Stimmen der Vernunft


Zwei alte weiße Männer In «Foreign Affairs» argumentieren Richard Haass und Charles Kupchan für einen Strategiewechsel des Westens im Ukraine-Krieg.

Wir erleben in Bezug auf den Ukraine-Krieg zeitversetzt ähnliche Phänomene wie während der Corona-Pandemie. Anfangs galt in der Pandemie jeder, der das dominierende Narrativ in Frage stellte, als unmoralisch, rechtsgerichtet und unwissenschaftlich, selbst wenn es sich wie im Falle von John Ioannidis um einen der angesehensten Epidemiologen weltweit handelte. Selbst Wissenschaftler lehnten sich sehr weit aus dem Fenster, wenn es galt, das dominierende Narrativ zu stützen. Das traf zum Beispiel auf Klaus Cichutek, Chef des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI), zu. Dessen Aussagen zu möglichen Langzeitnebenwirkungen der Impfung mussten von der Öffentlichkeit missverstanden werden. Inzwischen ist unstrittig, dass es solche Langzeitnebenwirkungen gibt, zumindest in dem Sinne, den medizinische Laien, diesem Begriff beilegen. Auch bei vielen anderen damaligen, sehr forsch vertretenen Äußerungen von Führungskräften aus Politik, Wissenschaft und Journalismus ist inzwischen klar, dass sie falsch waren und dass die daraus abgeleiteten Maßnahmen erheblichen Schaden angerichtet haben, ohne eine dem entsprechenden oder sogar überwiegenden Nutzen zu stiften.

In ähnlicher Weise galt es seit Anfang des Ukraine-Kriegs als unmoralisch, rechtsgerichtet und unprofessionell, für eine Verhandlungslösung zu werben. Das war noch bis vor Kurzem in den USA und noch stärker in Deutschland so. Für die offizielle ukrainische Außenpolitik ist nach wie vor jeder ein Putin-Freund oder hochgradig naiv, der auf die Notwendigkeit von Verhandlungen hinweist. Deshalb lässt es aufhorchen, wenn mit Richard Haass und Charles Kupchan zwei sehr erfahrene Sicherheitspolitiker aus den USA in der angesehensten außenpolitischen Zeitschrift der USA, «Foreign Affairs», zu dem Schluss kommen, dass der Westen in der Ukraine eine neue Strategie benötigt. Der Artikel ist am 13. April erschienen und ich werde ihn hier zusammen mit eigenen Einschätzungen diskutieren.

Richard Haass

Der gegenwärtige Präsident des US-amerikanischen Council on Foreign Relations, Richard Haass, ist knapp neun Jahre jünger als der US-Präsident Joe Biden. Das Ciuncil on Foreign Relations ist auch Herausgeber der Zeitschrift «Foreign Affairs», die vierteljährlich erscheint. Haass agierte als enger Berater von Colin Powell, als dieser US-amerikanischer Außenminister war. Er kommt also aus einem republikanischen Umfeld. Damals war Haass Direktor für Politikplanung des Außenministeriums und stand damit dessen interner Denkfabrik vor. Er hatte den Rang eines vom US-Senat bestätigten Botschafters und war in den Friedensprozess in Nordirland und die strategische Planung der USA für Afghanistan involviert. Zuvor hatte er 1989-1993 als National Security Council Senior Director gedient. Haass hat an der Entwicklung der Operationen Desert Shield und Desert Storm mitgearbeitet. Diese Operationen bezeichnen die Aufstellung der US-Truppen in Nahost nach dem Überfall des Iraks auf Kuweit unter Saddam Hussein sowie die US-Militäroperation, mit der die kuweitische Souveränität damals wiederhergestellt wurde. Richard Haass ist ein scharfer Kritiker von Donald Trump und hat sich deshalb 2021 von den Republikanern abgewandt. Er darf als einer der erfahrensten, noch öffentlich aktiven Außen- und Sicherheitspolitiker der USA gelten, insbesondere, was strategische Überlegungen betrifft.

Charles Kupchan

Der Senior Fellow des Council on Foreign Relations, Charles Kupchan, ist etwa 16 Jahre jünger als der US-Präsident. Er war 1993-94 und 2014-17 jeweils Direktor für europäische Angelegenheiten im Nationalen Sicherheitsrat der USA. In der Obama-Administration war er auch Chefberater des Präsidenten für Europa. Er kommt also aus einem demokratischen Umfeld. Als Kupchan 2014 Deutschland besuchte, war der Ukraine-Konflikt eines der Hauptthemen. Er ist Professor für internationale Angelegenheiten an der Georgetown University. In diesem Frühjahrssemester lehrt er den Kurs «Grundlagen der Grand Stratgey», in dem unter anderem die Werke von Sun Tsu, Kautilya, Machiavelli, und Clausewitz behandelt werden sowie Supermächte verschiedener Zeitalter, wie das Römische Reich, das Mongolische Reich, die Sowjetunion und die USA. Im kommenden Herbssemester bestreitete er unter Anderem einen Kurs über aktuelle Debatten zur internationalen Sicherheit. Er ist Autor mehrerer Bücher über die geostrategische Rolle der USA und über den Umgang mit internationalen Konflikten. Er darf als einer der erfahrensten Europa-Politiker der USA gelten.

«Der Westen braucht eine neue Strategie in der Ukraine»

Haass und Kupchan argumentieren in ihrem Artikel in «Foreign Affairs» für einen Strategiewechsel des Westens – wohlgemerkt nicht nur der USA – in der Ukraine. Wie der Titel, so lässt auch der Untertitel nichts an Klarheit zu wünschen übrig: «Ein Plan für den Weg vom Schlachtfeld zum Verhandlungstisch». Inwieweit die Beiden einen realistischen Plan vorschlagen, werde ich im Folgenden diskutieren. Ihr Artikel beginnt mit der Feststellung, dass der Krieg bisher viel besser für die Ukraine verlaufen sei, als die Meisten erwartet hätten. Die Ukraine kontrolliere immer noch 85% desjenigen Territoriums, das sie vor dem 24. Februar 2022 kontrolliert habe. Bereits der erste Absatz kommt allerdings zu dem Schluss, dass der wahrscheinlichste Ausgang nicht ein vollständiger ukrainischer Sieg sei, sondern ein blutiges Patt. Dem stimme ich genauso zu, wie der nächsten wichtigen Feststellung, dass die Zeit noch nicht reif für eine Verhandlungslösung sei.

Haass und Kupchan argumentieren dann für zunächst weitere Waffenlieferungen, die sogar schneller erfolgen sollen, um der Ukraine im Sommer die Chance auf eine Verschiebung der Frontlinie zu geben. Wenn die «Kampfsaison» allerdings gegen Jahresende wieder vorbei sei, solle der Westen Moskau und Kiew (Hervorhebung von mir) vom Schlachtfeld an den Verhandlungstisch drängen.

Warum nehmen Haass und Kupchan an, dass beide Seiten zu Ende diesen Jahres verhandlungsbereit sein könnten? Sie sind ja sicher nicht naiv. Sie sind auch unverblümt. Ihre Erwartung ist, dass Kiew einlenken muss, weil die Ukraine keine Soldaten mehr finden und die westliche Unterstützung abnehmen wird und dass Russland ebenfalls zu hohe Verluste hat und erkennen muss, dass der Krieg nicht zu gewinnen ist. Im Fall der Ukraine deuten sie auch an, dass diese einlenken muss, wenn der Westen das nur will. Damit das allerdings nicht nach einer katastrophalen Niederlage aussieht, muss zuvor eine ukrainische Großoffensive wenigstens teilweise erfolgreich sein. Haass und Kupchan geben aber auch zu, dass auf russischer Seite neu eingezogene Soldaten die Truppen verstärken werden und dass sich deshalb Putin weitere territoriale Gewinne erhofft.

Den Schlüsselabsatz des Artikels von Haass und Kupchan möchte ich hier wörtlich übersetzt wiedergeben: «So wertvoll eine größere militärische Hilfe des Westens auch sein mag, sie wird wohl kaum etwas an der grundlegenden Tatsache ändern, dass dieser Krieg auf eine Pattsituation zusteuert. Es ist natürlich möglich, dass sich die kommende Offensive der Ukraine als erstaunlich erfolgreich erweist und es dem Land ermöglicht, alle besetzten Gebiete, einschließlich der Krim, zurückzuerobern, was zu einer vollständigen russischen Niederlage führen würde. Aber ein solches Ergebnis ist unwahrscheinlich. Selbst wenn der Westen seine militärische Unterstützung aufstockt, wird die Ukraine noch weit entfernt davon sein, die russischen Streitkräfte besiegen zu können. Ihr gehen die Soldaten und die Munition aus, und ihre Wirtschaft verfällt weiter. Die russischen Truppen sind eingegraben, und neue Rekruten rücken an die Front vor.»

Haass und Kupchan geben weiter zu bedenken, dass im Fall einer drohenden russischen Niederlage China wahrscheinlich aus geostrategischen Gründen Russland unterstützen würde. Zudem würde sich selbst ein vollständiger Sieg der Ukraine nach einem sehr langen Krieg als Pyrrhussieg erweisen. Die Ukraine solle nicht ihre Selbstzerstörung riskieren, um vielleicht Ziele zu erreichen,. die sehr wahrscheinlich unerreichbar seien.

Die beiden Autoren gehen davon aus, dass die weitere Existenz der Ukraine als souveräner Staatund die hohen russischen Kosten und Verluste auseichen, um zu vermeiden, dass der Ausgang des Konflikts die westlich dominierte Weltordnung (sie nennen das regelbasierte Weltordnung) zerstört. Die Rückeroberung der Krim und des Donbass seien dafür nicht notwendig. Umgekehrt sehen sie große strategische Risiken einer langfristigen Unterstützung der Ukraine im gegenwärtigen Ausmaß. Die westliche Verteidigungsindustrie könne mit dem Bedarf der Ukraine an Ausrüstung und Munition nicht Schritt halten, was zu einer Erosion der westlichen Kampfkraft und zu einer Erschöpfung der westlichen Waffenbestände führe. Anstelle einer solchen langfristigen Unterstützung sollten der Westen einen Waffenstillstand vorschlagen, sobald die kommende Offensive der Ukraine an ihre Grenzen stoßen werde.

Schwachpunkte der Haass-Kupchan-Strategie

Diese letzte Idee kann man im Kontext des bisherigen Kriegsverlaufs betrachten. Eine derartige Chance zu Verhandlungen hätte es ja auch im Herbst 2022 gegeben, als die ukrainische Seite für etwa zwei Monate die Oberhand hatte. Damals gab es zwei Probleme. Es fiel der Ukraine und dem Westen schwer, den Zeitpunkt zu bestimmen, zu dem die ukrainische Offensive an ihre Grenzen stieß. Nach den anfänglichen Erfolgen herrschte ein Optimismus, der sich als verfehlt erwies, sobald sich die russische Teilmobilisierung bemerkbar machte und die russische Seite durch die Aufgabe von Cherson Truppen für die Donbass-Front freimachen konnte. Seitdem, etwa Mitte November 2022, ist sie wieder in der Offensive. Die russischen Geländegewinne seitdem sind begrenzt, aber die ukrainischen und westlichen militärischen Ressourcen sind durch diese russische Offensive erheblich abgenutzt worden. Die russische Führung, die diesen Umschwung antizipiert hatte, verhinderte durch die formelle Annexion von vier Regionen der Ukraine Ende September, dass die Ukraine in der für sie günstigen Situation auch nur ein Verhandlungsangebot machte.

Es ist nicht ganz klar, was eine Wiederholung dieses Szenario verhindern sollte, falls eine ukrainische Großoffensive Anfangserfolge erzielen würde. Haass und Kupchan legen selbst dar, dass die Ukraine nicht nachhaltig in der Offensive bleiben kann. Insofern wäre sogar ein sensationeller Erfolg mit einer Rückeroberung aller ukrainischen Territorien kein Grund für Russland, Verhandlungen aufzunehmen. Ein solcher Erfolg würde ja nicht garantieren, dass die Ukraine im weiteren Kriegsverlauf diese Territorien auch halten kann. Es ist ausgeschlossen, dass der Westen und die Ukraine Russland zu einer Kapitulation zwingen können.

Der zweite Schwachpunkt der Haass-Kupchan-Strategie ist etwas verdeckt. Die beiden Autoren sprechen etwas nebulös davon, dass die Ukraine und der Westen auch ohne Rückeroberung der Krim und des Donbass einen Waffenstillstand als Erfolg verbuchen könnten. Das klammert die Frage aus, was mit den 15% des ukrainischen Territoriums zu Kriegsanfang geschehen wird, die derzeit russisch besetzt sind. Es ist eben nicht nur unwahrscheinlich, dass eine ukrainische Großoffensive die Grenzen von Ende Februar 2014 wiederherstellt, sondern auch, dass sie die Grenzen vom 23. Februar 2022 wiederherstellen kann. Was würde man Russland anbieten können, damit die russische Führung bereit wäre, besetztes Territorium über einen schmalen Streifen an der Kontaktlinie hinaus aufzugeben? Ein Waffenstillstand ist nur auf der Basis der Kontaktlinie zum Zeitpunkt der Verhandlungen zu erwarten. Unwahrscheinlich ist auch, dass Russland für einen Friedensvertrag Territorien zurückgeben würde. Nach dem sowjetisch-finnischen Winterkrieg 1939/40 war es vielmehr so, dass Finnland beim Friedensschluss Territorien aufgeben musste, die das finnische Militär zu Kriegsende am 12. März 1940 noch besetzt hielt. Finnland musste damals auch Bedingungen akzeptieren, die über die Vorkriegsforderungen der Sowjetunion hinausgingen. Wenn die Ukraine irgendwann nicht mehr genug Truppen mobilisieren und genug Munition und Waffen beschaffen kann, um den russischen Truppen standzuhalten, könnte sich ein solches Szenario wiederholen.

Fairerweise muss man sagen, dass Haass und Kupchan im weiteren Verlauf des Artikels selbst darauf zu sprechen kommen, dass im Falle eines Waffenstillstands der Konflikt sehr wahrscheinlich an der Kontaktlinie einfrieren würde. An diesem Punkt wird der Artikel wirklich interessant. Es erweist sich, dass alle vorherigen Argumente nur dazu dienten, den Leser schonend auf die eigentliche Lageeinschätzung von Haaas und Kupchan vorzubereiten. Die Autoren geben nun zu bedenken, dass selbst ein Einfrieren des Konflikts an der Kontaktlinie für die Ukraine und den Westen einem langjährigen Krieg hoher Intensität vorzuziehen sei. Dieser Einschätzung stimme ich zu. Die so vorgezeichnete günstigste Option für den Kriegsausgang wirft allerdings die Frage auf, was von der bisherigen westlichen und ukrainischen Strategie zu halten ist.

Verpasste Chancen

Folgt man den Argumenten ganz am Anfang des Artikels, so ist der Krieg für die Ukraine bisher besser verlaufen, als fast alle Experten erwartet hatten. Gleichwohl hat sie mehr als 100’000 Tote zu beklagen, 15% ihres Territoriums verloren, 30% ihrer Wirtschaftsleistung eingebüßt, ihre Infrastruktur ist stark zerstört und 8 Millionen Ukrainer sind ins Ausland geflohen – was etwa 20% der Vorkriegsbevölkerung entspricht. Vor dem Krieg hatte Russland keine territorialen Forderungen gestellt. Russland wollte eine Garantie, dass die Ukraine nicht in die NATO aufgenommen wird, eine Befriedung der Kontaktlinie zwischen den Donbass-Separatisten und der Zentralregierung sowie die Umsetzung des Minsk-II-Abkommens, dass die Ukraine 2015 abgeschlossen hatte. Dieses Abkommen hätte sogar die Kontrolle der Zentralregierung über die Separatistengebiete wiederhergestellt hätte, allerdings unter Bedingungen, auf die ukrainische Nationalisten nicht eingehen wollten. Wenn von einem Krieg kein günstigerer Ausgang zu erwarten war als die Akzeptanz der Vorkriegsforderungen Russlands, dann stellt sich die Frage, warum die Ukraine und der Westen auf diese Forderungen nicht eingegangen sind. Ein solches Eingehen hätte die bestehende Weltordnung nicht verändert und auch die geostrategische Lage des Westens nicht verschlechtert. Es hätte die Souveränität der Ukraine nicht wesentlich berührt und ihre territoriale Inetgrität gar nicht.

Nehmen wir an, der Westen und die Ukraine glaubten tatsächlich, dass Putin nur bluffe und doch keinen Krieg beginnen würde. Dann hätte es Ende März/Anfang April 2022 noch einmal eine Chance für einen Friedensschluss gegeben. Die russische Führung hätte darauf eingehen können, weil die sie bis dahin nur relativ geringe Verluste und Aufwendungen gehabt hatte. Sie hätte darauf eingehen wollen, weil bereits klar geworden war, dass der ukrainische Widerstand nicht in absehbarer Zeit zusammenbrechen würde. Die Verhandlungen waren bereits relativ weit fortgeschritten. Die russischen Forderungen entsprachen damals noch den Vorkriegsforderungen. Zu diesem Zeitpunkt wäre Russland bereit gewesen, bis dahin besetzte Territorien wieder zurückzugeben. An dem Punkt aber, an dem der ukrainischen Führung und dem Westen klar wurde, dass die Gefahr eines schnellen Zusammenbruchs der Ukraine gebannt war, wollten diese Parteien keinen Frieden mehr schließen. Was sie sich dabei gedacht haben, erschließt sich mir nicht. Die Ukraine war weiterhin unterlegen. Sie war es im April 2022 auf Sicht der nächsten Monate und sie war es in einem potentiell langen Krieg aufgrund der Größenverhältnisse der Länder sowieso. Selbst die im Herbst 2022 eingetretenen ukrainischen Erfolge waren nicht sicher vorhersagbar. Sie waren einem Fehler der russischen Seite zuzuschreiben, nämlich einer zu späten Teilmobilmachung.

Vor diesem Hintergrund sollten wir die Vorschläge von Haass und Kupchan bezüglich der kommenden Monate noch einmal kritisch betrachten.

Aussichten einer ukrainischen Offensive

Die russische Seite hat an der ukrainischen Südfront eine tief gestaffelte Verteidigung aufgebaut. Dort und hinter der Donbass-Front stehen große russische Truppenkontigente, die über den Winter nicht gekämpft haben. Russland wendet in seiner jetzigen Offensive an der Donbass-Front etwa dreimal soviel Artilleriemunition auf, wie die Ukraine, wobei die Ukraine bereits mehr Artilleriemunition verschießt, als der Westen produzieren kann. Wenn sie in die Offensive gehen will, wird sie ihre Artillerieaktivität erheblich erhöhen müssen. Die Ukraine ist in Bezug auf Raketen, Kampfflugzeuge und Panzer erheblich unterlegen, selbst wenn man die realistisch größtmöglichen westlichen Waffenlieferungen in Betracht zieht. Was Kampfflugzeuge betrifft, können mindestens bis Herbst 2023 nur alte sowjetische Typen aus ehemaligen Ostblockländern zur Verfügung gestellt werden, weil es keine an westlichen Typen ausgebildeten ukrainischen Piloten gibt. Es läuft derzeit auch noch keine solche Ausbildung. Die ukrainische Luftverteidigung scheint nach US-amerikanischen Einschätzungen in geleakten Dokumenten nur noch geringe Bestände an S-300 und Buk-Luftabwehrraketen zu haben. Die wenigen bisher gelieferten westlichen Luftabwehrsysteme reichen nicht für eine Flächenverteidigung aus, die bisher noch leidlich funktioniert. Die einzige waffentechnische Überlegenheit für eine kommende Offensive besteht dem Vernehmen nach in einer großen Zahl westlicher Kampfdrohnen. Diese sollten ausreichen, um in der Anfangsphase der Offensive die russische Truppenluftabwehr zu überlasten. Andererseits sind Teile der besten ukrainischen Truppen und der für die Offensive im Winter neu aufgestellten und ausgebildeten Truppen stattdessen in und um Bachmut eingesetzt und stark dezimiert worden.

Nach Ansicht russischer Militärblogger wird die Ukraine dennoch etwa 300’000 bis 400’000 Soldaten für ihre Offensive einsetzen können. Für eine erfolgreiche Offensive benötigt man etwa eine Überlegenheit um einen Faktor von drei. Angesichts der waffentechnischen Verhältnisse und der ausgebauten Verteidigungslinien dürfte der Faktor in diesem Fall kaum kleiner ausfallen, sondern eher größer. Da die russische Seite sehr viel mehr als 100’000 Soldaten einsetzt, folgt, dass die ukrainische Seite bestenfalls lokal wird Durchbrüche erzielen können. Auch das wird nur dann gelingen, wenn sie von der russischen Seite unbemerkt oder sehr schnell Truppen dafür konzentrieren kann. Sobald die Angriffskeile steckenbleiben, sind diese Truppen stark gefährdet.

Wenn die ukrainischen Streitkräfte zu einer Offensive antreten, ist sicher mit lokalen Anfangserfolgen zu rechnen, allerdings unter hohen Verlusten. Es ist nicht sicher, ob die ukrainischen Truppen nach einem Steckenbleiben einer Gegenoffensive standhalten könnten oder ob die Fokussierung auf eine Offensive zum Beispiel im Süden der russischen Seite die Möglichkeit einer eigenen Großoffensive an der Donbass-Front eröffnen würde. Eine ukrainische Großoffensive wäre ein Va-Banque-Spiel. Deshalb bin ich nicht einmal sicher, dass die ukrainische Seite dieses Wagnis überhaupt eingehen wird. Allerdings werden die westliche Unterstützung und die Kampfmoral der ukrainischen Bevölkerung kaum aufrechtzuerhalten sein, wenn die Ukraine das ganze Frühjahr, den ganzen Sommer und den ganzen Herbst ohne einen Offensivversuch verstreichen lässt.

Richtig an der Argumentation von Haass und Kupchan ist, dass eine im strategischen Sinn erfolgreiche Offensive mindestens eine schnelle Ausweitung der westlichen Waffenlieferungen in quantitativer und qualitativer Hinsicht erfordern würde. Selbst wenn das geschähe, wäre ein strategisch relevanter Erfolg nicht garantiert und das Risiko einer katastrophalen Niederlage durch eine russische Gegenoffensive nicht gebannt. Es stellt sich daher die Frage, warum man weitere Verluste hinnehmen und weitere Aufwendungen betreiben sollte, nur um die Kontaktlinie, an der dieser Krieg einfrieren wird, vorher noch etwas zu verschieben. Das würde nur dann Sinn ergeben, wenn die gegenwärtige Kontaktlinie für die Ukraine im Fall eines Wiederaufflammens der Kampfhandlungen sehr schwer zu verteidigen wäre oder wenn knapp jenseits dieser Linie Ressourcen liegen würde, welche die Ukraine für ihre Fortexistenz unbedingt benötigt. Beides ist nicht der Fall. Ob der Konflikt an der jetzigen Kontaktlinie oder zu Jahresende eingefroren wird, an einer Linie, die sich nach Lage der Dinge auch zu russischen Gunsten verschieben könnte, macht strategisch gesehen keinen Unterschied. Haass und Kupchan sind intelligent und erfahren genug, um das zu wissen.

Wenn sie dennoch vorschlagen, was sie da vorschlagen, hat das keine rationalen Gründe, sondern politische. Der Vorschlag, den Konflikt jetzt und an der jetzigen Linie einzufrieren, hätte im Westen und in der Ukraine keine Chance auf Verwirklichung. Angesichts der zunehmenden Erschöpfung der ukrainischen Truppen und der westlichen Waffen- und Munitionsvorräte, der soliden Unterstützung des Kriegs in der russischen Bevölkerung und der bisher anhaltenden militärischen Initiative der russischen Seite hätte aber auch diese keinen Anlass, jetzt auf einen solchen Vorschlag einzugehen.

Aussichten einer Verhandlungslösung

Haass und Kupchan sind hochintelligent, erfahren und hervorragend informiert. Dennoch hat ihr Vorschlag – die beste Lösung unter den ausschließlich schlechten noch verbliebenen Lösungen – keine realistische Chance auf eine Umsetzung. Die ukrainische Führung ist wild entschlossen, zu kämpfen, bis der Krieg unzweifelhaft verloren ist. Sie kann nach ihrer bisherigen Politik auch gar nicht anders, ohne zu stürzen. Der Westen könnte sie freilich zwingen. Unter der Zwischenüberschrift «Kiew überzeugen» schreiben Haass und Kupchan wörtlich: «Die Ukraine hätte kaum eine andere Wahl, als einer Politik zuzustimmen, die ihr die wirtschaftliche und militärische Unterstützung gewährt, die sie benötigt, um das von ihr kontrollierte Gebiet – den größten Teil des Landes – zu sichern, während die gewaltsame Befreiung der Gebiete, die noch unter russischer Besatzung stehen, vom Tisch ist.»

Allerdings kann der Westen Putin nicht die Hand führen. Wie groß die westliche Unterstützung der Ukraine in diesem Sommer und Herbst auch ausfällt – es ist unwahrscheinlich, dass die russischen Verluste ein Ausmaß annehmen, unter dem die russische Führung gezwungen wäre, einem Waffenstillstand zuzustimmen. Die russischen strategischen Denker sind in Bezug auf einen langen Krieg zu den gleichen Überlegungen fähig wie Haass und Kupchan. Es gehört zum strategischen Grundwissen, dass ein langer Krieg für beide Seiten verheerend ist (das wusste schon Sun Tsu), dass aber die Seite mit den größeren Ressourcen ihn gewinnen wird. Russland kann mehr Soldaten mobilisieren – und opfern – und auf absehbare Zeit auch mehr Munition und Waffen produzieren als der Westen. Den zweiten russischen Vorteil könnte der Westen mit großen Anstrengungen in zwei bis drei Jahren neutralisieren. Geht der Krieg aber bis dahin in dieser Intensität weiter – und das kann Russland erzwingen und durchhalten – so gehen der Ukraine vorher die Truppen aus. Fügt man diese Überlegungen denjenigen von Haass und Kupchan hinzu, so ergibt sich, dass die Ukraine diesen Krieg verlieren wird. Daraus wiederum folgt, dass die ukrainische Seite und der Westen eigentlich einen Frieden erreichen müssten, indem sie Russland etwas anbieten, was es derzeit noch nicht hat. Das könnte zum Beispiel der Rest der Oblast Donezk sein im Austausch für noch besetzte Teile der Region Charkiw und für einen russischen Verzicht auf die ukrainisch kontrollierten Teil der Regionen Cherson und Saporischschija. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Ukraine und der Westen derart erleuchtet werden, eine solche Lösung vorzuschlagen, beträgt exakt Null.

Fazit

Nach all dem stellt sich die Frage, warum ich diesen Blogbeitrag mit «Stimmen der Vernunft» betitelt habe. Nun, im Vergleich zu den politischen Führungen in der Ukraine, in den USA und in Großbritannien darf man Haass und Kupchan sicher als Stimmen der Vernunft bezeichnen. Das gilt noch mehr im Vergleich zu den deutschen Ministern Baerbock und Lindner («Die Ukraine kann diesen Krieg gewinnen»), die keine Ahnung von dem haben, worüber sie reden. Viele andere westliche Akteure wissen das schon. Sie verdrängen aber die unangenehme Realität, die sich aus ihrem vorherigen Versagen ergeben hat. In der Politik ist es allgemein so, dass unangenehme Entscheidungen vertagt werden, bis sie unausweichlich (und damit noch unangenehmer) geworden sind.

Und was hat das Ganze nun mit den Ergebnisse der Pandemiepolitik zu tun? Falsche Politik führt zu Schäden und Verlusten, die zu einem Teil nicht wieder gut gemacht werden können.


623 Antworten zu “Stimmen der Vernunft”

  1. militaryland.net

    «Die ukrainischen Verteidiger wehrten einen russischen Angriff südlich von Kreminna ab, aber das Video zeigt, dass es dem Feind gelang, einen weiteren kleinen Teil des Serebryansky-Waldes zu erobern.»

    «Ukrainische Verteidiger sprengten ein Gebäude im nördlichen Teil von Bachmut in die Luft, was darauf hindeutet, dass es den Wagner-Söldnern gelungen ist, die Eisenbahnlinie zu überqueren und die ersten Häuser dort zu erobern.»

    «Es erschien ein weiteres Video, das zeigte, dass der Feind tatsächlich die Bahnlinie im Norden überquerte und in das Wohngebiet eindrang.»

    «Eine Drohne der ukrainischen 93. mechanisierten Brigade zeichnete eine Bewegung von Wagner-Söldnern in der Gegend westlich des Hauptbahnhofs auf. Da sich die Soldatengruppe ohne Widerstand bewegte, ist davon auszugehen, dass der Feind den Stützpunkt der ukrainischen 54. mechanisierten Brigade erreicht hat.»

    «Die ukrainischen Truppen in Bakhmut haben eine Rotation vollzogen. Einheiten der ukrainischen 3. Angriffsbrigade und der 60. mechanisierten Brigade rückten in die Stadt ein, und es scheint, dass zumindest die Spartan-Brigade der Nationalgarde abgezogen wurde.»

    Die Spartan-Brigade ist eine erst kürzlich gebildete Eliteeinheit. Deren Abzug kann entweder bedeuten, dass die ukrainische Seite vermeiden will, dass dieses Freiwilligenbataiilon sehr früh nach seiner Bildung aufgerieben wird und eine Niederlage erleidet oder dass die Spartan-Brigade tatsächlich für Offensivoperationen anderswo benötigt wird.

    Im Zusammenhang mit der Recherche zur Spartan-Brigade, einer Sturmabteilung, habe ich noch ein erschreckendes Bild zur Asow-Brigade und Hintergrundinformation gefunden, wobei die Hintergrundinformation etwas mit Vorsicht zu geniessen ist.

  2. Wie die «Deutsche Welle» berichtet, wollen Polen und Ungarn Getreideimporte aus der Ukraine stoppen, um ihre eigenen Erzeuger zu schützen. Reuters erklärt, dass auch andere Nahrungsmittelimporte betroffen seien, wie etwa Ölsaaten, Geflügel, Eier und Zucker. Laut Jaroslaw Kaczynski sind Dutzende Nahrungsmittel betroffen, zum Beispiel auch Honig. Ungarn hat den Importstopp zunächst bis Juni befristet.

    Soweit zu dem Narrativ, dass ukrainische Getreideexporte ungemein wichtig sind, um eine Hungerkrise in Afrika zu verhindern.

    Der Effekt des Ganzen ist, dass sich die Kosten für die Unterstützung der Ukraine für andere westliche Staaten erhöhen.

  3. Vielen Dank für den Artikel, er spricht vieles aus, was ich teilen und unterstützen kann, allerdings spricht er auch vieles nicht aus, was im Kontext zu beachten wäre.

    Zunächst einmal ist «Foreign Affairs» ohne Zweifel eine Quelle mit hoher Relevanz und großer Glaubwürdigkeit, von daher ist die Darstellung in sich kaum angreifbar, sehr wohl aber der fehlende Teil, die Kooperationsbereitschaft Putins nämlich.

    Und diese ist – meiner Meinung nach – nicht vorhanden, nach meiner Überzeugung führt Putin Krieg, allein um Krieg zu führen, dabei ist der Frontverlauf zweitrangig, der Verlust an Mensch und Material ist Putin sowieso schnuppe, zumindest solange sein Betrug am eigenen Land in der Bevölkerung nicht sichtbar wird. Putins Strategie ist der permanente Krieg, die dauerhafte Kriegsstatus für die Ukraine, welche diesem Land jede wirtschftliche und soziologische Entwicklung raubt, weshalb dieser Staat über kurz oder lang nicht mehr existemzfähig und auch nicht mehr subventionierbar sein wird. Dabei blendet er bewusst aus, dass dieses auch für Russland selbst gelten muss, womöglich nicht in gleichem Maße, grundsätzlich aber doch. Sein Ziel ist unverändert die Existenz eines ukrainischen Staates mindestens zu verhindern, besser noch dauerhaft unmöglich zu machen, koste es, was es wolle, whatever it takes.

    Von daher wird eine Frieden womöglich aus Washington formuliert, entschieden aber wird er in Peking, ohne dessen Unterstützung Putin handlungsunfähig ist, wenn nicht bereits jetzt, dann sehr bald. Und Pekings Interesse an diesem Krieg erlahmt in dem Maße, in dem es Europa braucht und dieses ist unverändert der Fall, wobei dieses Interesse mindestens beidseitig vorliegt, zumindest auf West- und Südeuropa bezogen.

    Ich denke, Putin sollte seine Bevölkerung darauf vorbereiten, dass die Einnahme Kiews vielleicht doch nicht unmittelbar bevorsteht, und kein russisches Banner wird Odessa schmücken. Ein Frieden ist denkbar, wenn Peking zustimmt.

    • Putin führt aus meiner Sicht Krieg nicht, um Krieg zu führen, sondern um eine strategische Auseiandersetzung mit dem Westen zu führen, in der Russland langfristig seinen Einfluss wahrt oder sogar ausbaut. Das mag im Moment nicht so aussehen, aber auf Dauer wird China die Führungsmacht der Welt und Russland trägt mit dieser Politik zum Niedergang des Westens bei und entlastet dadurch China.

      Russland kann ohne chinesische Unterstützung Krieg führen, solange China sich nicht an Sanktionen beteiligt. China, das selbst Opfer westlicher Sanktionen ist, wird einen Teufel tun, sich westlichen Sanktionen gegen Russland anzuschliessen. Nicht einmal Brasilien, Indien und Südafrika tun das. Die meisten Länder der Welt, auch langjährige US-Verbündete wie Saudi-Arabien, beteiligen sich nicht an den Sanktionen.

      Das von unseren Medien vermittelte Bild der internationalen Reaktionen ist schief. Richtig ist, dass bei Abstimmungen in der UN-Vollversammlung, die keinerlei Konsequenzen haben und ausser einem Lippenbekenntnis den Staaten nichts abverlangen, eine sehr grosse Mehrheit gegen Russland stimmt. Fast allen ist das Prinzip von Souveränität und territorialer Integrität sehr wichtig und Russland ist von diesem Prinzip abgegangen. Nicht einmal Kasachstan goutiert das. Wenn es aber um materielle Konsequenzen geht, steht der Westen allein da.

      Wie Haass und Kupchan darlegen, kann China kein Interesse an einer russischen Niederlage haben. Umgekehrt hat China ein sehr grosses Interesse, dass es genau dazu nicht kommt. China hat ein Interesse an einer strategischen Niederlage der USA und des von ihr geführten westlichen Lagers.

      • Oh, ich war mit keinem Wort auf einen internationalen Kontext eingegangen, weder bezüglich Sanktionen, noch auf irgendeine Berichterstattung ‹unserer› Medien bezogen. Auch hatte in mit keinem Wort eine russische Niederlage erwähnt, das ist doch sowieso Interpretationssache Ich sage bloß, das Interesse Pekings an diesem Krieg wird erlahmen, und proportional wird die Fähigkeit Russlands zu diesem Krieg erlahmen.

        Weil das chinesische Interesse basiert auf einer Kooperation mit Europa, dies aus 2 Gründen – erstens generiert Europa unverändert einen ökonomischen Mehrwert für China und zweitens ist eine Entkopplung Europas von den USA ein elementares Interesse, ein friedensstiftendes Interesse, denke ich.

        Also ganz im Gegenteil zu Ihnen glaube ich nicht an gefühlte bzw. strategische Siege, da genügt es, die eigene Bevölkerung zu überzeugen, das muss ja real nicht zutreffen. Das sind für Staaten im Range Russlands oder Chinas doch leichte Übungen, das ist doch Routine.

        • Aber China unterstützt Russland doch gar nicht. Es treibt nur im eigenen Interesse Handel mit Russland, unter anderem mit Waren wie integrierten Schaltkreisen, die man je nach Geschmack als «Dual use»-Güter (zivil und militärisch nutzbar) betrachten kann.

          Insofern würde ein Erlahmen des chinesischen Interesses am Krieg Russland in keiner Weise beeinträchtigen, solange China weiter Interesse am Import von Energieträgern und Export von Technologiegütern hat.

          Im Uebrigen hat China ein sehr grosses strategisches Interesse daran, dass die westlichen Munitions- und Waffenbestände abnehmen, insbesondere, wenn China dafür keinerlei eigenen Aufwand betreiben muss.

          • «Aber China unterstützt Russland doch gar nicht.»

            Nun, wenn sie das glauben, ich glaube es nicht. Aber zugegeben, es ist nicht belegbar.Und was das Munitionsproblem betrifft – es ist symbolisch für viele andere Probleme. Dieses Defizit ist innerhalb Europas erkannt und es wird behoben werden, von daher wird sich der aktuelle Vorteil Russlands sehr bald umkehren. Der militärische Komplex in Europa wird sich neu strukturieren, das war ja bisher keine laufende Produktion, sondern eine auftragsbasierte Einzelfertigung. Insofern wird Europa auf Sicht doch eher militärisch gestärkt, als geschwächt.

            Der Zeitpunkt wird (sehr bald) kommen, an dem sich das Interesse Chinas umkehrt, vom Krieg zum Frieden eben.Ich bin nämlich keine Anhängerin von Kriegen, auch nicht von kalten Kriegen. Wir sollten in unseren Antworten viel öfter das Wort ‹Frieden› benutzen…

            • Wenn China Munition oder Waffen an Russland liefern würde, wüsste die USA das ganz gewiss und dann wüssten wir das auch.

              Die Ukraine untersucht systematisch Trümmer russischer Waffen (Raketen, Drohnen) und erbeutete Waffen. Daher wissen wir zum Beipsiel, dass die iranischen Drohnen mit russischen Elektronikplatinen nachgerüster wurden und das russische Waffensysteme, die früher Schaltkreise aus westlicher Prosuktion enthielten und Schaltkreise aus chinesischer Produktion enthalten.

              Man kann mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sagen, dass in der Ukraine weder chinesische Munition noch chinesische Waffen im Einsatz sind.

        • China kann kein Interesse an einer Niederlage bzw Zerschlagung Russlands haben. Die Gefahr, daß amerikanische Basen sie dann endgültig einkreisen ist groß. Es würde sie schon sehr treffen, wenn sie von den Rohstofflieferungen abgeschnitten wären.
          Die Sanktionen und Vorhaben gegen China sind da eindeutig und in China weiß man das natürlich.
          Die ökonomische Zukunft wird in Asien liegen und der Westen versucht selbstverständlich das zu verhindern. Die Märkte dort sind allerdings sehr groß, man wird auf Abnehmer hierzulande wohl bald nicht mehr angewiesen sein. Die jetzige gegenseitige Abhängigkeit wird sich verringern, das umsichschlagen des Westens kann das nur beschleunigen.

  4. Ja, es läßt aufhorchen, wenn zwei ”Sicherheitspolitiker” wie Richard Haass und Charles Kupchan zu dem Schluß kommen, dass der Westen in der Ukraine eine neue Strategie benötigt.

    Richard Haass z.B. war nicht nur seinerzeit Chefberater von Papa Bush für den Nahen Osten und hat den ersten Krieg gegen den Irak mit entworfen. Das CFR gehört zu denen, die Chris Hedges als ”pimps of war” bezeichnet. Wenn also selbst diese Kriegszuhälter zu dem Ergebnis kommen, dass die USA ihren Russlandkrieg nicht so einfach werden gewinnen können, und nach Auswegen suchen, geschieht dies dann deswegen, weil sie befürchten, dass ihr eigentliches Ziel, die Niederwerfung (Einhegung) Chinas in den Hintergrund zu treten droht? Seit Jahr und Tag trommelt Richard Haass im ”Foreign Affairs” Magazin dafür, Taiwan klare militärische Unterstützung zuzusagen.

    Als Ausdruck der Kriegslust der USA, organisierte ein verwandter Thinktank, das Center for a New American Security (CNAS) im Mai 2022 ein ”Kriegsspiel”, in dem durchgespielt wurde, wie die Belagerung und Provokation Chinas verstärkt werden könnte. Dieses CNAS wird nicht nur von den USA und verbündeten Regierungen finanziert wird, sondern auch von z.B. dem Taipeh Economic and Cultural Representative Office, der Open Society Foundations von George Soros und einer Reihe von US-Militär- und Technologieunternehmen wie Raytheon, Lockheed Martin, Northrop Grumman, General Dynamics, Boeing, Facebook, Google und Microsoft.

    Die eher pro-demokratisch-liberalen Falken wie das CNAS und das Brookings Institute stoßen seit langem ins gleiche Horn wie Neokon-Denkfabriken wie z.B. die «Heritage Foundation».

    Im Bereich dieser außenpolitischen Denkfabriken der USA ist die CFR in den Jahren seit dem 2. Weltkrieg die einflußreichste. Zu den Gründungsmitgliedern und Unterstützern der CFR gehören führende Unternehmen aus den Bereichen Energie (Chevron, ExxonMobil, Hess, Tellurian), Finanzen (Bank of America, BlackRock, Citi, Goldman Sachs, JPMorgan Chase, Morgan Stanley, Moody’s, Nasdaq), Technologie (Accenture, Apple, AT&T, Cisco) und Internet (Google, Meta).

    Der Spiegel bezeichnete das CFR als «die einflussreichste private Institution in den Vereinigten Staaten und der westlichen Welt» und «das Politbüro des Kapitalismus», während Richard Harwood, ehemaliger Chefredakteur und Ombudsmann der Washington Post, den Rat und seine Mitglieder als «das, was einem herrschenden Establishment in den Vereinigten Staaten am nächsten kommt» bezeichnete.

    Wie eine Spinne sitzt dieses CFR in einem Netzwerk welches die suprematistische Weltanschauung der USA vertritt, die das Recht beansprucht, sich in internationale Angelegenheiten einzumischen – eine Ideologie, die auf die Monroe-Doktrin von 1823 zurückgeht, die die Vorherrschaft der USA über die gesamte westliche Hemisphäre proklamierte. Die heutige außenpolitische Elite der USA mit ihren Think Tanks hat die Anwendung der Doktrin vom amerikanischen Kontinent auf die ganze Welt ausgedehnt und ist eng verbunden mit den Geheimdiensten und dem Militär, eine Mischpoke, die manche als ”deep state” bezeichnen. Das Credo ist, dass die USA aktiv in die Politik anderer Länder einzugreifen haben, um «Freiheit und Demokratie”, den ”freien Markt» zu fördern, gegen jene Staaten vorzugehen haben, die die wirtschaftliche und militärische Dominanz des Westens in Frage stellen, unerwünschte Regierungen absetzen sollen (regime change) um die globale Hegemonie der USA mit allen Mitteln zu sichern.

    Max Boot, ein herausragender Repräsentant dieser Gruppe, politischer Kommentator und «Senior Fellow» am CFR, schrieb 2003: «Angesichts der historischen Belastung, die ‹Imperialismus› mit sich bringt, muss die US-Regierung den Begriff nicht übernehmen. Aber sie sollte sich auf jeden Fall die Praxis zu eigen machen”.

    Hat sie. Heute haben die Ausweitung der NATO auf die Ukraine und die Konfrontation mit Russland für Neokonservative und liberale Falken gleichermaßen Priorität. Beide Gruppen stimmten bislang nicht mit den ”Realisten» überein, die eine Entspannung mit Russland vorschlagen, um für die Konfrontation mit China gestärkt zu sein. (Mearsheimer etc). Das scheint sich jetzt ansatzweise zu verändern.

    Ein Propagandainstrument das auch von den Vasallen in Deutschland immer wieder repetitiv vorgebracht wird, ist der Verweis auf die Geltung der RBO «regelbasierte internationale Ordnung”, wobei bewußt verschleiert wird, dass dieser Begriff sich nicht auf das allgemeine Völkerrecht (UNO und UNO-Beschlüsse/Verträge), sondern auf die von USA und ihrer Sicherheitsorganisation vertretenen Ansichten bezieht.

    Seit dem 2. Weltkrieg hat sich gezeigt, dass die USA nur in Schwächephasen zur Zurückhaltung neigen, wie z.B. nach dem verlorenen Vietnamkrieg und nach der Finanzkrise 2008. Gewinnen die USA ihren Krieg in der Ukraine, werden sie die Ukrainisierung Taiwans verstärkt weiter betreiben. Eine Zerschlagung Russlands, von der weite Kreise in USA träumen (Dekolonialisierung) hätte evtl. zur Folge, dass US-Raketen irgendwann an den westlichen Grenzen Chinas auftauchen. Schon deswegen wird China alles tun, um eine ernste Niederlage Russlands zu verhindern, meiner Meinung nach selbst auf die Gefahr hin, seine europäischen Märkte zu verlieren.

    Viele der obigen Aussagen habe ich dem Aufsatz: «Who Is Leading the United States to War?” von Deborah Veneziale entnommen, der viele sehr interessante Informationen zu den kriegstreibenden Netzwerken in den USA enthält:

    https://mronline.org/2022/05/19/who-is-leading-the-united-states-to-war/

    • «Chevron»

      Legendär ist ja auch Vicky Nuland’s Auftritt auf einer von Chevron gesponsorten Ukraine-Konferenz im Vorfeld des Putsches von 2014. Chevron nahm damals an, dass sich Fracking in der Ukraine (und in Polen) lohnen werde und dass zur Gewinnung der Absatzmärkte eine Unterbrechung der billigeren Gaslieferungen aus Russland nach Westeuropa zweckmässig wäre.

      Das Projekt ist dann nicht aus geostrategischen sondern aus geologischen Gründen gescheitert.

      • Fracking-Gas ist auch bei den Grünen jetzt nicht mehr so verwerflich. Interessanterweise sagte eine Grünen Politikerin auch, falls es Probleme gäbe (z.B. die Abschaltung der KKW) gäbe es ja den europäischen Energieverbund und Lieferungen aus Frankreich.
        Wobei vielleicht auch bei unseren Kohlekraftwerken noch etwas Luft nach oben wäre.
        Immerhin fließen nun meines Wissens 20 bis 40 Milliarden Euro für Gas nach USA. Eine Abhängigkeit bdeutet das in diesem Falle natürlich nicht.

        • » Interessanterweise sagte eine Grünen Politikerin auch, falls es Probleme gäbe (z.B. die Abschaltung der KKW) gäbe es ja den europäischen Energieverbund und Lieferungen aus Frankreich.»

          Deutsche Kernkraft böse, französische Kernkraft gut.

          Deutscher Kohlestrom böse, polnischer Kohlestrom gut.

          • So würde ich das auch sehen.
            Und zur Abschaltung sagte man auch, die KKW werde man mit dem Ausbau der Alternativen kompensieren. Also JETZT abschalten, SPÄTER in der Zukunft kompensieren. Physikalisch sehr interessant.
            Na ja, mit Frankreich und Polen wird es wohl reichen. Der Preis macht das übrige.

  5. West-Europa wird wohl nach diesem Krieg geschwächt sein. Egal wie er ausgeht oder wie stark wir aufrüsten.
    Deutschland ist nicht mehr Frontstaat und wird das immer mehr bemerken. Man wird weniger Rücksicht auf unsere Befindlichkeit nehmen. Polen, die baltischen Staaten, Finnland sind jetzt wichtiger. Der größte Teil Europas war als Schlachtfeld geplant, die Entscheidungen fallen woanders. Insofern sind auch die Interessen unterschiedlich. Im Büro oder auf dem Schlachtfeld fallen die Entscheidungen oder Beurteilungen unterschiedlich aus. Wenn man von Manipulation und Machtgefüge einmal absieht.

    Solch ein Krieg in Afrika hätte uns wenig interessiert. Es gäbe weder diese Sanktionen, Waffenlieferungen und die mediale Präsenz.
    Aus Sicht der USA müssen wir mehr tun, damit man selbst die Hand frei hat bezüglich China. Russland geschwächt wäre für diesen Fall eher ein Vorteil, den man sicher bedacht hat.
    Die hochlaufende Rüstungsindustrie ist auch für die evtl. Konfrontation mit China günstig, da – selbst wenn wir nicht aktiv beteiligt wären – Waffenlieferungen ermöglicht würden.
    Man bemüht sich zur Zeit um kleinere Länder in der Nähe Chinas. Das ist kaum ein Zufall.
    Internationale Unterstützung würde man erhalten, wenn man es schafft, daß China den entscheidenden Zug macht mit entsprechender militärischer Ausprägung. Schaffen deswegen, weil manche Abläufe nicht die erforderliche Empörung hervorrufen um eine breite Kriegsbeteiligung zu erreichen. Beispiel Irak.
    Die Maßnahmen gegen eine Abhängigkeit von China sind vielleicht die ersten Vorboten, denn einen stichfesten Grund gibt es eigentlich nicht. China droht nicht mit Boykott, Sanktionen, stellt Lieferungen ein. Bei einem Krieg wäre das sicher anders zu bewerten.

  6. Aus dem polnischen Importstopp für ukrainisches Getreide und ukrainische Lebensmittel lässt sich übrigens noch etwas Ernsteres ableiten. Selenskyj war am 5. April zu einem Staatsbesuch in Polen. Damals wurde auch über das Getreideproblem geredet.

    Aus dem jetzt erfolgten einseitigen Handeln Polens kann man daher schließen, dass der ukrainische Präsident im Gespräch mit dem Staatsoberhaupt des (verbal) vehementesten Unterstützers der Ukraine nicht zu einer Übereinkunft gelangen konnte.

    • Ich schätze mal, es geht einfach darum, «wir reden, aber die Last tragt bitte ihr».
      Nachdem die EU Unterstützung bezahlt für Waffen die an die Ukraine abgegeben werden scheint sich eine Gewinnmöglichkeit eröffnet zu haben. Da ist man dabei.
      Bei Flüchtlingen aus anderen Ländern hat sich Polen auch etwas bedeckt gehalten, wie viele Länder in der EU. Habe vor Kurzem gelesen, mittlerweile sind im Mittelmeer 26.000 Menschen ertrunken. Darunter auch welche, wegen unterlassener Hilfeleistung. Wie man das wieder mit unseren Werten unter einen Hut bekommt frage ich mich fast täglich.
      Das sehe ich unabhängig davon, daß Aufnahmekontingente nicht beliebig steigerbar sind und z.B. Deutschland nicht alle Bedürftigen aufnehmen kann. Da ist Kreativität gefragt und man muß an Lösungen arbeiten. Ertrinken lassen ist keine.
      An Polen und einigen anderen Ländern sieht man, daß die Front nicht so geschlossen ist wie man es uns erzählt. Von wegen uneingeschränkt und solange wie nötig. «Russland ruinieren», nun ja, der Preis war bis jetzt relativ hoch. Was würde aus dem Ruin Russlands folgen? Darüber denkt man scheinbar weniger nach.
      Egal wer gewinnt, der Schaden ist viel größer als viele denken. Jede Aktion, jedes Verhalten – gerade des Westens – wird in vielen Ländern beobachtet und bewertet. Daher auch die neuen Gruppierungen mit Indien, Südafrika, Brasilien, usw.
      Man schaut sich die Doppelmoral an, den Umgang mit afrikanischen Flüchtlingen im Gegensatz zu ukrainischen. Die Hilfen, die finanziellen Stützen des Staatshaushaltes und vieles mehr.
      Wie ich schon im Freitag bemerkte, ich bin sicher, daß dies Folgen auf Jahre hinaus hat.
      Und das ohne Not. Flüchtlinge ungleich zu behandeln entbehrt jeder Grundlage. Juristisch wie ethisch.
      Es war eigentlich klar, daß mit der Zeit Fragen auftauchen die so manches als Propaganda, Täuschung oder auch Lügen aufdecken. Das wird den Rückhalt in den Bevölkerungen im ein oder anderen Staat nachhaltig stören. Das Vertrauen in die Politik weiter beschädigen.
      Waffen und Geld, das klang doch recht einfach. Das Spektrum erweitert sich aber immer mehr, bis die Komplexität keiner mehr durchschaut.

      Man hat verkündet, «die Welt» hungert wegen fehlender Getreidelieferungen. Nun scheinen doch beträchtliche Mengen gar nicht in den entsprechenden Ländern gelandet zu sein. Das wirft natürlich Fragen auf die sicher keiner gerne beantworten möchte.

      • «Man schaut sich die Doppelmoral an, den Umgang mit afrikanischen Flüchtlingen…»

        Italien hat schon den Notstand ausgerufen. Trotz der ultrarechten Regierung dort scheint das fuer unsere Fortschrittsregierung keinen Aufschrei wert zu sein. Ist nun mal so, dass Meloni von Anfang an die westliche Ukraine-Politik mittraegt und die beiden Quertreiber anscheinend (noch) unter Kontrolle hat.

        • Sind sie da nicht ein wenig zu streng mit der Dame ? Gemessen an dem, was Italien unter einer Regierung Meloni vorausgesagt wurde, steht sie doch ganz passabel da, mehr noch, Italien zeigt sich robust wie lange nicht, bis auf die Flüchtlingsfrage.

          Aber das ist ja kein rein italienisches Problem, Giorgia Meloni ist nun mal nicht Nancy Faeser, ob das dann für Italien gut oder schlecht ist, das könnte mal eine Frage wert sein. Es geht ja nicht um Flüchtlinge als solche, sondern um Kindergärten, Schulen, Krankenhäuser, Wohnungen usw. Kein Staat hat das beliebig vorrätig. Aber ja, wenn sie Fan von Nancy Faeser sind, dann ist Meloni zu kritisieren, das stimmt.

          Wobei, wenn ich mich hier ein wenig einlese, dann verstehe ich auch die Flüchtlinge nicht, wer flieht denn schon auf ein untergehendes Schiff. Wieso fliehen die nicht ins Reich der Zukunft, nach Russland oder China, sind das nicht die Heilsbringer des globalen Südens, oder so ?

          • Zeit ist wiedermal knapp. Rennen Sie mir bloss nicht wieder davon (-; Ich komme auf Sie zurueck.

            LG ins beschauliche Luxemburg. Tief im Westen – da, wo die Welt noch in Ordnung ist.

            Ciao a presto!

          • «Gemessen an dem, was Italien unter einer Regierung Meloni vorausgesagt wurde, steht sie doch ganz passabel da…»

            Ja, das sieht so aus. Dass diese Koalition immer noch haelt – aller Meinungsverschiedenheiten bzgl. des Ukrainekrieges zum Trotz – haette ich nicht gedacht. (Ihr Cousin uebrigens auch nicht.) Allerdings gibt es ja auch keine wirklichen Alternativen. Die Linke dort kann’ste vergessen wie die bei uns in Deutschland auch.

            Fan von Nancy Fraeser bin ich auch nicht. Wuesste nicht, dass von ihr bisher was Gescheites rauskam. Allerdings ist sie da nicht der einzige Totalausfall innerhalb der Ampel.

            «Wieso fliehen die nicht ins Reich der Zukunft, nach Russland oder China, sind das nicht die Heilsbringer des globalen Südens, oder so ?»

            Nun ja, die sehen halt auf ihren Smarties tagein, tagaus die Glitzerwelt des Kapitalismus und werden mit Werbung westlicher Produkte zugemuellt. Zudem kennen sie meistens noch irgendjemand, der’s in Deutschland, England, Frankreich angeblich zu was gebracht hat. Niemand gibt ja gern sein Scheitern zu.

            Uebrigens, wenn man aber dann sieht, wo es am meisten anerkannte Fluechtlinge gibt, dann sieht’s schon wieder ganz anders aus. (Ausnahme Schland):

            https://de.statista.com/statistik/daten/studie/12786/umfrage/aufnahmelaender-von-fluechtlingen/

            Noch kurz zum Schluss: Auch ich halte weder China noch Russland fuer die Heilsbringer des globalen Suedens. Mit Kommunismus (im klass. Sinn) haben die beiden genauso wenig zu tun wie die USA und EU-Europa mit Freiheit, Gleichheit und Glueckseligkeit oder so.

            • Jaha, diese Fehleinschätzung musste er inzwischen auch eingestehen (..gewisse Unschärfe in der Vorbetrachtung.. 🙂), aber naja, auch das wird die Welt nicht verändern.

              Aber egal, zum laufenden Kontext dieses Berichtes bin ich allerdings ein wenig enttäuscht, unter dem Label ‹Stimmen der Vernunft› hatte ich mir etwas mehr Perspektive versprochen. Mir wird immer zuviel über Krieg und zu wenig über Frieden gesprochen, geschrieben, gedacht und diskutiert. Die ganze Diskussion folgt irgendwie dem Motto ’nach dem Krieg ist vor dem Krieg›, und die Ukraine ist lediglich der Testballon zum Schicksal Taiwans. Meine Leidenschaft würde einer ganz anderen Richtung folgen, nämlich wie könnte diese Perspektive umgedacht werden, ich würde die Glaskugel einfach umdrehen wollen, ich würde gerne Hoffnung diskutieren und keinen Untergang.Leider finde ich im bisherigen Kommentarbild nicht so viel, was meine Leidenschaft lenken könnte …. schade.

              • Das fällt zur Zeit schwer. Die Perspektiven deuten in die andere Richtung. Wünsche kann man zwar artikulieren, aber damit kommt man zur Zeit nicht sehr weit. Wurde in einigen Foren ja gemacht, sind aber schon wieder überholt oder bleiben eben Wünsche.
                Hoffnung, ja. Die kann man diffus stehen lassen, nur gibt es nicht ausreichend Informationen um diese zu präzisieren. Was haben die Protagonisten vor, wie ist die genaue Lage, die Machtverhältnisse usw. Vieles ist geheim, die Interessen nicht klar zu benennen. Wie soll man da detailiert Perspektiven entwickeln? Das kann nur im Oberflächlichen bleiben.

                • Natürlich kann das nur an der Oberfläche bleiben, aber das ist doch im aktuellen Modus nicht anders. Die geführten Diskussionen basieren doch auch nur auf Spekulationen, widersprüchlichen Presseberichten und vermuteten Zusammenhängen. Wer weiß dann schon, was Annalena Barbock in Peking wirklich besprochen hat, wer weiß den schon, wann und über was Olaf Scholz mit wem telefoniert und wer weiß, über welche Kanäle Peking und Washington tatsächlich kommunizieren, wenn auch auf unterer Ebene.da ist die Realität doch eine andere. Und wenn sie sich mal ehrlich machen, dann geht es doch bei vielen Kommentaren auch gerne darum, einfach seine eigene Einschätzung bestätigt zu sehen, hier ist doch vieles eher meinungsbasiert als fundiert belegbar. Sie können hier u.U. einen Pressebericht der Zeitschrift A referenzieren, im Magazin B können sie das Gegenteil lesen, weil auch die internationle Presse im Regelfall eine Meinungspresse ist. Also das ist zumindest mein Eindruck, das ist mein Bild vieler Diskussionsgrundlagen.

                  • Na ja, das sehe ich wie Albatros.

                    Es laesst sich z.Zt. schwer ueber das Danach diskutieren, solange der Krieg laeuft/ am Laufen gehalten wird, und vor allem den beiden unmittelbar beteiligten Akteuren der Wille zum Frieden fehlt. weil keiner zu Kompromissen bereit ist.

                    «…hier ist doch vieles eher meinungsbasiert als fundiert belegbar.»

                    Zumindest werden hier Meinungen/Analysen/ Vorstellungen von Personen (die von der Sache was verstehen) diskutiert, die das aktuelle Geschehen realistischer sehen als die Ueblichen in der Mainstreampresse. Das verfuegbare Waffenpotenzial der Russen und das der Ukraine/ des «Westens» ist hier fundiert belegt. Davon gehe ich aus.

                    • Nun wie auch immer, ich sage ja nichts dagegen, es ist eben bloß nicht so mein Ding. Was soll ich über Krieg diskutieren, das zun viele an vielen Stellen mit vielen Meinungen.

                      Wenn ich mir überlege, mit wieviel Kopfschütteln und Unverständnis die Kriegsführung in WK1 im Nachgang kommentiert wurde, wie sinnlos eine solche Knochenmühle denn sei, und jetzt passiert im Grunde das gleiche wieder, dann kann ich nicht mehr diskutieren, was ich nicht verstehe.

                    • Richtig. Die Menschheit (pauschal) ist nicht faehig, aus den vergangenen (wie sag› ich’s jetzt)… «Katastrophen» zu lernen. Da hat Gott gepfuscht. (Sorry, der letzte Satz war jetzt zynisch gegenueber allen Glaeubigen.)

              • «Mir wird immer zuviel über Krieg und zu wenig über Frieden gesprochen, geschrieben, gedacht und diskutiert.»

                Haben Sie eine Idee?

                Eigentlich geht es Haass und Kupchan doch um einen Weg zum Frieden. Sie sind nur realistisch genug, um zu erkennen, dass momentan keiner offensteht.

  7. Ebenfalls UNIAN:

    Polen hat nicht nur den Import ukrainischen Getreides und ukrainischer Lebensmittel verboten, sondern sogar den Transit. Ungarn dagegen hat nur den Import verboten, nicht aber den Transit. Heute ist die Slowakei dem Beispiel Polens und Ungarns gefolgt und hat den Import ukrainischen Getreides verboten.

  8. Der SPD-Außenpolitiker Michael Roth und die FDP-Militärpolitikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann reden mit der Schweiz auf eine Art, in der deutsche Politiker letztmals Anfang der 1940er Jahre mit der Schweiz geredet haben.

    • Tja, die Schweiz ist eben kein zuverlaessiger Partner mehr, will einfach nicht liefern. Die muss sich schon entscheiden, auf welcher Seite der Geschichte sie stehen will.

      Zum verrueckt werden 🙁

    • Haben Sie da bestimmte Aussagen im Blick? Meine Vorfahren waren zwar Schweizer aber mein Überblick bezüglich Schweiz ist doch recht begrenzt. Sie sitzen da näher an der Quelle. Gerade was die Stimmung in der Bevölkerung betrifft.
      Strack-Zimmermann, die Scharfmacherin. Kann man aufgrund ihrer Beziehungen zur Rüstungsindustrie kaum ernst nehmen.
      Nun ja, ich bin wenig überrascht. Schon lange schätze ich die Verwerfungen, Konfrontationen, die Toten und Kranken als Folge des Krieges und der Machenschaften als höher ein als den Krieg selbst. So makaber das klingt und ich diese Aussage ungern treffe. Aber der Krieg und die vorausgehenden Machenschaften haben ein internationales Umfeld das kaum beachtet wird.
      Wer zählt die Toten, Kranken und irreparablen Schäden die durch fehlende Lebensmittel, Einkommen, Warenlieferungen und Inflation entstanden sind? Die gestiegene Kriminalität durch völlige Verarmung, ärztliche Behandlungen die man sich nicht mehr leisten kann. Bei fehlenden Lebensmitteln kann man nicht sagen, in einem halben Jahr wird es besser. Nicht bei uns, aber in einigen Ländern geht es bei Problemlösungen um Tage, Wochen.

      • Im Schweizer Nationalrat (Pendant zum Bundestag) gibt es eine stabile Mehrheit dagegen, die Weitergabe von Schweizer Waffen an die Ukraine zu erlauben.

        Deutschland hat damals beim Kauf der Waffen und der Munition gewusst, dass sie nicht an kriegführende Staaten weitergebeen werden dürfen. Deutschland selbst hat bei Waffenlieferungen solche Bedingungen mit den Abnehmern getroffen. Es gab und gibt gute Gründe dafür.

        • «Im Schweizer Nationalrat (Pendant zum Bundestag) gibt es eine stabile Mehrheit dagegen…

          «Einige Nationalräte der christdemokratischen Partei „Die Mitte“ wollen nun die Neutralität ihres Landes neu interpretieren und haben zusammen mit Kollegen von FDP und Grünen im sicherheitspolitischen Ausschuss eine Parlamentsinitiative eingebracht. Diese sieht eine „vorübergehende und klar befristete“ Ausnahme für die Ausfuhr von Kriegsmaterial an die Ukraine vor. „Neutralitätsrechtliche Bedenken kann man entgegnen, dass die Schweiz selbst keine Waffen direkt an die Ukraine liefert und damit das Neutralitätsrecht nicht verletzt“, heißt es in der Begründung. Die Entscheidung liege schließlich bei jenen Ländern, die in der Schweiz Kriegsmaterial gekauft hätten. Im Nationalrat wurde über den Antrag noch nicht beraten.» Quelle: rnd.de

        • Die Schweiz sollte dabei bleiben. Die Neutralität ist wichtig und es wäre ungünstig sie zu beschädigen.
          Neutrale Staaten gibt es wenige und sie haben eine wichtige Funktion. Die Schweiz ist sicher gut beraten sich herauszuhalten und die Neutralität hochzuhalten.

          • «Einige Nationalräte der christdemokratischen Partei „Die Mitte“

            Genau das. Einige Nationalräte. Die Parlamentsinitiative wird hierzulande als chancenlos angesehen, sogar vom Schweizer Fernsehen SRF, das selbst nicht gerade ein glühender Anhänger der Neutralität ist.

            • Okay, dann wird das wohl so sein.

              Ich habe mal bei wiki geschaut: Sie (d.h. die Schweiz) haben ja gleich zwei gruene relevante Parteien: Gruene und GLP. Kann man die mit unserer Boris-Palmer-Partei vergleichen, oder sind die ganz anders?

              Und wie ist das eigentlich: Sie duerfen sich ja weder an Wahlen (vermute ich) noch Volksentscheiden beteiligen. Stoert Sie das oder ist es Ihnen egal?

              • Die GLP ist mal gegründet wurden, um ökologische Politik vernunftbasiert und mit einem freiheitlichen Ansatz zu betreiben. Ob sie diesem Anspruch immer noch gerecht wird, ist Ansichtssache.

                «Sie duerfen sich ja weder an Wahlen (vermute ich) noch Volksentscheiden beteiligen. Stoert Sie das oder ist es Ihnen egal?»

                Ich kümmere mich gerade darum. Es dauert aber noch ein wenig.

            • Fließende Übergänge. Man muß eben recht schnell eine klare Grenze ziehen um die Glaubwürdigkeit zu erhalten.
              Man sollte nichts über Bord kippen das man später noch braucht oder darauf Bezug nehmen möchte.
              Es gibt einige Dinge die der Westen gerade antastet, aber später wieder als Regel sehen möchte.

              • Diese Diskussion in der Schweiz ist einigermaßen ambivalent (vorsichtig ausgedückt), die Schweiz verfügt – insbesondere in der Herstellung von Munition – über ein erhebliches Exportvolumen.

                Die Schweizer Industrie hat 2022 Rüstungsgüter für fast 1 Mrd. Franken exportiert, die Zielgebiete waren dabei wohl keineswegs nur handverlesene Friedensgebiete. Inwiefern sich Rüstungsexporte dann grundsätzlich mit einer universellen Neutralität vereinbaren lassen, das wird die Zukunft zeigen, zumindest die europäischen Kunden werden sich wohl umorientieren müssen. Die schweizer Hoffnung mag es sein, dass sich diese Umorientierung einzig auf Rüstungsmaterial bezieht, das könnte die schweizer Industrie insgesamt wohl wegstecken, aber zu Ende gedacht ist das nicht.

                • Weltmarktanteil: 1%

                  2022: 213 Millionen Franken: Katar, Luftabwehrsysteme

                  Anteil der NATO an den Aufträgen von Rheinmetall: 87%

                  Saudi-Arabien steht auf der schwarzen Liste (in der Schweiz, in Deutschland natürlich nicht, wegen Vorgehens gegen die eigenen Bevölkerung übrigens). Ersatzteile für bereits vorhandene Waffen dürfen allerdings geliefert werden. Das waren 2021 immerhin noch 50 Millionen.

                  Wenn Sie unter den zehn wichtigsten Empfängerländern 2021 ein Kriegsgebiet finden, geben Sie bitte Bescheid. Alles andere lag unter 17 Millionen CHF pro Land, was bei Kriegsmaterial wirklich nicht viel ist.

                  • Nichts gegen Ihre Schweiz. Und die Ruestungsexporte werden jetzt ja hoffentlich auch einzubrechen. Aber Ihre Zahlen sind nicht so ganz frisch.

                    «Saudi-Arabien…Das waren 2021 immerhin noch 50 Millionen»

                    Und 2022 waren es 111,1 Millionen – also Steigerung um rund 122%. Saudi-Arabien fuehrt(e) Krieg gegen Jemen – zumindest 2022 noch.

                    https://www.blick.ch/politik/29-prozent-mehr-als-im-vorjahr-schweizer-waffenexporte-boomen-noch-id18375627.html

                    • Richtig. Die Schweiz darf bei korrekter Interpretation des Haager Abkommens nicht in die Ukraine liefern. Aber eben auch nicht nach Saudi-Arabien. Zudem ist es seit 1. Mai 2022 verboten, Kriegsmaterial in Länder zu liefern, in denen Risiken für Menschenrechtsverletzungen bestehen, was für Saudi-Arabien ganz sicher gilt.

                    • «Aber eben auch nicht nach Saudi-Arabien.»

                      Das wurde so begruendet:

                      «Das Neutralitätsrecht ist auf den Konflikt im Jemen nicht anwendbar, da sich nicht zwei Staaten bekriegen; Saudiarabien unterstützt die jemenitische Regierung im Kampf gegen die Huthi-Rebellen. Das Neutralitätsrecht greift nur, wenn Staaten gegeneinander in einem Krieg stehen.» Quelle: tagesanzeiger

                      Zugegeben, sehr schwammig. Allerdings, wie Sie und auch der Chefredakteur dieser Website hoechstpersoenlich schon geschrieben hatte, wurde das ab Mai ’22 verboten bzw. stehen die auf der Schwarzen Liste wg. Menschenrechtsverletzungen.

                    • «» Saudiarabien unterstützt die jemenitische Regierung im Kampf gegen die Huthi-Rebellen. Das Neutralitätsrecht greift nur, wenn Staaten gegeneinander in einem Krieg stehen.» «»

                      Wenn die Schweiz Munition nach Deutschland liefert, dann ist das eine identische Konstellation. Auch Deutschland unterstützt lediglich eine Kriegspartei.

                    • Der Punkt ist, dass da zwei Staaten Krieg fuehren, waehrend es sich im Fall Saudi-Arabiens «nur» um die jemenitische Regierung handelt, die die Saudis gegen Rebellen unterstuetzt:

                      «…verbietet es das Neutralitätsrecht, codiert in den Haager Abkommen von 1907, Waffen direkt oder über Dritte an eine Konfliktpartei zu liefern, wenn nicht gleichzeitig die andere Seite ebenfalls mit Waffen versorgt wird.»

                      Im Uebrigen, finde ich es gut, dass die Schweiz dem Druck – besonders von Deutschland – standhaelt und eben nicht mit dazu beitraegt, dass der Krieg noch Jahre weiter geht. Jeden Tag sterben dort Menschen. Nicht nur russ. Soldaten und Soeldner, sondern auch ukrainische junge Maenner und unschuldige Zivilisten. Das Land wird bis zur Unkenntlichkeit zerstoert.

                      Am Ende verlieren wir alle – und die Ukraine alles.

                    • Naja, der Druck kommt ja nicht aus Deutschland, Scholz gibt den Druck aus Osten bloß an die eigentliche Zieladresse weiter. Da hat er eben getan, was er tun konnte. Und sowieso kann jeder selbst dazu stehen, wie er will, mir ging es ja bloß um eine sehr dehnbare Auslegung der schweizer Neutralität als solche.

                      Auch vermute ich hinter dem schweizer Unwillen evtl. Bedenken, eine spezifische Oligarchen-Kundschaft zu verlieren. Irgendwo ja verständlich, das ist nun mal das zentrale Geschäftsmodell der Schweiz, die haben sich andere Staaten auch nicht sanktionieren lassen, von Deutschland mal abgesehen.

                      Aber wenn ich alle Punkte saldiere, dann glaube ich eben, dass sich die Schweiz in nächster Zeit positionieren muss.

                    • Okay, ich akzeptiere natuerlich Ihre Meinung (koennte ey nichts daran aendern), sehe das aber anders.

                      Die sind schon immer mit ihrer Neutralitaet gut gefahren. Warum sollten die das dann aendern?

                    • ** Jeden Tag sterben dort Menschen. Nicht nur russ. Soldaten und Soeldner, sondern auch ukrainische junge Maenner und unschuldige Zivilisten. Das Land wird bis zur Unkenntlichkeit zerstoert. **

                      Das ist im FLA-Bereich mindestens umstritten. Damit werden im Regelfall unbemannte Drohnen abgeschossen. Ist man dazu nicht in der Lage, dann werden diese Drohnen ihr Ziel finden, vermutich mit entsprechenden Opfern.

                    • Ja, leider. Darum bin ich auch fuer einen Waffenstillstand – SOFORT. (Aber auf mich hoert ja keener.)

                      Was ist eigentlich «FLA»?

                      Nochwas (aber vielleicht sind Sie zu jung dafuer): Von Anfang April bis Mitte Juli 1994 gab es einen Voelkermord in Ruanda – bis zu einer Mio. Tote. Die «Blauhelme» waren vor Ort, wurden allerdings von der «Welt» (also auch von der westlichen Wertegemeinschaft) im Stich gelassen.

                      Und wo blieben da die Waffenlieferungen fuer die Tutsis?

                    • FLA = Flugabwehr

                      Also über einen Blauhelm-Einsatz in Ruanda habe ich mal was gelesen, aber Ruanda … eigentlich weiß ich nicht mal so genau, wo das liegt, ausser in Afrika eben.

                    • Na ja, das ist ein kleines ostafrikanisches Binnenland, vertikal ziemlich zentral, direkt an der grossen DR Kongo im Osten.

                      War eine fuerchterliche Sache damals.

                      Mir ging’s aber darum, dass man gar nicht mit dem moralischen Zeigefinger auf andere Laender oder Personen zu zeigen braucht, die an der Sinnhaftigkeit von Waffenlieferungen zweifeln oder es deren Neutralitaetsanspruch nicht hergibt – und von Menschenrechten schwafelt, wenn die auch nur gelten, wenn’s gerade passt. (Sie sind damit nicht gemeint, sondern speziell deutsche und EU-PoltikerInnen.) Die uebliche Doppelmoral halt.

                      Danke fuer die Begriffserklaerung. Hatte ich mir schon gedacht, kannte aber nur Flak aus WK II.

                  • Aber es geht doch nicht um die Summe, sondern um die Interpretation einer Neutralität, welche offenbar wenig konsistent gelebt wird. Wer Bauteile für FLA-Systeme nach Saudi-Arabien liefert, der kann auch FLA-Munition in die Ukraine liefern, sollte man meinen, zumindest bei gleichem Maßstab. Ob dieser Maßstab evtl. vom jeweiligen Kontostand des Kunden zu tun, das wäre eine Prüfung wert.

                    Es wäre ja denkbar, der Bankensektor steht ein wenig über den Dingen. Das Schweizer Parlament hat die Finanzgarantien in Höhe von 109 Milliarden Schweizer Franken zur Rettung der Credit Suisse offenbar abgelehnt. Konsequenzen hat das Ergebnis allerdings eher weniger, denn die Darlehen wurden vorab bereits von ‹einem Ausschuss› unter Notrecht gebilligt. Eine gute Sache, so ein Notrecht, welches ohne ein lästiges Parlament auskommt.

                    Kritisiert wurde dann übrigens das Parlament (SPIEGEL vom 12.04.), weil die mangelnde Einigung ein schlechtes Licht auf den Finanzplatz Schweiz werfen könne. Tja, die Schweiz und das Licht, das sind keine guten Partner, Banken arbeiten gerne im Schatten.

                    Von daher funktioniert die Schweiz wie alle anderen europäischen Staaten auch, nicht besser und nicht schlechter, aber den Luxus einer beliebigen Neutralität wird sich dieses Land auf Sicht vermutlich nicht mehr leisten dürfen.

                    • Na, eine beliebige Neutralitaet ist das nicht:

                      «Warum sind Waffenlieferungen in die Ukraine nicht möglich?
                      Das Haager Abkommen von 1907, welches die Schweiz unterschrieben hat, verbietet es neutralen Ländern wie der Schweiz, Krieg führende Staaten mit Truppen, Waffen oder Munition zu versorgen. Darauf basiert auch das Schweizer Kriegsmaterialgesetz. Das Neutralitätsrecht besagt, dass alle Kriegsparteien im Hinblick auf den Export von Rüstungsgütern gleich zu behandeln sind. Die Schweiz kann also nicht Waffenlieferungen an Russland verbieten und gleichzeitig an die Ukraine erlauben, auch nicht via Drittstaaten.» Quelle: http://www.tagesanzeiger.ch/

                    • Ja, die Credit-Suisse-Sache stinkt. Im gewissen Sinne war es wohl Staatsräson. Man wollte nicht, dass dieser Fisch von den US-amerikanischen Angreifern geschluckt wird.

                    • Das ist womöglich der Blick aufs Ganze, in einem Land mit einer solchen Bankenpräsenz sollte aber dringend geprüft werden, wieso Nationalbank und Finanzaufsicht nicht funktioniert haben, d.h. wer weiß denn schon, ob das nicht nur die Spitze eines Eisberges ist.

                    • Gegen einen Bankrun kann man nichts
                      machen. Die CS war nach allen Standards ausreichend kapitalisiert. Keine Bank ist in der Lage, kurzfristig alle Einlagen zurückzuzahlen. So funktionieren Banken nicht.

  9. militaryland.net

    Die Wagner-Söldner rückten einige Gebäude weit im nordwestlichen Teil von Bachmut vor.

    Der Feind rückte entlang der Eisenbahnlinie im südlichen Teil von Bakhmut nach Norden vor.

    Angesichts des russischen Vormarschs in der Nähe der Eisenbahnlinie ist es wahrscheinlich, dass auch das noch von der ukrainischen Seite gehaltene Gebiet östlich davon schrumpfte.

    Die ukrainischen Truppen kontrollieren weiterhin die Hauptroute von Bakhmut in Richtung Ivanivske.

  10. «…dass die Ukraine diesen Krieg verlieren wird. Daraus wiederum folgt, dass die ukrainische Seite und der Westen eigentlich einen Frieden erreichen müssten, indem sie Russland etwas anbieten, was es derzeit noch nicht hat.»

    Das sehe ich genauso. Mit jedem Tag laenger Krieg, verschlechtert sich die Verhandlungsposition der Ukraine mehr. Aus meiner Sicht ist das schon jetzt kein Patt mehr – und die Wahrscheinlichkeit, dass die russische Seite auch nur einen Millimeter von dem wieder hergibt, welches sie jetzt schon besetzt hat, ist gleich null.

    Man kann natuerlich auf das Wunder der Fruehjahrsoffensive der Ukrainer hoffen und weiter Waffen liefern. Kleine Gebietsrueckeroberungen sind vielleicht moeglch (wie Sie auch schreiben), allerdings ist das eben nicht von Dauer. (Bei rund 3,4 mal mehr «Menschenmaterial» der Russen.)

    Aber wie lange wird der Westen wohl die Ukraine noch unterstuetzen wollen? Die geschlossene Front beginnt doch schon jetzt zu broeckeln. Nicht zuletzt verschaerft sich auch der Konflikt mit China. Dann: Die Fluechtlingswelle ist schon jetzt kaum noch zu bewaeltigen. (Auch wenn unsere Innenministerin mal wieder -angeblich- mit falschen Zahlen hausieren geht.)
    Lange laesst sich die unverbruechliche Solidaritaet mit der Ukraine (bei gleichzeitigen Verschlechterungen der Lebensbedingungen der eigenen Bevoelkerungen) in den europaeischen Laendern wohl nicht mehr vermitteln.

    Realistisch betrachtet, muesste die Ukraine den Russen sofort ein Friedensangebot unterbreiten, indem die alle bisher eroberten Gebiete behalten koennen – und hoffen, dass die darauf eingehen. Das hat natuerlich nichts mit Gerechtigkeit zu tun und Selenskyj muesste seh’n, dass er lebend aus der Ukraine raus kommt. Allerdings schlimmer geht immer. (Wenn man da viele Einzelschicksale ausblendet. Hat man aber schon immer gemacht.)

    • «» Da hat Gott gepfuscht. (Sorry, der letzte Satz war jetzt zynisch gegenueber allen Glaeubigen.) «»

      1.) Nein, nicht Gott hat gepfuscht, sondern Luzifer hat ein williges Opfer gefunden. Oder vielleicht ist doch zu einfach, die Ursache immer in Gott oder Luzifer zu suchen…

      von daher 2.) Nein, nicht Gott hat gepfuscht, sondern jemand, der sich gerne als solches sehen würde. (Sorry, der letzte Satz war jetzt frevelhaft gegenueber allen Unglaeubigen.)

      Es ist zu

      • Ich will jetzt keine Grundsatzdiskussion ueber Gott fuehren. Das passt jetzt nicht zum Artikel. (Frueher in der Schule haette der Lehrer dann gesagt: Thema verfehlt. Setzen. Fuenf.)

        Vielleicht ein andermal.

        Nur noch soviel: Auch Luzifer hat Gott erschaffen – ein gefallener Engel…

        Jetzt ist wirklich (!) zu 🙂

  11. Das «heute journal» der ZDF spielt Lügenpresse. Es behauptet, Polen und die Ukraine hätten sich nun über die Frage der Getreidelieferungen geeinigt. Ukrainischen Getreide dürfe wieder durch Polen transportiert werden. Das habe zuvor die polnischen Bauern aufgebracht gehabt.

    Wahr ist hingegen, dass der Verkauf ukrainischen Getreides zu niedrigeren Preisen in Polen die Bauern aufgebracht hatte und dass es darüber auch keine Übereinkunft gibt. Der Import ukrainischen Getreides und anderer ukrainischer Lebensmittel nach Polen bleibt verboten, nur der Transit ist wieder zulässig.

        • Nee, das kannte ich noch nicht. Das Nundeskanzleramt bezahlt einen ProSieben-Journalisten für die Moderation eines Gesprächs mit dem Bundeskanzler (22.6.2022). Aha.

          Ueberhaupt zahlen verschiedenen Ministerien auch Journalisten öffentlicher Sendungen immer wieder Geld für «Moderation». Sehr interessant. Das erklärt so Einiges.

          • Leider fehlen in dem Dokument Informationen, weshalb man solche Aufträge überhaupt vergibt und an wen.
            Daß man sich auf Geheimhaltung laut Verträge bezieht ist bezeichnend. Die Auftraggeber und die Journalisten sehen also einen Nachteil, wenn das bekannt wird. Zu recht.
            Im Bereich der Öff. Rechtl. Sendeanstalten hat das nochmal eine besondere Qualität.
            Natürlich gibt es wie immer keinen Interessenkonflikt, deswegen muß es anscheinend auch vor dem Bürger geheim gehalten werden. Also dem Souverän.
            Dieses Gebaren erinnert an die Handhabung bei Geschäftsgeheimnissen, nur ist der Staat keine Firma und sollte sich auch nicht so verhalten.
            Wie man sieht hat dieses Dokument keine Auswirkungen und auch die Presse scheint sich dafür nicht zu interessieren. Würde allerdings der Staat xy oder yz Journalisten so bezahlen, würde man sicher eindeutige Worte dafür finden.

            • «Würde allerdings der Staat xy oder yz Journalisten so bezahlen, würde man sicher eindeutige Worte dafür finden.»

              Tja, wir sind eben die Guten. Die sind die Schlechten. Und was den Guten erlaubt ist, ist den Schlechten eben noch lange nicht erlaubt.

  12. Institute for the Study of War, Tagesbericht 18. April 2023

    «Am 18. April erzielten die russischen Streitkräfte weitere Erfolge in Bakhmut.»

    «Der ukrainische Grenzschutz erklärte am 18. April, dass die Wagner-Truppen derzeit nicht unter einem Mangel an Artilleriemunition leiden.»

    «Geolokalisiertes Bildmaterial zeigt, dass die russischen Streitkräfte bis zur Autobahn H-20 nordöstlich von Krasnohorivka (3 km nördlich von Avdiivka) vorgedrungen sind.»

    «Russische Milblogger behaupteten, dass russische Streitkräfte ukrainische Bodenangriffe in der Nähe von Vuhledar, Pawliwka (3 km südwestlich von Vuhledar) und in einem Waldgürtel nördlich von Mykilske (4 km südöstlich von Vuhledar) zurückgeschlagen hätten, und veröffentlichten Aufnahmen, die zeigen, wie russische Streitkräfte ukrainische Panzer in dem Gebiet angreifen.»

    «Vladimir Saldo, der Leiter der Besatzungsbehörde der Oblast Cherson, behauptete am 18. April, dass die ukrainischen Streitkräfte nicht näher bezeichnete Kräfte am westlichen (rechten) Ufer der Oblast Cherson konzentriert und vermutlich den Fluss Dnjepr forcieren wollen.»

  13. die offensive soll am 30. april starten, lt. newsweek und konsorten – stategie ist unbekannt,
    viel spekulazius – eins der tödlichsten ideen war, wellenartig die stärke der verteidigung der russen auf der gesamten front zu testen, dann in 2. welle leichte fahrzeuge und in der 3. welle panzer in die bresche reinzuwerfen…
    2. meldung dann passend dazu : die wasserspiegel am dnipro steigen seit tagen:
    https://twitter.com/UKRINFORM/status/1648283857475518465
    und ukraine lässt weniger wasser raus über die dämme – was auch ein spekulazius ist…

  14. @izitiwab
    Sie hatten mal das thema mit gain of function bei cov19 :
    https://www.freitag.de/autoren/gunnar-jeschke/covid-19-funktionsgewinn

    fauci hat im laufe vieler anhörungen erstmal GoF ausgeschlossen, dann es bisschen abgeschwächt, dass das war er finanziert hatte keine GoF-forschung sei. bei der letzten anhörung mit ex-Director of National Intelligence Ratcliffe klang es schon anders, es sei GoF gewesen, was fauci finanzierte und wusste, ratcliffe ist aber ein falke und befürworter eine stärkeren konfrontation mit china…

    meine frage ist folgende, die geringste veränderung (ausschnitt, verschiebung oder hinzufügung von genen) am covid19 schliesst doch einen natürlichen ursprung der pandemie aus? ich meine auch komplett, egal ob unfall oder absichtliches aussetzen. dann kann sich china und der finanzier dieser forschung – usa – nicht mehr rausreden, weil es logisch kausal ist.

    hat eigentlich hr. Drosten die Sequenzen geschickt?

    • «meine frage ist folgende, die geringste veränderung (ausschnitt, verschiebung oder hinzufügung von genen) am covid19 schliesst doch einen natürlichen ursprung der pandemie aus?»

      Nein. Es gibt ja auch natürliche Mutationen, sogar mitunter ganze Insertionen. Allein aus der Sequenz lässt es sich nicht ableiten.

      «hat eigentlich hr. Drosten die Sequenzen geschickt?»

      Nein, hat er nicht.

      Inzwischen ist der damalige Pre-Print aber publiziert und die darin verwendeten Sequenzen sind in der Gendatenbank deponiert. Ich könnte meiner damaligen Frage also jetzt nachgehen. Wahrscheinlich sollte ich irgendwann schon noch mal einen Covid19-Nachlese-Artikel schreiben.

  15. militaryland.net

    «Der Feind erreichte das Gebiet des Volkshauses im nordwestlichen Teil von Bachmut.»

    «Ukrainische Artillerie traf ein von Wagner-Söldnern besetztes Gebäude südlich des Hauptbahnhofs, was darauf hindeutet, dass der Feind entlang der Bahnlinie nach Norden vorgerückt ist.»

    Laut Institute for the Study of War ist Spirne, nördlich von Bachmut und östlich von Siwersk, umkämpft. «Die aktuelle ISW-Schätzung der Geländekontrolle zeigt, dass die von Russland bewerteten Vorstöße und beanspruchten Gebiete etwa 87,9 % von Bakhmut ausmachen.» Laut dem Chef der Okkupationsbehörde der Region Cherson haben die russischen Truppen am Ostufer des Dnjepr eine gestaffelte Verteidigungslinie aufgebaut.

  16. Ich lasse mal ausgeklammert, wie stark eine Neutralistät ausgeprägt ist.
    Neutrale Staaten sind nicht aktiv an Kriegen beteiligt, das ist schon mal ein Schritt. Bei kleinen Ländern ist es aber wichtiger, wenn sie dadurch eine Vermittlerposition einnehmen können. Besonders hervorheben möchte ich, bestimmte Organisationen, Verhandlungen und Treffen haben dort einen Platz. Die Akzeptanz steigt dadurch bei den nicht blockfreien Staaten. Daher sind neutrale Staaten wichtig für die internationale Zusammenarbeit und Konfliktbeilegungen.
    Man hätte die Schweiz nicht unter Druck setzen, sondern in weiser Voraussicht die Neutralität akzeptieren sollen.

    • Wie man sieht geht es. Es gibt übrigens für keinen eine Verpflichtung etwas bestimmtes oder überhaupt etwas zu liefern.
      Das machen wir sonst übrigens nicht. Hätten wir den Irak nicht mit Waffen und Geld unterstützen sollen/müssen?

      • Nein, eine Verpflichtung der Ukraine gegenüber gibt es nicht, das war wohl eher eine spontane Entscheidung.
        ,
        Die Frage nach einer Unterstützung des Irak verstehe ich nicht wirklich, aber nein, meines Wissens gab es dafür keine Grundlage. Also mal vorausgesetzt, mit ‹WIR› meinen sie Deutschland.
        Allerdings hatte ich 2003 noch Poster von Metallica und Kurt Cobain an der Wand, da waren meine Interessen noch andere.

        • Nun, wenn man völkerrechtswidrige Angriffe im Blick hat. Eine Begründung für die jetzige Unterstützung.
          In Afghanistan wurden die Islamisten gegen Russland unterstützt, später bekämpft. In Saudie-Arabien unterstützt man Islamisten, die Kurden die den IS kämpften läßt man nun im Stich. Wo ist die Regel? Mal so, mal so. Je nach Interesse.
          Wo sind nun die westlichen Werte, die wir doch so vehement verteidigen?
          In Ruanda hat man zugeschaut und keinen Finger gerührt. Folter in gewissen Ländern ist absolut verwerflich, US Foltergefängnisse hindern uns wiederum nicht daran, die USA als Freunde und Verbündete zu bezeichnen. Uiguren sind ein Thema, genau so wie Sinti und Roma.
          Die Doppelmoral blüht und gerade wir pochen so sehr auf Rechtstaatlichkeit und Werte.
          Nehmen wir dazu, «freie Presse», die aber im Besitz einiger wenigen ist, die die Art der Berichterstattung vorgeben. Die Öff. Rechtl. nehme ich dabei nicht aus.

          • Nun, ich kann mich noch sehr gut an Diskussionen mit – insbesondere -asiatischen Studenten erinnern, bei der stets der Vorwurf im Raum war, die westlichen Werte sollten doch bitte in Europa bleiben, gleichermaßen seien andere Kulturen als solche zu respektieren. D.h., wenn von einem Südkoreaner in Europa erwartet wird, dass er sich an europäische Maßstäben orientiert, dann ist das auch umgekeht zu erwarten.

            Im Grunde fordern sie hier das Gegenteil ein, demnach sollte dann doch wieder eine Projektion auf andere Erdteile übertragen werden. Ist es denn Doppelmoral, die europäische Werte in Europa zu verteigen und in Asien nicht, wenn Asiaten diese Werte im Einzelfall überhaupt nicht anerkennen ?

            Aus meiner Sicht ist das Völkerrecht global bindend, das sollte doch ein gemeinsamer Nenner sein. Aber selbst bei nachweislicher Verletzung das Völkerrechtes liegt es doch im Ermessen jedes Staates, wie er darauf reagiert – es sei denn, aus einem UN – Beschluss resultiert eine spezifische Vorgabe.

            • Dem ist ja nicht so. Wo zieht Europa die Genze? Geographisch, politisch, je nach Interesse? Wo endet Europa?

              » D.h., wenn von einem Südkoreaner in Europa erwartet wird, dass er sich an europäische Maßstäben orientiert, dann ist das auch umgekeht zu erwarten.»

              «Im Grunde fordern sie hier das Gegenteil ein, demnach sollte dann doch wieder eine Projektion auf andere Erdteile übertragen werden. Ist es denn Doppelmoral, die europäische Werte in Europa zu verteigen und in Asien nicht, wenn Asiaten diese Werte im Einzelfall überhaupt nicht anerkennen ?»

              Wieso fordere ich das? Sie haben mich falsch interpretiert.
              Wir habe doch unsere «Werte» versucht durchzusetzen in Afrika (Irak, Libyen usw), Asien (Vietnam, Korea, usw), Falkland, Kuba, Afghanistan und mehr.
              Dazu Serbien/Kosovo.
              In Afghanistan bekämpften wir die Islamisten, an Saudie-Arabien liefern wir Waffen und betreiben regen Handel.
              Es geht um Doppelmoral, ja. Sehen Sie in diesen Machenschaften eine Regel, außer in Bezug auf Interessen? Moral, Ethik, europäische Werte sind doch ein Witz, wenn wir die Realität betrachten.
              Was sind unsere Werte? An Verträge/Absprachen halten? Oder entscheiden wir von Fall zu Fall?
              Wie wollen Sie Werte handhaben? Begrenzt auf Europa? Dann enden diese vor der Türkei. Was wollten wir dann in Afghanistan? Gelten sie weltweit, wieso dann nicht in Ruanda, China, Kuweit?

              • ** Wir habe doch unsere «Werte» versucht durchzusetzen in Afrika (Irak, Libyen usw), Asien (Vietnam, Korea, usw), Falkland, Kuba, Afghanistan und mehr.**

                Ja, vielleicht haben ‹wir› das und vielleicht hat sich diese Vorstellung geändert oder ändert sich gerade. Und keine Werte bedeutet interessengeleitet, ja.

                Aber vielleicht habe ich sie tatsächlich falsch verstanden, wie sehen sie dann das ? Sollte Europa westliche Werte weltweit durchsetzen, auch mit militärischen Mitteln, oder nicht ?

                • Ganz einfach. Entweder man fährt eine Linie, bei allen gleich, oder man läßt es. Nur so kann man seine Glaubwürdigkeit erhalten.
                  Werte mit militärischen Mitteln verbreiten hat wohl selten funktioniert. Die Frage ist auch, welche Werte sollen das sein? Die die einem gerade einen Vorteil versprechen?
                  In der Ukraine verteidigen wir z.B. keine Werte. Sonst hätten wir 2014 schon protestieren müssen, als Tausende in der Ostukraine ums Leben kamen.
                  Es ist nur ein Krieg der USA/NATO gegen Russland. Der Westen hätte ihn leicht vermeiden können. Man wollte ihn. Man wußte, daß es bei einer Nato Ausdehnung mit Basen ein Problem gibt. Wieso hat man es ignoriert? Damit man den Krieg nicht selbst führen muß?
                  Es gibt jede Menge Beispiele, bei denen wir etwas kritisieren, aber die gleichen Fälle bei manchen Staaten einfach ignorieren.

                  • «»Ganz einfach. Entweder man fährt eine Linie, bei allen gleich, oder man läßt es.»»

                    Aus meiner Sicht ist es besser, man lässt es. Kein Staat auf diesem Planeten kann alle anderen Staaten gleich behandeln und in der Gegensicht wird kein Staat von allen anderen Staaten gleich behandelt. Das ist so und war nie anders.

                    Deshalb sage ich doch, es gibt Werte, die in Europa gelten und dort auch zu achten sind und es gibt Werte, die weltweit gelten und weltweit zu achten sind (diese sind im Völkerrecht beschrieben). Das zumindest sollte Europa aus dem ‚arabischen Frühling‘ gelernt haben.

                    • Da bin ich übrigens ganz Ihrer Meinung. Werte sind historisch gewachsen und es gibt keine rationalen Gründe, zu sagen, dass unsere Art, zusammenzuleben, richtig ist und die (süd)koreanische falsch (oder umgekehrt).

                      Schon in der Deutschschweiz lebt man etwas anders zusammen als in Deutschland. Ist die direktere Demokratie mit einer Allparteienregierung richtig oder die repräsentative Demokratie oder sind es die weitgehenden Vollmachten des französischen Präsidenten?

                      Die Prinzipien von Souveränität und territorialer Integrität sind sehr vernünftig. Genau deshalb verurteile ich auch die russische Führung wegen ihres Angriffskriegs gegen die UKraine.

                    • Nun, im Grunde war Putin ja auf dem richtigen Gleis, Russland bedurfte einer grundlegenden Neu-Ausrichtung, die gewohnten Formate waren überaltert. Bloß hat er sich für die falsche Richtung entschieden. Es taugt nicht, aus der Vergangenheit eine Zukunft ableiten zu wollen, auch sind emotionale Beweggründe manchmal eben kein guter Ratgeber. Hätte er die Ressourcen, die Energien und die Besessenheit, mit der er gerade Krieg führt in eine geamteuropäische Idee inverstiert, dann hätte er auf Sicht ein nachhaltiges WIN-WIN-Format aufbauen können, von Lissabon bis Wladivostock eben. Vielleicht nicht an einem Tag, aber diese Idee hätte eine Eigeninitiative entwickeln können, welche auch die USA nicht aufgehalten hätte. Und seine autokratischen Neigungen, die hätte man letztlich toleriert, in Deutschland, in Frankreich und Italien sowieso. Und die Ukraine wäre bei diesem Prozess ‹russischer› geblieben, als sie es jemals wieder sein wird.

                      Vielleicht sehe ich das ein wenig verträumt, so what, es sei mein gutes Recht. Ich mag nun mal in Frieden leben und in Frieden denken, und solange eine Mauer zwischen Europa und Russland existiert, wird es diesen Frieden nicht geben.

                    • «Hätte er die Ressourcen, die Energien und die Besessenheit, mit der er gerade Krieg führt in eine geamteuropäische Idee inverstiert, dann hätte er auf Sicht ein nachhaltiges WIN-WIN-Format aufbauen können, von Lissabon bis Wladiwostok eben.»

                      Das ist doch aber exakt das, was Putin am Anfang seiner Amtszeit versucht hat. Für die USA wäre das eine geostrategische Katastrophe gewesen. Man kann in Brzezińskis «Die einzige Weltmacht: Amerikas Strategie der Vorherrschaft» nachlesen, warum. Deswegen ist das blockiert worden. Der Westen wollte mittelfristig alle Länder bis an die russische Westgrenze aufnehmen, Russland aber eben nicht. Daraus hat sich der Konflikt überhaupt erst entwickelt und an der Ukraine hat er sich dann entzündet.

                    • Natürlich hätte es ein wenig Geduld gebraucht,’der Westen› war doch alles andere als ein homogenes Gebirge, Frankreich und Deutschland hatten sich im Grunde schon verabschiedet, Macron hatte die Nato als hirntot bezeichnet, Merkel hatte die Einsprüche mehrerer US-Präsidenten bezüglich Nord-Stream übergangen, beide verhinderten weitergehende Sanktionen nach der Annexion der Krim und waren alles andere als hilfreich bei einer Nato-Integration der Ukraine.

                      Ich rede doch nicht von einer politischen Entscheidung, sondern von einem Prozess, der auf seinem Weg dann auch mal Rückschläge erfahren wird. Ich denke, die Perspektive hätte es verkraften können / müssen, dass diese Entwicklung nicht immer linear verläuft.

            • «Aber selbst bei nachweislicher Verletzung das Völkerrechtes liegt es doch im Ermessen jedes Staates, wie er darauf reagiert…»

              Also je nach gusto?

              Das ist ja so der Fall. Aber der duerfen Sie jetzt z. B. auch nicht die Schweiz kritisieren.

              • Selbstverständlich darf kritisiert werden, bloß darf nicht versucht werden, dies durchzusetzen. Auch in der Schweiz nicht. Allerdings hat die Schweiz Kooperationsverträge mit der Nato und der EU, da hat sich die Schweiz jetzt eben keine Freunde gemacht.

                • «Allerdings hat die Schweiz Kooperationsverträge mit der Nato und der EU, da hat sich die Schweiz jetzt eben keine Freunde gemacht.»

                  Diese Kooperationsverträge sind eben genau so formuliert, dass sie die formelle Neutralität der Schweiz nicht berühren. Die Schweiz verletzt mit ihrem gegenwärtigen Verhalten diese Verträge nicht. Umgekehrt versuchen NATO-Länder und die Ukraine, die Schweiz zur Verletzung ihrer Neutralität zu bewegen.

  17. militaryland.net

    Bachmut-Front, nordwestlich von Bachmut

    «Die russischen Truppen stießen aus Richtung Dubowo-Wasyliwka nach Westen vor und eroberten die Hochebene nordöstlich von Hryhoriwka.»

    Bachmut

    «Die Wagner-Söldner überquerten ein Gleis in der Nähe des Hauptbahnhofs und wurden mit ukrainischem Artilleriefeuer empfangen. Das Video bestätigt, dass das restliche Gebiet östlich der Bahnlinie, einschließlich des Bahnhofsgebäudes, unter russischer Kontrolle steht.»

    «Der Feind rückte über Chromove auf die wichtige Verbindungsstraße zwischen Chasiv Yar und Bakhmut vor. Schwere Kämpfe gehen weiter.»

  18. Nach den Caroline-Kriterien wird manchmal eine präventive Kriegsführung begründet.
    Die Fälle Kuba, Afghanistan, Irak und der jetzige Krieg sind ein schwieriges Thema. Einerseits die Souveränität, andererseits wird mit Selbstverteidigung aufgrund einer drohenden Gefahr argumentiert.
    Kuba und die Ukraine ähneln sich in Bezug auf die Stationierung von Truppen, Waffen und Basen. Der Westen, die NATO, ist der Meinung, Raketen bzw Basen an der russischen Grenze sind keine Bedrohung. Es stellt sich die Frage, wieso will man sie? Wollen wir uns verteidigen in einem fremden Land? Wollen wir die Ukraine verteidigen? Welches Interesse hat die USA daran?
    Es gibt sicher Fälle, in denen man das auch so handhaben könnte, es aber nicht getan wird.
    Wie würde man chinesische Basen auf Kuba werten? Als Verteidigungsrecht Kubas oder Bedrohung der USA?
    Das Völkerrecht wird immer gerne herangezogen, wenn es Vorteile für die eigene Seite bietet. Sonst ist es nicht weiter von Belang und wird mißachtet oder gedehnt. Die Interpretation ist auch nicht einfach und wird auch von Völkerrechtlern unterschiedlich ausgelegt.
    Mal ein Beispiel: Mein Nachbar installiert Waffen die auf mein Grundstück gerichtet sind. Sehe ich das als Bedrohung oder als Selbstschutz meines Nachbarn (gegen mich)?

    • «andererseits wird mit Selbstverteidigung aufgrund einer drohenden Gefahr argumentiert»

      Ein Angriff der NATO auf Russland von ukrainischem Territorium oder ein Angriff der UKraine auf Russland waren nicht zu erwarten. Die «Donbass-REpubliken» gehörten zur Ukraine.

      Ja, Kuba hatte Anfang der 1960er das souveräne Recht, die Stationierung sowjetischer Raketen auf seinem Territorium zuzulassen. Ein militärischer Angriff der USA auf Kuba in diesem Zusammenhang wäre ein Angriffskrieg gewesen.

      Das Völkerrecht schliesst Angriffskriege nicht aus. Nur eine Teil der Staaten hat einen solchen Vetrag ratifiziert, die USA und Russland gehören nicht dazu. Persönlich bin ich aber der Meinung, dass das Völkerrecht Angriffskriege verbieten sollte, von welcher Seite auch immer sie ausgehen.

      Das Problem ist, dass sich ein solches Recht nicht durchsetzen liesse. Selbst wenn die USA einen solchen Vertrag ratifizieren und hinterher wieder einmal einen Angriffskrieg führen würden, würde sich Deutschland nicht an Sanktionen gegen die USA beteiligen.

      Insofern geht es auch im Ukraine-Krieg um eine moralische Verurteilung Russlands, nicht um eine gerichtliche. Bei Kriegsverbrechen (beider Seiten) sieht das anders aus – in der Regel lässt sich dafür aber nicht die Staatsführung belangen. Man müsste nachweisen, dass es eine Anweisung gab.

      Rechtlich gesehen käme die Zerstörung der ukrainischen Energieinfrastruktur als Kriegsverbrechen in Betracht. Man könnte anhand der Texte so argumentieren. Genau sdieses Argument wollen die USA aber nicht angewendet sehen, weil das ihr zukünftiges Handeln einschränken würde.

      • Ich stelle mich bei solchen Themen gerne auf die Gegenseite um Sichtweisen zu erklären.
        Die Aktivitäten in der Schweinebucht mit Exilkubanern, die von den US Geheimdiensten und Militär beraten, mit Geld und Waffen ausgerüstet wurden, kann man durchaus als Angriff der USA werten. Geschickt gemacht und die Kubaner können fast als Söldner gesehen werden. Dazu ein 60 Jahre dauerndes Embargo mit den bekannten Auswirkungen.
        Umgekehrt, die Ukraine möchte Raketen stationieren, Russland verhindert dies unter Androhung eines nuklearen Krieges und würde 60 Jahre lang das Land isolieren. Wären wir auf Seiten der Ukraine?
        Es geht nicht darum ob wir mit der NATO Russland aus der Ukraine angreifen oder in sonstiger Weise bedrängen würden. Russland ist aus dem Westen bisher 3 mal in großem Stil angegriffen worden mit ungeheuren Toten- und Verletztenzahlen. Das alleine genügt, um ein militärisches Vorrücken des Westens als Gefahr zu sehen. Ebenso die evtl. Erstschlagfähigkeit.
        Man rechne die Zahlen um auf die Einwohnerzahl Deutschland in der damaligen Zeit und die Folgen für die Familien. Würden wir umgekehrt dieses Risiko eingehen?
        Das rechtfertigt keinen Angriffskrieg, aber wer hatte andere Ideen außer die Inkaufnahme der Einkreisung, die ja ohne Hintergedanken erfolgen soll?

        • Ich an Putins Stelle hätte die Einkreisung in Kauf genommen, mich strategisch noch stärker auf eine Allianz mit China, auf eine Vermittlung zwischen China und Indien und auf eine Allianz mit Brasilien und Südafrika konzentriert. Die BRICS-Allianz hat bei all ihren inneren Widersprüchen und trotz ihres recht lockeren Charakters enormes Potential, auch in Bezug auf eine künftige Anziehungskraft auf andere Staaten.

          Im Uebrigen brauchte Russland dem inneren Verfall des westlichen Lagers nur zuzuschauen. Dem muss man nicht mit hohen eigenen Kosten nachhelfen, es ist ein Selbstläufer.

          Aus meiner Sicht ist, ganz unabhängig von ethischen Fragen, der ehemal brillante Stratege Putin hier in eine Falle des Westens getappt. Der Krieg schadet zwar der Ukraine und dem WWesten enorm, aber er schadet eben auch Russland viel mehr als sogar eine NATO-Aufnahme der Ukraine Russland geschadet hätte. Und eine NATO-Aufnahme wäre nur unter Verzicht auf die Krim möglich gewesen.

          • Gehen wir mal davon aus, China besitzt 200 Basen weltweit. Baut nun welche an der texanischen Grenze einige mit Erstschlagfähigkeit. Die USA würde sagen, interessiert uns nicht weiter. Wie wäre die Reaktion innerhalb der USA und wie international? Im Beispiel inclusive, die USA hätten selbst nur 2 ausländische Basen und hätten keine NATO in der Hinterhand.
            Ich sehe da eine andere Reaktion als bevorzugte Option.
            Ob sich Russland auf Möglichkeiten innerhalb der BRICS oder speziell mit China verlassen sollte, wäre noch auszutesten.
            Ich nehme an, die Osterweiterung wurde lange akzeptiert, wenn auch mit Kritik. Die Ukraine war ein Schritt zu weit. Würde jemand sagen, daß war so beabsichtigt, hätte ich Probleme das Gegenteil zu belegen. Die Erfahrungen machen einem das schon recht schwer.

            • «Die Ukraine war ein Schritt zu weit.»

              Na, gamz im Ernst mal, war das doch die allerduemmste Idee von Russland deshalb, einen klassischen Angriffskrieg zu fueheren. Selbst wenn man mal den ethischen Aspekt aussen vorlaesst, ist doch Russland einfach nicht in der Position – im Gegensatz zu den USA bzw. von Laendern, die das Wohlwollen des Hegemons haben – eine so fatale Entscheidung schadlos zu ueberstehen.

              • » ist doch Russland einfach nicht in der Position – im Gegensatz zu den USA bzw. von Laendern, die das Wohlwollen des Hegemons haben – eine so fatale Entscheidung schadlos zu ueberstehen»

                Schadlos nicht, aber Menschen verhalten sich nicht rational. Der eigene Schaden wird oft akzeptiert, wenn jemand die Hoffnung hat, dem Gegener einen noch grösseren Schaden zufügen zu können. Das wird zum Beispiel in «Schnelles Denken, langsames Denken» von Daniel Kahnemann erläutert.

                Bisher scheint mir Russland der Ukraine und dem Westen grösseren Schaden zugefügt zu haben als umgekehrt. Die Argumentation von Haass und Kupchan läuft darauf hinaus, dass der Westen und die UKraine zwar nicht de jure aber doch de facto auch russische Gebietsgewinne akzeptieren müssen.

                Insofern, wenn man die Sache in der Logik des übliche Machtdenkens und geostrategischen Denkens von Regierungen betrachtet, ist der Angriffskrieg als strategische Entscheidung verständlich.

                An diesem Punkt bin ich dann aber doch der Meinung von @Sandra. Langfristig bringt das nichts. Weil Russland nicht unmittelbar gefährdet war, wäre es sinnvoller gewesen, auch im Fall der Ukraine noch einmal nachzugeben, zumal in Bezug auf den Bevölkerungswillen in der UKraine der grösste Teil des Landes für Russland bereits verloren war.

                Andererseits war das Handeln des Westens aber auch nicht klüger. Der Westen weiss seit Putins Rede 2007, dass Russland die Osterweiterungsstrategie bekämpfen wird und seit Georgien 2008, dass er das auch militärbei erfolgreich sein kann. Seit Syrien weiss der Westen, dass seine ökonomische und formelle militärische Ueberlegenheit nicht ausreichen, um sich entscheidend durchzusetzen.

                Der Westen wusste auch, dass es im Fall einer starren Haltung zum Krieg in der Ukraine kommen würde. Der russische Truppenaufbau dafür war unmissverständlich. Auch der Westen hat also mit seinem absoluten Verhandlungsunwillen den Krieg gewählt, zumal die Forderungen Russlands (keine NATO-Mitgliedschaft der Ukraine) zunächst nicht unbillig waren.

                • Nicht daß ich hier eine großartige Lösung anzubieten hätte, aber die Aktionen des Westens in der Ukraine hatten ja einen Sinn. Und es war sicher nicht die Freundschaft mit der Ukraine. Man kann es doch als gesichert betrachten, daß es um eine rein militärische Komponente ging. Und die sollte sich ja gegen Russland richten. Daß dieses Vorgehen evtl. eine militärische Konfrontation beinhaltet, sollte bei den Verantwortlichen im Westen klar gewesen sein. Wenn nicht wären sie sofort freizusetzen.
                  Was ist, was man uns erzählt…..2 völlig verschiedene Dinge.

                  • Ee ist völlig klar, dass die westliche Unterstützung des rechtsextremistisch unterfütterten und schliesslich erfolgreichen Umsturzversuchs von 2014 auch geostrategisch motiviert war. Zum Beispiel war eines der Ziele der USA dabei, die russische Schwarzmeerflotte ihrer Basis auf der Krim zu berauben.

                    Dass Putin in der Folge die Krim kassiert hat, deren Bewohner grossmehrheitlich sowieso lieber zu Russland wollten, kann ich verstehen und sogar billigen. Es geschah unblutig.

                    Die Verantwortung für den Bürgerkrieg 2014/15 in der Ukraine lag hauptsächlich auf Seiten der Maidan-Regierung und der USA.

                    Beim jetztigen Ukraine-Krieg ist es aber eben anders.

                    • Die Frage ist eben, wie bringe ich meinen Bürgern bei, daß Raketen in wenigen Minuten Moskau erreichen können, das im Gegenzug aber nicht möglich ist?
                      Näherrücken und Einkreisen hat militärisch ja einen Sinn, vor allem, wenn der Westen bisher keinen Angriff zu befürchten hatte. Das kann nur als agressiver Akt aufgefaßt werden.
                      Würden um Deutschland Basen mit Raketen stehen, auf Deutschland gerichtet, würde man das sicher nicht als freundschaftlichen Akt werten.
                      Es ist eher wahrscheinlich, der Krieg war gewollt, die USA haben die schon länger favorisierte Möglichkeit gesehen, einen Krieg gegen Russland auf europäischem Boden zu führen ohne involvierte eigene Truppen. (zumindest bis jetzt) Wenn man von Geheimdiensten und Beratern einmal absieht.
                      Die Einbeziehung der Europäer hat den Vorteil, die Beziehungen zu Russland sind, wie schon lange gewünscht, auf Dauer schwer beschädigt. Handel fast zum Erliegen gebracht. Das Feindbild für viele Jahre gefestigt mit noch nicht absehbaren Folgen.
                      Russland wie China, aber auch viele andere sehen nun überdeutlich, bei Kontakten mit der EU besser gleich zu den USA reisen um Antworten zu erhalten die Fragen an die EU betreffen.
                      Nimmt man die EU noch ernst? Eher nein. War vorher schon mäßig, nun überdeutlich. Man hat es wohl nicht besser verdient.
                      Der Zug ist abgefahren, man möchte/muß sich an den potentiellen Sieger hängen. Sollte es nicht wie gewünscht funktionieren, ähem, waren wir ja nicht so richtig dabei bzw ähem, möchte mit uns noch jemand reden?
                      Hm, fuck the EU, steckt da nicht mehr als gedacht dahinter?

                    • Nun, Russland hat Hyperschallraketen entwickelt, auch als Atomwaffenträger, die gegenwärtig von anderen Staaten prinzipiell nicht abgefangen werden können (höchstens zufällig). Insofern denke ich nicht, dass aus russischer Sicht Angst zu der Sorge bestand, das «Gleichgewicht des Schreckens» könne gefährdet sein.

                    • «Dass Putin in der Folge die Krim kassiert hat, deren Bewohner grossmehrheitlich sowieso lieber zu Russland wollten, kann ich verstehen und sogar billigen.»

                      Sorry, das ist aber – meiner Meinung nach (kann Ihnen ja egal sein) – gar nicht gut. Es gibt so viele Gebiete, wo sich Minderheiten unterdrueckt fuehlen und zum puh…»Heimatland» (Mir fehlt jetzt der exakte Begriff – verdammt!) gehoeren wollen – das wuerde Buergerkrieg ohne Ende bedeuten. Dann haetten Sie auch damals den Wunsch der Kosovo-Albaner verstehen und billigen sollen.

                    • Achso: Das es unblutig geschah, ist auch nur der Tatsache geschuldet, dass die Ukraine damals wahrsch. militaerisch nicht in der Lage war, dagegen zu halten und der «Westen» wohl uneins ~.

                    • Die Krim ist wirklich auf sehr zweifelhafte Weise zur Ukraine gekommen. Bevor der Ukrainer Chruschtschow sie an diese verschenkte, gab es keinen historischen Bezug.

                      Die Kosovo-Albaner wollten offensichtlich nicht zu Albanien. Ich habe aber auch gar nichts gegen ihre Unabhängigkeitsbestreben (oder das der Kurden). Nur dagegen, dass die NATO deshalb einen Angriffskrieg geführt hat. Russland hat damals um die Krim keinen Angriffskrieg geführt. Der Westen hatte mit (weitgehend) nichtmilitärischen Mitteln einen Umsturz in Kiew herbeigeführt und Russland hat mit (weitgehend) nichtmilitärischen Mitteln einen Umstutz in Sewastopol durchgeführt. In beiden Fällen wurden Menschen ungerecht behandelt.

                    • «Die Krim ist wirklich auf sehr zweifelhafte Weise zur Ukraine gekommen.»

                      Ja, schon. Aber das gilt fuer manche Gebiete – besonders nach den Weltkriegen – auch. Wer sollte denn dann entscheiden, zu wem die gehoeren sollen? Es gibt immer einen Teil den der Status quo gefaellt und einen anderen, der die alten Verhaeltnisse wieder haben will.

                      «Russland hat damals um die Krim keinen Angriffskrieg geführt.»

                      Bei Google steht’s in der Kurzfassung so:

                      «Russland annektierte die ukrainische Halbinsel Krim im Frühjahr 2014 nach einer bewaffneten Intervention der Streitkräfte der Russischen Föderation»

                      Wann ist denn dann eine bewaffnete Intervention eines anderen Staates ein Angriffskrieg? Nur, wenn dies «blutig» erfolgt und der Grossteil der einheimischen Bevoelkerung dagegen ist?

                      (Das soll jetzt nicht bedeuten, dass ich dafuer bin, dass die Ukraine darin unterstuetzt wird, diese zurueck zu erobern. Ist sowieso unrealistisch und absurd.)

                      Nochmal kurz zum Kosovo:

                      «Die Kosovo-Albaner wollten offensichtlich nicht zu Albanien.»

                      Da bin ich mir nicht so sicher. Zumindest die vom Westen unterstuetzte terroristische UCK traeumte von einem Grossalbanien – und deren Fuehrer wurde spaeter dann Praesident der Republik Kosovo.

                      https://www.welt.de/print-welt/article623826/UCK-hofft-auf-ein-Grossalbanien.html

                    • Ach – hatte ich vorhin vergessen: Der Artikel stammt von Ende Juli ’98.

                      Da wussten die NATO-Krieger also schon lange, wem man da zur «Hilfe» eilt.

                      Na, mal sehen wie der laufende Prozess ausgeht.

                      (Sorry, wenn ich Ihr Mail-Postfach sprenge.)

                    • «Wann ist denn dann eine bewaffnete Intervention eines anderen Staates ein Angriffskrieg? Nur, wenn dies «blutig» erfolgt und der Grossteil der einheimischen Bevoelkerung dagegen ist?»

                      Ja, ich denke, von Krieg kann man nur reden, wenn es blutig ist. Ich habe da ein sehr drastisches Beispiel. Den «Anschluss Oesterreichs» an das Dritte Reich bezeichnet niemand als Krieg. Daraus folgt nicht, dass er gerechtfertigt war, aber es war eben kein Krieg.

                    • Anschluss Oesterreichs – voellig richtig. Haette ich auch selber drauf kommen muessen.

                • «Der eigene Schaden wird oft akzeptiert, wenn jemand die Hoffnung hat, dem Gegener einen noch grösseren Schaden zufügen zu können.»

                  Stimmt – im privaten Bereich ist das oft so.

                  Allerdings als Politiker, vor allem vom Intelligenzgrad Putins, muesste doch zuallererst mal das Wohl des eigenen Landes im Mittelpunkt stehen. Ich kann doch nicht einfach mal tausende junge Maenner (Frauen wird’s ja kaum betreffen) hopsgehen lassen, die dann als nuetzliche Mitglieder der Gesellschaft fehlen, um am Ende einen geringeren Schaden zu haben. Von den zusaetzlichen Kosten ganz zu schweigen.

                  Dazu jahrzehntelange bittere Feindschaft der meisten Ukrainer gegen sich (und nicht nur die: baltischen Staaten, Polen, andere ehem. Ostblock-Staaten etc. fuehlen sich jetzt in ihrer Russophobie besteaetigt. Ausser den Regimen von Lukashenko, Ortega, der KDVR, dem Iran etc. haben die doch keine «Freunde» mehr. (Bei China ist es klar, dass die nur taktieren.) Neutrale Staaten machen Sanktionen mit. Finnland und Schweden wollen jetzt sogar in die NATO, Grenzzaeune zu Russland werden gebaut. Neue Hochruestung usw. Alles voraussehbar.

                  „…auch im Fall der Ukraine noch einmal nachzugeben.“

                  Verstehe ich nicht. Wann hat denn da Russland schon mal nachgegeben? Und richtig: Der Grossteil der Bevoelkerung will nicht zurueck ins russische Reich. Ob das gut oder schlecht ist, ist nicht die Frage – aber das ist nun mal Fakt.

                  „Auch der Westen hat also mit seinem absoluten Verhandlungsunwillen den Krieg gewählt“ Ja, kein Einwand.

                  Danke fuer den Buchtipp! Scheint interessant zu sein. (Mein Gehirn denkt eher nach System zwei – also langsam. Ausserdem , wenn eine Sache sich zu gut anhoert, denke ich immer, wo der Haken ist.)

                    • Nachgegeben: Gut, das kann man so sehen. Ich denke, aber eher die Russen sind da verarscht worden.

                      Die Frage ist allerdings, ob das voelkerrechtlich ueberhaupt zwingend erforderlich ist, dass ein Staat, in der eine ethische Minderheit lieber zum «Mutterland» will bzw. weitgehende Autonomie (unabhaengig, ob der Grund nachzuvollziehen ist oder nicht) mit eben diesem Staat dann verhandeln muss – und ob ein Scheitern einen Angriffskrieg rechtfertigen wuerde. (Ich kenne mich da nicht aus, und Frau Baerbock moechte ich nicht fragen.)

                    • «und ob ein Scheitern einen Angriffskrieg rechtfertigen wuerde»

                      Ganz sicher nicht. Das russische Eingreifen im Donbass war schon 2014 ganz klar ein Uebergriff. Es gibt kein Recht, sich in einen Bürgerkrieg im Nachbarland einzumischen. Damals war es aber kein Angriffskrieg gegen die gesamte Ukraine, denn gegen die Streitkräfte, welche die Ukraine im September 2014 noch zur Verfügung hatte, hätte die russische Armee in damaliger Stärke bis Kiew vorrücken können.

                      Ich bin übrigens nicht der Meinung, dass ein militärisches Eingreifen in einem Nachbarland unter allen Umständen ein Verbrechen ist. Den vietnamesischen Angriff auf Kampuchea im Dezember 1978/Januar 1979 halte ich für angemessen. Dort war ein Massenmord der Roten Khmer an der eigenen Bevölkerung im Gange. Im Film «Killing Fields – Schreiendes Land» wird das in eindrücklichen Bildern gezeigt. Eine solche Situation lag allerdings in der Ukraine weder 2014 noch 2022 vor.

                    • «Es gibt kein Recht, sich in einen Bürgerkrieg im Nachbarland einzumischen.»

                      Darauf wollte ich hinaus – «Verbot von Einmischung in innere Angelegenheiten von anderen Staaten» gehoert zu den Grundregeln des Voelkerrechts.

                      Den Film «Killing Fields – Schreiendes Land» hatte ich (fast ohne Vorwissen) vor Jahrzehnten mal gesehen und war erschuettert.

                      Ich bin auch der Meinung man haette in Ruanda und zwar ganz schnell eingreifen muessen.

          • «Ein Angriff der NATO auf Russland von ukrainischem Territorium oder ein Angriff der UKraine auf Russland waren nicht zu erwarten. Die «Donbass-REpubliken» gehörten zur Ukraine.»

            Davon gehe ich auch aus. Betrachtet man die militärische Seite, wäre das allerdings eine damalige Momentaufnahme. Bevor xy angegriffen wurde, war es ja genauso. Innen- wie außenpolitisch hatte die Osterweiterung allerdings Folgen. Die USA nahmen Russland nicht mehr ernst, innerhalb Russlands sah man den Feind näherrücken. Wäre kein Bedrohungspotential vorhanden gewesen könnte man die NATO/USA fragen, wieso die Basen so wichtig waren. Den Club vergrößern aus Spaß an der Freude?
            Daß die USA ca 200 «Niederlassungen» in aller Welt unterhält, hat aus Sicht der USA ja seinen Sinn. Und eine Wirkung, auch wenn man keinen Angriff ins Auge faßt.
            Deutschland ist bis jetzt für die USA noch interessant, weil Manches noch aus der Besatzungszeit resultiert, hier für den Einfluß auf Europa wichtige militärische Einrichtungen bestehen, den Drohnenkrieg, das größte Militärkrankenhaus außerhalb der USA, ehem. Frontstaat, Wirtschaftsspionage usw.
            Einige der Vorteile hätte man auch in der Ukraine haben können. Nicht nur gegen Rußland gerichtet. Die militärischen Einrichtungen in Polen wurden ja auch nicht, wie behauptet, wegen iranischen Raketen auf die USA oder Europa errichtet. Da gäbe es bessere Standorte.
            Es ist einfach das Spiel, mal sehen wie weit ich komme, bevor etwas passiert. Und aus russischer Sicht, wie weit lasse ich den Feind an meine Grenze rücken.
            Natürlich wäre eine andere Lösung besser gewesen. Leider kennen die Russen die Vorhaben unserer Seite besser als die Bevölkerung im Westen. Das macht es schwierig die Lage zu beurteilen.
            Es wäre sinnvoll gewesen (aber wie?), schon die Osterweiterung in Frage zu stellen und nicht zu warten bis der Kessel explodiert. Aus russischer Sicht also stärkere Bemühungen dies zu verhindern.
            Im Westen stellt sich die Frage allerdings anders, hier war die Erweiterung ja gewünscht. Man hätte die Konfrontation vorhersehen können.

            • «Wäre kein Bedrohungspotential vorhanden gewesen könnte man die NATO/USA fragen, wieso die Basen so wichtig waren. Den Club vergrößern aus Spaß an der Freude?»

              Das ist geostrategische Logik. Das Ganze wird gespielt wie Schach oder noch eher wie Go. Weltmachtpolitik strebt an, dass man seine eigenen Interessen möglichst ungehindert durchsetzen kann. Weil sich anderer wehren, bedeutet dass, dass man in der Lage sein muss, dem Druck anderer standzuhalten und gegebenenfalls auch eigenen Druck auszuüben.

              Vorzugsweise ist das ökonomischer Druck oder Einfluss auf Politiker (oder Oppositionsgruppen) auf der anderen Seite. Wenn das aber nicht ausreicht, droht man militärisch auf eine Weise, bei der die Gegenseite weiss, dass sie diese Auseiandersetzung verlieren wird. Es gibt dann zwei Möglichkeiten: Die Gegenseite lenkt ein und findet den Kompromiss, der den gegenwärtigen Machtverhältnissen entspricht, oder sie tut es eben nicht. Letzteres ist der Fall von NATO/Ukraine Anfang 2022.

              An diesem Punkt hat die drohende Seite auch zwei Möglichkeiten. Sie lenkt ein und gibt damit zu, dass sie nur geblufft hat. Das ist ein Gesichtsverlust und mittelfristig ein Nachteil, weil spätere Drohungen mit militärischer Gewalt nicht mehr glaubwürdig sind. Es war klar, dass Putin das nicht tun würde. Oder die drohende Seite macht die Drohung wahr und greift an.

              Dieses Einmaleins ist US-Strategen und der Regierung dieser Supermacht natürlich bekannt. Die USA haben diesen Krieg erwartet und sie haben sich dafür entschieden, dass es dazu kommt. Das entlastet die russische Führung, die ihn begonnen hat, nicht. Es ist aber falsch zu behaupten, dass der Westen und insbesondere die USA keine Mitveratnwortung tragen.

  19. Um ehrlich zu sein, ich verstehe die Denkweise hier nur mäßig gut, dieses grundsätzliche Block-Denken ist mir einigermaßen fremd. Das mag zwar unter Vorlage eines Geschichtsbuches zu rechtfertigen sein, ob ich allerdings Kriege bzw. Angriffe Napoleons heute noch als Maßstab zu Rate ziehen muß, das glaube ich nicht.

    Auch verstehe ich die (meinerseits hier gelesene) Sympathie für autokratische Strukturen nicht, das sind doch Gesellschaftsmodelle, welche auf Repression und Oligarchie aufgebaut sind und in deren Verständnis eine Bevölkerung lediglich als Projektionsfläche der eigenen Macht dient. Für mich wäre das kein Modell, welches ich meinen Kindern übergeben möchte.

    Oder was genau sehe ich da falsch, wo liegt ein Mehrwert, den ich nicht erkenne und was ist eine Zukunft wert, die einzig auf Konfrontation basiert ?? Hätten Frankreich und Deutschland nach WK II so gedacht, dann wären am Rhein keine Brücken, sondern Grenzzäune und am Ufer wären keine Kindergärten, sondern Kasernen. Wo ist mein Denkfehler ?

    • «Auch verstehe ich die (meinerseits hier gelesene) Sympathie für autokratische Strukturen nicht»

      Da haben Sie sich verlesen.

      «dieses grundsätzliche Block-Denken ist mir einigermaßen fremd»

      Die USA denken in Bezug auf Russland und China offensichtlich so und Deutschland denkt so mit, oder besser gesagt, Deutschland denkt nicht. Polen aber denkt ganz offensichtlich auch wie die USA und die Ukraine auch.

      An diesem Punkt hat die anderer Seite keine Wahl mehr. Wenn sie sich nicht unterbuttern lassen will, muss sie sich ebenfalls auf die Ebene des Blockdenkens begeben.

      • ** An diesem Punkt hat die anderer Seite keine Wahl mehr. **

        Ich kann Ihrem Ansatz folgen, ich sage nicht, dass er falsch ist, allerdings ist er nicht singulär.

        Putin hat an der deutsch-deutschen Grenze gesehen, was ein Wohlstandsgefälle bewirken kann, und er hat diese Kraft nicht nur in der DDR gesehen, sondern auch in allen anderen Ostblockstaaten. Und er fürchtet eine solche Macht an der russisch-ukrainischen Grenze und er fürchtet einen ukrainischen Wohlstand viel mehr, als ukrainische Waffen. Durch Waffen ist Putin nicht angreifbar, aber sehr wohl durch seine eigene Bevölkerung.

        Wenn sie also die die Zugkraft materieller Versprechungen letztlich als ‹unterbuttern› bezeichnen wollen, dann mag das aus russischer Sicht passen, aus neutraler Sicht aber nicht.

        Aber die globale Konfliktlinie verläuft nicht entlang der ukrainisch-russischen Grenze, diese kreist um die Straße von Taiwan, einem internationalen Gewässer, welches von zentraler Bedeutung für den Welthandel ist. Aber das würde jetzt den Rahmen hier sprengen.

        Um es also kurz zu machen, ich sehe in einer inner-europäischen Blockbildung 2 Ursachen, eine US-Hegemonie und die Machtsicherung eines Kreml-Regimes um jeden Preis. Von daher, Deutschland ist nicht blind, aber es ist bloß viel zu schwach, um beiden Ursachen zu widerstehen, von daher lebt es einfach das kleinere Übel.

        Ich bleibe bei meinem Glauben, dass es sowohl für die EU als auch für Russland möglich sein kann, sich von internationalen Konflikten zu verabschieden, allerdings nur gemeinsam, und ich sehe den Schlüssel dazu in einem aktuellen russischen Regime. Wohlwissend, dass sie diesem Gedanken nicht folgen werden.

        • «er fürchtet einen ukrainischen Wohlstand viel mehr, als ukrainische Waffen»

          Ich denke, da bestand wenig Grund zur Besorgnis. Der Wohlstand war in der der Ukraine auch vor dem Krieg geringer und die Korruption noch höher entwickelt als in Russland. Ich denke nicht, dass sich die Verhältnisse in den nächsten zehn Jahren umgekehrt hätten und schon gar nicht, dass es zu einem deutlichen Wohlstandsgefälle zu ukrainischen Gunsten gekommen wäre.

          Inzwischen ist es ohnehin müssig, darüber zu reden. Dieser Krieg wirft die Ukraine in Bezug auf den Wohlstand in jeder Hinsicht zurück und zwar je mehr je länger er dauert.

    • Der Denkfehler bezüglich Deutschland liegt evtl. darin, daß Deutschland nach dem Krieg nicht souverän war.
      Glauben Sie, der Krieg gegen Russland im 19. Jahrhundert und die 2 folgenden sind ohne Wirkung geblieben? Oder der Angriff Japans auf China, der deutsche Völkermord in Afrika, Buren in Südfrika, die kolonialen Grenzziehungen. Das kann man fast bis zu den Türken vor Wien oder den Hunnen weitertreiben. Machen Sie eine neue Doku darüber und es hat Auswirkungen auf das kollektive Gedächtnis.
      Aus russischer Sicht kamen die 3 größten Angriffe aus dem Westen. Wo also würde man bei gewissen Anzeichen einen Feind verorten?
      Bei den USA sieht es anders aus, die verorten Diesen überall. Manche in Frankreich sehen Deutschland noch etwas kritisch. Da kam der Feind meist aus dem Osten.
      Es ist nicht so, daß all diese Ereignisse innerhalb einer Generation vergessen sind. Nehmen Sie Israel, keiner von uns wird es erleben, daß zwischen Deutschland und Israel eine «Normalität» eintritt. Das kann auch 200 Jahre dauern.

      • «Nehmen Sie Israel, keiner von uns wird es erleben, daß zwischen Deutschland und Israel eine «Normalität» eintritt.»

        Das ist ein sehr spezielles Verhältnis, das verschiedene Israeli verschieden sehen. Persönlich habe ich am Weizmann-Institut und bei Konferenzen in Israel nur gute Erfahrungen gemacht. Ich habe freilich nicht mit direkt Betroffenen geredet, bis auf einen Menschen, der als Kind in Amsterdam aufwuchs und der im Alter die besten Aspekte nicht-orthodoxer jüdischer Spiritualität vertrat. Auch von seiner Seite gab es keinerlei national begründete Vorbehalte.

        • Na ja, ich denke das Problem mit Deutschland haben eher deutsche Juden. Nicht ganz zu unrecht, wenn man die vergangenen pro-palaestinensichen Demos zum Al-Quds-Tag sieht (und viele andere Vorfaelle in den letzten Jahrzehnten.) Ich glaube nicht, dass diese Schreihaelse zwischen Israelis und hiesigen Juden unterscheiden.

      • Sorry, ich habe leider die Zeit nicht, um hier alles passend zu kommentieren. Im Grunde bleibe ich bei meiner vorherigen Einschätzung, mit dem Geschichtsbuch als Ratgeber ist eine Aussöhnung nicht möglich, historische ‹Schuld› kann kein Maßstab sein. Deutschland, Frankreich, England und Spanien haben jahrhundertelang Krieg geführt, jeder gegen jeden und alle gegen einen, wie auch immer. Und heute tun sie es nicht mehr. Weil sie aus der Geschichte nichts gelernt haben ? Wohl eher gerade weil sie aus der Geschichte gelernt haben.

        • «Deutschland, Frankreich, England und Spanien haben jahrhundertelang Krieg geführt, jeder gegen jeden und alle gegen einen, wie auch immer. Und heute tun sie es nicht mehr. Weil sie aus der Geschichte nichts gelernt haben ? Wohl eher gerade weil sie aus der Geschichte gelernt haben.»

          Saure Trauben. Die europäischen Grossmächte hatten nach dem 2. Weltkrieg nicht mehr die Ressourcen zur Weltmacht. Deutschland sowieso nicht, Sapnien schon eher nicht mehr. Frakreich und Grossbritannien durch die Dekolonialisierung nicht mehr. Diese beiden Länder haben in der Suez-Krise begriffen, dass die USA und die Sowjetunion sie als die zweitrangigen Mächte sahen, die sie auch nur noch waren.

          • Ich kann Ihren Kommentar nur bedingt meinem Vorkommentar zuordnen. Wenn ich sie richtig interpretiere, dann ist eine friedliche Co-Existenz allein unter unbedeutenden Staaten möglich, also dass Frankreich mit Großbritannien keine Kriege mehr führt, resultiert einzig aus dem Verlust des Großmacht-Status.

            Demnach gibt es keine Perspektive auf eine friedliche Welt, da diese ja zwangsläufig von Großmächten dominiert wird .
            Nee, diese Denkweise ist nicht meine Welt, sehr fremd liest sich das ….

            • «Wenn ich sie richtig interpretiere, dann ist eine friedliche Co-Existenz allein unter unbedeutenden Staaten möglich, also dass Frankreich mit Großbritannien keine Kriege mehr führt, resultiert einzig aus dem Verlust des Großmacht-Status.»

              So weit würde ich nicht gehen. Aber finden Sie mir bitte in der Geschichte irgend eine grössste Weltmacht oder grösste regionale Macht, als die Welt noch nicht vernetzt war, die keine Kriege geführt hätte.

              Wenn eine Supermacht ohne Krieg auskommen kann, muss das aus meiner Sicht erst noch demonstriert werden. Die USA sind da kein guter Kandidat zum, Demonstrieren. China übrigens auch nicht.

            • Hm, wieso sollte es eine friedliche Perspektive geben?
              Es gibt weder ein Naturgesetz noch ein Recht das eine friedliche Welt schafft.
              Sie haben die Vorstellung, den Wunsch. Der kann evtl. einmal Wirklichkeit werden. Aber das liegt noch in weiter Ferne. Jetzt und auf längere Zeit, muß man sich auf die Realität einstellen.
              Ich habe jede Menge Wünsche, aber die sind kein Kriterium für die Reaktion auf die derzeitige Realität. Darauf hinarbeiten, ja. Aber sie zu einem gewissen Zeitpunkt erwarten oder auf die derzeitige Realität anwenden, nein. Funktioniert einfach nicht.
              So wie: Vor über 100 Jahren gab es E-Autos. Hätte man damals in diese Richtung weitergeforscht und gebaut…..
              Nun, der Schaden wäre beträchtlich gewesen.

      • «Nehmen Sie Israel, keiner von uns wird es erleben, daß zwischen Deutschland und Israel eine «Normalität» eintritt.»

        Ich denke, die Normalitaet ist da laengst eingetreten.

        Nur ein Grossteil der Linken (aus falsch verstandener Palaestina-Solidaritaet) hat mit denen Probleme.

        • «» «Nehmen Sie Israel, keiner von uns wird es erleben, daß zwischen Deutschland und Israel eine «Normalität» eintritt.»»

          Ja, weil die Geschichte eben zeigt, dass historische Gewalt keine Zukunft in sich trägt und dass der einzige Weg zum Frieden in einer Überwindung dieser Historie zu finden ist.

    • Der Präsident auch. Wie man liest zuzüglich der Forderung nach 300 Kampfflugzeugen um den Krieg zu gewinnen.
      Ich schätze mal grob, das wären ohne die Jets 500 Milliarden Euro.
      Man sagte auch, nach heutigem Wert hätten die USA im 2.WK ca 700 bis 800 Milliarden Unterstützung geleistet. Scheinbar sieht man schon eine Situation wie im 2.WK.
      Soll wohl eine Begründung für die Forderung sein.

      • Wenn Deutschland den 2. Weltkrieg gewonnen hätte, wäre das für die USA eine herbe geostrategische Niederlage gewesen und es wäre in den USA überlegener Wirtschaftsraum entstanden.

        Wenn Russland 15 oder 20% des vormaligen ukrainischen Territoriums annektiert, ist das für die USA eine kleinere Niederlage als der verlorene Vietnamkrieg und nicht sher viel grösser als der verlorenen Afghanistan-Krieg.

        Das Hauptproblem der USA ist nicht Russland, zumal dann nicht, wenn die Ukraine nach dem Krieg noch eine starke Landstreitmacht unterhalten kann und will. Das Hauptproblem der USA ist China.

        • «Wenn Deutschland den 2. Weltkrieg gewonnen hätte, wäre das für die USA eine herbe geostrategische Niederlage gewesen und es wäre in den USA überlegener Wirtschaftsraum entstanden.»

          Helfen Sie mir mal. Ich komme mit dem Satz nicht klar. Ist der so richtig oder ist das «in» zuviel. Wenn zweitens ja, dann brauchen Sie nicht antworten. Bei erstens, dann bitte erklaeren, wieso dann ueberlegener ~

            • Danke, dannn ergibt der Satz Sinn.

              «Wenn Deutschland den 2. Weltkrieg gewonnen hätte…»

              Im Uebrigen glaube ich nicht, dass sich dann der Hegemon Deutschland auch nur annaehernd solange halten haette koennen wie die USA.

              Wenn man deren (Hitler-Deutschlands) Nachkriegsplaene sich anschaut, dann waeren ganze Bevoelkerungsgruppen (insbesondere die Juden natuerlich) ausgerottet wurden und die Slawen waeren Sklaven geworden. Das haetten die wohl nicht kontrollen koennen, weil es ueberall zu Aufstaenden gekommen waere.

              Hatte genau dazu vor langer Zeit mal ein Buch («Wenn Hitler den Krieg gewonnen hätte») von Ralph Giordano gelesen. Leider weiss ich nicht mehr im Detail, wie der darin argumentiert hatte.

                • Hmm. Allerdings glaube ich nicht, dass die ganzen Kims so bekloppt sind, dass die von der Weltherrschaft traeumen. D. h. die halten die Bevoelkerung im eigenen Land zwar in Schach und sorgen dafuer (durch Atomwaffen), dass die keiner (auch die USA nicht) getraut anzugreifen, aber die Demarkationslinie am 38. Breitengrad haelt jetzt immerhin schon 70 Jahre.

                  • Mein Punkt war eher, dass dort sehr viele Grund hätten, den jeweiligen Kim loszuwerden, aber es kommt doch nicht zum Aufstand. Wenn wieder mal ein Kim ablebt, sieht man Leute mit echten Tränen in den Augen. Das Stockholm-Syndrom ist sehr verlässlich.

                    • «Das Stockholm-Syndrom ist sehr verlässlich.»

                      Das stimmt. Gab’s ja auch beim Tod Stalins oder bei ueberzeugten Kommunisten in bzw. nach den Schauprozessen (falls sie die ueberlebt hatten). Ausserdem aehneln hoch-toxische Beziehungen dem doch sehr.

                    • «Miriam Block ist nicht mehr wissenschaftspolitische Sprecherin der Hamburger Grünen-Fraktion. Dafür stimmten 22 Abgeordnete, 7 waren dagegen. Auch aus den Ausschüssen für Wissenschaft und Inneres wird Block abberufen.
                      Block stimmte für PUA zur NSU-Aufarbeitung

                      Der Konflikt bei den Grünen reicht tief. Hintergrund war der Streit um die Einsetzung eines Parlamentarischen Untersuchungsausschusses (PUA) zur Aufarbeitung des NSU-Mordes an dem Hamburger Gemüsehändler Süleyman Taşköprü 2001. Die Linksfraktion hatte in der vorvergangenen Woche einen entsprechenden Antrag gestellt, dem Block als einzige Grüne zugestimmt hatte, obwohl sich die Grünen mit ihrem Koalitionspartner SPD zuvor auf eine wissenschaftliche Aufarbeitung des NSU-Komplexes anstelle eines PUA verständigt hatten.»

                      https://www.tagesschau.de/inland/regional/hamburg/hamburg-gruene-fraktion-100.html

                      Als Beispiel, daß auch eine gewisse Gewöhnung und «Lethargie» im Spiel ist. Eine eher kleine Angelegenheit, es gab bei weitem größere Skandale und Repressionen die laufend im Sande verlaufen.
                      Die Überforderung durch Nachrichten aus aller Welt, die Machtlosigkeit, der langsame, bürokratische Verlauf wenn etwas angestoßen wird – das verursacht eine dauerhafte Frustration die einfach in Gleichgültigkeit endet. Insofern glaube ich, daß sich Bevölkerungen auch langfristig in Diktaturen einrichten können, ohne daß es zum großen Knall kommen muß. Auch bei uns, auf niedrigerem Niveau und in anderer Form, gibt es solche Erscheinungen.
                      Manches, das sonst zu einem großen Aufschrei führen würde, führt nur zu einer Kenntnisnahme und keiner weiteren Reaktion. Das macht Regieren oder Wirtschaften einfacher, gesellschaftspolitisch ist es ein großer Schaden.

                    • «Manches, das sonst zu einem großen Aufschrei führen würde, führt nur zu einer Kenntnisnahme und keiner weiteren Reaktion.»

                      Ja, da haben Sie recht. Im speziellen Fall ist es ja auch wieder ein Beispiel, wie Mitglieder abgestraft werden, wenn sie sich dem Parteikonsens entgegenstellen. (Wagenknecht, Palmer usw.)

                      Danke fuer die Information!

                    • «…seiner Rolle im NSU-Untersuchungsausschuss aus der Politik entfernt»

                      Sicher. Da kamen denen seine paedophile Neigung gut zu pass.

                    • Schmaler wird’s nicht mir…

                      Noch eine Frage (erspart mir das Suchen):

                      Was ist eigentlich aus den Ermittlungen gegen Generalstaatsanwalt Lüttig geworden?

                    • «Was ist eigentlich aus den Ermittlungen gegen Generalstaatsanwalt Lüttig geworden?»

                      Nichts. Die wurden sehr bald eingestellt.

                      Typischer Fall für Verschwörungstheoretiker. Die wären natürlich auch dann schnell eingestellt worden, wenn er es getan hätte.

                      Andererseits kann es jemand anders aus seinem Umfeld gewesen sein. Dagegen spricht nun wieder, dass der Personenkreis, der in all diesen Fällen Informationen an die Presse durchestochen haben kann, ja nicht sehr gross gewesen sein kann. Es ist aber nie bekannt geworden, wer es war oder dass überhaupt gegen andere ermittelt wurde.

                      Insgesamt gibt es im Fall Edathy so viele Ungereimtheiten und eine so klare Interessenlage, dass Verschwörung wahrscheinlicher erscheint als Verschwörungstheorie.

                    • Ja, sieht nach Verschwoerung aus. Die «offene Gesellschaft» gilt eben doch nicht in jeder Richtung.

  20. Institute for the Study of War

    «Die russischen Streitkräfte rückten am 22. April weiter um Bakhmut vor, obwohl sie die Stadt noch nicht vollständig umrundet haben. Aus den am 21. April veröffentlichten geografischen Aufnahmen geht hervor, dass die russischen Streitkräfte bis zu einem Abschnitt der Fernstraße O0506 nordwestlich von Khromove (unmittelbar westlich von Bakhmut) vorgerückt sind

    Nach vom ISW zitierten Angaben russischer Militärblogger sind die noch von russischer Seite kontrollierten unbefestigten Zugänge nach Bachmut nach starken Regenfällen so zerwühlt, dass Radfahrzeuge nicht mehr passieren können. Bachmut sei aber für die ukrainische Seite nach wie vor mit Kettenfahrzeugen zugänglich.

    Der Chef der internationalen Atomenergiebehörde, Grossi, erklärte, dass die Ukraine eine Anfang März beschädigte Stromleitung des Atomkraftwerks Saporischschija in den von der Ukraine kontrollierten Gebieten nicht repariert habe. Hingegen arbeite Russland an der Wiederherstellung von drei Stromleitungen, die das AKW mit den von Russland kontrollierten Gebieten verbinden.

    «Grossi stellte auch Schäden an den Fenstern in der Turbinenhalle des Reaktors Nr. 4 des AKW fest, die nicht mit früheren Berichten über Landminenexplosionen übereinstimmen.»

    Daraus leitet die russische Seite eine Bestätigung Grossis ab, dass die ukrainische Seite das AKW beschiesst.

  21. «Nun, Russland hat Hyperschallraketen entwickelt, auch als Atomwaffenträger, die gegenwärtig von anderen Staaten prinzipiell nicht abgefangen werden können…..»
    Da bin ich etwas anderer Meinung. Diese Raketen kamen zwar noch nicht umfangreich zur Anwendung, aber ich halte diesen Vorteil eher für eine temporäre Erscheinung.
    Vor 10 oder 15 Jahren standen sie in der heutigen Form nicht zur Verfügung und auch heute scheint die produzierte Anzahl noch sehr begrenzt. Auch das Einsatzgebiet ist beschränkt und es wäre sicher ein Fehler, sich für längere Zeit darauf zu verlassen.
    Bei einer NATO Mitgliedschaft mit Basen geht es um sehr langfristige Veränderungen, da läßt sich so schnell keine Änderung herbeiführen.
    Aber wie auch immer, es war klar, daß man sich in eine Situation hineinmanövriert aus der man schlecht wieder herauskommt. Beide Seiten.

  22. «…wäre zu überlegen, ob nicht ein anderer Standort…»

    Den Vorschlag hatte schon mal H.Chavez gemacht. Weiss nicht, ob der ueberhaupt zur Abstimmung kam. Aber vielleicht haben ja auch da die USA ein Vetorecht.

    Staatenlose Inseln – gibt’s das? Ich weiss nur von staatenlosen Menschen. Und davon gibt’s Millionen.

      • Grossflaechige Infrastruktur mit allen drum und dran im Welt-Naturschutzpark? Ich glaube, da geb’s Probleme mit den Umweltschuetzern (und den Robben).

        Vielleicht dann lieber den Mond?

        • Kofi Annan meinte einmal, er weiß, daß er und andere in der UN abgehört werden vom US Geheimdienst. Er könne aber nichts dagegen tun.
          Wenn also der Generalsekretär keine Macht über das eigene Haus hat sollten die Alarmglocken klingeln. Man kann auch sagen, die UN wird von USA nicht respektiert in ihrer Funktion.
          Auch der Sicherheitsrat mit seinen ständigen Mitgliedern ist mittlerweile eine fragwürdige Einrichtung geworden. Da wären auch Änderungen notwendig.

  23. militaryland.net

    «Die Wagner-Söldner haben die Straße nordwestlich von Khromove erreicht. Die schweren Kämpfe gehen weiter, die ukrainischen Verteidiger versuchen, den Feind zurückzudrängen.»

    Das entspricht der ISW-Meldung von gestern und bestätigt nur, dass das Zurückdrängen bisher nicht geklappt hat.

    «Die von der ukrainischen Armee errichtete Behelfsbrücke bei Khromove wurde zerstört, die Straße ist nicht mehr befahrbar.»

    Kanlanchak-Front (am Dnjepr bei Cherson):

    «Eine ukrainische Aufklärungsgruppe landete auf der Insel nördlich von Oleshky und drang in die Datschensiedlung ein.»

    «Eine weitere ukrainische Aufklärungsgruppe landete auf der Insel Kruhlyk und verschanzte sich im Bereich der dortigen Datschensiedlung.»

    Das entspricht einem von russischen Militärbloggern erwarteten Versuch der ukrainischen Seite, bei Cherson den Dnjepr zu forcieren, einen Brückenkopf zu errichten und die Offensive mit dieser Richtung zu eröffnen.

    Ich würde allerdings annehmen, dass das eher ein Ablenkungsmanöver ist. Eine Trennung der russischen Truppen ist damit kaum erreichbar. Bis zur Landenge, die das Festland mit der Krim verbindet, sind es von Cherson 100 km (kürzeste ausgebaute Strassenverbindung).

    • Die ukrainischen Truppen auf Oleshky und Kruhlyk sind übrigens arg gefährdet. Dort dürfte es keine Zivilbevölkerung geben, so dass die russische Seite bei Luftangriffen keinerlei Vorsicht walten lassen müsste.

      Möglicherweise ist das auch ein Test, ob die ukrainische Truppenluftabwehr ausreichend für eine Offensive organisiert ist.

  24. Ein kontrollierter Abzug der ukrainischen Truppen aus (den restlichen 10% von) Bachmut scheint mjr derzeit kaum möglich zu sein. Die Ukraine dürfte nicht annähernd genug Kettenfahrzeuge in Bachmut haben, um alle zu evakuieren. Bis auf Weiteres ist ein Abzug mit Radfahrzeugen aber unmöglich.

    • «Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj verspricht, die Stadt Bachmut weiter zu verteidigen. ‹Es ist unmöglich für uns, Bachmut aufzugeben›, sagt Selenskyj in einem Interview mit dem Nachrichtensender Al Arabiya. ‹Das würde die Kampffront erweitern und den russischen Streitkräften und Wagner die Möglichkeit geben, mehr von unserem Land einzunehmen.’» tagesschau.de

      Ist das jezt noch schnelles Denken (gemaesz System 1) oder schon irre?

      • Oh, das war jetzt missverstaendlich.

        «Das würde die Kampffront erweitern und den russischen Streitkräften und Wagner die Möglichkeit geben, mehr von unserem Land einzunehmen.»

        Ich meine, wenn er so denkt, dann gibt er seiner grossangekuendigten Fruehjahrsoffensive (falls es dazu kommt) wenig Chancen, dass die letzlich zur Rueckeroberung aller verlorenen Gebiete fuehrt.

        Klar, ich kann ihn schon verstehen. Es ist unsagbar schwer, die bitteren Realitaeten zu akzeptieren. (ohne Ironie)

      • Ich bin nicht sicher, wie entscheidend zum jetzigen Zeitpunkt die Aufgabe von Bachmut wäre. Es gibt zwei Möglichkeiten.

        Entweder, die ukrainischen Linien westlich von Bachmut sind so stark, wie es derzeit aussieht (die russischen Kräfte kommen dort nur langsam voran). Dann wäre ein Rückzug eine Frontbegradigung und zur Entlastung der ukrainischen Streitkräfte eigentlich vorteilhaft. Im Moment wäre dann nur das Problem, dass er wegen der fehelnden Abzugsroute nicht verlustarm möglich wäre.

        Oder aber die russische Seite greift westlich von Bachmut deswegen nicht stärker an, weil es die Fronteinbuchtung gibt, vielleicht auch, weil so länger grosse ukrainische Kontingente gebunden werden können. Sie würde dann nach einer Aufgabe von Bachmut zu einer grösseren Offensive antreten und möglicherweise hätte die ukrainische Seite in diesem Raum nicht die Truppen und Stellungen, um diese Offensive vor Sloviansk und Kramatorsk zu stoppen.

        Was davon zutrifft, lässt sich gegenwärtig sehr schwer abschätzen. Dazu gibt es einfach nicht genug zuverlässige Information über Truppenstärken und Truppenqualitäten.

  25. Hier und da mehren sich die Anzeichen für weitere Sanktionen gegen China. Exportverbote und die Unabhängigkeit von China sind als zweischneidiges Schwert zu sehen.
    China beginnt auch mit Maßnahmen um unabhängiger vom Westen zu werden. Die PKW Industrie bekommt das schon zu spüren. Aktuell ist zwar ein Aufwärtstrend beim Handel zu sehen, aber das dürfte nur temporär zu betrachten sein. Vielleicht möchte man für die Krise vorsorgen.
    Die Lieferprobleme, die ich seit einiger Zeit persönlich beobachte, sind vielleicht auch ein Anzeichen dafür, daß China andere Märkte erschließt. Europa will sich unabhängig machen, sollte aber fürchten, China macht es ebenso.

  26. «Im speziellen Fall ist es ja auch wieder ein Beispiel, wie Mitglieder abgestraft werden, wenn sie sich dem Parteikonsens entgegenstellen. (Wagenknecht, Palmer usw.)»

    Völlig richtig. Sieht man auch daran, daß gute Leute sich die Parteimühle erst gar nicht antun wollen.
    Zu solchen Abstrafungen für den beschriebenen Fall darf es eigentlich nicht kommen. Man kann Sie scharf kritisieren, aber aller Ämter entheben geht gar nicht. Was ist nur aus den Grünen geworden?

    • Hab’nochmal nachgedacht, nachdem ich GJ’s Kommentar gelesen hatte.

      «Die Linksfraktion hatte … Antrag gestellt, dem Block als einzige Grüne zugestimmt hatte, obwohl sich die Grünen mit ihrem Koalitionspartner SPD zuvor auf eine wissenschaftliche Aufarbeitung des NSU-Komplexes… verständigt hatten.»

      Im speziellen Fall ging es vermutlich gar nicht darum, weil den Antrag «die Linke» gestellt hat (sind ja schliessl. nicht die AfD, und bis vor kurzem hat man mit denen in Berlin noch chaotisch regiert), sondern wg. der brisanten Thematik. Koennte ja tatsaechlich der VS dahinterstecken, die Folgen nicht auszudenken. Daran war schliessl. vor Jahren auch das «NPD»-Verbot gescheitert.

      Hier nochmal ein interessanter Artikel aus dem «Freitag» von vor ca. 7,5 Jahren (falls Sie den damals nicht gelesen hatten)

      https://www.freitag.de/autoren/gunnar-jeschke/die-angst-des-staates-vor-beate-zschaepe#1447737436284457

  27. militaryland.net

    «Der Feind ist [in Bachmut] in den Stützpunkt der 54. mechanisierten Brigade eingedrungen und hat mehrere Gebäude auf der Ostseite des Stützpunkts erobert.»

    «Angesichts des oben erwähnten Vormarsches ist es wahrscheinlich, dass das Gebiet in der Nähe der Eisenbahnlinie nördlich von hier ebenfalls unter russischer Kontrolle ist.»

    «Die Wagner-Söldner drangen westlich des Hauptbahnhofs vor und erreichten die nahe gelegenen Hochhäuser. Sie nahmen einen ukrainischen Soldaten gefangen und hissten eine russische Flagge.»

    «Die 3. ukrainische Sturmbrigade startete einen Gegenangriff nordwestlich von Khromove, um den Feind von der Verbindungsstraße zwischen Bakhmut und Chasiv Yar zu vertreiben.»

    Zum letzten Punkt ist zu bemerken, dass militaryland.net auf der Karte den Gegenangriff als Pfeil zeigt, die russischen Truppen aber nnach wie vor in Stellungen an der Strasse.

    Raum Avdiivka:

    «Der Feind eroberte die zuvor verlorenen Stellungen in der Nähe von Novoselivka zurück.»

    «Die russischen Truppen erreichten ein Bahngleis südöstlich der Siedlung Novokalynove.»

    Auch hier gibt es mittlerweile eine für die ukrainische Seite gefährliche Fronteinbuchtung.

    Raum Cherson:

    «Die russische Luftwaffe bombardiert ukrainische Stellungen auf der Insel Tscherkeskij südwestlich von Cherson.»

    Das bestätigt meine Annahme von vorgestern. Es bedeutet, dass die ukrainische Luftabwehr Truppen in Stellungen ausserhalb zivil besiedelter Gebiete nicht schützen kann. Es bedeutet aber auch, dass die ukrainische Seite versucht, im Dnjepr-Delta den Dnjepr zu überqueren. Als Grossoffensive ist das vorerst nicht zu bezeichnen. Es wird aber vermutlich dazu führen, dass die russische Seite ihre Truppen östlich des Dnjepr-Deltas verstärken muss und dass die russische Luft- und Raketenwaffe dort beschäftigt sind.

    • Ich lese die mir zugänglichen Informationen mal so: Russland befindet sich auf einem langsamen Vormarsch, die Ukraine muß eine Offensive wagen um sich Waffen, Geld und Unterstützung zu sichern. Auch um nicht verhandeln zu müssen.
      («Ukraine» bedeutet für mich auch, der Westen)
      Ich vermute, nachdem man im Osten so viele Ressourcen investiert, könnte es – wenn diese zu Ende gehen – zu einem schnellen Vormarsch der Russen kommen.
      Hängt natürlich davon ab, inwieweit sich der Westen/die NATO in die Bresche wirft. («Bresche», Durchbruch in einer Verteidigungsmauer)
      Na ja, der weitere Verlauf ist schwer abschätzbar. Bedrückender ist, es sind kaum starke Bemühungen sichtbar, den Knoten aufzubrechen um zu Verhandlungen und zum Kriegsende zu kommen.
      Egal wie der Krieg ausgeht, mittlerweile kann ich mir die spätere Situation kaum vorstellen und sehe so oder so nur einen unbefriedigenden (evtl. kritischen) Zustand.
      Jetzt schon ist eine internationale Unruhe zu sehen, Aufrüstung und Krisensituationen. Es wäre ein Wunder, wenn daraus nicht die nächsten Konfrontationen erwachsen.
      Die Sicherheit über einen längeren Zeitraum in manchen Gebieten der Welt hat man riskiert und es gibt wohl für viele Jahre kein Weg zurück. Die Unsicherheit wird sich in den Köpfen festsetzen und natürlich Auswirkungen auf den realen Verlauf der Geschichte nehmen. Entscheidungen werden anders getroffen als vor Jahren.
      Der Satz «Denn sie wissen nicht was sie tun» kann man sicher auf die derzeitige Situation anwenden.

    • Bis zur Krim wäre es aber ca 150km weit für die Ukrainer. Das halte ich nicht für eine sehr erfolgversprechende Aktion. Danach müßte man die Krim auch noch halten können.
      Ich glaube, die Menschen werden über militärische Möglichkeiten getäuscht und das darauf beharren fordert noch mehr Opfer.
      Na, wie schon gesagt: Plan- und ziellos drauf los. Koste es was es wolle.

  28. Institute for the Study of War

    Bachmut:

    «Seit dem 26. April haben die russischen Streitkräfte weitere Fortschritte in Bachmut gemacht. Geolokalisiertes Bildmaterial, das am 26. April veröffentlicht wurde, zeigt, dass die russischen Truppen bis zur Persha-Lisova-Straße im Westen von Bakhmut vorgedrungen sind (nur wenige Blocks von der Straße Yuvileina 00506 entfernt, die nach Khromove führt).»

    «Ein russischer Milblogger behauptete, Wagner kontrolliere bis zu 85 Prozent der Stadt, was mit den Berechnungen des ISW zur Kontrolle des Geländes übereinstimmt, einschließlich des Gebiets, das die russische Seite behauptet zu kontrollieren.»

    Avdiivka:

    «Geolokalisierte Aufnahmen, die am 26. April veröffentlicht wurden, zeigen, dass die russischen Streitkräfte westlich der N20 Donezk-Stadt-Kramatorsk-Slovyansk etwa 10 km nördlich von Avdiivka begrenzte Fortschritte gemacht haben. Ein russischer Milblogger behauptete am 26. April, dass die russischen Streitkräfte erfolgreich westlich von Nowobachmitiwka vorgerückt seien und die ukrainischen Streitkräfte von der Autobahn N20 verdrängt hätten, was mit dem verfügbaren Filmmaterial übereinstimmt, das diese Positionen bestätigt.»

    Gebiet nahe Cherson

    «Der ISW hat keine neuen zusätzlichen visuellen Beweise gefunden, die die russischen Behauptungen über ukrainische Stellungen oder Aktivitäten am östlichen (linken) Ufer des Flusses Dnjepr in der Oblast Cherson belegen.»

    «Der ISW hat seit dem 22. April keine visuelle Evidenz für ukrainische Truppen südlich der Antoniwski-Brücke beobachtet.»

    «Die Sprecherin des ukrainischen Operationskommandos Süd, Natalia Humenjuk, erklärte am 26. April, dass die ukrainischen Streitkräfte bereits in aller Stille Gegenoffensiven im Gebiet Cherson durchführen, indem sie russische Munitionsdepots sowie Gebiete, in denen sich Ausrüstung und Arbeitskräfte konzentrieren, ins Visier nehmen.»

    «Satellitenbilder zeigen, dass die russischen Streitkräfte ab dem 25. April gepanzerte Fahrzeuge und Artilleriesysteme von der besetzten Krim in ein nicht näher bezeichnetes Gebiet verlegt haben. Geolokalisierte Satellitenbilder zeigen ein Militärdepot in der Nähe von Turhenieve (21 km nordöstlich von Dzhankoi), das am 11. Februar mit gepanzerten Kampffahrzeugen, Panzern und Artilleriesystemen gefüllt war und am 25. April merklich leer war.»

  29. BBC

    Ein Helfer eines Journalisten der italienischen Zeitung La Republicca ist in einem Aussenbezirk von Cherson mutmasslich von einem russischen Scharfschützen getötet worden. Der Reporter selbst wurde verletzt.

    izitiwab: Falls das so stimmt, operieren russische Scharfschützen westlich des Dnjepr. Eine andere mögliche Erklärung wäre ukrainisches Feuer.

      • Das macht betroffen, aber auch wiederum nicht. Ich lenke mal auf einen Nebenschauplatz.
        Gehen wir mal von einer echten, nachhaltigen Betroffenheit aus. Die kann entstehen bei einem Foto eines toten Kindes, wie damals am Strand, das Flüchtlingskind. Auch bei Verhungernden oder Soldaten im Krieg.
        Ebenso sind Politiker bei entsprechendem Anlaß betroffen und halten eine tröstende Rede.
        Wir könnten aufgrund von nationalen und weltweiten Berichten täglich betroffen sein. Nur «hält das kein Mensch aus.»
        Das zu Reden und Texten die empathielos «rüberkommen» können, privat oder in der Presse.
        Den größten Teil der Informationen die uns täglich erreichen müssen wir eher nüchtern betrachten, das sieht nur empathielos aus, ist es aber nicht. Es ist reiner Selbstschutz, der natürlich nicht überhand nehmen darf.
        Von Politikern erwarten wir bei drastischen Ereignissen Betroffenheit, nur wie oft kann das stattfinden? Kann man bei jedem Unglück in Deutschland und international wirklich betroffen sein, ohne psychischen Schaden zu erleiden?
        Wäre eine Arbeit im Hospiz oder auf der Intensivstation dann noch möglich?
        Daher kann man den Krieg in der Ukraine genau so sehen wie Hungergebiete oder extreme Armut in manchen Ländern. Die Betroffenheit wandert, je nach Anlass, ist in jedem Falle begründet, kann aber nicht dauerhaft und in jedem Fall ertragen werden.
        Bin an anderen Meinungen sehr interessiert.

        • Meinerseits keine andere Meinung.

          Wie Sie schon schreiben, es ist reiner Selbstschutz (wahrsch. schon in den «Genen» verankert). Angesichts des vielen Leids ueberall auf der Welt, wuerde man sonst wohl kein «normales» Leben fuehren koennen. Solange wie es die eigenen Freunde, Verwandten und Menschen, die man persoenlich kennt und mag betrifft, ist man noch wirklich betroffen, fuehlt einen tiefen Schmerz. U. U. wird nie mehr alles richtig gut. Je weiter es weg ist und zudem kein Einzelfall, ist das Mitgefuehl max. mal kurz vorhanden, vielleicht noch spontan eine Spende und danach geht der Alltagstrott weiter. Jedenfalls ist das bei mir so.

          «bei einem Foto eines toten Kindes u.a.»

          Da sehe ich auch die Gefahr der Medienmanipulation der Zuschauenden, denen das vermittelt wird, um sie in eine bestimmte Richtung zu lenken.

          Was Nachrichten und Analysen betrifft, muessen die meiner Meinung nach objektiv sein, den Tatsachen (die zu deren Zeitpunkt vorhanden sind) entsprechen und moeglichst nicht durch emotionale Gefuehle verwischt werden. Da sollte eine klare Trennung sichtbar sein.

          • «Man o Mann»

            Na ja, heute wuerden wohl im «Westen» aufwachsende Kinder nicht mehr zweimal Danke wg. eines Luftballons oder Pfefferminzbonbons sagen.

            «Werdet wie Kinder» – da bin ich auch skeptisch. Vielleicht, wenn sie noch
            ganz klein sind. Ansonsten quaelen und toeten Kinder heutzutage Kinder ohne jegliches Schuldbewusstsein. In Cixin Lius «Supernova» verhalten sich Kinder schlimmer, als die (nicht mehr existierenden) Erwachsenen es je waren.

      • «Na ja, hier steht was von Drohnenangriff:»

        Ich würde eher der «La Repubblica» glauben, deren Journalist Corrado Zunino ist und die ausführlicher as RAI News berichtete.

        Original: «Il giornalista e la guida ucraina vittime di un agguato, molto probabilmente di cecchini russi. Tajani: «Zunino sta bene, la nostra ambasciata a Kiev è in contatto con lui». Kuleba: «A sparare sono stati i russi»»

        Uebersetzung:

        «Der Journalist und der ukrainische Reiseführer wurden in einen Hinterhalt gelockt, wahrscheinlich von russischen Scharfschützen. Tajani: «Zunino geht es gut, unsere Botschaft in Kiew ist mit ihm in Kontakt». Kuleba: «Die Russen waren die Schützen».»

        «»Wir passierten drei Kontrollpunkte, Bogdan sprach mit den ukrainischen Militärs und sie ließen uns ohne Probleme durch. Es war kein Kampfgebiet. Dann wurden wir getroffen, ich hörte ein zischendes Geräusch und sah Bogdan am Boden, er bewegte sich nicht, ich kroch, bis ich aus der Schusslinie kam. Ich rannte, bis ich an einem Auto eines Zivilisten vorbeikam. Ich war voller Blut und wurde ins Krankenhaus in Cherson gebracht. Ich habe vier Wunden, aber ich wurde perfekt behandelt. Ich habe mehrmals versucht, Bogdan anzurufen, aber er hat nicht geantwortet. Er war ein guter Freund von mir, es ist ein unerträgliches Leiden», sagte Corrado am Telefon.»

        «Auf den Fotos ist zu erkennen, dass eine Kugel aus der Vorderseite der Jacke entfernt wurde, die nun von der Polizei beschlagnahmt wurde.»

        Letzteres spricht sehr gegen Drohne. Die Fotos sind unter dem oben angegeben Link zu finden. Auch das Folgende spricht gehen eine Drohne:

        «Aufgrund der Anwesenheit von Scharfschützen ist es vorerst schwierig, Bitiks Leiche zu bergen.»

        • «Ich würde eher der «La Repubblica» glauben…»

          Ja, da hatte ich gestern Vormittag zuerst geguckt, aber eben nur die Schlagzeilen. Den Artikel hatte ich nicht gesehen. Allerdings zwei andere, die dem getoeteten ukrainischen Dolmetscher gewidmet waren. Hab› die nur ueberflogen (mit meinem italienisch sieht’s ja leider nicht viel besser aus als mit englisch), ging da, was er fuer ein Mensch war. Allerdings gut moeglich, dass auch da was von Scharfschuetzen gestanden hat.

          Also Danke fuer den Link. Das Wesentliche haben Sie ja schon uebersetzt. Da werde ich mich mal an den Rest machen.

          Bestaetigt das dann Ihre Vermutung, dass russische Scharfschützen westlich des Dnjepr operieren – und was wuerde das bedeuten? (leider voellig ahnungslos von Kriegsstrategie)

          • Ich glaube nicht, dass man von hier aus herausfinden kann, was wirklich geschehen ist. Eine ukrainische «false flag»-Operation erscheint aber unwahrscheinlich. Wenn es ein Scharfschütze war, ist auch versehentliches «friendly fire» unwahrscheinlich. Der Reporter war ja ganz klar als solcher erkennbar. Das kann ein Scharfschütze eigentlich kaum übersehen.

        • Ich glaube irgendwo gelesen zu haben, die Ukraine hat die Front für alle Journalisten gesperrt. Na, vielleicht gilt das noch nicht.
          Kameraleute und Journalisten haben übrigens mehr Verletzte und Tote zu verzeichnen als zum Beispiel Stuntmen.
          Abgesehen davon, daß eine Erkennung im Krieg nicht immer möglich ist, fehlt generell die Einstellung auf Sanitäter, Journalisten, Hilfstransporte oder Verletztenlager nicht zu schießen.

  30. Der Thinktank RAND corporation hatte bereits im Januar 2023 argumentiert, dass ein langer Krieg in der Ukraine für die USA nicht vorteilhaft sei und dass der einseitige Fokus auf territoriale Kontrolle in der Ukraine falsch sei. Ich bin erst jetzt darauf aufmerksam geworden, nachdem das Institute for the Study of War (ISW) es für nötig hielt, eine Gegenposition zur gegenwärtigen Diskussion in den USA über einen «langen Krieg» zu veröffentlichen.

    Tatsächlich gibt es eine solche Debatte. AP News hielt zum Beispiel am 23. April fest, dass die US Army in Bezug auf den Mumnitionsnachschub nicht auf einen langen Krieg vorbereitet sei.

    • Bezüglich dem letzten Absatz: Um dieses Problem zu lösen werden zur Zeit Maßnahmen beschlossen, um die weltweiten Vorräte aufzustocken.
      Das bedeutet aber auch, viele Kriege auf der Welt könnten bei weitem länger anhalten.
      Gut, man braucht die «Abschußvorrichtung» dafür, aber auch da sollen ja die Stückzahlen erhöht werden.

      Alleine die Aufrüstung wird für Tote, Verletzte, Kranke und Arme sorgen. Es braucht dazu keinen Krieg. Dafür hat man sich entschieden und von den Folgen redet man lieber nicht.

        • «Bleibt zu hoffen, dass das die Klimakleber zu verhindern moegen.»

          Ich denke, die Ideologie der Grünen Bewegung und «Stand by Ukraine» sind miteinander verheiratet.

          Literaturempfehlung: «Zwischen Welten» von Juli Zeh und Simon Urban. Ich habe den Roman verschlungen.

          • Hey, das hatte ich schon in der Hand, dann hatte ich aber noch das Buch von Brueggemann (Bin gerade dabei – liest sich super. Aber sind wir dafuer ueberhaupt das richtige Zielpublikum vom Alter her?) entdeckt – und beim Bezahlen gemerkt, dass ich gar nicht so viel Geld in der Tasche hatte.

            • «Aber sind wir dafuer ueberhaupt das richtige Zielpublikum vom Alter her?»

              Nun, ich esse, wann immer es zeitlich geht, zu Mittag mit meiner Gruppe. Insofern weiss ich einigermassen, wie jüngere Leute ticken.

              Und wenn Sie sagen, dass es sich super liest, erfüllen Sie schon dadurch die Definition des Zielpublikums.

              • Klar, schon von Berufswegen ist das bei Ihnen von Vorteil, wenn Sie in etwa wissen, wie die Juengeren so denken. Ausserdem wollte ich mit der beilaeufigen Bemerkung und den vereinnahmenden «wir» mal sehen, ob Sie genau darauf reagieren. Tschuldigung!

          • Sie haben recht! Mal wieder )-:

            Das Buch ging mir runter wie Rizinusoel. So schnell habe ich seit Jahren kein Buch mehr ausgelesen. (Okay, die Umstaende waren jetzt guenstig.)

            Da kann man gut verstehen, warum kluge Menschen AfD waehlen oder schlimmer (zu radikalen Handlungen abgleiten). Mit so einem dramatischen Ende hatte ich allerdings nicht gerechnet. (Kamen mir sogar paar Traenen.) Eben ganz so wie es auch im «real life» ist.

            Gut, dafuer koennen Sie sich jetzt auch nichts kaufen. Schon klar. Musste das aber gleich loswerden, ehe ich das vergesse.

  31. Das neuste zu den Explosionen der Nord-Stream-Pipelines.

    «Kopenhagen. Wenige Tage vor den Nord-Stream-Explosionen in der Ostsee hat sich nach Angaben des dänischen Militärs ein russisches Spezialschiff in der Nähe der Detonationsorte befunden. Das dänische Verteidigungskommando bestätigte der Zeitung „Information“, dass ein Patrouillenschiff am 22. September 2022 östlich der Insel Bornholm 26 Bilder von der „SS-750“ gemacht habe. Vier Tage später war es nahe Bornholm zu mehreren Explosionen an den Pipelines gekommen.» rnd.de

  32. «Der ukrainische Vizeaußenminister Andrij Melnyk fordert von den westlichen Staaten, ein Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts jährlich für Waffenlieferungen an die Ukraine auszugeben. Der frühere Botschafter in Deutschland sagte in einer ukrainischen Fernseh-Talkshow, das wären allein im Fall von Deutschland mehr als 35 Milliarden Euro. Verglichen mit dem Zweiten Weltkrieg seien die Beträge gering. »

    https://www.mdr.de/nachrichten/welt/osteuropa/politik/ukraine-krieg-melnyk-milliarden-forderung-waffen-deutschland-100~amp.html

    Die bisherige Militärhilfe gesamt soll sich auf 55 Milliarden belaufen. Er möchte, besser gesagt, er fordert das 10 Fache. Also 550 Milliarden. Zuzüglich die Summe, die außerhalb der militärischen Unterstützung geleistet wird.
    Kann man ja vom Sozialhaushalt, der Entwicklungshilfe, Hilfslieferungen usw abziehen. Oder wie stellt er sich das vor? Die Ukraine ist nicht das einzige Krisengebiet und man sollte sich nicht von der Ukraine in einen Weltkrieg ziehen lassen.
    Die Ukraine treibt ein perfides Spiel.

      • Unter diesem Link auch noch:
        » Das Schreiben nimmt Bezug auf einen Tweet Melnyks, der inzwischen Vizeaußenminister der Ukraine ist. Darin heißt es: «Oskar Lafontaine und seine Frau Sahra Wagenknecht sind beide die schlimmsten Komplizen vom Kriegsverbrecher Putin, die als solche noch zur Rechenschaft gezogen werden. Und zwar sehr bald.»

        Dies sei «eine eindeutige Drohung», schrieb Bartsch an Bas. «Ein solches Vorgehen eines Regierungsvertreters der Ukraine gegenüber einer gewählten Bundestagsabgeordneten ist nicht hinnehmbar und erfordert aus unserer Sicht deutliche Schritte», hieß es weiter. «Meine Mitvorsitzende Amira Mohamed Ali und ich bitten Sie deshalb, in Ihrer Funktion als Bundestagspräsidentin gegen diese Drohung zu protestieren und das Auswärtige Amt um Stellungnahme gegenüber der ukrainischen Regierung zu ersuchen.»

        Unsere Regierung sollte sich langsam fragen, wie lange man sich vorführen lassen kann ohne die Glaubwürdigkeit und Ansehen zu verlieren. Die Aussage ist eine eindeutige Drohung eine Undemokraten. Wen unterstützen wir das eigentlich? Spielt scheinbar keine Rolle, wenn es gegen Russland geht. Die Historiker werden zu tun haben, nach dem Krieg.
        Da die Eskalation jeden Monat zunimmt, kann man allerdings nicht sagen, wann und wie der Krieg beendet wird. Die zugesagten Waffen, Panzer und Jets sind ja noch nicht im Land, in größerem Umfang zumindest. Da ist bezüglich des Kriegsverlaufs noch einiges zu erwarten, da die Akteure auf eine Ausweitung zuarbeiten.
        Daß wir uns nicht im Krieg befinden ist wohl nur noch eine juristische Randnotiz.

        • Ich halte Melnyk auch für eine üble Figur, aber man kann die Unterstützung eines Landes mit zig Millionen Einwohnern nicht von einer üblen Figur abhängig machen.

          Natürlich kann man argumentieren, dass die ukrainische Führung Melnyk hätte völlig kaltstellen sollen. Die Abberufung als Botschafter unter (formeller) Beförderung zum Vize-Aussenminsiter ist ein sehr fauler Kompromiss.

          Man muss aber auch sehen, dass die ukrainische Führung ihre Unterstützung im Inland aufrechterhalten muss. Melnyk hat in der Ukraine eine erhebliche Anhängerschaft, die man nicht völlig vergrätzen kann.

          • Die ukrainische Fanbase eines Faschistenverehrers muss Deutschland nicht interessieren. In einem Land, das für Werte wie Meinungsfreiheit & dem Schutz ihrer Bürger & Abgeordneten steht, wäre i.d.F. der ukrainische Botschafter einbestellt worden. Da das nicht geschehen ist, wird eine Haltung zum Ausdruck gebracht, dass gegen den politischen Gegner alle Mittel erlaubt sind.

          • Nun ja, wenn ein Land einer Abgeordneten droht mit baldiger Bestrafung und damit die Meinungsfreiheit ablehnt, sollte man eine Unterstützung überdenken.
            Wen unterstützen wir? Eine potentielle Diktatur? Teilweise Faschisten? Zumindest ein Land, das im Widerspruch zu Gepflogenheiten der EU steht.
            Die seit Jahren laufenden Machenschaften haben zu Hunderten Milliarden Schaden geführt mit Toten und Kranken in nicht wenigen Ländern. Alleine schon die Bezeichnung «Forderungen» und das perfide appelieren an humanitäre Verantwortung, die aber alleine Waffen und Geld umfaßt, sollte zum Nachdenken anregen.
            Wann wurde ein Staat unterstützt, der seine Unterstützer in diesem Maße beleidigt hat und extreme Forderungen an diese stellte?
            Man hält es aus, weil der Gegner Russland ist. Weil «wir» einen Krieg gegen Russland führen wollen. Es geht doch nicht um Humanität, Freiheit oder Demokratie.
            Das erzählt man uns, um uns bei der Fahne zu halten. Um soziale Einschränkungen zu akzeptieren, Kosten, Wohnungsmangel usw.
            Dafür braucht es starke Argumente. Und eine über alle Zweifel erhabene Ukraine.
            Das ist nicht der Krieg der Kriege und auch nicht der brutalste. Einige stellen es so dar um der Kriegsmüdigkeit vorzubeugen.
            In Zukunft wird wohl auch irgend ein Land irgendwo angegriffen. Wir werden mit Sicherheit sehen, daß außer ein paar Kisten Lebensmittel nur ein winziger Bruchteil der derzeitigen Maßnahmen als Unterstützung ergriffen wird.

            • Ich stimme Ihnen ja im Grossteil zu, bin aber der Meinung, dass dieser – wenn auch vom «Westen» provozierte – Krieg von Russland niemals begonnen werden durfte (trotz aller Unterdrueckung der pro-russischen Bevoelkerung dort).

              Wie auch immer der Fortgang der Geschichte gekommen waere – vieles, was man jetzt gegen Russland veranstaltet, waere da so nicht moeglich gewesen.

              Von den vielen in- und direkten Toten ganz zu Schweigen.

              • Da bin ich völlig Ihrer Meinung. Die russische Führung hätte auch beim Aufbau einer Drohkulisse einen Plan B haben müssen, falls der Westen nicht einlenkt. Dass sie da nur den Plan A («dann eben Krieg») hatte, war ein schwerer strategischer Fehler (von den ethischen Fragen mal abgesehen).

                Es war ja auch abzusehen, dass Krieg mittelfristig zu Oel- und Gassanktionen führen würde. Russland hätte, statt Krieg zu beginnen, den Westen vor die Wahl stellen können, die Aufnahme der Ukraine in die NATO auszuschliessen oder eben (einschliesslich der Ukraine selbst) auf die Lieferung billiger russischer Energieträger zu verzichten. ZUsammen mit der Erklärung, trotz der Drohkulisse die Ukraine eben nicht angreifen zu wollen, hätte das erstaunliche Wirkung erzielen können.

                • Ihnen kann ich es ja sagen: Ich denke, die russische Fuehrung und insbesonder Putin, hatten nicht mit der Entschlossenheit und dem Zusammenhalt der USA und den EU-Staaten (die ja ansonsten meistens zerstritten sind) gerechnet, die Ukraine so umfangreich und kostenintensiv zu unterstuetzen. Vielleicht auch nicht mit der grossen Zustimmung von den Ukrainern selbst, was Selenskyjs Kriegspolitik betrifft.

                  Man dachte dort eventuell, die Donbassgebiete lassen sich aehnlich schnell und weitestgehend unblutig einkassieren wie eben die Krim. Wuerde auch den Begriff «Spezialoperation» erklaeren.

                  Ich denke auch, dass es schon irgendwie fuer Putin eine ganz persoenliche Kraenkung ist, dass die meisten postsowjetischen Republiken sich dem «Westen» zugewandt haben.

              • Ja, er hätte nicht begonnen werden dürfen.
                Nun kommt die unangenehme Frage an den Westen: Was hätte Russland tun sollen – nach unserer Meinung – die natürlich nicht die russische sein muß. Die rusische Sichtweise ist ja auch nicht die unsere.
                Man könnte sagen, zusehen. Also eine Forderung, die wir im umgekehrten Falle nie akzeptiert hätten. Zum Beispiel eine Einkreisung der EU mit Raketen in Serbien, auf Deutschland gerichtet. Ich nehme an, das wäre als aggressiver Akt empfunden worden.
                Auch GB oder USA würden sich nicht umstellen lassen.
                Gut, man hat Russland nicht ernst genommen und mit Milliarden Geheimdienstgelder ein Vorrücken finanziert. Das kann man als feindlichen Akt sehen. Russland hat das auch getan.
                Was hat der Westen getan? Die Bevölkerung? Hat man versucht den Krieg zu verhindern? Einen Stopp der Gelder? Einen stopp der NATO Ausweitung? Man hat zugesehen. Russland muß akzeptieren – würden wir ja auch. Oder?
                Welchen Rat hätte man Russland geben können, außer zuschauen, außer akzeptieren was der Westen im Gegenzug nicht tun würde?
                Russland hätte die weltweite Vorherrschaft des Westens akzeptieren müssen, auch die Demütigungen. Man hätte den Krieg dadurch vermeiden können.
                Sind wir da sicher? Wieso wollen wir soviele Basen und Waffen an der russischen Grenze? Frieden schaffen? Mit Waffen und Einkreisen? Wo ist der Gewinn? Keinen Euro oder Dollar für Rüstung, wenn nicht irgendwo ein Gewinn zu erwarten ist. Die Industrie kann das alleine nicht sein.

                • «Zum Beispiel eine Einkreisung der EU mit Raketen in Serbien, auf Deutschland gerichtet.»

                  Ja, zum Beispiel und in Belarus (was sie ja jetzt auch vorhaben). Ortega’s Nicaragua («mit dem Gesicht zum Volke») haette da vielleicht auch paar genommen.

                  «Russland hätte die weltweite Vorherrschaft des Westens akzeptieren müssen…»

                  Erstmal ja. Allerdings, wenn sie das bessere System waeren, haette sich das irgendwann von selbst geregelt. Zumal, es gibt ja nicht nur den «Westen» sondern auch China, Brasilien, Indien und andere Staaten, die sich auch nicht dem «Westen» unterordnen wollen.

                    • Ja, das aergert mich total – und er ist ja auch nicht der Einzige. Wahrscheinlich ist das Gefuehl endlich die Macht zu haben so ueberwaeltigend, dass man alle urspruenglichen guten Vorsaetze fallen laesst.

                  • Nun, dann war Jahrhunderte das System in GB besser, heute das amerikanische. Das Römische, das Osmanische, das…..
                    Worauf begründet sich die US Vorherrschaft? Auf dem Militär und den Petro-Dollar. Die Basen, den Geheimdienst.
                    Die Amazonas-Indianer haben auch das schlechtere System, wie die nordamerikanischen.

                    • Sie haben da natuerlich recht! Das war mal wieder Bullshit.

                      Ich dachte naemlich weniger an grosse Reiche, sondern an Systeme. Also die historische Gesetzmaeszigkeit von Urkommunismus, Sklavenhaltergesellschaft, Feudalismus, Kapitalismus und schliessl. (ueber mehrere Etappen) Kommunismus (Karl Marx – oder war es eher Lenin?)

                      Stimmt in dem Fall aber auch nicht, weil sowohl der «Westen» als auch Russland/ China kapitalistische Varianten sind. Ausserdem bezweifle ich stark, dass es jemals eine echte kommunistische Gesellschaft geben wird.

                      Mit dem «…haette sich das irgendwann von selbst geregelt.», dachte ich an die zunehmende -hmm- «Verbloedung» des Fuehrungspersonals in den westlichen Gesellschaften. Wurde ja schon oft diskutiert.

                      Um jetzt nochmal darauf zurueckzukommen:

                      «Man könnte sagen, zusehen. Also eine Forderung, die wir im umgekehrten Falle nie akzeptiert hätten.»

                      Das stimmt schon (wenn Sie mit «wir» den «polit. Westen» meinen). Allerdings aus der linken Sichtweise, kann man eben auch keinen Krieg akzeptieren, wenn er von der vermeintlichen «richtigen» Seite gefuehrt wird. Und ja, da haben die Pazifisten, die Bildungselite (und auch die Medien) geschlafen. Die haetten schon lange vorher auf beide Seiten einwirken muessen. Die Frage ist natuerlich, ob das irgendwas verhindert haette.

            • Sicher. Es ist unser Krieg. Wir haben versucht, die Ukraine zu einer Speerspitze gegen Russland zu machen. Das ist gründlich schiefgegangen.

              Der ukrainische Nationalismus ist genuin und dass er gegen Russland gerichtet ist, ist auch genuin. Allerdings hat der militante Nationalismus in der Ukraine mindestens bis zum 24. Februar 2022 keinen grösseren Bevölkerungsanteil hinter sich gehabt. Yarosh hat es mit seiner Bewegung nicht mal ins Parlament geschafft. Auch die anderen nationalistischen Parteien sind unter «ferner liefen». Selenskyj hat, wie vor ihm schon Poroschenko, mit Friedensversprechungen die Wahlen gewonnen.

              Dass der ukrainische Nationalismus einen so stark überproportionalen Einfluss auf die ukrainische Regierungspolitik hat, ist sehr stark der Politik westlicher Staaten 2014 geschuldet.

              • Man weiß eben nicht, was in Zukunft daraus wird, haben sich die Russen wohl gesagt. Wenn Basen stehen bekommt man sie so einfach nicht mehr weg.
                Da hat die westliche Pazifismusbewegung versagt, aber auch die Bildungselite. Dadurch daß Russland nur gewarnt hat, hat man das quasi als Zustimmung gewertet und zugeschaut. Nur wenige haben sich in die Richtung geäußert, daß das u.U schiefgehen könnte. Auch war klar, welche Gruppen dahinterstehen und diese wohl kaum humanitäre Gründe oder Sicherheit antreibt.
                Egal wie man es sieht, bei einem anderen Land hätten wir nie so reagiert und haben es auch nicht in der Vergangenheit. Das bestätigt die Unglaubwürdigkeit und die wird uns evtl. für einige Jahrzehnte verfolgen. Der nächste Anlaß kommt bestimmt. Da gilt dann nicht mehr, keine Waffen in Kriegsgebiete, keine Finanzierung des Haushalts, keine Millionen Flüchtlinge aufnehmen, umfassender Wirtschaftsboykott.
                Wie argumentiert man dann, wenn man nicht bereit ist in diese Maßnahmen einzusteigen?
                Keine Lust, keine Zeit, erst einmal jahrelang auf Diplomatie setzen? Dieses Problem wird kommen.

      • «Jetzt hat er aber gesagt, dass er eine Vermittlerrolle Chinas fuer moeglich haelt. Passt irgendwie nicht.»

        In der Politik ist Konsistenz schwer aufrechtzerhalten, weil sich die Umstände ändern. In der Regel versucht man, Umschwünge graduell zu machen, weil das Publikum bei plötzlichen Wendungen leicht einen Mangel an Integrität vermutet. Man muss schon sehr fest im Sattel sitzen, um sich Adenauers «Was schert mich mein Geschwätz von gestern?» leisten zu können.

        Es ist einfach so, dass Haass und Kupchan strategisch erfahren und gut informiert sind. Die ukrainische Führung weiss, dass sie irgendwann von ihrer Palme herunterklettern muss. Andererseits muss sie die gross(mäulig) angekündigte Frühjahrsoffensive erst einmal versuchen und dafür ist sie tatsächlich etwas dünn bewaffnet.

        • Andererseits redet Selenskyj in Bezug auf Russland vom «absolut Bösen». Das bedeutet, dass er so schnell nicht von der Palme herunterklettern kann. Mit einem Einfrieren des Konflikts und Verhandlungen ist erst und nur dann zu rechnen, wenn die ukrainische Grossoffensive deutlich scheitert oder der Westen bei einem nur mässigen Erfolg der Offensive von der UKraine verlangt, nun zu verhandeln.

          • «…oder der Westen bei einem nur mässigen Erfolg der Offensive von der UKraine verlangt, nun zu verhandeln».

            Eben.

            Und Der «Westen» (Ausnahme Frankreich viell.) bzw. die USA im Besonderen haben sich ja erstmal entschieden, dass die Friedensinitiative von China nichts taugt und sind z. Zt. voll auf Konfrontationskurs zu China. Kann mir nicht vorstellen, dass denen Selenskyjs (und Melnyks) «Geschwaetz» ploetzlich, gefaellt.

  33. «Die haetten schon lange vorher auf beide Seiten einwirken muessen. Die Frage ist natuerlich, ob das irgendwas verhindert haette.»
    Ja, das bleibt die Frage.
    Ich denke, es war weit weg, außer Warnungen war nichts Entscheidendes passiert durch die Osterweiterung. Russland war abgehakt als regionale Macht.
    Ähnlich die EU. Immer weitere Mitglieder, immer mehr Probleme die man unter den Teppich gekehrt hat. Die Hybris des Westens nahm überhand, von Portugal bis Wladiwostok sollte es gehen. Na ja, nicht ganz. Russland hatte man ja aus den Zukunftsplänen ausgegrenzt.
    Die Schritte Putins auf den Westen zu, hat man torpediert.
    Nun spielt man sich als Retter der Menschheit auf, nachdem man für Chaos gesorgt hat.
    Hat man sich vorher Gedanken über die russischen Sicherheitsinteressen gemacht? Oder über die Angebote aus Russland?
    Man wollte wohl die eigene Stärke nutzen, um endlich den Sieg über Russland davonzutragen. Die Deutschen sicher weniger, man hat gute Geschäfte gemacht und per se war die Gegnerschaft zu Russland nicht sehr groß. Da Deutschland nicht besonders souverän ist, hat der Einfluß aus bestimmten Ländern jedoch im Laufe der Zeit zugenommen.
    Ja, die Bildungselite hat versagt. Wird schon gutgehen, geht mich nichts an, gendern ist wichtiger solange es vegan ist. Sie kommt meist hinterher um zu analysieren und will uns die Welt erklären. Vorher wäre es zu riskant Position zu beziehen. Bildung sollte eigentlich nicht nur verstanden werden als eine Verbesserung der Qualifikation, um im Job eine Aufgabe zu erledigen.
    Nun kommt man aus allen Löchern um uns das für alle Sichtbare zu erklären. Wie der Wetterbericht der sagt: Gerade regnet es.

    • Was Sie die Bildungselite nennen, ist mit Kleinkriegen untereinander beschäftigt. Die Weltlage interessiert dabei nur insofern, als sich aus ihr Ideologie ableiten lässt und die Rechtgläubigkeit bezüglich der Ideologie(n) Punkte in Machtkämpfen liefert.

      Leute, die längerfristig denken, mag es schon noch geben. Sie haben aber keinen nennenswerten Einfluss mehr.

      • Sicher gibts diese Leute noch. Ich meine selten alle, wenn ich eine Gruppe nenne. Sie haben recht, der Einfluß der wenigen ist gering.
        Es zeigt umso mehr das Versagen der Masse in dieser Gesellschaftgruppe.
        Im täglichen Gespräch sehe ich aber auch, Menschen die nicht die Gipfel der Bildung erklommen haben laufen dieser Gruppe teilweise den Rang ab. Man macht sich Gedanken, entwickelt Ideen und versucht Informationen zu erhalten. Nicht die Masse, aber immerhin. Die sogenannte Bildungselite verliert langsam an Ansehen.
        Ich glaube, nicht nur die Weltlage ist uninteressant, auch national besteht weniger Interesse sich um versch. Themen Gedanken zu machen.
        Dafür werden gefundene oder erfundene Themen umso mehr aufgebauscht, als ob sie die Probleme der Welt wären. Eine gewisse Spaltung der Gesellschaft sehe ich schon, die ist nicht nur an dem Ansehen der Politiker zu erkennen.

  34. Die russische Seite hat die Strategie bezüglich ihrer Raketenangriffe geändert. Sie greift nicht länger die Energieinfrastruktur an, sondern Munitionsdepots.

    Man würde das nicht vermuten, wenn man die ARD-Tagesschau ansieht. Dort erfährt man, dass die ukrainische Seite 15 von 18 Marschflugkörpern abgefangen habe. Gleichzeitig erfährt man, dass in Pavlohrad, in der Region Dnjepropetrovsk, 100 Wohnhäuser zerstört und mehr als 30 Menschen verletzt wurden. Das passt nicht zusammen, den so viel Sprengkraft haben drei Marschflugkörper nicht.

    Schaut man beim Guardian nach, so erfährt man, dass in Pavlohrad Lagerhallen mit Munition in der Nähe des Bahnhofs getroffen wurden. Man erfährt auch, dass der Gouverneur der Region, Serhii Lysak (ein ehemaliger Geheimdienstler), zunächst behauptet hatte, es sein «ein Industriegebiet» getroffen worden.

    Die Marschflugkörper werden in dieser neuen Strategie von strategischen Bombern aus gestartet. Das dürfte es der ukrainischen Luftverteidigung erschweren, die Anflugrichtungen vorherzusehen. Weil sie inzwischen etwas ausgedünnt und wohl auch auf Kiew fokussiert ist, ist das ein Problem.

    • «Das passt nicht zusammen, den so viel Sprengkraft haben drei Marschflugkörper nicht.»

      Ja, das haut nicht hin, was uns da mal wieder serviert wird. Die vielen Schaeden in mehreren Ortschaften koennen unmoeglich allein die durchgekommenen Marschflugkoerper angerichtet haben. Da muss man ja nur bis drei zaehlen. (Ich meine bei den Orten.)

  35. Bereits in der Nacht vom 30. April zum 1. Mai appellierte der Chef des Präsidialamts der Ukraine an die Bevölkerung, keine Videos der Explosionen zu veröffentlichen und die Arbeit der Luftverteidigung nicht zu verraten.

    Das deutet daraufhin, dass die Schläge militärischen Zielen galten, deren Verluste der Gegner möglichst nicht oder nur ungenau kennen soll und dass die russische Seite nach Einsetzen des Luftabwehrfeuers auch auf die Luftverteidigungsstellungen gezielt hat.

  36. militaryland.net ist derzeit stumm. Der letzte Beitrag stammt vom 28. April, mit Redaktionsschluss am 27. April, 22 Uhr Kiewer Zeit.

    Laut Institute for the Study of War wird bei und in Bachmut und bei Avdiivka gekämpft, aber ohne klare Verschiebungen der Frontlinie.

    Cherson:

    «Das Ausmaß und die Absicht [der] ukrainischen [Stellungskämpfe im Dnjepr-Delta] sind nach wie vor unklar, und das ISW geht derzeit nicht davon aus, dass es sich bei den ukrainischen Aktivitäten am und jenseits des Flusses Dnjepr in der Oblast Cherson um eine Gegenoffensive handelt.»

    Im Süden der Ukraine und auf der Krim nehmen die Drohnenaktivitäten zu.

    • «militaryland.net ist derzeit stumm.»

      Achso -hab› mich da schon gewundert, dass Sie die letzten Tage nichts mehr vob dort hier eingestellt hatten.

      Dann Danke fuer die anderen aktuellen Informationen.

          • «Ein-Mann-Show»

            Aha. Das haette ich jetzt nicht vermutet.

            Urlaub jetzt machen, glaube ich wohl eher nicht, wo doch alle denken, die noch auf einen Sieg der Ukraine hoffen, dass nun bald die «Wende» eingeleitet wird. Vielleicht kommen ja seine Informanten nicht mehr nah genug heran.

            Vielleicht gibt’s auch in Kuerze wieder Informationen und eine Erklaerung.

  37. militaryland.net (Ereignisse an der Front zwischen 27. April 22 Uhr Kiewer Zeit und 3. Mai 22 Uhr Kiewer Zeit)

    Raum Siverskyj Donezk

    «Die ukrainische Artillerie beschoss russische Stellungen im Serebryansky-Wald. Das bedeutet, dass der Feind weiter vorrücken konnte.»

    Bachmut:

    «Eine ukrainische Kamikaze-Drohne hat russische Truppen nordwestlich von Khromove ins Visier genommen. Die Geolokalisierung deutet darauf hin, dass die russischen Truppen die Stellungen in der Nähe der Straße halten.»

    «Die Wagner-Söldner rückten im nordwestlichen Teil der Stadt in Richtung der Khromove-Siedlung vor.»

    «Soldaten der ukrainischen 77. Luftlandebrigade sprengten ein Gebäude im nordwestlichen Teil von Bakhmut, was darauf hindeutet, dass das Gebiet nicht mehr unter ukrainischer Kontrolle steht.»

    «Der Feind nahm das Bakhmut Medical College ein.»

    «Angesichts der feindlichen Vorstöße in der Nähe des Stützpunktes der 54. mechanisierten Brigade kann man davon ausgehen, dass der größte Teil des Komplexes unter russischer Kontrolle steht.»

    «Russische Artillerie beschoss ukrainische Stellungen bei der Schule Nr. 12 und bestätigte, dass die ukrainischen Streitkräfte dieses Gebiet weiterhin halten.»

    «Ukrainische Panzer griffen Wagners Stellungen am Bakhmut Industrial College an.»

    Diese Meldungen bestätigen Äusserungen russischer Milblogger, die in den letzten Tage beim Institute for the Study of War als unbestätigt referiert worden waren.

    Nahe Donzek:

    «Ukrainische Streitkräfte haben russische Truppen von einem Bauernhof östlich von Pobieda vertrieben. Wir kennen das genaue Datum dieses Gegenangriffs nicht, aber wir haben erst jetzt visuelle Beweise dafür. Es ist sehr wahrscheinlich, dass auch die nahe gelegene Baumgrenze gesichert wurde.»

    «Der Feind versuchte, nordöstlich von Novomykhailivka vorzustoßen, wurde aber aufgehalten. Dennoch eroberten die Russen hier eine neue Baumgrenze.»

    «Die ukrainische Artillerie beschoss russische Truppen östlich von Vuhledar und gab damit zu erkennen, dass der Feind das Gebiet der Datschen (Kleingärten) teilweise kontrolliert.»

    Südfront:

    «Russische Quellen behaupten, dass ukrainische Truppen südlich von Orichiw einen Aufklärungseinsatz durchgeführt haben, aber es gibt nur sehr wenige bis gar keine Informationen. Das Ereignis wird nicht gekennzeichnet werden, bis wir mehr Details erfahren.»

    Cherson:

    «Russische Artillerie beschoss ukrainische Stellungen auf einer Insel nördlich des Flusses Perebiina.»

    «Die feindliche Artillerie beschoss ukrainische Truppen auf der Insel Velyky Poyomkin, was auf einen kleinen ukrainischen Vorstoß in diesem Gebiet hindeutet.»

    Fazit: Der Stellungskrieg mit sehr geringen Frontverschiebungen bei hohen Verlusten geht vorerst weiter. Der Beginn einer Großoffensive ist noch nicht zu erkennen.

    • Danke fuer Ihre vielen Informationen! (Jetzt funktioniert es ja wieder.)

      Sie haben Recht, nach einer Offensive sieht es nicht aus. Eigentlich fast nur schlechte Meldungen fuer die ukrain. Seite.

  38. Im «US Senate Armed Services Committee» haben gestern die Direktorin Direktor der Nationalen Nachrichtendienste, Avril Haines, und der Direktor des Militärgeheimdiensts, Generalleutnant Scott Berrier, ausgesagt. (Quelle: CBS)

    Haines geht davon aus, dass es dieses Jahr keine grosse russische Offensive geben werde, selbst dann nicht, wenn die erwartete ukrainische Gegenoffensive nicht so erfolgreich sei.

    Falls Russland keine vollständige Mobilisierung durchführe und Munitionskäufe aus anderen Ländern sichere, würde es vielmehr für die russische Seite schwierig werden, selbst begrenzte Offensivoperationen durchzuführen.

    Gegenwärtig finde in der Ukraine ein «brutal zermürbender Abnutzungskrieg» umd wenige hundert Meter Frontverschiebung statt, in dem keine der beiden Seiten einen eindeutigen Vorteil vorweisen könne.

    Die Wahrscheinlichkeit, dass Russland dieses Jahr in Verhandlungen Zugeständnisse mache, sei gering, «es sei denn, innenpolitische Schwachstellen ändern [Putins] Denken».

    Berrier nannte die russische Seite immer noch «sehr, sehr fähig in ihren strategischen Kräften».

    Zum Drohnenangriff auf den Kreml sagte Haines: «Zum jetzigen Zeitpunkt liegen uns keine Informationen vor, die uns eine unabhängige Bewertung ermöglichen würden.»

  39. Die ukrainischen Streitkräfte haben bei Kiew die Kontrolle über eine DRohen aus türkischer Produktion vom Typ Bayraktar verloren. Die eigene Luftabwehr musst diese Drohne über Kiew abschiessen.

    Es ist nicht völlig auszuschliessen, dass es der russischen Seite gelungen ist, die Kommunikation mit dieser Drohne zu stören.

  40. Institute for the Study of War

    Russische Milblogger behaupten, die russischen Kräfte würden bei Kreminna, Bilohorivka und in Richtung Siversk begrenzte Geländegewinne machen.

    In Bachmut habe sich wenig getan. Bei Avdiivka hat die russische Seite gemäss geolokalisierter Aufnahmen begrenzte Geländegewinne bei Novobachmutiwka erzielt.

    Russland verstärkt die eigenen Kräfte um das Kernkraftwerk Saporischschija.

      • Kann er sich nicht leisten. Wer würde die Söldnertruppe denn danach noch engagieren?

        Er hat offensichtlich ein Problem mit hohen Verlusten. Dafür braucht er einen Sündenbock. Wahrscheinlich wird es irgendeinen Kompromiss geben. Er wird mehr Munition bekommen. Er wird aber nicht so viel Munition erhalten, wie er gerne hätte, weil die russische Seite in Anbetracht einer kommenden ukrainischen Offensive Vorräte aufbauen will.

        • Na, mal sehen. Das naechste *rschl*ch hat sich schon angeboten:

          «Ja, wenn der ältere Bruder Prigoschin und «Wagner» gehen sollten, dann verliert der Generalstab eine erfahrene Einheit und an ihre Stelle könnten dann der kleine Bruder Kadyrow und «Achmat» treten», schrieb Kadyrow am Freitag auf Telegram.

  41. militaryland.net

    nordwestlich von Bachmut:

    «Der ukrainische Generalstab meldete zum ersten Mal einen abgewehrten russischen Angriff in Richtung Markove. Offenbar ist es dem Feind gelungen, auf die Siedlung vorzurücken.»

    Bachmut:

    «Die ukrainische 77. Luftlandebrigade beschoss die Wagner-Söldner im nordwestlichen Teil von Bakhmut und verdeutlichte damit deren weiteren Vormarsch in Richtung Khromove.»

    «Der Anführer der Wagner-Söldner kündigte für den 10. Mai den Rückzug seiner Truppen aus Bachmut wegen Munitionsmangels an. Nehmen Sie es mit Vorsicht, wir werden es in ein paar Tagen sehen.»

  42. «Foreign Affairs» hat wieder einen guten Artikel zum Thema, dem ich aber nicht einen ganzen Blogbeitrag widmen will. Genauer gesagt ist es ein Interview mit Mark Milley, dem Chef des US-amerikanischen Generalstabs. Im Gegensatz zu US-Politikern hatte Milley schon länger darauf verwiesen, dass die Ukraine diesen Krieg nicht gewinnnen kann und dass es am Ende eben doch Verhandlungen geben müsse.

    In dem Interview geht es darum, wie man einen Krieg zwischen Großmächten vermeiden kann. Milley bemerkt dazu, dass weder die USA, noch Russland, noch China Interesse an einem solchen Krieg hätten. Wie angesichts seiner Position nicht anders zu erwarten, argumentiert Milley dafür, einen solchen Krieg durch Abschrechung – sprich US-amerikanische militärische Dominanz – zu verhindern.

    Interessanter ist Milleys Meinung zum Ukraine-Konflikt. Im Gegensatz zu praktisch der ganzen Öffentlichkeit (westliche und ukrainische Politiker, ukrainischer Generalstab, russische Milblogger, Wagner-Chef) will sich Milley nicht darauf festlegen, dass es eine ukrainische Großoffensive geben wird. Wörtlich sagt er:

    «Ich würde Ihnen also sagen, dass die Ukrainer derzeit in der Lage sind, anzugreifen, Offensivoperationen durchzuführen und sich auch zu verteidigen, und zwar deutlich besser als noch vor einem Jahr bei konventionellen Operationen. Ich denke also, dass sich ihre Fähigkeiten deutlich verbessert haben. Sie können also entweder angreifen oder verteidigen. Ich möchte also nicht andeuten, dass sie in den kommenden Wochen eine Offensivoperation durchführen können oder nicht. Das hängt von ihnen selbst ab. Sie müssen noch viel planen und koordinieren, wenn sie eine offensive Operation durchführen wollen. Aber sie sind auf eine Offensive oder Verteidigung vorbereitet.»

    Milley ist «Clausewitzianer». Er weist darauf hin, dass es im Krieg darum gehe, den eigenen politischen Willen der anderen Seite unter Einsatz organisierter Gewalt aufzuzwingen. Zum Krieg komme es, wenn die Diplomatie versage. Dementsprechend kennt er wohl auch Clausewitz› Schlussfolgerung zum Ende von Kriegen: «Sobald der Kraftaufwand so groß wird, dass der Wert des politischen Zwecks ihm nicht mehr das Gleichgewicht halten kann: So muss dieser aufgegeben werden und der Friede die Folge davon sein.»

    Bei der Frage der Notwendigkeit einer Verhandlungslösung kommt Milley wieder auf Clausewitz zurück und wendet ihn auf die gegenwärtige Situation an:

    «Ich denke jedoch, dass die Wahrscheinlichkeit, dass eine der beiden Seiten ihre politischen Ziele erreicht – im Krieg geht es um Politik durch den ausschließlichen Einsatz militärischer Mittel -, sehr schwierig sein wird, eine große Herausforderung. Und offen gesagt glaube ich nicht, dass die Wahrscheinlichkeit dafür in diesem Jahr gegeben ist.»

    Milley geht fest davon aus, dass Russland seine eigentlichen Kriegsziele nicht erreichen kann. Das ist auch aus meiner Sicht so. Wenn Putin rational agiere, müsse er also irgendwann einlenken. Das löst aus meiner Sicht das Problem aber nicht. Die Frage ist, ob auch die ukrainische Führung rational agieren kann und das scheint mir nach allem, was ich beobachte, nicht der Fall zu sein. Verhandlungen erfordern aber, dass beide Seiten in irgendeiner Form einlenken.

    • Wie souverän ist die Ukraine in ihren Entscheidungen, nachdem Beratung, Aufklärung, Waffen und Geld von außen zugetragen werden? Die Pläne der NATO stehen einem baldigen Kriegsende wohl ebenso im Wege.
      Für einige Länder außerhalb der westlichen Bündnisse ist der Krieg von Vorteil. Günstige Energie- und Rohstofflieferungen stärken ihre Position gegenüber westlichen Volkswirtschaften.
      Sicher gibt es schon Überlegungen, wie man dagegen vorgehen könnte. Auf russische Lieferungen wird man wohl langfristig nicht verzichten wollen.
      Der Westen hat viele mit ins Boot geholt, aber ich glaube, da ist eine Menge Mißtrauen im Spiel, es könnte nur eine temporäre, zweckgebundene Erscheinung sein. So manches Land wird eher aus Angst vor negativen Entwicklungen der Allianz der Willigen beigetreten sein. Dauerhaft wird das sicher nicht sein.

    • «Mark Tilley»

      Sie haben sich verschrieben, nich? Ich wollte naemlich gerade wieder rummeckern, dass ich das Interview nicht finde. Bis mir dann aufgefallen ist, dass da einfach nur ein Buchstabe falsch geschrieben wurde.

      • Das Interview war doch aber verlinkt.

        Ja, ich hatte Milley sehr konsistent durch Tilley ersetzt. Das Schöne an WordPress: Man kann solche Fehler spurlos tilgen. Ich müsste jetzt nur noch Ihren Kommentar und meine Antwort darauf löschen und mein Fehler wäre nie geschehen 😉

        • Ja, war von Anfang an verlinkt. Das ist schon verrueckt, dass mir das nicht gleich aufgefallen ist. Zumal der Mark Milley ja fuer mich kein Unbekannter ist. Den hatten Sie in einem frueheren Artikel schon mal positiv verlinkt.

          «… und mein Fehler wäre nie geschehen»

          Noch besser: Wenn Sie verschlagen waeren, haetten Sie Ihren Dreckfuhler uebrigens 9x (2x steht der nach wie vor) korrigiert und meinen Kommentar stehen lassen. Und dies dann alles kommentarlos. Dann waere ich fuer die Leserschaft die «Dumme» gewesen.

            • Tippfehler sind kein Problem. Das Gehirn korrigiert beim Lesen meist automatisch, so daß viele gar nicht auffallen.
              Ich mache auch so einige, auch durch verschiedene Tastaturen/Druckpunkte. Würde es darauf ankommen, könnte ich den Text nochmal durchlesen. Mache das beruflich natürlich.
              Hier ist das nicht dramatisch, falls ein Mißverständnis entsteht kann man ja nachfragen. Machen Sie sich da keinen Kopf, wir texten hier keine Regierungserklärungen.

    • «Die Frage ist, ob auch die ukrainische Führung rational agieren kann…»

      Okay, dass scheint nicht der Fall zu sein. Das Problem ist allerdings auch Putin. (Zum Verhandeln braucht es mind. zwei)

      Bzgl. Milley: Der ist nun mal US-General und voellig in der Kriegslogik gefangen.

      «Und wir müssen uns wieder auf die Methoden besinnen, die in der Vergangenheit funktioniert haben – Abschreckung, mächtige Streitkräfte, fähige Streitkräfte, starke Streitkräfte, Übermittlung des eigenen Willens an den Gegner.»

      «Und genau wie in der Vergangenheit wird das Land, das diese Technologien [gemeint sind KI und Quanteninformatik in Kombi mit Robotik; Cyberspace und Weltraum usw. – neraz] für die Kriegsführung optimiert, einen entscheidenden Vorteil haben, zumindest zu Beginn und bei den ersten Schüssen des nächsten Krieges. Ich möchte, dass dieses Land die Vereinigten Staaten sind.»

      «..Schnelligkeit, Größe und nahezu Unsichtbarkeit werden für das Überleben auf einem zukünftigen Schlachtfeld von grundlegender Bedeutung sein.» etc., etc. (alles DeepL. Translate)

      «…will sich Milley nicht darauf festlegen, dass es eine ukrainische Großoffensive geben wird.»

      Ja – und das ist in seiner Position schon sehr viel.

      Und klar ist es ein Stellvertreterkrieg.

  43. CNN hat einen längeren Artikel über elektronischer Kriegführung der russischen Seite, speziell die Störung der HIMARS-Systeme, die im vorigen Jahr erheblich zum Erfolg ukrainischer Offensiven beigetragen haben. Insbesondere hätte Russland ohne den Einsatz von HIMARS gegen die Nachschublinien Cherson vermutlich nicht aufgeben müssen.

    Die hohe Präzision des Waffensystems hängt von einer genaeuen GPS-Positionierung ab. Offenbar kann die russische Seite die GPS-Signale stark genug stören, um die Effektivität von HIMARS deutlich zu senken.

    CNN diskutiert auch, dass dieser Umstand die Erfolgsaussichten einer ukrainischen Offensive verringert.

  44. Das Institute for the Study of War zitiert einen Vertreter der russischen Okkupationsbehörde für Teile der ukrainischen Region Saporischschija, Vladimir Rogov, mit der Vorhersage, die ukrainische Seite werde in den kommenden Tagen eine Offensive im Süden beginnen.

    Rogov sagte «Der Feind [gemeint ist hier die Ukraine – izitiwab] hat gepanzerte Fahrzeuge an die Frontlinie verlegt. Das meiste davon ist in unterirdischen Gemüselagern in den Bezirken Orekhovsky und Huliaipilsky im ukrainisch kontrollierten Teil der Region Saporischschja versteckt». Er behauptete weiter, die Ukraine habe Tausende Soldaten an die Frontlinie verlegt (das ist nicht so viel, eine wirkungsvolle Offensive würde Zehntausende erfordern).

    Die russische Seite hat 18 Siedlungen nahe der Frontlinie evakuiert.

    Der Boden sei nun abgetrocknet, fuhr Rogov fort. Es seien auch Artillerie- und Raketenangriffe auf Siedlungen nahe der Frontlinie zu erwarten, wie zuvor gegen Donezk. Daher sei die Evakuierung nötig und die Liste zu evakuierender Siedlungen müsse eventuell noch erweitert werden (6. Mai um 14:05 Uhr Kiewer Zeit)

  45. Russland hatte nicht erwartet, daß der Westen soviel eigenen Schaden riskieren würde nur um sich weiter auszudehnen.
    Der Westen dachte, die Ausdehnung hatte bisher keine Konsequenzen, also auch weiterhin nicht.
    Allerdings schätze ich, manche haben eine Auseinandersetzung erwartet und darauf hingearbeitet.
    Auch in Demokratien wissen wir nicht, wer an den entscheidenden Stellen derartiges plant und die Ursache vertuscht bzw verfälscht.
    Die sogenannte Informationsgesellschaft hat eine Unmenge Informationen zur Verfügung, nur wenige Möglichkeiten echte von falschen zu unterscheiden.
    Was also läuft tatsächlich? Wer hat was in Planung?
    Insofern darf man nicht vom mündigen Bürger reden, sondern mehr vom Glauben oder Vertrauen. Je mehr diese erschüttert werden, umso mehr krude und absurde Verschwörungstheorien werden entstehen. In der Folge unhaltbare Meinungen und Vorgehensweisen. Der Bürger wird manipuliert ohne die Möglichkeit zu haben, sich ein realistisches Bild zu verschaffen.
    Das ist in diesem Krieg genauso wie bei der Energiewende.
    Wahre Informationen nehmen, meiner Meinung nach, zur Zeit ab. Zuviele Akteure mit Eigeninteressen fluten die Informationsquellen, von der Politik bis zu den Pressehäusern. Die Informationsbeschaffung ist schwierig geworden, obwohl wir in einer Zeit leben die mehr Informationen bieten als je zuvor.

    • Ei, ei. Auf Fischer werden sich die meisiten Journalisten einschießen, wie schon auf Precht («Die vierte Gewalt»). Hoffen wir mal, dass er nicht bei Spiegel «gecancelt» wird, wie zuvor in «Die Zeit».

      Ähnlichkeiten des «Boten» in «Zwischen Welten» von Juli Zeh und Simon Urban mit der «Zeit» sind selbstverständlich völlig zufällig und keineswegs beabsichtigt.

    • Ueberrascht mich total, dass der beim groessten Drucksblatt Deutschlands noch schreiben darf.

      Aha: geschrieben am 28.4. – war Freitag nach 18:00 Uhr. Wahrscheinlich hatten die da alle schon Wochenende.

      Lange wird das aber nicht mehr gut gehen.

    • danke, hab fischer nicht mehr verfolgt seit er hinter einer paywall schreibt.

      er hat was mahnendes eines scholl-latour – aber diese spezies ist wohl vom aussterben bedroht.

      dieser artikel wird aber mit nichtbeachtung bestraft.

      was mich aber wundert ist, die breite presse lebt von kontroversen und lauten widersprüchen – im ukr-ru-konflikt ist sie aber komplett gleichgeschaltet und emotional+moralisch aufgeladen. offenbar macht sie trotzdem damit geld – hab den verdacht, sie wird von beiden seiten bezahlt!

      • «im ukr-ru-konflikt ist sie aber komplett gleichgeschaltet:»

        Das war sie sicher nicht immer, aber z.B. auch schon besonders bei der Pandemie, aber auch weitgehend bei der Fluechtlingskrise von ’15/’16 und bei der Deutung von Ostdeutschen.

        Allerdings gleichgeschaltet und von beiden Seiten bezahlt – ist das nicht ein Widerspruch? Oder denken Sie da um die Ecke und meinen die Russen bezahlen fuer das Russen-Bashing, dass sie in den deutschen Qualitaetsmedien bekommen, weil das wiederum zur Spaltung der Bevoelkerung beitraegt und die Regierung destabilisieren koennte?

        Oder denken Sie bei den zwei Seiten an ganz andere Akteure?

        • bezahlt wird zwei mal für solche artikel – der auftraggeber (der werber quasi) und die leserschaft beim zugriff (per werbung oder abo/kauf).
          bei den ttip verhandlungen wurde in europa jeder pro-artikel mit bis zu 5000$ dotiert seitens der usa – allerdings nachträglich – somit keine werbung mit anzeigepflicht….

  46. militaryland.net berichtet über ein minimales Vorrücken der russischen Seite in Bachmut, wo sie wohl nun die Militärbasis in der Stadt vollständig kontrolliert, und ein geringfügiges Vorrücken ukrainischer Kräfte bei Vilshana (Region Charkiw) und Sakko i Vantsetti (etwa 20 km nördlich von Bachmut).

    Aus den allgemeinen Medien erfährt man, dass die russische Seite immer noch in der Lage ist, die Luftverteidigung von Kiew zu durchbrechen.

  47. «Der Krieg werde noch lange andauern, deshalb fordert Andrij Melnyk ein Prozent des Bruttoinlandsprodukts Deutschlands für Kiew.»

    Ob das hier noch vermittelbar wäre? Das sind ca. 40 Milliarden jährlich. Fast eine zweite Bundeswehr. Und da sage mal einer, wir befinden uns nicht im Krieg. Juristisch vielleicht.
    Wenn Deutschland 40 Milliarden zahlen soll, was kommt von anderen Ländern? Sind alle gemeint, mit im Verhältnis stehenden Geldleistungen, kommen wir in Richtung einer halben Billion oder mehr. Das ist galoppierender Wahnsinn. Nehmen wir mal an, daß das nur Verirrungen sind.
    Denn die Frage ist ja, wie weit möchte man den Krieg noch eskalieren lassen und wie verkauft man das anschließend noch als Sieg?
    Die Umleitung von Geldern bzw Leistungen für die ärmere Hälfte der Bevölkerungen in die Waffenproduktion ist ja schon im Gange. Ein Ergebnis ist wohl die AFD bei 16%. Gleichauf mit den Grünen. Die SPD nur 1% darüber.

  48. USA und ihre Verbuendeten erwarten von ihrem Stellvertreter Grosses:

    https://www.berliner-zeitung.de/news/fruehjahrsoffensive-warum-sich-die-ukraine-vom-westen-unter-druck-gesetzt-fuehlt-li.346062

    Un dann auch noch Ischinger bei «Anne Will»:

    «Als es um die Frage geht, ob die Ukraine nach dem Krieg in die Nato aufgenommen werden soll, gibt Ischinger zu bedenken, wie das in Russland verstanden wird. ‹Das ist ein Signal gegen Waffenstillstand und gegen Friedensverhandlungen. Das ist für Russland die Aufforderung, den Krieg ad infinitum fortzuführen.› (Berliner Zeitung)

    • Ischinger hat sich die richtigen Gedanken gemacht.
      Daß die Ukraine unter Druck steht, klar. Sie wird durch die eigene Propaganda eingeholt. Man kann nicht monatelang von Rückeroberung aller Gebiete, die Russen werden wir….., usw reden und nun relativieren. Die Waffen und die Milliarden gab es vom Westen nicht umsonst. Damit sind Erwartungen verknüpft die erfüllt werden müssen.
      Man ruiniert nicht Wirtschaftsbeziehungen, streicht Leistungen und macht Schulden für nichts. Das war zu erwarten. Auch nach dem Krieg werden Forderungen zu erfüllen sein. Ganz besonders, wenn Hunderte Milliarden für den Aufbau fließen sollen.

    • Ich denke, die ukrainische Führung hat sich selbst unter Druck gesetzt, indem sie seit Monaten von ihrer kommenden Großoffensive redet. Die meisten Ukrainer dürften den Beginn derselben vor Anfang Mai erwartet haben.

      Sehr viele Ăußerungen bis hinauf zu Selenskyj selbst deuten darauf hin, dass sie auch deutlich früher beginnen sollte. Es wird nicht nur am Wetter liegen. Die Analysen des ukrainischen Generalstabs dürften ergeben haben, dass die Offensive nicht erfolgversprechend begonnen werden kann.

      Es trifft vermutlich zu, dass die Ukraine derzeit mehr Truppen an die Front bringen kann als die russische Seite und dass ihre Unterlegenheit bei schweren Waffen nicht mehr so dramatisch ist, wie noch vor einem Jahr. Dass es aber für einen Durchbruch durch eine gestaffelte Verteidigung eines luft- und artillerieüberlegenen Gegners reichen soll, erscheint mir zweifelhaft.

  49. Institute for the Study of War

    Laut dem ukrainischen Generalstab hat die ukrainische Luftwabwehr in der Nacht vom 7. zum 8. Mai alle 35 angreifenden Shahed-Drohnen (auch bekannt als Geran-2) abgeschossen. Laut dem Kiewer Bürgermeister Vitaly Klitschko sind in Kiew 36 von 60 die Ukraine angreifenden Drohnen abgeschossen worden. Der ukrainische Generalstab erwähnt zudem 16 Raketen.

    Was immer hier zutrift, die Zerstörungen scheinen angesichts der eingesetzten Mittel und der behaupteten Erfolge der Luftverteidigung sehr gross zu sein. Die ARD-Tagesschau zeigte ein grosses Loch in einem Kiewer Hochhaus, das angeblich von Trümmerteilen einer abgeschossenen Drohne stammen soll. Dazu kann ich nur sagen: Das trifft sicher nicht zu. Wenn es eine Shahed-Drohne war, so war es angesichts des Lochs ein Treffer. Sie wurde nicht vorher abgeschossen. Das würde auch bei einer Drohne anderer Bauart gelten.

    In einer Botschaft an die Bevölkerung hat Präsident Selenskyj am Abend des 7. Mai gesagt, man bereite sich aktiv auf neue Ereignisse im Mai und Juni vor. Daraus schliesst das Institute for the Study of War, dass die geplante ukrainische Offensive möglicherweise erst im Juni beginnen wird, zumal Selenskyj in den Sätzen danach von der Versorgung der Soldaten mit Waffen und Verhandlungen mit Partnern redet. Der Rest der Ansprache wiederholt Bekanntes oder ist reine Propaganda.

    Der stellvertretende Verteiduigungsminister der Ukraine, Volodymyr Havrylov, hat gegenüber dem britischen «Independent» eine Großoffensive angekündigt, die auf russischer Seite Panik erzeugen werde. Es käme gar nicht darauf an, wann sie nun stattfände. Später im Interview sprach auch er von «diesem oder dem nächsten Monat».

    • «Die ARD-Tagesschau zeigte ein grosses Loch…»

      Hatte ich gesehen und gestaunt, was so paar Truemmerteile anrichten koennen. Ich denke mal, bei den meisten Zuschauern geht das so durch.

      Was die ukrain. Offensive betrifft, meinte der russ. Besatzungschef von Saporischschja, dass Regen die verzoegert. Und laut Prigoschin hat sie schon vor 5 Tagen begonnen. Allerdings ist bei dem alles nur Theater. Da hatten Sie wiedermal recht. (Laut iHm sind sie auch wieder in Bachmut 130 m vorgerueckt.)

      • «Hatte ich gesehen und gestaunt, was so paar Truemmerteile anrichten koennen. Ich denke mal, bei den meisten Zuschauern geht das so durch.»

        Nun ja, die Shahed-Drohne ist so gross wie ein Trabbi, wie dieser in Leichtbauweise ausgeführt und hat 60 kg Sprengstoff. Das gezeigte Loch passt also durchaus zu einem Treffer. Wenn sie schon abgeschossen und die 60 kg Spengstoff damit ausser Gefecht gesetzt sind, kann so ein Loch nicht entstehen.

        «Laut [Prigoschin] sind sie auch wieder in Bachmut 130 m vorgerueckt.»

        Das kann ja sogar sein. Es ist nicht einmal lächerlich. Die ukrainische Seite hält in Bachmut nur noch weniger als 3 Quadratkilometer. Darüber sind sich Prigoschin und das Institute for the Study of War ausnahmsweise einig. Wenn sich da an einer Seite die Front um 130 Meter verschiebt, ist das nicht ganz unbedeutend.

      • Ich sehe da eine Propagandaschlacht von West bis Ost. Man nimmt uns auf den Arm, die Sprüche werden immer dämlicher. Ob da noch sogenannte Erwachsene agieren muß erst noch belegt werden.
        Diese infantilen Muskelspiele sind beschämend und man sollte weltweit mehr überlegen, wem man Macht zuteil werden läßt und wie man sie begrenzt. Nicht nur im militärischen oder politischen Bereich, auch in der Privatwirtschaft.

        • «man sollte weltweit mehr überlegen, wem man Macht zuteil werden läßt und wie man sie begrenzt»

          Macht ist ein perpetuierender Prozess. Der oder die Einzelne ist natürlich irgendwann zu alt oder stirbt (wie Stalin). In den meisten Fällen erfolgt der Ersatz aber durch ähnlich geartete Leute. Im Falle Stalins wäre das Lawrenti Beria gewesen. Nach so viel Toten Führungskadern unter Stalin haben das aber die anderen Mächtigen nicht mitgemacht.

          In dem Fall gab es die Krise nur in der Führungsschicht. In der Regel ändert sich der Charakter der Führungsschicht nur in einer allgemeinen Systemkrise.

      • Die Anflugsequenz in diesem Video würde ich so interpretieren: Man sieht die Drohne bereits als Lichtpunkt, bevor sie in den Bereich des Flakfeuers (Leuchtspurgeschosse) eintritt. Es gibt tatsächlich einen Flaktreffer. In diesem Moment wird die Drohne viel heller (entzündeter Treibstoff). Sie ändert auch ihre Flugbahn. Der Treffer reicht aber nicht, die Drohne zu vernichten, er bringt sie nur vom Kurs ab. Die Sprengladung bleibt intakt. Das sieht man deutlich daran, dass es erst beim Einschlag der Drohne zur Detonation kommt. Das passt dann auch zum dem Loch.

        Ich würde in diesem Fall nicht von «Trümmerteilen» reden. Eingeschlagen ist die ganze Kamikaze-Drohne, sie brannte nur schon und war nicht mehr auf Kurs. Was hier passiert ist, ist eine Art Unfall der Luftabwehr. Die Drohne hat nicht das angepeilte Ziel getroffen, aber dann leider ein ziviles.

  50. Nach Angaben des Chefs der russischen Okkupationsbehörden in der Region Cherson, Vladimir Saldo, werden die russischen Truppen dort derzeit mit zusätzlichen Fligerabwehrkanonen gegen Drohnen ausgerüstet. Quelle: Institute for the Study of War

    Damit verwirklicht die russische Seite einen Vorschlag, den ich im Januar für die Ukraine bezüglich der Shahed-Drohnen gemacht hatte.

    Für de vor einigen Wochen von westlichen Militärexperten diskutierte Möglichkeit, die russische Truppenluftabwehr mit westlichen Drohnen zu überlasten, dürfte sich damit allmählich das Zeitfenster schließen.

  51. war da nicht etwas offenbart, dass spätestens ende mai ukra keine luftabwehr mehr hat?

    wie kann dann milley dann prophetisch «sehen», dass dieser krieg nicht dieses jahr endet?

    milley macht wohl schadensbegrenzung – wenn ukra fällt, wird die presse und viele «influenzer» nach dem schuldigen suchen – der werte-westen hat nicht ernsthaft versucht ukra zu helfen – ich fürchte «schland» wird das meiste abkriegen.

    • «war da nicht etwas offenbart, dass spätestens ende mai ukra keine luftabwehr mehr hat?»

      Die Behauptung (in geleakten Dokumenten) war, dass die S-300- und Buk-Raketen ausgehen und nicht nachbeschafft werden können. Daraus, und daraus, dass der Westen nicht so viele Patriot- und IRIS-T SLM-Systeme liefern kann, wie die Ukraine S-300- und Buk-Systeme hat, war die Befürchtung abgeleitet worden, dass sich die Luftüberlegenheit der russischen Seite zu einer Luftherrschaft ausweiten könnte.

      Russland hat aber nach Ende des Winters die Angriffsintensität mit (insbesondere) Marschflugkörpern nicht aufrechterhalten. Daher würde ich annehmen, dass die Abwehrraketenbestände der Ukraine langsamer abgenommen haben, als man zunächst befürchtet hatte.

      Dennoch ist die Abnutzung der ukrainischen Luftverteidigung ein erhebliches Problem für eine geplante Großoffensive.

  52. OT – meine frage am anfang wg. gain of function bei cov19 – hab einen denkfehler gemacht – mutation als zu langsam angesetzt, denn durch nat. mutationen kann es auch erreicht werden, aber wg. der zeit zw. 1-2j alten corona-verläufer und dem aktuellen corona-19-genom hätte es nahezu ausgeschlossen werden können, das covid-19 es alleine geschafft hat die beiden wichtigen teile zu «erzeugen» oder zu importieren: purin-spalte und ACE2-spike.

    IMO: corona-viren sind ja an sich nicht tödlich (meistens und im vergleich zu ebola&co ) – mit gain of function wurde es nur für menschliches gewebe ansteckbar gemacht zu forschungszwecken – das ist ja auch der sinn von GoF. es fand kein versuch statt, eine bio. waffe zu erzeugen….

    wir leben in merkwürdigen zeiten, denn es gibt nur noch für oder gegen – gut gegen böse… daher gibt es eine erweiterung Ihres parteikartells: meinungskartell

    übrigens – ein gerücht: tucker carlson wurde kaltgestellt, aber nicht entlassen – er darf also nicht arbeiten bis 2025, kassiert 20 mio p.a. maulkorbgeld – !wft! – merkwürdige zeiten!

  53. militaryland.net

    In der Nähe von Ivanivske (südlich von Bachmut an einer Verbindungsstrasse) hat die ukrainische Seite etwas Boden gutgemacht.

    Im Westen von Bachmut wird heftig gekämpft, jedoch gab es in den letzten 48 Stunden keine nennnenswerte Verschiebung der Kontaktlinie.

    [izitiwab: Das dürfte die Wut von Wagner-Chef Prigoschin erklären. Von dem angeblich für heute geplanten Erstaz von Wagner durch die tschtschenischen Achat-Söldner Kadyrows ist aber bisher nichts zu bemerken]

    An der Südfront herscht (laut militaryland.net) Ruhe.

    • «…gab es in den letzten 48 Stunden keine nennnenswerte Verschiebung der Kontaktlinie»

      20:49 Uhr
      Wagner-Chef befürchtet Einkesselung in Bachmut
      Der Chef der russischen Söldner-Truppe Wagner befürchtet eine Einkesselung seiner Einheit in den Kämpfen um die ostukrainische Stadt Bachmut. «Angesichts fehlender Munition droht sich der «Fleischwolf» nun in umgekehrter Richtung zu drehen», schrieb Jewgeni Prigoschin am Abend auf Telegram. (falls die Uebersetzung stimmt-neraz) Wegen hoher Verluste habe Wagner den Flankenschutz regulären Einheiten der russischen Armee überlassen müssen, die nach heutigen Berichten ukrainischer Militärs bis zu zwei Kilometer zurückgedrängt wurden. Es besteht jetzt die ernsthafte Gefahr der Einkesselung von Wagner durch den Zusammenbruch der Flanken», schrieb Prigoschin. (tagesschau.de)

  54. Institute for the Study of War

    Diese Quelle behauptet ein leichtes Vorrücken der russischen Seite im Westen von Bachmut und bezieht sich auf am 8. Mai veröffentlichte geolokalisierte Videos.

    [izitiwab: Das muss kein Widerspruch sein. Das Vorrücken könnte am 7. Mai stattgefunden haben]

    Für den Süden berichtet das ISW von russischen Artillerieangriffen.

  55. Interessant ist, daß das Trommeln für mehr Waffen der Linken kein zehntel Prozent gebracht hat. Man liegt stabil bei 4%.
    Immerhin muß ich von meiner damaligen Prognose nicht abrücken, als ich im Freitag Luft nach unten gesehen habe. Freunde habe ich mir damit nicht gemacht, aber das war ja auch nicht die Absicht.
    Das demonstrative Mitschwimmen im Strom lohnt nicht immer. Man ist bei den Großen dabei und entgeht Kritik, aber hat es etwas gebracht? Stimmen gegen eine Verlängerung des Krieges durch immer weitere Eskalation gibt es kaum. Man hätte eine bessere Position finden können.
    Da die Linke mittlerweile entbehrlich geworden ist, spielt das allerdings auch keine Rolle mehr.
    Nach den viele Reaktionen und Maßnahmen bezüglich Ukraine, interessiert mich vor allem, wie man bei einem ähnlich gelagerten Fall in der Zukunft vorgeht. Bleibt man bei der jetzigen Linie, den jetzigen Argumenten und Maßnahmen?

  56. Zwischendurch mal ein Liedtext von Reinhard Mey.

    Sei wachsam

    Ein Wahlplakat zerrissen auf dem nassen Rasen
    Sie grinsen mich an, die alten aufgeweichten Phrasen
    Die Gesichter von auf jugendlich gemachten Greisen
    Die dir das Mittelalter als den Fortschritt anpreisen
    Und ich denk′ mir, jeder Schritt zu dem verheiß’nen Glück
    Ist ein Schritt nach ewig gestern, ein Schritt zurück
    Wie sie das Volk zu Besonnenheit und Opfern ermahnen
    Sie nennen es das Volk aber sie meinen Untertanen
    All das Leimen, all das Schleimen ist nicht länger zu ertragen
    Wenn du erst lernst zu übersetzen, was sie wirklich sagen
    Der Minister nimmt flüsternd den Bischof beim Arm:
    «Halt′ du sie dumm, ich halt› sie arm!»

    Sei wachsam
    Präg› dir die Worte ein!
    Sei wachsam
    Und fall nicht auf sie rein!
    Paß auf, dass du deine Freiheit nutzt
    Die Freiheit nutzt sich ab, wenn du sie nicht nutzt!
    Sei wachsam
    Merk dir die Gesichter gut!
    Sei wachsam
    Bewahr dir deinen Mut
    Sei wachsam
    Und sei auf der Hut!

    Du machst das Fernsehen an, sie jammern nach guten, alten Werten
    Ihre guten, alten Werte sind fast immer die verkehrten
    Und die, die da so vorlaut in der Talk-Runde strampeln
    Sind es, die auf allen Werten mit Füßen rumtrampeln
    Der Medienmogul und der Zeitungszar
    Die schlimmsten Böcke als Gärtner, na wunderbar!
    Sie rufen nach dem Kruzifix, nach Brauchtum und nach guten Sitten
    Doch ihre Botschaften sind nichts als Arsch und Titten
    Verrohung, Verdummung, Gewalt sind die Gebote
    Ihre Götter sind Auflage und Einschaltquote
    Sie biegen die Wahrheit und verdrehen das Recht
    So viel gute alte Werte, echt, da wird mir echt schlecht!

    Sei wachsam
    Präg′ dir die Worte ein!
    Sei wachsam
    Und fall nicht auf sie rein!
    Paß auf, dass du deine Freiheit nutzt
    Die Freiheit nutzt sich ab, wenn du sie nicht nutzt!
    Sei wachsam
    Merk dir die Gesichter gut!
    Sei wachsam
    Bewahr dir deinen Mut
    Sei wachsam
    Und sei auf der Hut!

    Es ist ′ne riesen Konjungtur für Rattenfänger
    Für Trittbrettfahrer und Schmiergeldempfänger
    ‹Ne Zeit für Selbstbediener und Geschäftemacher
    Scheinheiligkeit, Geheuchel und Postengeschacher
    Und sie sind alle hochgeachtet und sehr anerkannt
    Und nach den Schlimmsten werden Plätze und Flugplätze benannt
    Man packt den Hühnerdieb, den Waffenschieber lässt man laufen
    Kein Pfeifchen Gras, aber ′ne ganze Giftgasfabrik kann du kaufen
    Uch› die Luft,
    Vertstrahl das Land, mach ungestraft den größten Schaden
    Nur lass Dich nicht erwischen bei Sitzblockaden!
    Man packt den Grünfried, doch das Umweltschwein genießt Vertrau′n
    Und die Polizei muss immer auf die Falschen draufhau’n

    Sei wachsam
    Präg′ dir die Worte ein!
    Sei wachsam
    Und fall nicht auf sie rein!
    Paß auf, dass du deine Freiheit nutzt
    Die Freiheit nutzt sich ab, wenn du sie nicht nutzt!
    Sei wachsam
    Merk dir die Gesichter gut!
    Sei wachsam
    Bewahr dir deinen Mut
    Sei wachsam
    Und sei auf der Hut!

    Wir hab’n ein Grundgesetz, das soll den Rechtsstaat gerantier’n
    Was hift′s, wenn sie nach Lust und Laune dran manipulieren
    Die Scharfmacher, die immer von der Friedensmission quasseln
    Und unterm Tisch schon emsig mit dem Säbel rasseln?
    Der alte Glanz in ihren Augen beim großen Zapfenstreich
    Abteilung kehrt, im Gleichschritt marsch, ein Lied und Heim ins Reich!
    «Nie wieder soll von diesem Land ein Krieg ausgehen!»
    «Wir müssen Flagge zeigen, dürfen nicht beiseite stehen!»
    «Rein humanitär natürlich und ganz ohne Blutvergießen!»
    «Kampfeinsaätze sind jetzt nicht mehr so ganz auszuschließen»
    Sie ziehen uns immer tiefer rein, Stück für Stück
    Und seit heute früh um fünf Uhr schießen wir wieder zurück

    Sei wachsam
    Präg′ dir die Worte ein!
    Sei wachsam
    Und fall nicht auf sie rein!
    Paß auf, dass du deine Freiheit nutzt
    Die Freiheit nutzt sich ab, wenn du sie nicht nutzt!
    Sei wachsam
    Merk dir die Gesichter gut!
    Sei wachsam
    Bewahr dir deinen Mut
    Sei wachsam
    Und sei auf der Hut!

    Ich hab Sehnsucht nach Leuten, die mich nicht betrügen
    Die mir nicht mit jeder Festrede die Hucke voll lügen
    Und verschon› mich mit den falschen Ehrlichen
    Die falschen Ehrlichen, die wahren Gefährlichen!
    Ich hab′ Sehnsucht nach einem Stück Wahrhaftigkeit
    Nach ’nem bisschen Rückgrat in dieser verkrümmten Zeit
    Doch sag die Wahrheit und du hast bald nichts mehr zu Lachen
    Sie wer′n dich ruinier’n, exekutier′n und mundtot machen
    Erpressen, bestechen, versuchen dich zu kaufen
    Wenn du die Wahrheit sagst, lass draußen den Motor laufen
    Dann sag› sie laut und schnell, denn das Sprichwort lehrt:
    Wer die Wahrheit sagt braucht ein verdammt schnelles Pferd!

    Sei wachsam
    Präg› dir die Worte ein!
    Sei wachsam
    Und fall nicht auf sie rein!
    Paß auf, dass du deine Freiheit nutzt
    Die Freiheit nutzt sich ab, wenn du sie nicht nutzt!
    Sei wachsam
    Merk dir die Gesichter gut!
    Sei wachsam
    Bewahr dir deinen Mut
    Sei wachsam
    Und sei auf der Hut!

    • Danke. Heute noch so gueltig wie damals.

      Nur, dass der Gruenfried jetzt weder richtig gruen noch unbedingt friedlich ist. Und die Gesichter muessen auch nicht mehr bei jeder/m auf jugendlich gemacht werden. Heute gibt’s auch junge Greise.

      Das ist uebrigens auch noch gueltig (leider):

      «Ja auch dich haben sie schon genauso belogen, so wie sie es mit uns heute immer noch tun…»

  57. bis auf bahkmut und zwei andere stellen gibt es keine frontbewegung – weil ukra. gegenoffensive im anmarsch und mögliche konter-offensive der russen wenn dann….

    ist es nicht allzu bequem für beide seiten nicht zugeben zu müssen, man habe fertig?
    angriffe im hinterland bei eingefrorener front – da gabs doch schon zw. 2015-2022 (feb)…

    • Ich denke auch, dass beide Seiten fertig haben. Man kann aber argumentieren, dass diese Situation auch am 18. November 1914 gegeben war. Der deutsche Generalstabschef Falkenhayn hat damals dem Reichskanzler Hollweg sogar vorgeschlagen, Verhandlungen über ein Kriegsende (Separatfrieden unter Ausschluss Grossbritanniens) zu führen.

      • Ich glaube nicht, daß es genügt in einen gewissen Stillstand gekommen zu sein. Innere und äußere Faktoren werden ein schnelles Kriegsende verhindern. Der Westen möchte mehr erreichen, Russland schaut auf die Außenwirkung und hat Interessengruppen im Innland.
        Den Krieg weiterzuführen ist in dieser Situation leichter als aus diesem Debakel wieder rauszukommen.
        Man hat die Auseinandersetzung verbal extrem hochgetrieben, das hinterläßt bleibende Spuren die nicht so schnell abgebaut werden können.
        Bei den Sanktionen sieht es ähnlich aus. Die Schäden in Ost wie West sind da, man muß darauf wenig Rücksicht nehmen, denn ein Normalisieren ist in absehbarer Zeit kaum denkbar.

      • obendrein kämpfen an den 3 abschnitten wohl nur die wagnerians und die soldaten der neuen «republiken» von luhansk + donetz.

        keine flugzeuge während der 9.mai parade – wohl alle in bereitschaft oder kaputt. oder es ist deren strategie sich schwach zu zeigen/passiv.

        heute, am 11. gibt es gerüchte: chef der AFU Zaluzhny und Commander of the Eastern Group of Forces, Colonel-General Oleksandr Syrsky/Syrskyi sind KIA oder nur verschwunden.
        hinzu kam heute Zelenski erklärung: Ukraine braucht etwas mehr Zeit, um sich auf eine Gegenoffensive vorzubereiten…
        nun sagt mir meine glaskugel sie wollen in nächsten tagen starten…soll ja eine überraschung werden!

        • ergänzung Zelenskis kommentar:

          Ukraine needs «a bit more time» to launch its much-anticipated counteroffensive as the country is waiting for the delivery of pledged military aid, President Volodymyr Zelensky said, as reported by BBC on May 11.

          «With (what we already have), we can go forward, and, I think, be successful,» Zelensky said in an interview for public broadcasters such as the BBC. «But we’d lose a lot of people. I think that’s unacceptable. So we need to wait.»

          er realisiert wohl, wenns schief geht, wird die führung der ukraine dies nicht überleben/überdauern…
          ich hab trotzdem zweifel, ob er so in der öffentlichkeit überhaupt die wahrheit sagen will!

          • Ich denke, die wollen nur noch mehr Waffen bei den Verbuendeten rausleiern.

            Vorhin habe ich gerade gehoert, dass Melnyk (der wohl demnaext Botschafter der Ukraine wird – herzl. Glueckwunsch!) von Deutschland das Dreifache an Panzern will.

            Und der Chef der wagnerians hat heute erneut gesagt, dass die ukrain. Offensive schon angefangen hat.

            ich glaube, hier wird von niemanden mit offenen Karten gespielt.

              • Das wird bestimmt sehr hilfreich sein, Melnyk in Brasilien. Ich meine für Lula, der da nicht die westliche Meinung vertritt und schon gar nicht die ukrainische. Wenn Melnyk dort eine Weile seine Sprüche macht, wird Lulas Meinung zu dem Thema unglaublich an Popularität in der brasilianischen Bevölkerung gewinnen.

                • Ich denke schon, dass es fuer die ukran. Fuehrung hilfreich ist, wenn die den Ruepel moeglichst fern von sich (und den Verbuendeten) halten, nachdem er jetzt auch sehr unfeine Worte fuer seinen Nachfolger gefunden und zudem sich Lula vor kurzem erst kritisch zur Ukraine geauessert hat.

                  Zwei Fliegen mit einer Klappe sozusagen.

                    • Na ja, Sinn hat’s nicht. Allerdings bringt Brasilien aus ukrain. Sicht ihnen auch keinen Nutzen. Deshalb war das ja auch kein Problem, dass man Lula, (als vorrauss. neuen Praesidenten) mit auf die «schwarze Liste» gesetzt hatte – im Juli ’22.

                      Also, ich denke mal, wenn sie M. dahin abschieben, ist das noch das geringste aller Uebel.

                    • Das sehe ich anders. Irgendwann wird die Ukraine ja verhandeln müssen (wenn sie nicht zusammenbricht, was eher unwahrscheinlich ist). Dann braucht man Vermittler und es ist deshalb nicht so schlau, allen möglichen Vermittlern in die Hand zu beissen.

  58. Die USA haben Millionen Dollar auf einem Konto von Malofeev beschlagnahmt und bezeichnen diese nun als die erste Überweisung von russischen Geldern an die Ukraine.
    Er wird beschuldigt, US Sanktionen nicht befolgt zu haben.
    Die Beschlagnahmung von russischem Privat- und Staatsvermögen ist juristisch umstritten.
    Es ist anzunehmen, daß einige Länder wie China zum Beispiel ihre Kapitalanlagen in USA verringern werden um dem zu entgehen. China hat schon angefangen seine Vermögenswerte dort etwas zu senken. Das könnte sich beschleunigen.
    Europa will und muß dafür mehr in den Vereinigten Staaten investieren und könnte das ausgleichen. Das ergäbe nicht nur eine Umschichtung von Kapital sondern auch eine Verlagerung politischer Interessen.
    China ist in vielen Ländern aktiv und für den Westen wird es schwerer solche Länder auf seiner Seite zu halten. Man wird es mit Geld und Druck versuchen, aber Macht und Geld ist endlich.
    Das Problem, wenn man eigene Grundsätze teilweise in Frage stellt, verläßt sich in Zukunft keiner mehr darauf.
    China ist unserem Beispiel in Ansätzen schon gefolgt und überlegt, sich vom Westen unabhängiger zu machen. High-End Chips sind da ein Thema. Man liegt noch einige Jahre zurück, aber es ist zu erwarten, daß die Aufholjagd gelingt.
    In der PKW Produktion hat es funktioniert, Westimporte werden wohl sinken. Gerade Deutschland hat in diesem Bereich sehr hohe Stückzahlen exportiert. Das könnte im Massenmarkt ein Problem werden.
    Die Grünen wirds freuen, aber auch damit wird die Energiewende bezahlt.

  59. ich kann Zelensky nicht verstehen*1 oder seine entscheidungen nachvollziehen, falls er ernsthaft seinen wahlsieg@18? verantwortlich führt oder eben als ukr-präsident – aka leitwolf*2 – seines volkes eben seine «untertanen» vom schaden fernhält. sorry klingt bissl gestelzt…

    denn er wirft sein volk (mehrheitlich betrachtet) ins abseits, in den abgrund – wg. einer minderheit voll von rache/ressentiments – ist meine sicht – sieht Ihr hier dies anders?

    oh gott mir fällt grad ein, ein halber sieg macht Z doch wieder salonfähig – aber zelenski ist zu jung für so viel zynismus.

    ___________________________________________________
    1* endgame des konflikts in der vorstellung von Zelenski – ich seh nichts positives für ukraine….

    2*führer wollte ich grad nicht schreiben!

    • Psychologisch verstehen kann ich es schon.Die ukrainische Führung fühlt sich im Recht und die Ukraine ist nun mal angegriffen worden.

      Für rational halte ich die Reaktion gleichwohl nicht. Sich vor dem Krieg auf der Basis des Kräfteverhältnisses zu einigen oder wenigstens Ende März/Anfang April 2022 den Krieg durch ein Abkommen zu beenden, wäre für die Ukraine als Staat und für die meisten Ukrainer als Menschen deutlich besser gewesen.

    • «ein halber sieg macht Z doch wieder salonfähig»

      Nee, da hat er sich schon viel zu weit aus dem Fenster gelehnt. Abgesehen davon, dass ich meine, Selenskyj ist wirklich von der Rueckeroberung aller Gebiete ueberzeugt, muesste er bei einem Einknicken sehen, dass er da noch lebend aus dem Land rauskommt.

  60. miltaryland.net

    Die ukrainischen Truppen haben das Bakhmut Industrial College zumindest teilweise zurückerobert.

    Es gibt einen weitern Hinweis darauf, dass die ukrainische Seite versucht, in und um Bachmut zur Gegenoffensive überzugehen.

    Avdiivka:

    «Die russischen Streitkräfte haben die Siedlung Kamjanka nordöstlich von Avdiivka eingenommen. Gerüchte über die Einnahme gab es schon länger, aber erst jetzt haben wir eine visuelle Bestätigung.»

    «Die ukrainischen Truppen versuchten, nach Vodyane vorzustoßen. Sie erreichten den Damm, wurden aber von den Russen beschossen und zogen sich zurück.»

    Das Institute for the Study of War berichtet ebenfalls, teils unter Berufung auf russische Milblogger, von ukrainischen Gegenangriffen in und um Bachmut.

  61. London liefert nun Raketen mit höherer Reichweite, 250km, damit die Krim erreicht werden kann.
    Man zaudert öffentlichkeitswirksam, aber jeden Monat legt man eine Schippe drauf.
    Kampfjets in größerer Zahl scheint da nur eine Frage der Zeit zu sein. Vielleicht auch eine Söldnerarmee, vom Westen finanziert.
    Bevor der Krieg nicht ganz oben angekommen ist, will man wohl Friedensbemühungen hinten anstellen.

    • Sein› Se mal nicht so streng mit der jungen Dame!

      Nachdem das schon vor 30 Jahren fuer die Millennium-Spiele zum Disaster wurde, versucht man’s halt nochmal.

      Dient ja auch zur Aufarbeitung bzw. Wiedergutmachung.

      Und wenn dann event. vielleicht sogar mal wieder bela- bzw. russische Sportler (freilich im neutralen Look) daran teilnehmen duerfen, ist das doch okay.

        • Davon gehe ich aus. Wozu sollte es denn sonst noch Olympia-Stadion heissen, wenn nicht an die Spiele von ’36 angeknuepft werden soll? Die meisten grossen Stadien heissen doch inzwischen Arenen und tragen den Namen von Sponsoren.

          Im Uebrigen: «Nazi» darf man schreiben. Faengt zwar mit «N» an, ist aber nicht das N-Wort. Wird in Deutschland sogar inflationaer benutzt.

          • «Faengt zwar mit «N» an, ist aber nicht das N-Wort. Wird in Deutschland sogar inflationaer benutzt.»

            Das kann man so sagen. Man muss nur mal den Fernseher einschalten und einen Spartensender wählen. Die Wahrscheinlichkeit ist erstaunlich hoch, dass gerade irgendein Film über das Dritte Reich oder die Vorgeschichte desselben läuft.

            Irgendetwas an diesen Filem muss die Leute (oder auch nur die Programmgestalter) faszinieren. Ich finde das bedenklich.

            • Ich denke mal, die muessen das. Da gibt es bestimmt eine Vorgabe (vielleicht noch aus dem «Potsdamer Abkommen»).

              Nur in Dauerschleife und jeden Gang auf’s Klo von Hitler bis ins Detail zu analysieren, ist wohl nicht der richtige Weg.

              Zumal die Jugend sowieso kaum noch Fernsehen guckt und den meisten Alten haengt diese «Erziehung» wohl zum Halse raus.

              • Ich bin nicht mal sicher, dass das als Erziehung funktioniert. Ich habe aus Neugier mal ein paar solcher Filme geschaut. Der Typ hatte definitiv etwas hypnotisches, das auch in den Filmen noch herüberkommt (Thomas Manns «Mario und der Zauberer» wird verständlicher, wenn man Originalaufnahmen sieht). Die Hugo-Boss-Uniformen machen bestimmt auch Leuten Eindruck, die auf so etwas stehen. Mindestens ein Teil des Publikums wird von diesen Filmen fasziniert.

                • Weiss nicht.

                  «Die Hugo-Boss-Uniformen machen bestimmt auch Leuten Eindruck, die auf so etwas stehen.»

                  Sie denken da wahrsch. an Leute aus der LGBTIQ+ -Gemeinde. Moeglich.

                  Echte Nazis werden sich aber solche Filme wohl nicht angucken, weil sie das BRD-deutsche Fernsehen verachten.

                  • Der «Typ» ist der Unaussprechliche. «Mario und der Zauberer» ist eine Novelle über den Faschismus (in diesem Fall mit dem italienischen Faschismus im Hintergrund). Der Zauberer verkörpert das Demagogische, das Menschen Hypnotisierende faschistischer Führer. Hitler hatte das sicher, aber Goebbels hatte das auch («Wollt Ihr den totalen Krieg?»).

              • Ich denke auch, es gibt Vorgaben oder sogar gesetzliche Regelungen. Die Masse dieser Filme ist teilweise enorm. Wenn es erzieherisch wirke, dann ist wohl der Effekt verblasst. Auch aufgrund der Anzahl der Sendungen.
                Bei den nachfolgenden Generationen hat sich damit ein Schuldgefühl entwickelt, das leicht ins Gegenteil umschlagen kann, da diese Generationen in eine Art Sippenhaft genommen werden. Es ist schwer zwischen Verantwortung und Schuldgefühl zu trennen, besonders bei später geborenen die ja definitiv keine Schuld tragen.
                Was man damals versäumte, kann die nachfolgende Generation nicht tragen ohne psychische Probleme. Diese kann nur gegen neue Erscheinungen vorgehen und sich positionieren. Alles andere wäre die Übernahme einer Schuld von Anderen .

                • Ich fand den Schuldkomplex bei meiner ersten Israel-Reise eher hinderlich. Er hat zu einer Befangenheit geführt, welche die Gastgeber nicht wollten. Natürlich haben wir als Deutsche, historisch gesehen, ein besonderes Verhältnis zu den Juden, das sich aber auch nicht auf den einen Aspekt verengen lässt, so monströs dieser Aspekt auch ist.

                  Aus meiner Sicht sollte man die besondere Verantwortung auch jetzt noch anerkennen, aber Schuldgefühle sind bei den Nachgeborenen fehl am Platze. Das würde ja dann eine Erbschuld implizieren.

                  Ich denke, das Verhältnis wird ein besonderes bleiben, so lange noch indirekt Betroffene leben. Das kann ich erläutern. Ich bin von deutscher Seite indirekt betroffen, weil ich meine Großeltern kennengelernt habe und meine Großeltern zu dieser Zeit handelnde Personen waren. Meine Nichte ist nicht mehr indirekt betroffen. Sie kennt niemanden persönlich, der in dieser Zeit aktiv war.

                  Die Probleme der auf meine Generation folgenden Generationen sind andere.

                  • Faktisch kann es eine Erbschuld nicht geben. Ich glaube aber, sie hat sich trotzdem zumindest teilweise etabliert und hat Auswirkungen auf Sichtweisen und politische Entscheidungen.
                    Das wirkt sich auch auf die palästinensische Bevölkerung aus, ebenso auf Zuwendungen oder Wertungen von politischen Maßnahmen, dort wie hier.
                    Ein normalisiertes Verhältnis ist sicher noch lange nicht möglich. Ich sehe das auch in Bezug auf kritische Sichtweisen israelischer Politik, die sehr schnell im antisemitischen Bereich verortet werden.
                    Man muß sehr vorsichtig sein mit seinen Äußerungen und das hat natürlich ein befangenes Verhalten zur Folge.

                    • «Ich sehe das auch in Bezug auf kritische Sichtweisen israelischer Politik, die sehr schnell im antisemitischen Bereich verortet werden.»

                      Zweifelslos.

                      Andererseits sehe ich einen Grossteil unter den Linken (in anderen Landern noch deutlicher), wo ich das Gefuehl habe, dass die Israel besonders stark -naja meinetwegen- «kritisieren», waehrend die sich fuer Ungerechtigkeiten in anderen Laendern weit weniger interessieren. Wenn’s um Palaestina geht, da wird auch ganz offen mit echten Antisemiten demonstriert. Und was soll «BDS»? Wuesste nicht, das man solche Forderungen auch gegen andere Staaten anbringt – nicht mal gegen die USA. (seit der Apartheid in Suedafrika zumindest nicht mehr)

  62. Die Situation an der Donbass-Front ist derzeit unübersichtlich. Einerseits ist klar, dass die ukrainische Seite entegen ihren offiziellen Verlautbarungen versucht hat, eine Großoffensive einzuleiten. Andererseits ist unklar, inwieweit sie vorgerückt ist und inwieweit die russische Seite bei lokalen Gegenoffensiven erfolgreich war.

    Das Institute for the Study of War (ISW) räumt ein, dass der russischen Seite unter Einsatz von Panzern und Schützenpanzern «geringfügige Vorstöße westlich von Spirne» gelungen sind. Das belegen geolokalisierte Aufnahmen.

    Klar ist auch, dass die ukrainische Seite Angriffe mit langreichweitigen Waffen im Hinterland ausführt. Das ISW schreibt: «Geolokalisierte Aufnahmen zeigen die Folgen der Explosionen in der Luhansker Maschinenfabrik in der Stadt Luhansk (etwa 80-100 km hinter der Frontlinie) am 12. Mai». Nach Angaben örtlicher Behörden soll dieser Angriff mit ukrainischen Raketen Grom-2 (Reichweite 250 km, es gibt auch Angaben bis 500 km) durchgeführt worden sein.

    Zu Bachmut schreibt das ISW: «Die russischen Streitkräfte setzten ihre Bodenangriffe in und um Bakhmut am 12. Mai vor dem Hintergrund örtlich begrenzter ukrainischer Gegenangriffe fort. Geolokalisiertes Bildmaterial, das am 12. Mai veröffentlicht wurde, zeigt, dass die russischen Streitkräfte zwischen den Straßen Marschall Tolbuchin und Iryna Levchenko im Nordwesten von Bakhmut vorgerückt sind.»

    Avdiivka, ISW: «Geolokalisiertes Material, das am 11. Mai veröffentlicht wurde, zeigt, dass die russischen Streitkräfte etwa 2 km südöstlich von Avdiivka geringfügige Fortschritte gemacht haben.»

    Zur Südfront gibt es nur widersprüchliche Gerüchte. Man darf wohl davon ausgehen, dass dort derzeit keine größeren Kampfhandlungen im Gange sind.

  63. Selenskyi kommt nach Deutschland, am Wochenende.
    Er wird uns loben bezüglich der Waffen und Gelder, weitere Lieferungen anmahnen.
    Der stellvertretende CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende Johann Wadephul meint, auch mit deutschen Waffen und Panzern sollte das russische Kernland angegriffen werden können. Bisher gab es da noch Vorbehalte.
    Ich schätze mal, das weckt Erinnerungen.
    Sollte noch 1 deutscher Militärangehöriger/Ausbilder/Beobachter in einem solchen Panzer sitzen, wäre die russische Generalmobilmachung nicht weit.
    Der Westen würde darauf reagieren und wir wären wieder eine Stufe weiter.
    Das Karusell dreht sich weiter und in den nächsten Monaten wird sich fast sicher eine weitere Eskalation ergeben.
    Die allgemeinen Rüstungsanstrengungen werden sich in vielen Ländern langsam bemerkbar machen, man darf gespannt sein welche Kürzungen wen betreffen.

    Die BW möchte den Kampfhubschrauber Tiger loswerden bzw ersetzen. 9 von 51 sollen nur einsatzbereit sein. Umfassend betrachtet, was macht die BW eigentlich mit den ca 50 Milliarden Euro jährlich? Wohin fließt das Geld? Die Gehälter können ja nicht den Löwenteil ausmachen. Und das Material scheint in größerem Umfang marode zu sein. Womöglich fehlt auch noch der TÜV.

    • «Wohin fließt das Geld?»

      Na jetzt erstmal wieder Waffen im Wert von 2,7 Mrd.€ an die Ukraine verschenken. Das laeppert sich so zusammen. (Oder kommt das aus einem anderen Topf?)

      «…auch mit deutschen Waffen und Panzern sollte das russische Kernland angegriffen werden können»

      Dazu Wadephul:

      „Die Ukraine beschränkt sich, anders als Russland, auf Angriffe auf Industrieanlagen, Tanklager, Verkehrs- und militärische Infrastruktur. Sie bombardiert keine Wohnkomplexe, Krankenhäuser oder Kindergärten – ganz anders als Russland.“

      • Herr Wadephul ist das militärische Genie, das im August 2021 bei Maybrit Illner in der Takshow die Verlegung von zwei Kampfhubschraubern des KSK nach Afghanistan zur Evakuierung deutscher Staatsbürger und von Hilfskräften vorangekündigt hatte.

        Was will man da erwarten, Kompetenz etwa?

        • Aus welcher mir verborgenen Quelle haben Sie das denn mit den 5 Mrd.? Aktuell sind mir nur die 2,7 Mrd. bekannt?

          Oder meinen Sie das Unterstuetzungsprogramm von der Schweiz? (Das ist aber schon von Ende Maerz.)

      • In Teilen kann man jetzt ja die Mechanismen erkennen, die zu solchen Situationen bzw Kriegen führen.
        Die Abhängigkeiten, die Emotionalität, die Einflüsse der Interessengruppen, Hybris, Selbstdarstellung….Einige Faktoren spielen da mit, ich sage Ihnen damit nichts Neues.
        Am 1. Weltkrieg habe ich auch lange Zeit geknabbert, hat gedauert bis ich die einzelnen Faktoren erkannt habe. Einiges wird mir trotzdem entgangen sein.
        Beim jetzigen Krieg sieht man auch deutlich, daß eine kleine Entscheidung evtl. in der Nachschau DER entscheidende Moment gewesen sein kann. Welcher es sein wird, warten wirs ab.
        Auf jeden Fall ist der Taumel gut erkennbar, der alle Optionen auf das militärische Agieren reduziert ohne zu fragen, ob es überhaupt eine Aufgabe des Militärs sein kann.
        Ich stelle mal die Behauptung auf, daß das Militär für diese Art der Problemstellung ungeeignet ist bzw überfordert. Nicht unbedingt beim militärischen Durchsetzungsvermögen, sondern auf das Ziel hin betrachtet.

      • in der schule hab ich «schlafwandeln» gelernt – heute sehe ich auch eine gewisse kriegsgeilheit als mitgrund. viel schlimmer ist aber dass WK I nicht nach 6 monaten beendet wurde.
        dann passt auch das eine buch dazu mit dem titel die urkatastrophe…

  64. Wir haben Waffen und Geld geliefert, zuzüglich Unterstützung und Flüchtlingsaufnahme.
    Wie erwartet bezeichnet uns Selenskyi nun als wahre Freunde der Ukraine.
    Nun, Freundschaft ist also käuflich.
    Von wem kaufen wir sie noch oder sind die Ressourcen nun erschöpft?
    Er bekommt heute den Karlspreis, wohl als Ausgleich, weil es im ESC nicht gereicht hat.
    Scholz meint, Deutschland hat nach den USA die zweithöchste monetäre Hilfe geleistet in Höhe von 17 Milliarden Euro. Die Flüchtlingshilfe dürfte nicht dabei sein.
    Wir sind also verläßliche Partner gegen Russland. Wir sind wieder wer.
    Bei US-Amerikanern dürfte sich das allerdings nicht auszahlen, diese sind Geschäftsleute und da muß ein Gewinn für die eigene Seite entstehen. Für Deutschland reichen warme Worte. Wir reichen diese dann an unsere Hilfsbedürftigen, Rentner oder Studenten weiter. So hat jeder seinen Anteil bekommen.

    • «Er bekommt heute den Karlspreis, wohl als Ausgleich, weil es im ESC nicht gereicht hat.»

      Nee – weil er Held Europas ist – stellvertretend (incl. USA) fuer uns alle haelt er seinen Kopf hin.

      Wenns um den ESC gaenge, muessten wir ja jedes Jahr den Preis bekommen.

          • «Habe nur die Schlagzeile mitbekommen, dass wir mal wieder Letzter geworden sind.»

            Das wusste ich nun wieder nicht. Gewonnen hat eine Schwedin, die schon mal gewonnen hat. Nicht mein liebster Musikstil, aber ein würdiger Titel für einen Preis.

            • & @Albatros

              Hatte den frueher mal (wenn ich da zufaellig zu Besuch war) mit meiner Mutter geguckt, wo Guildo Horn und Stefan Raab mit ausgesprochen wenig Inhalt noch teilgenommen hatten. Da habe ich mich dann wenigstens mit ihr immer amuesiert. Danach hat’s mich aber nicht mehr interessiert. Weiss nicht wie jetzt die Regeln sind und ob «unsere» Leistung wirklich so schlecht ist, aber dass wir immer Letzter oder fast werden, finde ich schon merkwuerdig.

              Ansonsten, wenn es zur Voelkerverstaendigung beitraegt und die Leute Party feiern, habe ich nichts dagegen. Besser als Krieg ist es allemal.

              • «Ansonsten, wenn es zur Voelkerverstaendigung beitraegt und die Leute Party feiern, habe ich nichts dagegen. Besser als Krieg ist es allemal.»

                Nun ja, Russland ist natürlich ausgeschlossen. Belarus ist schon 2021 ausgeschlossen worden, weil der hier verlinkte Text nach Meinung der Jury zu politisch war. Laut einer Petition feiere er Unterdrückung und Sklaverei.

                Soweit zum Thema Völkerverständingung beim ESC.

                • Ja gut – das war wohl nix 😉

                  Ich meine das aber in einer idealen Welt. Vielen Leuten macht das eben Spass. (Geschmack kann man ja nicht standardisieren oder messen.) Und von groesseren Randalen habe ich noch nichts gehoert. Aber vielleicht ist auch das mittlerweile anders. (Nehmen ja auch alle Voelker des ehemaligen Jugoslawien teil. Ausnahme Kosovo)

              • Ich denke mal, bei den ganzen Flaggen, den Kommentaren, den teilweise nicht nachvollziehbaren Entscheidungen ist es eher eine leicht multinationalistische Veranstaltung. Man könnte ja auch einfach Interpreten auftreten lassen, egal woher.
                Da die Nationalitäten besonders hervorgehoben werden, spielt natürlich auch etwas Politik mit hinein. Ebenso Ressentiments oder traditionelle Verbundenheiten.

      • Habe nicht viel vom ESC mitbekommen, ist nicht meine Welt. Aber wir haben den letzten Platz erfolgreich verteidigt. Gewinner, Schweden.
        Vor der präsentierten Musik graut mir eher.
        Sorry, wenn ich damit jemandem zu nahe trete.

  65. von wp: Zelensky, in private, plots bold attacks inside Russia, leak shows
    THE DISCORD LEAKS | U.S. intercepts reveal the Ukrainian’s leader’s aggressive instincts….
    By John Hudson….. https://www.washingtonpost.com/world/2023/05/13/zelensky-ukraine-war-leaked-documents/
    erstmals keine paywall – zelenski hat ja nicht unrecht, alle optionen offen zu halten. was mich so nervt ist, dass in usa,eu und d immer wieder das gegenteil behauptet wird – mit rückversicherung bei zelenski – wie grad heute :

    Die ukrainische Gegenoffensive werde sich auf durch Moskau besetztes Territorium konzentrieren, betont Selenskyj bei dem Treffen mit Bundeskanzler Scholz. Er sei bereit für Friedensverhandlungen @spiegel.

      • hab noch immer zugriff auf den wp-artikel – jetzt schon 3833 kommentare 😉 – wp erlaubt nur 1-2 artikel pro monat…weil es sich merkt dass Sie / Ihr schon dort gewesen seit… NYT auch…

        löschen Sie mal Ihre cookies – oder verwenden ein immer leeres zweitprofil für firefox/chrome…
        ich empfehle aber paar plugins für firefox :
        cookie autodelete (ist sehr gut einstellbar) – samt IDontCareAboutCookies (erspart man sich die bestätigungen wg. cookies), dann zwei selektive werbeblocker umatrix (pro seite einstellbar) und ublock origin (filterlisten + manuell) – dies braucht aber bissl übung…
        ohne guten werbeblocker kann man heute nicht mehr surfen.

        sofern Sie von einer festen IP-adresse surfen im uni-netzwerk – dann bitte tor-browser einsetzen 😉

    • Beim Papst hat er sich noch gegen Verhandlungen ausgesprochen. Vielleicht wäre es besser, gleich die USA zu fragen. Die haben eh die Planung, Aufklärung und die sogenannten Partner im Griff.

      • «Die haben eh die Planung, Aufklärung und die sogenannten Partner im Griff.»

        Hätten sie wenigstens gern. Es herrscht Krieg. Niemand hat etwas im Griff, sonst hätte der Krieg bereits mit dem Sieg einer Seite geendet.

        • Man erwähnt gerne, «es sind Entscheidungen der Ukraine»……….
          Das ist nicht so. Die Ukraine ist in jeder Hinsicht abhängig von der NATO/USA plus Anhang.
          Welche Informationen durch die Aufklärung erreichen die Ukraine? Das wird in Washington entschieden. Welche Waffen, wieviel Geld ebenso eine Entscheidung des Auslands.
          Der Krieg wird ausschließlich durch ausländische Unterstützung weiter führbar gehalten. Und diese Unterstützung unterliegt ganz eindeutig bestimmten Interessen.
          Ob der Krieg in welcher Form und in welcher zeitlicher Dimension weitergeht entscheidet nicht Selenskyi.
          Im Höchstfall kann er Verhandlungen anbieten und auf ausländische Unterstützung verzichten. Damit bräche aber selbst der Staatshaushalt zusammen.
          Sie meinen wohl eher den Verlauf, die Unwägbarkeiten bzw das mögliche Kriegsende. Da sind sicher Überraschungen möglich, aber einige Maßnahmen sind nicht für jede Nation zur Disposition offen. Das hätte Konsequenzen im westlichen Lager.

          • «Man erwähnt gerne, «es sind Entscheidungen der Ukraine»……….
            Das ist nicht so. Die Ukraine ist in jeder Hinsicht abhängig von der NATO/USA plus Anhang.»

            Da gebe ich Ihnen natürlich Recht. Es gibt zwar auch eine starke Fraktion in der ukrainischen Politik, die lieber bis zum letzten Soldaten kämpfen würde, als Russland auch nur ein Zoll breit ukrainischen Bodens (einschließlich der Krim) zu lassen. Aber die Ukraine ist de facto bankrott, wird die Kosten der Waffenlieferungen nicht einmal als Kredit tragen können und kann selbst nicht in ausreichender Menge Waffen und Munition produzieren.

            Die Ukraine stellt in diesem Krieg das Kanonenfutter. Es handelt sich durchaus um eine Symbiose. Der Westen hat das Geld und die Waffenindustrie, nicht aber Soldaten, die solch ungeheure Opfer bringen würden. Die Ukraine hat das Geld und die Waffenindustrie nicht, es gelingt ihr aber (vorerst), genug Leute zu mobilisieren, die in den Tod gehen.

            • So würde ich das auch sehen.
              Da der Westen nur als «Unterstützer» agiert ist man vor mancher Kritik sicher. Daher die Beteuerungen, das ist ein Krieg zwischen der Ukraine und Russland.
              Wir verorten uns eher auf dem humanitären bzw solidarischen Sektor. Ganz ohne Eigeninteressen. Ziel ist der Sieg, egal was es kostet. Bis jetzt zumindest.
              Was ist nach dem Krieg? Wie kommt der Westen an die russischen Rohstoffe? Nachdem Russland, wie man sagt, ruiniert ist, brechen dort Bürgerkriege aus? Eine Situation wie in Jugoslawien?
              Welches Land fühlt sich dann als nächstes bedroht mit militärischen Basen in der Ukraine?
              Ich schätze, einige werden profitieren, der Kriegsausgang wie auch immer, wird mehr Probleme schaffen als lösen. Und ich bin sicher, die werden uns Jahrzehnte beschäftigen.
              Das war die NATO Ausweitung nicht wert. Die politische Riege ist dann in die Pension abgewandert und die Nachfolger stehen vor einem Trümmerhaufen.
              Krieg gegen Russland, aber nicht in westlichen Ländern, so scheint die Devise zu sein. Daher muß man die Bürger in den Kriegswillen treiben, sonst kann man die Gesamtkosten von sicher über 1000 Milliarden nicht verkaufen. Den Wiederaufbau rechne ich ein.
              Daher «müssen» wir auch bedroht sein, ebenso alle anderen Länder der Welt, um die kommenden Kürzungen und Schulden durchsetzen zu können. Bisher hat man das noch nicht realisiert.
              Nachdem man noch mit vielen Toten rechnen kann, wie sieht danach die Ukraine aus? Dann vielleicht in der NATO und EU. Ist sie dann das Gebilde das wir haben möchten?
              Die USA werden sich aus dem Ergebnis das passende herauspicken, der Rest ist EU Sache.
              Sind wir wirklich so bescheuert?

                • «Baerbock ärgert sich über sich selbst

                  Russland führe einen brutalen Krieg gegen die Ukraine, das sei auch ein Krieg gegen die europäische Friedensordnung und das Völkerrecht, heißt es in einer Erklärung des Auswärtigen Amtes. Baerbock habe betont, dass Europa gegen diesen Krieg zusammenhalten müsse. Das Völkerrecht sei eindeutig: Die Ukraine dabei zu unterstützen, ihr in der UN-Charta verbrieftes Recht zur Selbstverteidigung wahrzunehmen, «macht Deutschland nicht zu einer Konfliktpartei».»

                  Aus Ihrem Link.
                  Die Begründung ist nachvollziehbar, aber gilt oder galt die immer?
                  Da Russland teilweise auch zur europäischen Friedensordnung gehört, wären NATO Basen mit Raketen auf Russland gerichtet nicht auch eine Störung der europäischen Friedensordnung?
                  Das mit der «Konfliktpartei» ist ein lächerlicher ……na ja, lassen wirs. Wenn man Aufklärung, Beratung in NATO Einrichtungen usw betreibt ist man selbstverständlich Kriegspartei. Dagegen helfen nur noch juristische Winkelzüge und fragwürdige Auslegungen von Texten.

                  • Na ja, vorher hatte sie aber mit Bezug auf Europa gesagt: «wir führen einen Krieg gegen Russland und nicht gegeneinander».

                    Das war die Wahrheit. Das Dementi hinterher war die Rückkehr zur Lüge.

                    Natürlich führen wir (Deutschland im Besonderen und der Westen im Allgemeinen) gerade Krieg gegen Russland. Dass unsere Soldaten, bis auf Militärberater, hohe Militärs in Planungsstäben, Militärausbilder und die Lieferung von Aufklärungsergebnissen, nicht teilnehmen, ändert daran wenig.

                    Wir befinden uns formell nicht im Kriegszustand mit Russland, aber ukrainische Aktionen im russischen Kernland sind in dieser Situation ein echtes Problem, weil sie mit unseren Waffen und mit von uns ausgebildeten Kräften stattfinden.

                    Daran ändert auch der Umstand nichts, dass die Ukraine angegriffen wurde. Nicht wir wurden angegriffen und wir hatten auch keinen Beistandspakt. Von uns unterstützte Aktionen auf dem Territorium der Ukraine gehen an. Dazu kann man auch noch die Krim zählen. Was aber darüber hinaus geht, ist brandgefährlich. Deshalb gibt die Ukraine so etwas auch nie offen zu.

                    • «Na ja, vorher hatte sie aber mit Bezug auf Europa gesagt: «wir führen einen Krieg gegen Russland und nicht gegeneinander».

                      Das war die Wahrheit. Das Dementi hinterher war die Rückkehr zur Lüge.»
                      Das sehe ich wie Sie. Vielleicht haben wir uns mißverstanden.
                      Baerbock bezieht sich auf den Passus, Waffenlieferungen machen noch keine Kriegsbeteiligung aus. Allerdings sind wir schon einige Stufen weiter, da ja auch NATO Einrichtungen involviert sind. Und wenn es nur die Büros zur Besprechung der Lage sind. Es geht allerdings weiter mit Ausbildung, Aufklärung….Sie wissen was ich meine.
                      Daher sehe ich das Völkerrecht stark gebeugt um daraus noch eine Nichtbeteiligung herzuleiten.

                    • «Was aber darüber hinaus geht, ist brandgefährlich.»

                      Meinen Sie vom Standpunkt der Russen aus oder ist man dann auch vom Voelkerrecht her Kriegspartei?

                    • Vom Völkerrecht her begründet es keinen Kriegszustand zwischen der NATO und Russland. Es wäre für die russische Seite aber sicherlich ein Eskalationsgrund, wenn es in größerem Maßstab geschähe – und davon träumt die ukrainische Führung.

                      Am Ende ist es eben so, dass NATO-Panzer auf russischen Territorium oder NATO-Flugzeuge und NATO-Raketen (Storm shadow) im russischen Luftraum der russischen Bevölkerung als de-facto-Angriff der NATO auf Russland verkauft werden können.

                      Die russische Führung hat kein Interesse, gegen die NATO militärisch vorzugehen, aber eine Zerstörung von Dnjepr-Brücken, auch in Großstädten, würde ich in einem solchen Fall nicht ausschließen. Russland hätte die MIttel dazu, nur wären die Kollateralschäden bei Einsatz dieser Mittel gewaltig.

            • IMHO:
              ukraine kann nicht militärisch gewinnen, dennoch folgt sie (ihre führungselite) einen plan – einen regime change auszulösen – dem westen reicht schon russland maximal zu schwächen, aber die hoffnung ist auch putin weg zu haben, samt seiner clique (ohne dass schlimmeres nachkommt!).
              eine teilung russlands wäre ja der zuckerguss, dann wären aber die reparationszahlungen für ukr. gefährdet.
              die gefahr liegt zu zeit darin, dass ukr + westen nicht vom kriegspfad abweichen kann und dies wird sich in nächsten 6 monaten nicht ändern, da die russen sehr langsam vorgehen, meistens gar nicht, aber selbst nicht grossartig unter druck stehen – im inneren wohl auch nicht. ukraine kann druckfreie fronten ausdünnen/umschichten/rotieren – einen zusammenbruch kann es hier grad nicht geben.

              gab es nicht wg WK II das gerücht (hinterher – 70+), dass die usa so viel geld investiert haben, dass sie auf der alliertenseite eingreifen mussten, weil sonst ihr «investment» flöten gegangen wäre und ukraine macht jetzt das selbe ?

              • «gab es nicht wg WK II das gerücht (hinterher – 70+), dass die usa so viel geld investiert haben, dass sie auf der alliertenseite eingreifen mussten»

                Die USA wollten damals unbedingt eingreifen – eigentlich nur die Führungsschicht, nicht die Bevölkerung. Sie haben zu diesem Zweck die Erdölversorgung von Japan blockiert und gehofft, dass Japan so eine Dummheit wie Pearl Harbor macht. Ob die USA damals Vorwissen über Pearl Harbor hatten, ist nicht klar. Es gibt Indizien, aber keinen sicheren Beleg.

    • «Und wer sagt, wir arbeiten nicht mit Diktaturen zusammen?»

      Das folgende Zitat wird verschiedenen US-Politkern zugeschrieben und ist nicht sicher belegt, beschreibt aber die US-Außenpolitik recht gut: «He may be a bastard, but he’s our bastard.»

      • Ein ehrlicher Satz. Passt leider nicht zur Selbstdarstellung mancher Staaten. Aber er beschreibt sehr umfassend einen kräftigen Teil des politischen Geschehens.
        In der Bevölkerung ist er leider noch nicht in seiner ganzen Konsequenz erfasst worden. Vor allem, daß es kein Scherz ist sondern realer Teil der Politik.
        Die Guten gibt es nicht, man sieht sich aber gerne in dieser Position. Das überlagert dann auch schäbiges Verhalten.
        Hoffen wir mal, daß uns das nicht eine KI mal sagt. Sonst müßten wir sofort ins Programm eingreifen.

  66. «Selenskyj bezeichnet Scholz als «Verteidiger Europas»
    Endlich. Nach Papst sind wir nun die Verteidiger Europas, oder Scholz alleine. Kann sich jeder aussuchen.
    V. d. Leyen meint:
    «Sie kämpfen buchstäblich für Freiheit, Menschlichkeit und Frieden», sagte sie in Aachen. Sie sicherten mit ihrem Blut und ihrem Leben die Zukunft ihrer und auch unserer Kinder, so die deutsche Spitzenpolitikerin.»
    Nun, darüber werden sich mal die Historiker Gedanken machen. Sicher ist, die Kinder werden auch etwas dafür bezahlen müssen. Nicht nur finanziell.

        • Yo, da muss man schon hoellisch aufpassen, wenn man nicht gaenzlich unbekannt ist, was man in der Oeffenlichkeit sagt oder schreibt.

          «Der Deutsche Fußball-Bund hat nach einem despektierlichen Beitrag von DFB-Vizepräsident Hermann Winkler über den ukrainischen Staatschef Wolodymyr Selenskyj ein Gespräch angekündigt. Winkler hatte am Sonntag bei Instagram geschrieben: ‹Berlin heute Morgen. Dank Allgemeinverfügung auf Grund des Besuchs eines ehemaligen ukrainischen Schauspielers ist die City weitestgehend abgeriegelt, die Spree für Touristen teilweise gesperrt.’» tagesschau.de

              • Ein wenig Faschismus ist eben verzeihlich, wenn jemand die Außenpolitik der anderen EU- und NATO-Länder unterstützt.

                Alles andere wäre auch ausgesprochen unfair. Schließlich war ein wenig Faschismus in der Maidan-Bewegung ebenfalls verzeihlich.

                • Weshalb es so ist brauche ich Ihnen nicht zu erklären. Vielleicht tröstet es, daß man wohl mit ordentlicher Begründung von Doppelmoral und zweifelhaften Werten reden kann. Das Gegenteil hat noch keiner belegt.
                  Wie schnell man zu einer «Schere im Kopf» kommen kann, erleben wir gerade. Der Druck auf die Leute steigt, das richtige zu sagen, zu schreiben.
                  Vielleicht ein kleines bisschen DDR zum Anfassen. Ich hoffe, das war jetzt keine kulturelle Aneignung, oder falls gewünscht, cultural appropriation.

                    • Ich meine damit, dass Sie von Aneignung der DDR-Kultur bezüglich des Drucks «auf die Leute […], das richtige zu sagen, zu schreiben» ruhig reden können, solange Sie sich eine solche Haltung nicht zu eigen machen.

                    • Die Ausübung dieses Drucks sehe ich keineswegs als gerechtfertigt an. Es war nicht beabsichtigt, das als positive Verfahrensweise in der DDR darzustellen.
                      Zur DDR erlaube ich mir zwar eine Meinung, aber eben unter dem Vorbehalt, ich habe dort nicht gelebt.

                    • Beim Texten kann schnell ein falscher Eindruck entstehen, wenn man sich nicht persönlich kennt.
                      Habe später gedacht, sie beide könnten das auf sich beziehen. Daß Sie in der DDR gelebt haben, hatte ich beim Schreiben gar nicht im Kopf. Ich hätte bei «Westlern» das gleiche geschrieben.
                      Ungünstig formuliert, hätte wohl die West/Ost Befindlichkeiten mehr berücksichtigen sollen.
                      Scheinbar meinen Sie, ich hätte das mit Bezug auf sie beide geschrieben. Das ist nicht so.

                    • Alles gut! Ich und er (ganz sicher!) hatten das so verstanden, wie Sie das gemeint hatten. (Bei «kultureller Aneignung» musste ich sogar lachen.)

                    • Nee, wirklich, ich fand es auch lustig. Ich fand nur die «Aneignung» doppeldeutig, weil Sie sich ja gewiss nicht diese Art der Gesellschaftsorganisation wünschen.

                    • Das war absolut nicht so gemeint, daß ich mich über jemand lustig gemacht habe. Ich habe das als negative Entwicklung darstellen wollen und einen teilweisen Vergleich mit der DDR gezogen. Etwas humorig formuliert, aber ich habe das nicht auf irgendeinen ehemaligen DDR Bürger bezogen, sondern in Bezug auf die damaligen politischen Gepflogenheiten bzw die drohenden Repressalien.
                      Bin da anscheinend völlig falsch verstanden worden.

                    • Nee – machen Sie sich da bloss keine Gedanken. Ich habe das auch als Humor verstanden – und das eben war auch nur Spass.

                      Und Aehnlichkeiten zu damals, in Bezug auf, dass was man sagen darf und was nicht, gibt es sehr wohl.

                    • Ich habe das auch nicht falsch verstanden. Dazu kenne ich Sie schon zu gut.

                      Ich halte übrigens umgekehrt die Idee für unsinnig, «kulturelle Aneignung» sei etwas Böses. Wenn ich etwas aus einer anderen Kultur übernehme, mache ich dieser Kultur und ihren Trägern damit ein Kompliment. Nachäffen kann beleidigend sein, aber wenn Japaner europäische klassische Musik interpretieren, ist das gewiss keine Beldidigung der europäischen Kultur.

            • Wir haben seit einiger Zeit einen Trend, möglicht alle übertreffen zu wollen in Humanität, Gerechtigkeit, Hilfsbereitschaft usw.
              Vielleicht in diesem Fall auch etwas das schlechte Gewissen bezüglich 2.WK. Gegenüber Russland allerdings nicht, da hat die westliche Geschichtsdeutung funktioniert.
              Dieser Trend ist allerdings, nach meiner Meinung, nicht umfassend bei Allem und gegenüber Jedermann.
              Mal zu den Guten gehören, alles richtig machen, gelobt werden. Das ergibt einen Tunnelblick mit weitreichenden Verirrungen.
              Geld, Waffen, Preise….nun lobt uns doch endlich.
              Wird nicht funktionieren, sich die Anerkennung zu kaufen.
              Weil es funktioniert, wird man weiter mit dem schlechten Gewissen operieren, Deutschland als Bremser fördert die Niederlage und das Leid der Ukrainer.
              Jemen, Kurden usw gehen uns dagegen nichts an. Da verzichten wir gerne auf Lob und verlieren kaum ein Wort darüber.
              Dafür prangern wir jeden an, der auch nur KEINE Meinung hat. Das reicht schon für eine Ausgrenzung. Denn diese hat man zur Zeit zu haben. Die richtige natürlich.
              Eine ungute Entwicklung. Langsam sehen immer mehr an jeder Ecke einen Feind der bekämpft werden muß. Da reicht schon langsam ein nicht veganes Hühnerei zum Frühstück.

          • Einige Sätze aus der Presse:
            «Wie also soll man als DFB nun mit einem Mann umgehen, der die Werte des Verbands nicht vertritt?
            Es gibt Redebedarf und Winkler wird sich nicht damit herausreden können, dass es Meinungsfreiheit gibt. Er ist eben in seinem Tun nicht nur Einzelperson, sondern auch Vertreter eines Verbands, der sich im Krieg klar gegen Russland positioniert hat.
            Er posierte vor dem Sowjetischen Ehrenmal im Berlin-Treptow.
            Dazu hat der DFB ein Gespräch mit dem Funktionär angekündigt. Eigentlich kann danach nur eine Entscheidung stehen.»

            Mir geht es nicht darum, wie man zu Winkler steht. Ich moniere dabei, daß sich «der Sport» endlich entscheiden soll, ob er nun politisch ist oder nicht.
            «Die Werte des Verbandes», die waren sehr flexibel im Falle Katar, in manchen Diktaturen oder Staaten mit ausgeprägtem Rassismus.
            Beim sow. Ehrenmal wäre die Frage, ob das als besonders verwerflich zu sehen wäre, da die Bundesrepublik 2004 für 11 Millionen die ganze Ankage saniert hat. Insofern scheint es ja kein geächteter Ort zu sein. Außer man stellt den damals anerkannten Zweck nun in Frage.
            Vielleicht mehren sich auch jetzt die Stimmen, das Ganze abzureißen, wenn man den Fokus darauf lenkt.

            • Winkler hat auch als Verbandsfunktionär das Recht, auf einem privaten Twitter-Konto seine Meinung frei zu äußern. Das wäre nur dann probnlematisch, wenn er den Verband angreifen würde oder Sportler, für die er Mitverantwortung trägt (derartige problematische Äußerungen anderen Funktionäre werden aber komischerweise toleriert).

              Winklers Bemerkung mit dem ehemaligen Schauspieler mag nicht sonderlich geschmackvoll gewesen sein, aber wenn man dieses Kriterium anwenden wollte, hätte man kaum noch Personen, die als Amtsträger in Frage kommen.

  67. militaryland.net

    Nordwestlich von Bachmut ist es den ukrainischen Truppen gelungen, den Druck auf eine Versorgungslinie weiter zu verringern, indem sie russische Stelleungen gestürmt un eingenommen haben.

    Die Lage in Bachmut selbst allerdings sieht anders aus: «Die Wagner-Söldner drangen tief in das letzte von den Ukrainern kontrollierte Wohngebiet ein und teilten es de facto in zwei Hälften

    An anderen Frontabschnitten gibt es kaum Aktivitäten.

    Gegenwärtig sieht es aus meiner Sicht nicht danach aus, dass die ukrainische Seite auch nur annähernd in der Position wäre, die Wagner-Söldner in Bachmut einzuschließen. Bachmut ist nach wie vor eine Fronteinbuchtung in Richtung Osten. Es besteht allerdings auch nicht mehr die Gefahr, dass die russische Seite dort die restlichen ukrainischen Truppen einschließt.

    Meine Einschätzung ist, dass die ukrainische Seite hier versucht, mit begrenzten Offensivoperationen eine sichere Rückzugsmöglichkeit für die eigenen Truppen in Bachmut zu schaffen, die dort mittlerweile nur weniger als zwei Quadratkilometer im Osten der Stadt kontrollieren dürften.

    In der Folge wird wohl es bei Bachmut zu einer Frontbegradigung kommen, in der die russische Seite die Reste der Stadt kontrolliert. Mit einer weiteren russischen Offensive auf Sloviansk und Kramatorsk ist eher nicht zu rechnen.

    • «Meine Einschätzung ist, dass die ukrainische Seite hier versucht, mit begrenzten Offensivoperationen eine sichere Rückzugsmöglichkeit für die eigenen Truppen in Bachmut zu schaffen…»

      Danke fuer Ihre sachliche Analyse. Wenn man die MSM verfolgt, koennte man ja denken, die Russen haben fertig und der Krieg ist bald finito. Waere natuerlich besser, scheint aber leider nicht so zu sein.

      • Schwierigkeiten haben wohl alle, aber ich glaube kaum, daß wir am Ende der Spirale sind.
        Nach dem Interesse von 19 Staaten BRICS beizutreten, bahnt sich die nächste Konfrontation schon an. Man will auch über eine gemeinsame Währung und eigener Weltbank sprechen. Das sehe ich nicht als erfolgversprechend an, aber es werden sich neue Fronten bilden und der Westen dehnt seine Sanktionen evtl. weiter aus.

        https://finanzmarktwelt.de/brics-19-laender-wollen-beitreten-268634/

        • «Man will auch über eine gemeinsame Währung und eigener Weltbank sprechen. Das sehe ich nicht als erfolgversprechend an»

          Warum nicht? Wenn sich China und Indien einigen können (das grosse «Wenn»), wäre eine solche Weltbank und eine solche Währung nicht mehr so stark China-dominiert, dass es für die anderen Interessenten eine grosse Gefahr wäre.

          Es ist dann eine Interessenabwägung, ob man lieber bei den innenpolitisch instabilen und zu starker Dominanz neigenden USA bleibt, oder die Seiten wechselt. Es muss ja nicht gleich eine gemeinsame Währung sein, aber ein Währungskorb als Leitwährung mit Ankopplung wäre durchaus denkbar.

          • Nun, als Beispiel bin ich von der Eu und dem Euro ausgegangen. Da sehe ich in absehbarer Zeit noch zu große Hürden, alle unter einen Hut zu bekommen. Alleine die Gesamtorganisation ist in Kurzer Zeit nicht zu schaffen.
            Aber wie sie erwähnen, eine Stufe darunter ist durchaus denkbar auf dem Weg dahin.
            Nachdem der Westen übertrieben hat in seiner Hegemonie bzw seinem Gewinnstreben sehe ich durchaus Interesse bei nicht wenigen Staaten eine für sie bessere Organisation zu schaffen. Die teilweise Abkehr vom Dollar wäre für manche sicher ein Vorteil.
            Immerhin sind bei Brics und den interessierten Staaten einige der größten Nationen mit hohem ökonomischen Potential dabei. Das kann dem Westen nicht gefallen und man wird sich um Gegenmaßnahmen kümmern.
            Siehe die beginnenden Sanktionen gegen China. Auch andere könnten in Ungnade fallen. Das könnte sich aber auch kontraproduktiv auswirken.

  68. Das Institute for the Study of War verlinkt eine Behauptung eines russischen Milbloggers, die russische Seite habe in der Region Charkiw die Ortschaft Masjutowka auf der westlichen Seite des Flusses Oskil erobert und damit einen Brückenkopf geschaffen. Die Ortschaft befindet sich 13 Kilometer nordöstlich von Kupyansk, dem Hauptziel der ukrainischen Gegenoffensive im September 2022. Andere russische Milblogger bestätigen diese Meldung aber nicht und es gibt kein geolokalisiertes Bildmaterial.

    Der ukrainische Geheimdienst behauptet, die russische Seite habe an der Südfront eine Truppenstärke von 152’000.

  69. Die Niederlande und GB wollen sich nun dafür einsetzen, daß die Ukraine F16 Kampfjets bekommt. Die Ausbildung dafür ebenso.
    Flughäfen werden wohl verstärkt als Ziel ins Auge gefasst.
    Ausweg wäre, die Jets aus dem Ausland starten zu lassen. Wäre besonders kritisch zu sehen.

  70. CNN schreibt darüber, dass die russische Seite eines der zwei amerikanischen Patriot-Luftabwehrsysteme erfolgreich angegriffen hat. Das würde bedeutetn, dass die Radarstation lokalisiert werden konnte.

    Weder die ukranische noch die amerikanische Seite will das offiziell dementieren oder bestätigen. Es dürfte daher zutreffen. Der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats der USA, John Kirby, sagt, er könne es nicht bestätigen. Sollte jedoch ein Patriot-System so schwer beschädigt worden sein, dass es ausserhalb der Ukraine repariert werden müsse, würde man sicherlich helfen.

    • Das war auch mein Gedanke. Das dürfte auch von Rechts wegen nicht mehr gedeckt sein.
      Nachdem aber so manches eingetroffen ist, das vorher ausgeschlossen wurde, gehe ich mal keine Wette darauf ein.
      Ich gehe davon aus, die Jets werden im Ausland abgeholt. Was wäre, wenn westliche Piloten diese fliegen? So als Schutzschild bis sie in der Ukraine sind.
      Oder wenn entscheidende Flugplätze in der Ukraine funktionsunfähig wären.
      Dann käme es darauf an, wie weit man eskalieren möchte. Man hat sich ja verbal weit aus dem Fenster gelehnt, da ist ein Rückzug schwer.
      Gerade gelesen, das Patriot System wurde nur beschädigt, kann anscheinend aber im Land bleiben, laut US Regierungsvertretern auf die man sich bezieht.
      Afrikanische Staaten wollen nun versuchen zu vermitteln. Nachdem die neutralen Staaten nicht mehr zur Verfügung stehen wird es schwierig, kompetente Vermittler zu finden.
      Ein langer Krieg wird zwar Russland stark belasten oder wie man sagt, «ruinieren», aber ich glaube im Westen denkt man langsam daran das Ganze zu beschleunigen. Man fürchtet evtl. die beginnende Kriegsmüdigkeit, da andere Probleme immer mehr überlagern.

      • «Was wäre, wenn westliche Piloten diese fliegen? So als Schutzschild bis sie in der Ukraine sind.»

        Das wäre kein Schutzschild. Sobald die Jets im ukrainischen Luftraum sind, sind sie legitime Ziele, egal, woher der Pilot kommt.

        «Oder wenn entscheidende Flugplätze in der Ukraine funktionsunfähig wären.»

        Bisher kann die Ukraine Kampfflugzeuge starten und landen. Die russische Seite schiesst immer mal wieder eine der ukrainischen Su-25 (Erdkampfflugzeuge) ab, so wie auch die ukrainische Seite immer mal wieder russische Su-25 abschiesst.

        • Ich meine das in Bezug auf die Wirkung im westlichen Lager, wenn ein solcher Pilot zu Tode kommen würde. Aufgrund der entstehenden Stimmung wäre eine Eskalation fast schon ein muß.
          Um bestimmte Maßnahmen zu ergreifen muß jeweils ein plausibler Grund gefunden werden, um die Menschen hinter sich zu bekommen. Das gilt für beide Seiten. Ich rechne dabei aus Erfahrung auch mit vorgetäuschten oder provozierten Ereignissen. Eine gewisse Skrupellosigkeit würde ich mal beiden Seiten unterstellen.
          Das soll jetzt keine Verschwörungstheorie werden, sondern ich gehe von vergangenen Konflikten aus, den Vorgeschichten und der Manipulation der öffentlichen Meinung.

            • Glaube ich auch.
              Ich denke über ein Szenario nach, bei dem die Ukraine verlieren würde. Was macht der Westen? Nach Hause gehen?
              In diesem Falle bin ich gar nicht mehr so sicher, ob die Beteiligung auf dem jetzigen Niveau bleibt. Das muß natürlich nicht zum Äußersten gehen, aber es gibt ja noch diverse Vorstufen.
              Die Welt schaut ja auch noch auf die Bühne und bekommt mit was da stattfindet. Eine Niederlage des Westens kann er sich kaum leisten.
              Na, vielleicht findet man einen Rückzugsgrund. Das gilt auch für Russland.
              Schande, daß man es erst so weit laufen lassen will.

              • «Was macht der Westen?»

                Gute Frage!

                Der Westen kann unmoeglich das zulassen. Bevor dass so weit kommt, muessen die dann die Ukraine zwingen, einen schlechten Kompromiss zu machen (der immer noch wie ein Sieg aussieht). Und die Russen muessen das dann auch mitmachen.

                Aber was nicht sein kann, das nicht sein darf.

                  • Na ja, aus USA hörte man seit Jahren immer wieder mal: Wenn ein Krieg gegen Russland, dann in Europa. Die Europäer waren zu dämlich um das zu verstehen bzw zu kritisieren.
                    Nun, das wurde erreicht. Ebenso, daß sich Europa an den Kosten beteiligen. Auch günstig, die USA ist weit weg und wenn man will kann man ganz schnell nach Hause gehen. Auch durch Flüchtlingsbewegungen ist man nicht betroffen.
                    Sollte eine weitere bedeutende Eskalation stattfinden wird sie Europa betreffen, nicht das US Mutterland. Das kann man nur durch Kernwaffen bedrängen. Und diese würden höchstwahrscheinlich zuerst in Europa eingesetzt. Dies nur zu einem extremen Szenario das allerdings recht unwahrscheinlich ist.
                    Die NATO war gewarnt, man hat es einfach wissen wollen. Es gab keinen Grund die Ukraine in die NATO holen zu wollen. Außer eben dem Einen. Und die möglichen Konsequenzen waren so unklar nicht.

                    • «Sollte eine weitere bedeutende Eskalation stattfinden wird sie Europa betreffen, nicht das US Mutterland.»

                      Ich denke mal, die Fuehrungselite der USA weiss, dass es dann auch fuer sie nicht von Vorteil ist, wenn Europa in Truemmern liegt und verseucht ist.

                      Und ich hoffe, dass die schon einen Plan B in der Schublade haben, der jenseits von einem direkten Eingriff der NATO handelt. Bei Deutschland denke ich allerdings, die haben keinen Plan.

                    • Frankreich und Deutschland waren ja auch schon 2008 dagegen, die Ukraine in die NATO zu holen. Seit März 2014 hätte sich jeder vernünftige Mensch sagen müssen, dass es aus Gründen der Sicherheitsarchitektur sowieso nicht geht, solange die Ukraine Anspruch auf die Krim erhebt.

                      Aber westliche Spitzenpolitiker scheinen keine vernünftigen Menschen zu sein.

                    • @Nerazzurra

                      «Bei Deutschland denke ich allerdings, die haben keinen Plan.»

                      Das wärte in diesem komplizierten Fall auch erstaunlich. Die deutsche Regierung hat schon für einfachere Probleme keine realistischen Pläne.

                      Ich bin mir auch bei den USA nicht sicher. Mark Milley mag einen Plan B haben, aber ich bin nicht sicher, dass er nennenswerten Einfluss auf die Regierungspolitik hat.

                    • @izi

                      Also wenn hier vom «kollektiven Westen» niemand von den Entscheidungstraegern einen Plan im Fall einer (nicht ganz auszuschliessenden) ukrain. Niederlage hat, kann man nur hoffen, dass die Ukraine jetzt ganz schnell die Russen aus dem Land treibt und ansonsten die Haende von der Krim laesst.

                      OT: Wollte ich schon immer mal fragen: Wieso setzt man einen «Klammeraffen» vor den Namen, denn irgendwelche Vorteile habe ich da noch nicht entdeckt (im Vergleich zu, wenn man nur den Namen setzt – wie beim analogen Schreiben)?

                    • «Wieso setzt man einen «Klammeraffen» vor den Namen»

                      Der Klammeraffe bedeutet, dass ich mich auf einen Kommentar der Person beziehe.

                      «@Nerazzurra hat gesagt», bedeutet, dass Sie es in einem Kommentar unter diesem Blogbeitrag gesagt haben. Wenn ich mich mit dem User Hans Springstein aus der dFC während der Corona-Pandemie mal auf dem Zürcher Flughafen auf einen Kaffee getroffen habe und er mir da etwas gesagt hat, heisst es eigentlich «Hans Springstein hat gesagt». Die meisten Leute würden aber wohl auch dann @Hans Springstein schreiben. Dann zeigt der Klammeraffe nur an, dass es sich um ein Mitglied der Community handelt, die prinzipiell in diesem Blog oder Forum unterwegs ist.

                    • Aha, da weiss ich bescheid. Ist ja auch beim Freitag so ueblich. (Ist mir nur etwas umstaendlich. Vermeidung von zusaetzlicher Fingertaetigkeit, denn man wird ja nicht juenger.)

                  • Davon gehe ich auch aus.
                    An einem Atomkrieg hat keiner Interesse, auch Putin nicht.
                    Obwohl, das Argument…….ich will Menschenleben retten und den Krieg beenden, daher haben wir 2 Bomben auf….
                    Ach, das hatten wir schon. Mal was Neues.
                    Auf jeden Fall sollte man nicht bis eine Stufe davor eskalieren, aber es sieht so aus, als ob man das vorhat.
                    Die Aussage, wir verhandeln nicht, kann so nicht stehenbleiben. Das ist keine europäische Friedenspolitik. Man muß unbedingt die Kanäle offenhalten und sprechen, auch wenn es kurzfristig keinen Fortschritt gibt. Mit Russland käme man weiter, wenn man endlich rhetorisch abrüstet und Redewendungen wie «ruinieren», «kampfunfähig machen» usw unterläßt. Man kann damit anfangen, über die Interessen Russlands zu reden. Das wäre ein Einstieg.
                    Verhandeln bedeutet nicht, daß die Forderungen einer Partei am Ende zu 100% umgesetzt werden. Das weiß jeder, der in Verhandlungen geht. Insofern ist das kein Argument, nicht verhandeln zu wollen.
                    Die Scharfmacher müssen beiseite geschoben werden. Leider ist kein Egon Bahr in Sicht, dieser wäre wohl alle paar Wochen nach Moskau gereist um Möglichkeiten auszuloten.
                    Wir stehen beim Personal nackt da und passende Persönlichkeiten werden frühzeitig weggebissen. Bei Staaten ist es gerade auch so. Denkt man nicht daran, daß die Schweiz gebraucht werden könnte? Der Druck auf die Schweiz und deren Entscheidung hat sie herausgenommen aus möglichen Szenarien. Alleine schon der Bedarf an neutralen Verhandlungsorten hätte diese Entscheidung verhindern müssen.
                    Wenn man die ganze Welt in Blöcke zieht bleibt keiner übrig der eine vermittelnde Position einnehmen könnte.

        • Wenn er meint. Bedenken sollte er, auch der Gegner kann eskalieren und rote Linien überschreiten.
          So kommt man keinen Schritt weiter, außer man geht davon aus, auf jeden Fall zu siegen. Die Frage wird sein, wie hoch ist der Preis und will man ihn bezahlen.

    • Tagesschau.de schreibt:

      «Ein *Patriot*-Raketensystem in der Ukraine ist laut US-Regierungsvertretern wahrscheinlich durch einen russischen Angriff beschädigt worden.»

      und

      «Die ukrainischen Streitkräfte haben nach eigenen Angaben alle 18 Raketen abgeschossen, die Russland in der Nacht bei einem Angriff abgefeuert hat.»

      Finde den Fehler.

  71. Das Institute for the Study of War berichtet weiter von nur lokalen und begrenzten Kampfhandlungen. In Bachmut selbst rückt die russische Seite weiterhin langsam vor. Im Umfeld von Bachmut ist sie nach den ukrainischen Gebietsgewinnen der letzen Tage zu Gegenangriffen übergegangen, die aber (bisher) nicht erfolgreich sind.

    • Ich sehe das Symbol Bachmut eigentlich als gefallen an. Man wird ein Neues brauchen und zwar schnell. Denn nur Erfolge stützen die weitere Hilfe aus dem Ausland. Man wird es mit mehr Waffen versuchen und die Ukraine wird risikobereiter werden müssen.
      Die Äußerungen westlicher Politiker, sie unbedingt und schnell in die NATO und EU aufzunehmen erzeugen unnötigen Druck und man wird wohl später wieder Ausreden suchen müssen. Denn z.Z. ist das nicht vorstellbar.
      Man hat langsam keine Vorstellung mehr davon, wie der Krieg beendet werden kann. Aber es war absehbar, daß man in diese aussichtslos erscheinende Situation kommt und die Verantwortungslosigkeit der Politik ist beklemmend.

  72. Biden gerade in Hiroshima.
    Eine Entschuldigung bezüglich der Atombombenabwürfe ist nicht geplant. Wäre eigentlich angebracht, wenigstens eine Relativierung der Einsatzgründe könnte man ins Auge fassen.
    Immerhin gab es andere Optionen, aber auch wenn nicht – angesichts der toten Zivilisten könnte man sein Bedauern nach der langen Zeit ausdrücken.

  73. Die USA haben ihre Erlaubnis erteilt: F-16 Ausbildung für ukrainische Piloten.
    Damit dürfte eine Lieferung von F-16 Kampfjets indirekt beschlossen sein.
    Die Ausbildung findet in Europa statt. Vielleicht um US Gebiet «rein» zu halten. Nach dem Motto, die Europäer waren’s. Clever.
    Interessiert die Öffentlichkeit wohl kaum, man gewöhnt sich an immer weitere Schritte.
    Nun auch neue Sanktionen. Wußte nicht, daß man noch welche finden könnte . Was es nützen soll ist nicht so klar.
    Ein ukrainischer Kommandeur meint, die Lage in Bachmut ist unter Kontrolle. Nennt man wohl Realitätsverlust.
    Es ist mit hoher Wahrscheinlichkeit damit zu rechnen, daß der Krieg auch dieses Jahr nicht endet. Die Lage im Westen wird sich dadurch auch nicht entspannen. Hunderte Milliarden für Rüstung werden aufgebracht werden und an anderer Stelle fehlen.

  74. «In Verlauf des Kriegs ereigneten sich immer wieder Unfälle, bei denen russische Propagandistinnen und Propagandisten ums Leben kamen. Zu den bekanntesten Fällen gehört der tödliche Anschlag auf die Tochter eines kremlnahen Ideologen. Der ukrainische Militärgeheimdienst bekannte sich nun öffentlich zu zahlreichen Angriffen.»

    War anzunehmen, aber daß die Meldung jetzt kommt hat doch sicher einen Grund.
    Ich nehme mal an, man will Durchsetzungsfähigkeit demonstrieren , da die Frühlingsoffensive bisher ausblieb. Erfolg hat ja einen direkten Einfluß auf die Waffen- und Geldlieferungen. Der Westen riskiert nur dann viel und bezahlt, wenn die Erfolgsaussichten nicht geschmälert werden.
    Der Westen ist durch verschiedene internationale Verschiebungen in einer Zwangslage, gewinnen zu müssen. Nicht ohne eigene Schuld ist man in diese Einbahnstraße eingebogen. Denn was wäre, wenn der Westen in welcher Form auch immer verliert?
    Man hat sich schon zu sehr auf den Sieg festgelegt, um davon abzuweichen.
    Die F-16 kommt ja auch nach der Salamitaktik.
    Was genau geplant ist wissen wir natürlich nicht, aber in diesem Sinne kommt bestimmt noch viel mehr auf uns zu.

    • «Der ukrainische Militärgeheimdienst bekannte sich nun öffentlich zu zahlreichen Angriffen.»

      Woher stammt diese Information? Es handelt sich dabei um Verbrechen. Das ist vom internationalen Kriegsrecht nicht gedeckt.

        • Hier ist ein Artikel über das Original-Interview mit dem Chef des ukrainischen Militärgeheimdienstes, Kyrylo Budanov, aus der Kyiv Post (auf Englisch).

          Er sagte, in dem Original-Interview (ukrainische Sprache), unter anderem über Kreml-Propagandisten:

          “Abschaum wird irgendwann in jedem Land der Welt bestraft werden. Nur die Beseitigung kann eine wohlverdiente Strafe für solche Taten sein.

          Alles andere kommt für mich nicht in Frage. Es ist meine persönliche Meinung, ich bleibe dabei, und ich werde sie umsetzen.”

          Ein ausgesprochen faschistischer Duktus, würde ich sagen.

          Das Original-Interview ist betitelt mit:

          «BUDANOW: Putin ist ein legitimes Ziel, Angriffe auf den Kreml, Prigozhins Einfluss, Liquidierung von Kriegsverbrechern»

            • Ja, galoppierender Schwachsinn.
              Egal woher, solche Leute dürften gar nicht erst in der Politik Fuß fassen.
              Hat schon etwas Pubertäres, dürfte in diesen Positionen nicht geduldet werden. Verantwortung liegt da aber auch beim Bürger, schon frühzeitig einen Aufstieg in gewisse Positionen zu blockieren. Das fängt schon im Privaten an.

            • Ich würde die russische Seite in keiner Weise verteidigen und Kadyrow ist ja nicht nur verbal ein ganz schlimmer Finger.

              Es ist nur eben so, dass unsere Journalisten und Politiker das bei Russland und Kadyrow wissen und auch laut sagen, es aber bei Budanov und der Ukraine nicht wissen wollen und dazu schweigen.

        • Ja, stimmt. Mein Text stammt vom Merkur, gleicher Inhalt.
          Wäre für den Westen allerdings kein Kriegsverbrechen, da es ja in Russland war. Sonst müßte man ja beide Seiten anklagen. Und wir stehen nie auf Seiten von Kriegsverbrechern.
          Aber im Ernst, ein Krieg ist schwer kontrollierbar, Kriegsverbrechen sind eher üblich als die Ausnahme. Manchmal staatlich organisiert, manchmal lokal durch kleine Einheiten oder Einzelpersonen. Das hat man vollumfänglich nicht mehr im Griff.
          Durchweg «saubere» Kriege sind eine Illusion. Daher ist ja auch die Vermeidung so ungemein wichtig.

          • Es gibt keinen sauberen Krieg. Dass allerdings ein staatlicher Akteur zugibt, Attentate auf Propagandisten der Gegenseite und auf den Staatschef der Gegenseite zu verüben, ist immer noch eine Grenzüberschreitung.

            Wenn der russische Geheimdienst im Ausland Anschläge auf ehemalige Geheimdienstmitarbeiter oder auf (militante) Dissidenten verübt, gilt uns das als Verbrechen.

            Man stelle sich vor, Baschar al Assad hätte einen Anschlag auf den US-Präsidenten verüben lassen oder auf einen CNN-Journalisten oder auf den Kopf einer strategischen Denkfabrik in den USA. Die USA haben mit ihrer Luftwaffe einen Angriffskrieg gegen Syrien geführt. Wo wäre der Unterschied?

            • Ihr Beispiel macht es deutlich. Aber die Bezeichnung USA läßt ein Beispiel sofort aus der Bewertung fallen, wenn sie im Text vorkommt. Ein Beispiel ist dann nicht mehr legitim, da die USA nicht mit anderen Ländern verglichen werden kann. Das freieste Land der Welt ist der Garant für unsere Freiheit und Kritik kann nur von Gegnern der Freiheit kommen.
              Daß die Ukraine solche Anschläge einräumt hat wohl mit der Position zu tun, in der sie sich jetzt befindet.
              Der Präsident ist der Held der freien Welt. Die Ukraine die Speerspitze aller demokratischen Länder, Kämpfer gegen das absolut Böse.
              Man kämpft gegen einen Gegner der die ganze Welt bedroht, viele Länder liefern und zahlen, riskieren zuhause eine Menge Schaden um hinter der Ukraine zu stehen. Der Wert eines ukrainischen Sieges wurde im Westen als Absolutum gesetzt, das auch nicht unterboten werden darf.
              Man ist sich sehr sicher, kann sich einiges erlauben. Der Westen kann kaum etwas kritisieren ohne sich selbst zu schwächen. Man will Stärke demonstrieren, die Unterstützung rechtfertigen.
              Gut, auch Größenwahn kommt schleichend.

  75. im DLF gabs morgens die meldung @20.5. : G7 fordert als friedensgrundlage rückzug der russen auf die grenzen von 2014… ich finde aber eine verschriftung dieser meldung nicht, als podcast hab ichs noch, u.U. ist es eine pr-sache, dennoch – warum ist g7 nun so mutig?

    also angenommen ich hab nicht ge-alp-träumt – es ist ein schritt in den abgrund des nicht-verhandeln-wollens, aber dies heisst g7/westen weisst, dass RU nicht mehr viel zu bieten hat.

    ergo – russ. militär ist am ende – was ich nicht verstehe, wenn die RU mit grossen oder teuren oder leicht-abfangbaren flugkörpern die rückwärtige ukraine bombt, also alles abseits der kontaktlinie.

    • «die rückwärtige ukraine bombt, also alles abseits der kontaktlinie»

      Sowiet die Information reicht, geht es in Kiew hauptsächlich um Angriffe gegen die ukrainische Luftverteidigung. In der Westukraine ist wohl in mindestens einem Fall ein grosses Material- und Munitionslager (stark) getroffen worden, das unzureichend gegen Luftangriffe verteidigt war.

  76. strategie der RUS.Armee ist mir nicht nachvollziehbar bei bakhmut – die zuführungsstrassen sind auf hunderten von metern unzerstört – seit dez22 und bis heute – auf den videos dieser abschnitte sieht man zerstörte fahrzeuge der AFU (meistens westmaterial), aber die strassen sind ok – in der winter-/frühjahr- verregneten zeit hätten sie – IMHO – bombardiert werden können – dies ist nicht passiert… klar gibt es eine erklärung – alles einzelkämpfergruppen ohne gesamtstrategie – passt—

    oder sie laden die ukras in den fleischwolf von bakhmut – beides ist glaubhaft…. ideen?

    • Ich könnte mir 2 Varianten vorstellen.
      Man will den Rückzug der Gegner nicht blockieren. Man will die Straßen selbst noch nutzen.
      Ob der Westen bezüglich der Möglichkeiten Russlands einen Zusammenbruch vermutet ist schwer zu sagen. Zumindest würde man nicht F16 liefern wollen, wenn man vermutet, die jetzigen Waffenlieferungen würden ausreichen.
      Es ist vielleicht auch eine Strategie, der Westbevölkerung die beschlossenen Maßnahmen scheibchenweise zu servieren, um Widerstand durch Gewöhnung zu verhindern.
      Aber wir wissen ja, trommeln gehört zum Handwerk und im Krieg kann man wenig als bare Münze nehmen.

  77. militaryland.net

    Nördlich von Kupyansk:

    «Russische Truppen sind in Masjutiwka eingedrungen. Die Siedlung mit drei Häusern ist nun umkämpft.»

    Das Dorf liegt noch östlich des Flusses Oskil, der dort allerdings recht schmal ist.

    Bachmut

    «Die Wagner-Söldner erreichten wahrscheinlich die Vulytsya Yuvileyna-Straße im westlichen Bakhmut.»

    «Zum Zeitpunkt des Verfassens dieser Zusammenfassung gibt es keine visuellen Beweise dafür, dass der Feind den verbleibenden Teil von West-Bachmut erobert hat, wie in den russischen sozialen Medien behauptet wird.»

  78. Die Trümmer abgeschossener Drohnen und Raketen scheinen erheblichen Schaden anrichten zu können. Das war mir als ehemaligem Offizier der Truppenluftabwehr nie so bewusst. Ich dachte immer, Abschiessen hilft weitgehend.

  79. Die ukrainischen Truppen ziehen sich aus Bachmut zurück. Ich vermute, nun wird es etwas größere Vorstöße Russlands geben. Daher vielleicht auch die ausgeweiteten Waffenlieferungen.
    Politik und Presse werden nun umschwenken und Bachmut eine gerunge militärische Bedeutung zumessen.

    Der G7 Gipfel:
    «Die G7-Länder boten Peking letztlich Zusammenarbeit etwa beim Klimaschutz und «stabile Beziehungen» an, warnten die stark aufrüstende Volksrepublik aber vor «Aktivitäten zur Militarisierung» im asiatisch-pazifischen Raum »

    Nun ja, nach den westlichen Aktivitäten verbietet es sich eigentlich von Militarisierung zu reden. Da liegt man weit vorn.
    Weltweite Ausgaben 2100 Milliarden Dollar im Jahr 22.
    USA 800 Milliarden.
    Es ist abzusehen, daß die Rüstungsausgaben manche Staaten überfordern und es verstärkt soziale Probleme geben wird. Auf diesem Gebiet werden traditionell gerne Einsparungen vorgenommen.
    Das könnte wiederum Kriegsgründe befördern. Aber auch politische Verwerfungen.
    In Deutschland wäre das eine Zunahme der Stimmen für die AFD, die ja nicht nur rechte Strömungen sammelt sondern auch als Protestmagnet fungiert.
    In USA fordern die Republikaner Einschnitte im Sozialbereich mit dem Druckmittel Schuldenobergrenze.
    Das wird in einigen Ländern nicht anders aussehen, denn irgend woher müssen ja die Gelder kommen. Auch bei Schulden wären die Zinslasten erhöht.
    Gut, daß Habek noch ein Heizungsgesetz kreiert, damit die Ausgaben nicht so einseitig ausfallen.
    Meine Wohnung steht eh zur Disposition, dann kommts darauf auch nicht mehr an.

    • «Politik und Presse werden nun umschwenken und Bachmut eine gerunge militärische Bedeutung zumessen.»

      Noch dementiert die ukrain. Seite, aber Putin hat bereits gratuliert. Da wird es wohl diesmal stimmen. Unsere Presse haelt sich auch noch zurueck, nach den grossen Gelaendegewinnen der Ukrainer rund um Bachmut der letzten Tage und vermuteter Einkesselung der Russen.

      Stimmt schon, die Ukraine wird sagen, dass das nie eine strategische Bedeutung hatte und das Ziel erreicht wurde – naeml. zig Tausende russ. Kaempfer zu binden und zu eliminieren.

      Na mal sehen, was der Ukraine-freundliche Blogger von militaryland.net schreibt.

        • Kam ja schnell.
          Nach dem Streit ums Spielzeug und dem Verlust sagt man einfach: Ich wollte es ja gar nicht haben.
          Hm, erwachsene Menschen die das Wort Glaubwürdigkeit nicht kennen.
          Wenn Bachmut strategisch nicht bedeutend war, muß man auch die Frage beantworten, wieso man soviele Menschen dafür verheizt und ob die Verantwortlichen noch ganz bei Sinnen sind.
          Das wirft eben Zweifel an der moralischen Verantwortung der militärischen Führung auf, ebenso an der Kompetenz.
          Stehen wir hinter Leuten, die für unbedeutende Ziele sinnlos Menschen opfern? Sind das die europäischen Werte, die die Ukraine verkörpert?
          Man kann auch sagen: Die kochen alle nur mit Wasser und der Heroismus scheint langsam lächerlich zu erscheinen.
          Die nächste Ortschaft als Symbol aufbauen geht in absehbarer Zeit nicht mehr.
          Man muß argumentativ etwas umschwenken.
          Bedrohung der ganzen Welt, europäische Friedensordnung, Nahrungsmittel als Waffe bleiben ja noch.