander dar, wenn er den menschlichen Anstand verlässt.
Der neueste Bock ist Annalena demnächst an der Columbia University. Profeessur für Global Leadership. Dann freueen wir uns doch auf den Nachwuchs, oderrrr?